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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Irene Lehr in Berlin

Erholung von Berlin



Von Karl Hofer stammt diesmal das Hauptlos, das zwar nicht immer, aber doch in schöner Regelmäßigkeit den Auktionen moderner und zeitgenössischer Kunst von Irene Lehr in Berlin die Krone aufsetzt. 60.000 Euro soll das „Ruhende Mädchen“ kosten, das Hofer Mitte der 1920er Jahre, auf der Höhe seines reifen Werkes, auf die mittelgroße Leinwand bannte. Unverwechselbar sind die kräftigen Konturen und die hart gegeneinandergesetzten monochromen Farbflächen, die dem Werk etwas Holzschnittartiges geben. Dennoch ist das weitgehend unbekleidete Mädchen, das dort wie eine Puppe auf der Couch liegt und den Betrachter mit tiefen schwarzen Augen fixiert, von innerem Leben beseelt, freilich geheimnisvoll, unergründlich. In den 1970er Jahren wurde das Gemälde, das jetzt aus einer Berliner Privatsammlung angeboten wird, zweimal in Berliner Galerien ausgestellt.


Karl Hofer stellt am 7. Mai zudem noch die schöne Zeichnung einer ruhigen Landschaft mit gestaffelten Häusern aus Agnuzzo im Tessin für 4.000 Euro zur Verfügung. Mit rund 680 Werken bietet Irene Lehr einmal mehr einen Querschnitt durch die Kunst aus dem späten 19ten und gesamten 20ten Jahrhundert insbesondere in Deutschland. Die ältesten Werke sind Friedrich Kallmorgens wirklichkeitsfrohes holländisches Genrebild „Der Raucher“ aus dem Jahr 1889 (Taxe 8.000 EUR) oder Jules Duprés recht dunkle paysage intime „Chaumière au bord du ruisseau“ aus den 1870er Jahren (Taxe 4.000 EUR). Auf der Schwelle zur Moderne steht eine grafische Arbeit von Emil Nolde: Seine Radierung „Freiligrath-Haus in Soest“ aus dem Jahr 1906 markiert auch im Werk des Künstlers eine Schnittstelle zwischen den Zeiten (Taxe 4.000 EUR).

Impressionistischer Malweise und Themen folgen im jungen 20sten Jahrhundert noch Walter Oesterhelds mondäne Szene aus einem Berliner Nachtlokal um 1904 (Taxe 300 EUR), Paul Kutschas verrauchte „Abendstimmung am Hamburger Hafen“ um 1900 (Taxe 1.000 EUR), Konrad von Kardorffs ebenfalls von Wasser bestimmter Blick auf den „Quai in Sluis“ von 1912 (Taxe 2.500 EUR) oder Julius Fürsts sonniger Tag mit einem arbeitenden Sämann von 1915 (Taxe 300 EUR). Hans Michaelsons hellbunte „Stadtansicht mit Brücke“ von 1912 erinnert an den Neoimpressionismus (Taxe 8.000 EUR), und auch die zwei Mädchenakte des Ungarn István Szönyi scheinen trotz ihrer Entstehung Ende der 1910er Jahre dem 19ten Jahrhundert entsprungen (Taxe 8.000 EUR).

Stets einer der wichtigsten Aspekte der Lehr-Auktionen ist die Zeit im Umfeld von Erstem und Zweitem Weltkrieg. Ganz nur auf Unbekanntes wird auch hier nicht gesetzt, wie etwa mehrere Arbeiten von Hermann Max Pechstein beweisen, darunter das Tuschpinselaquarell „Stillleben mit afrikanischer Figur, Teekanne und Pfeife“ von 1912 für 10.000 Euro und die kraftvolle Gouache- und Aquarellmalerei „Arabische Festung bei Collioure“ in Südfrankreich von 1931 für 18.000 Euro. Auch Franz Heckendorf mit seinem „Havelblick bei Sonnenuntergang“ von 1925 (Taxe 6.000 EUR), Bruno Krauskopf mit seinem regungslosen Fensterstillleben aus den 1920er Jahren (Taxe 5.000 EUR) oder Paul Kleinschmidt, dessen resolut wirkende „Zwei Damen an der Bar“ von 1943 keinen Zweifel an der Autorschaft ihres Schöpfers lassen (Taxe 8.000 EUR), haben sich Plätze zumindest in der zweiten Reihe erobert.

Doch wer kennt heute Künstler wie Kate Diehn-Bitt oder Karl Krug? Dabei vertritt gerade letzterer eine höchst bemerkenswerte Position: Zwar basiert sein Schaffen auf natürlichen Gegebenheiten, diese scheinen jedoch gleichsam nur Vorwand gewesen zu sein, um abstrakte Ideen umzusetzen. Seine für nur 2.000 Euro und 1.000 Euro angebotenen Ölbilder „Kornfeld“ und „Felder unter hohem Himmel“ aus den 1920er und 1930er Jahren, beide in fast monochrome, dabei pastos aufgetragene Farben gehüllt, nehmen auf diese Weise Prinzipien der Farbfeldmalerei vorweg. Ein klassischer Holzschnitt des Expressionismus ist Hubert Rüthers aquarelliertes Blatt „Am Meer“: kraftvoll die Zeichnung, zackig die Konturen, im Einklang mit der Natur die unbekleideten Badenden (Taxe 1.500 EUR). Dem schließt sich 1921 Hans Orlowski mit seinem ebenfalls vollgültigen, kolorierten Blatt „Paar im Zimmer“ an (Taxe 400 EUR).

Wie ein stummer Aufschrei vor der kommenden Katastrophe wirkt dann Kate Diehn-Bitts „Mutter mit Kind“ um 1936, die wie Puppen unter Bäumen sitzen und den Blicken des Betrachters schutzlos ausgeliefert sind (Taxe 6.000 EUR). Teils recht günstige Entdeckungen versprechen zusätzlich Bruno Breils neusachliches wie anmutiges „Bildnis eines Mädchens“ (Taxe 600 EUR), Else Hertzers etwas aus den Fugen geratene Welt „Auf dem Jahrmarkt“ von 1918 (Taxe 1.200 EUR), Walter Tancks der Materie enthobenes Rosenstillleben von 1919 (Taxe 500 EUR), Margarete Willers’ weitaus dinghafteres „Stillleben mit Anemonenstrauß“ von 1913 (Taxe 1.500 EUR) oder Julius Wichmanns dunkel schwermütige Primaballerina mit Rosenstrauß nach der Vorstellung von 1939 (Taxe 1.400 EUR).

Charakteristisch für das Schaffen vieler ehemaliger Expressionisten während der Zeit des Nationalsozialismus ist Max Kaus’ „Saarlandschaft“ aus dem Jahr 1943: Um sich den unerfreulichen Umständen in Berlin wenigstens zeitweise entziehen zu können, nahm er den von Freunden vermittelten Auftrag gerne an, Landschaften an Mosel und Saar zu malen (Taxe 10.000 EUR). Auch Lea Grundig hatte es als bekennende Kommunistin unter den Nazis schwer. Für ihre gesellschaftskritische Kunst steht etwa die Kohlezeichnung der verhärmten „Frau Ahnert“ aus dem Jahr 1931 (Taxe 3.500 EUR). Nach dem Zweiten Weltkrieg lieferten sich die Künstler Westdeutschlands einen Wettstreit um die Vorherrschaft von abstrakter oder gegenständlicher Malerei. Letzterer gehört eindeutig Bele Bachems dreifiguriges Portraitinterieur „Familie Ebert (Dichter, Musiker, große Mutter)“ mit Hang zum Expressionismus der 1920er Jahre an. Im Entstehungsjahr 1959 wurde es bereits auf der Großen Kunstausstellung in München präsentiert (Taxe 4.000 EUR).

Auch Robert Michael Bells „Mohnblumenstrauß vor Landschaft“ aus dem Jahr 1949 hat sich der Figuration verschrieben. Daher scheint das mit 400 Euro bewertete Ölbild auf den ersten Blick recht bieder und brav, changiert aber doch auf bemerkenswert uneindeutige Weise zwischen Neuer Sachlichkeit und Surrealismus. In Albert Wigands Spätwerk „Sedanfassade“ um 1960 scheint die ganze Räumlichkeit zwar in die Fläche gekippt, doch sind die einzelnen Bestandteile der Häuserfronten noch ohne Schwierigkeit noch zu erkennen (Taxe 8.000 EUR). Mit unerbittlicher Realistik hielt Curt Querner 1946 einen „Ofen in der Gefangenenbaracke im Lager Rouen“ fest (Taxe 5.000 EUR), und auch sein Aquarell „Diebels Gut bei Tauwetter“ von 1968 macht keinen sehr viel freundlicheren Eindruck (Taxe 7.000 EUR).

Auf der anderen Seite stehen Leute wie Eduard Bargheer, dessen „Heller Morgen“ von 1964 nur mehr rudimentär an Landschaftliches erinnert (Taxe 5.000 EUR), oder Karl Fred Dahmen mit seinen kompromisslos Infragestellungen klassischer Kunstbegriffe durch abstrakte Farb- und Materialmassierungen wie 1959 in der „Collage 59“ (Taxe 5.000 EUR). Auch Otto Greis ist zu nennen, neben Karl Otto Götz, Heinz Kreutz und Bernard Schultze Angehöriger der informellen Künstlergruppe „Quadriga“, dessen Werke sich freilich schon im Titel, „Oktober II“ von 1956 zum Beispiel, in geheimnisvolle Aura hüllen (Taxe 8.000 EUR). Informelles gibt es zudem mit Fathwinters mosaikartiger „Kalligraphischer Kristallation“ von 1953 (Taxe 3.000 EUR), Albert Hahns an schwebende Urtierchen erinnernde titellose Komposition von 1963 (Taxe 300 EUR) oder Alfred Reths Materialbild „Paysage fleuri“ von 1964 (Taxe 750 EUR). Eine vermittelnde Stellung nehmen die Werke HAP Grieshabers ein. Selten genug inmitten der Masse an Grafiken, kommt diesmal auch ein in Aquarell, Gouache und Pastell geschaffenes Unikat unter dem Titel „Pfau“ um 1960 für 7.500 Euro zum Aufruf.

Ein häufiger Maler aus der Reihe der älteren DDR-Künstler bei Lehr ist Albert Ebert. Seine Werke zeichnen sich durch ungewöhnliche Motive und eine einfach wirkende, naiv-ungekünstelte Malweise aus, wie sie auch sein „Lampionumzug“ aus dem Jahr 1960 vertritt (Taxe 15.000 EUR). Von Gerhard Altenbourg, als Vertreter der offiziellen DDR-Kunst nur sehr eingeschränkt zu zitieren, eher ein Außenseiter mit Hang zu mal kuriosen, mal auch verstörenden Absonderlichkeiten, gelangt wieder eine Reihe Arbeiten zum Aufruf. Daraus ragen die abstrakte Farbzeichnung „Verbindungen“ aus dem Jahr 1951 (Taxe 10.000 EUR) und die 1969 entstandene Grafikmappe „Über dem Strom ein Gezweig“ mit künstlerischen Interpretationen von Gedichten Johannes Bobrowskis für 8.000 Euro besonders heraus.

Einen eigenen Reiz besitzen die gegenständlichen Malereien Theodor Rosenhauers. Auf den ersten Blick wie Werke des Impressionismus wirkend, besitzen sein „Stillleben mit ungarischem Instrument“ von 1962 und die „Frau am Strand“ von 1963 doch einen ganz eigenen, zupackenden und zugleich verweigernden Zugriff auf die Wirklichkeit, wie ihn gleichzeitig und später Bernhard Heisig pflegte (Taxen je 15.000 EUR). Auch Willi Sittes lagernder Frauenakt von 1964 zeigt sich in einem undefinierbaren Raum, der die in sich Ruhende ganz auf sich selbst verweist und ihr keinen äußeren Halt zubilligt (Taxe 8.000 EUR). Der 1980 aus der DDR ausgewanderte A.R. Penck entschied 1993 eine Ausschreibung der Deutschen Bank für eine Wandplastik für sich, in deren Zusammenhang wohl auch die zusammen mit dem Bildhauer Frank Breidenbruch entstandene Relief „Stargarder 18 (Figuren und Zeichen)“ gehört. Bei der vergangenen Auktion konnte Lehr ein Fragment dieses offenbar ziemlich großen Werkes für 15.000 Euro verkaufen, für einen weiteren Ausschnitt sollen es jetzt mindestens 8.000 Euro sein. Aus dem Schaffen des jungen Neo Rauch kommt die noch recht abstrakte Mischtechnik „Frauenfigur im Raum“ aus dem Jahr 1989 bei 15.000 Euro zum Aufruf.

Wenn auch nicht allzu reich, so treten bei Lehr doch einige Künstler unserer Zeit aus dem Ausland auf. Der Spanier Eduardo Arroyo stellt die in Mischtechnik ausgeführte Gelegenheitsarbeit „Paravent aux chats“ aus dem Jahr 1989 zur Verfügung, die humorvoll Abstraktes mit Pop Art verbindet (Taxe 4.000 EUR). Sein älterer und berühmterer Landsmann Eduardo Chillida ist mit der großformatigen Aquatintaradierung „Nitaz (Über mich)“ aus dem Jahr 1975 für 18.000 Euro vertreten. Und das spanische Trio macht Antoni Tàpies mit seiner 62 Lithografien umfassenden Mappe „Cartes per a la Teresa“ aus dem Jahr 1974 für 12.000 Euro voll. Doch bleiben solche Offerten ebenso selten wie skulpturale Arbeiten: etwa Fritz Cremers in der Nachfolge Ernst Barlachs stehende Bronze „Sorgende Frau“ von 1948 (Taxe 5.500 EUR), Jiri Hilmars serielle Lochreihung „Obsah 003/771“ von 1971 (Taxe 8.000 EUR), Michael Croissants abstrahierter „Kopf“ von 1990 (Taxe 8.000 EUR) und Erich Fritz Reuters strukturiertes Bronzerelief „Anadolu VII“ von 1968 (Taxe 4.500 EUR).

Die Auktion beginnt am 7. Mai um 13 Uhr im Hotel Excelsior in Berlin. Die Vorbesichtigung läuft vom 29. April bis zum 5. Mai täglich von 12 bis 19 Uhr in den Räumen des Auktionshauses. Der Online-Katalog unter www.lehr-kunstauktionen.de bildet alle Objekte ab.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



26.04.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Wiedererweckung der Vergessenen

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Friedrich Kallmorgen, Der Raucher, 1889
Friedrich Kallmorgen, Der Raucher, 1889







Friedrich Kallmorgen, Der Raucher, 1889

Friedrich Kallmorgen, Der Raucher, 1889

Taxe: 8.000,- EURO

Zuschlag: 7.000,- EURO

Losnummer: 275




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