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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Das Münchner Auktionshaus Neumeister konnte sein Frühjahrsangebot an alter Kunst und Antiquitäten gut absetzen

Die starken Seiten einer Frau



Ein wahres Schmuckstück ist diese Frau: jung, attraktiv, mit stahlblauen Augen, zart und selbstbewusst zugleich, gut gekleidet überdies und mit einem ornamentalen Amulett an einer siebenreihigen Halskette verziert. Der federgeschmückte Hut sitzt ihr keck auf dem hochdrapierten Haar, im Busen steckt verführerisch ein kleiner roséfarbener Blumenstrauß, den Arm hat sie energisch in die Hüfte gestemmt, die zur Seite gewendete Miene aber verrät nachdenkliche Ernsthaftigkeit. Diese Frau hat das Zeug zum Star, möchte man meinen, eine Schauspielerin in einer ihrer Rollen als starke, charaktervolle Persönlichkeit. Sie ist aber nur ein „Dirndl“, anonym gelassen durch ihren Maler, den 1903 in Salzburg geborenen und 1981 in Rottach-Egern gestorbenen Paul Mathias Padua. Besonders auffällig: Er hüllte sein Modell in einen wesenlosen Goldgrund, gleich einer mittelalterlichen Heiligenikone. Für Padua, dessen Arbeiten nicht immer auf der Höhe der Zeit waren, auch qualitativ nicht immer gleichermaßen überzeugen und der Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis nahe stehen, ist dieses 1934 entstandene Portrait ein unbestreitbares Meisterwerk. Das Münchner Auktionshaus Neumeister hat es in seiner Versteigerung alter Kunst für maßvolle 8.000 bis 10.000 Euro angeboten – und voll ins Schwarze getroffen: 60.000 Euro bezahlte eine im Saal anwesende süddeutschen Sammlerin schließlich für das auf Hartfaser gemalte Bild und stellte damit für Padua einen neuen Auktionsrekord auf.


Gemälde Neuerer Meister

Nach einigen schwächeren Runden zog das Interesse bei Neumeister am 30. März wieder an. Zwar gehörte die Auktion in der Geschichte des Hauses nicht zu den spektakulärsten, brachte aber mit einer losbezogenen Zuschlagsquote von 59 Prozent, respektive knapp 68 Prozent mit dem Nachverkauf, und zahlreichen, heftig bebotenen Objekten ein erfreuliches Gesamtergebnis. Wo man sich aber zuviel erhofft hatte, blieben die Gebote aus wie bei Oswald Achenbachs „Amalfi – Am Aufgang zum Convento dei Cappuccini“ von 1883 (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR). Viele kleine Preise aber, vor allem bei den neueren Meistern, wurden dann plötzlich ganz groß: Die 4.000 bis 5.000 Euro für Anton Einsles repräsentatives Bildnis des streng dreinschauenden, die Arme vor der Brust verschränkten Erzherzogs Carl von Österreich, datiert 1845, die durch privates Gebot gegen die Albertina auf 28.000 Euro sprangen, oder die 6.000 bis 7.000 Euro für Johannes Bartholomäus Duntzes fast fotografisch klaren „Blick auf Schloss Chillon am Genfersee“ von 1863/64, die sich auf 16.000 Euro mehr als verdoppelten.

Landschaften der bekannten deutschen Malerschulen waren ohnehin recht gefragt, wie Johann Adam Kleins biedermeierlicher Hirte mit Rindern auf dem Weg zur Tränke von 1837 für 18.000 Euro (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR) und Johann Bernhard Klombecks blätterreicher Eichenwald aus dem Jahr 1861 für 13.000 Euro eindrucksvoll belegten (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Auch der Düsseldorfer Maler Julius Rollmann reüssierte mit seiner wolkigen, 1856 datierten Ansicht vom Wendelstein bei 6.000 Euro (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR), ebenso wie der Münchner Kollege Michael Lueger mit seinem stillen Kochelsee samt Herzogstand und Heimgarten von 1859 bei 8.000 Euro (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Albrecht Adams Darstellung der Ratlosigkeit zweier bayerischer Chevaulegers vor ihrem verletzten Schimmel schloss mit 16.000 Euro gut ab (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). In der kleinen Ikonenabteilung rührte sich der Bietereifer bei einer Taufe Christi im Jordan. Die in Russland um 1700 gemalte und recht gut erhaltene Tafel sprang auf 14.000 Euro (Taxe 600 bis 700 EUR). Ihr folgte bei angemessenen 11.000 Euro eine faltbare russische Reiseikonostase mit zahlreichen kleinen Heiligendarstellungen und -szenen aus dem 18ten oder 19ten Jahrhundert.

Gemälde Alter Meister

Das Hauptlos der Auktion verbarg sich bei den Alten Meistern: ein motivreiches, mit Austern, Silberpokal, Brathähnchen, Zuckerwerk und anderen kulinarischen oder optischen Köstlichkeiten gut bestücktes Stillleben aus der flämischen Schule der ersten Hälfte des 17ten Jahrhunderts. David Ryckaert II. und seinen Umkreis hat das Auktionshaus als möglichen Schöpfer vorgeschlagen. Gleichgültig aber, von wem es stammt, die Qualität allein überzeugte: 110.000 Euro ließ ein Kunsthändler für dieses auf Holz gemalte Prachtstück springen. Die Schätzung hatte bei nur 15.000 bis 18.000 Euro gelegen. Eine weitere Überraschung bot gleichfalls ein Stillleben, diesmal mutmaßlich italienischer Herkunft aus dem 18ten Jahrhundert: Die üppig mit allerlei Früchten bestückte Leinwand schoss von mageren 1.200 bis 1.500 Euro durch Gebote aus Italien auf sage und schreibe 30.000 Euro. 16.000 Euro erreichte eine Darstellung Christi und der Ehebrecherin inmitten der zweifelnden Philister aus dem Umkreis des venezianischen Renaissancemalers Rocco Marconi (Taxe 6.000 bis 6.500 EUR). Eine Landschaft mit turbulentem Viehmarkt vielleicht von Peeter van Bredael schloss taxgerecht bei 10.000 Euro ab, leicht darüber bei 9.000 Euro eine Flusslandschaft mit rastenden Bauern im warmen Abendlicht von Jacob van Strij.

Arbeiten auf Papier

Bei den Papierarbeiten ging es erwartungsgemäß etwas ruhiger zu. Größere Aufmerksamkeit erfuhr lediglich eine Ansicht von Gmunden am Traunsee mit Blick auf die Kurzmühle – kein Wunder, stammt das 1830 datierte Aquarell doch aus der Hand Rudolf von Alts. Bei 20.000 Euro fiel der Hammer (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Auf 7.500 Euro verdoppelte sich der Wert einer winterlichen Hochgebirgslandschaft von dem für solche dramatischen Naturszenerien bewährten Wahlmünchner Edward Theodore Compton. Landschaftliches hatte auch Alfred Haushofer zu bieten, wobei vor allem seine Gouache „Chiemseeufer im Vorfrühling“ ihrer zarten Farbigkeit wegen beeindruckte und von 600 bis 800 Euro auf 4.000 Euro kletterte. Bei Carl Spitzweg war es der 1839 fein gezeichnete Webergarten in Mühldorf, für den die Käufer 1.200 Euro spendierten (Taxe 500 bis 600 EUR). Für Johann Baptist Hirschmanns qualitätvolle Pastellbildnisse des Eichstätter Arztes Blasius Meier und seiner Gattin Maria aus den Jahren 1816/17 hätte man sich mehr als die in etwa veranschlagten 700 Euro gewünscht.

Kunsthandwerk

Aus dem Kunsthandwerk fand vor allem die reiche Auswahl an Keramik und Porzellan guten Absatz. Niedrige Schätzungen wie jeweils 1.000 bis 1.200 Euro für eine Creußener Schraubkruke von 1651, die sich auf 4.200 Euro verbesserte, oder einen ebenfalls aus dem oberfränkischen Städtchen stammenden Apostelkrug von 1684 für letztlich 6.000 Euro boten hier zahlreiche Anreize. Ein Künersberger Enghalskrug aus dem 18ten Jahrhundert mit einer südlichen Architekturlandschaft in Blaudekor ging für 4.000 Euro weg (Taxe 1.200 bis 1.400 EUR). Hochgesteigert wurde auch eine urbinatische Platte um 1570 mit einer über die Meere schippernden Galatea. Ihre untere Schätzung verdoppelte sich auf 8.000 Euro. Beim Glas liefen die Drähte dann richtig heiß: Ein sächsischer Deckelpokal mit fein geschnittenem Hamburger Stadtwappen, angesetzt auf 800 bis 1.000 Euro, fand vor allem im deutschen Norden besonderen Anklang, wanderte aber schließlich für nicht weniger als 38.000 Euro in den internationalen Kunsthandel.

Später waren es dann zwei wohl Florentiner Pietra-Dura-Platten der Barockzeit mit einer Stadtansicht respektive zwei Vögeln im Schatten einer Tazza, die mit 8.500 Euro und 5.000 Euro bedeutende Steigerungen erlebten (Taxen zwischen 600 und 1.200 EUR), sowie eine weiße Tara aus dem sino-tibetischen Raum für 20.000 Euro (Taxe 4.400 bis 4.800 EUR). Manche alte Uhren weckten ebenfalls die Kauflaune, so etwa eine schlichte süddeutsche Türmchenuhr, die schließlich 16.000 Euro einspielte (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). Begehrt war zudem eine Horizontaltischuhr des Salzburger Meisters Mathias Rumel aus der ersten Hälfte des 18ten Jahrhunderts. Auch sie vervierfachte ihre Erwartungen auf 12.000 Euro.

Bei den mitteleuropäischen Skulpturen blieb das Hauptstück, eine kraftvoll gearbeitete Anna Selbdritt aus dem Salzburger oder Tiroler Raum des beginnenden 16ten Jahrhunderts, bei 22.000 bis 25.000 Euro unveräußert. Bemerkenswert dagegen der Andrang bei den Möbeln: Mit Leichtigkeit errangen die mitunter recht schwergängigen Schränke und Kommoden bei Neumeister hohe Ergebnisse: Eine italienische Schreibkommode mit Vitrinenaufsatz des Rokoko mit einer aparten Mischung aus chinoisen Golddekorationen auf grünem Grund schaffte 26.000 Euro (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR), eine in ähnlicher Weise gearbeitete Schreibkommode 11.000 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), und für 15.500 Euro ging wechselte eine französische Kommode des mittleren 18ten Jahrhunderts den Besitzer, deren Schätzpreis von 3.500 bis 3.800 Euro der Qualität des Stücks und seiner adeligen Provenienz indes von vornherein nicht gerecht geworden wäre.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



07.04.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Schreibkommode mit Vitrinenaufsatz, wohl Venetien, 18. Jahrhundert

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Taxe: 15.000 - 18.000 EURO

Zuschlag: 26.000,- EURO

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Rudolf von Alt, Gmunden am Traunsee, 1830

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David Ryckaert II, Flämischer Meister, Stillleben, 1. Hälfte 17. Jahrhundert

David Ryckaert II, Flämischer Meister, Stillleben, 1. Hälfte 17. Jahrhundert

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Albrecht Adam, Zwei bayerische Chevaulegers bei einem verletzten Schimmel, 1846

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