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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die moderne und zeitgenössische Kunst schlug sich bei Irene Lehr in Berlin erneut ansehnlich

Wiedererweckung der Vergessenen



Von der 34. Auktion bei Irene Lehr in Berlin am 7. Mai gibt es wieder fast ausschließlich Erfolge zu vermelden: Eine Zuschlagsquote von 81 Prozent nach Anzahl der Lose, kaum ein Toplos unverkauft und eine Reihe beachtlicher Preissteigerungen – schier alles hat gepasst. Mit einem Nettogesamtbetrag von mehr als 1,04 Millionen Euro konnte auch wieder deutlich mehr umgesetzt werden als bei den letzten Auktionen. Hauptwerk war Karl Hofers Mitte der 1920er Jahre zu datierendes Ölbild eines melancholisch „Ruhenden Mädchens“, das seine Schätzung von 60.000 Euro mit einem Ergebnis von 75.000 Euro deutlich überstieg. Auch den zweiten Platz besetzte ein Werk aus dem fortgeschrittenen Schaffen eines expressionistischen Vorkämpfers: Hermann Max Pechsteins kraftvoll aquarellierte und gouachierte Ansicht der arabischen Festung bei Collioure in Südfrankreich aus dem Jahr 1931 konnte seinen Wert auf 36.000 Euro sogar verdoppeln. Pechsteins 1912 mit Tusche gezeichnetes Stillleben samt afrikanischer Figur, Teekanne und Pfeife, allein motivisch ein Paradebeispiel für die Kernzeit des Expressionismus, fand bei 10.000 Euro allerdings keinen Abnehmer.


Beinahe mehr als die ohnehin teuer gehandelten Arbeiten der gängigen Größen beeindruckten die Wettkämpfe, die um die Werke von weniger bekannten oder auch vergessenen Künstlern entbrannten. Zu letzteren dürfte wohl Kate Diehn-Bitt gehören, eine Künstlerin, deren hoffnungsvolle Karriere durch die Nazizeit ein vorzeitiges Ende fand. Ihr ebenso anmutiges wie zerbrechliches Bildnis einer Mutter mit ihrem Kind unter Bäumen am See, entstanden in schwerer Zeit um 1936, verdreifachte seine Schätzung auf 18.000 Euro. Eine sonnige Stadtansicht des norddeutschen Neoimpressionisten Hans Michaelson aus der Zeit um 1912, dem Jahr des Beginns seiner regelmäßigen Teilnahme an der „Juryfreien Kunstschau Berlin“ und den Ausstellungen der Secession, kletterte von 8.000 Euro auf 15.500 Euro. Den größten Sprung vollführte Max Hermann Maxys kubistisch anmutendes „Stillleben mit Zelluloidpuppe und Bügeleisen“ aus dem Jahr 1926. Das wohl schon unter dem Einfluss der Pariser Szene stehende Werk erzielte statt der veranschlagten 3.000 Euro einen Hammerpreis 22.000 Euro.

Das Angebot von Irene Lehr erstreckte sich wie gewöhnlich in ganzer Bandbreite auf die Kunst vom ausgehenden 19ten Jahrhundert bis heute mit gewissen Schwerpunkten auf Zwischenkriegszeit, DDR-Kunst oder Neorealismus der späteren Bundesrepublik. Die Nachfrage nach den interessanten Positionen zwischen den beiden Weltkriegen war wie bisher auch am größten. Es besteht aus künstlerischen Qualitätsgründen kein Anlass zu Zweifeln, dass etwa Willi Geigers Aufnahme aus einer spanischen Küstenstadt mit Brunnen im Vordergrund von 1925 für 6.500 Euro (Taxe 3.000 EUR), Franz Heckendorfs stimmungsvoller „Havelblick bei Sonnenuntergang“ von 1925 für taxgerechte 6.000 Euro oder auch die beiden fast farbfeldmalereiartigen Kornfelder Karl Krugs von 1927 und 1932 für 4.200 Euro und 2.700 Euro ihr Geld nicht wert sein könnten (Taxen 2.000 und 1.000 EUR).

Gute Ergebnisse gab es zudem für Bruno Breils neusachliches wie anmutiges „Bildnis eines Mädchens“ und Harry Deierlings leuchtendes Aquarell „Das einsame Haus“ von 1921 mit jeweils 2.400 Euro (Taxen 600 und 1.000 EUR) oder Hubert Rüthers kraftvoller aquarellierter Holzschnitt „Am Meer“ mit 1.900 Euro (Taxe 1.500 EUR). Die Reihe der Entdeckungen wurde mit Julius Wichmanns dunkel schwermütiger Primaballerina mit Rosenstrauß von 1939 bei 3.000 Euro (Taxe 1.400 EUR), Margarete Willers’ „Stillleben mit Anemonenstrauß“ von 1913 bei 1.700 Euro (Taxe 1.500 EUR), Paul Kutschas verrauchte „Abendstimmung am Hamburger Hafen“ um 1900 bei 1.300 Euro (Taxe 1.000 EUR) oder Willy Robert Huths Pastellzeichnung einer dichten Straßenszene bei 2.200 Euro weiter gewürdigt (Taxe 600 EUR).

Bekannteren Künstlern fallen die hohen Preise freilich von vornherein weniger schwer: Albert Birkles kleinformatige Ölskizze in die Ärmlichkeit „Berliner Hinterhäuser“ 1923 schaffte locker 8.000 Euro (Taxe 5.000 EUR), und Paul Kleinschmidts „Zwei Damen an der Bar“ auf einem Aquarell von 1943 erreichten 9.000 Euro (Taxe 8.000 EUR). Otto Freundlichs Holzschnitt einer abstrakt-kosmischen Komposition von 1921 bewährte sich bei 1.600 Euro (Taxe 1.000 EUR), Klaus Fußmanns ruhiges „Tischstillleben“ in Braun von 1976 bei 6.500 Euro (Taxe 6.000 EUR). Mit 10.000 Euro etwas anspruchsvoll war dagegen Max Kaus’ 1943 als Auftragswerk entstandene „Saarlandschaft“ bewertet. Sie ging schon für 8.500 Euro weg.

In der Nachkriegszeit schlossen die Künstler beidseitig der innerdeutschen Grenze zum Teil nahtlos an ihre einstigen, durch den Nationalsozialismus verschütteten, aber nicht zerstörten Wurzeln wieder an. In der DDR entwickelte sich hieraus eine bedeutende Tradition der gegenständlichen Malerei, für die Theodor Rosenhauer beispielhaft steht. Sein Stillleben mit ungarischem Saiteninstrument von 1962 brachte es auf 16.000 Euro, seine ein Jahr darauf beobachtete „Frau am Strand“ ließ sich sogar erst bei 25.000 Euro bitten (Taxen je 15.000 EUR). Und gab es auch höchst eigenständige Künstler, die sich nicht dem Diktat des sozialistischen Realismus zu beugen gedachten. Der unverwechselbarste von ihnen ist wohl Gerhard Altenbourg, dessen Kunst besonders herauszustellen, zu den besonderen Anliegen Irene Lehrs gehört. Mit der Versteigerung seiner mikrostrukturellen Mischtechnik „Verbindungen“, mit der Entstehung 1951 ein besonders frühes Werk des Künstlers, für 16.000 Euro (Taxe 10.000 EUR) und der sechzehn Grafiken umfassenden Mappe „Über dem Strom ein Gezweig“ nach Texten von Johannes Bobrowski für 17.000 Euro ist diesem Bedürfnis hinreichend Rechnung getragen worden (Taxe 8.000 EUR). Hermann Glöckner gehört ebenfalls zu den bevorzugten Gäste von Lehr-Auktionen, wenngleich mehr als 7.500 Euro für ein Mappe mit zehn abstrakten formspielerischen Handdrucken aus den Jahren 1963/71 diesmal nicht drin waren (Taxe 6.000 EUR).

Ein Pendant im westdeutschen Raum lässt sich in Rudolf Dischinger ausmachen, der ebenfalls zu einer geometrisch gefassten Abstraktion neigt. Seine zackige Farbfeldverzahnung von 1959 kam auf 1.200 Euro (Taxe 750 EUR). Gut schnitt auch die informelle Kunst ab. So brachte Wilhelm Imkamps „Goldenes Tor“, eine durch schwarze Linien konturierte Farbspielerei von 1965, 4.400 Euro ein (Taxe 3.000 EUR). Fred Thieler war mit zwei seiner informellen, ungestümen Farbmischungen um 1960 zugegen und sich mit 5.600 Euro und 5.200 Euro ebenfalls gewinnbringend (Taxe 4.500 EUR). Otto Greis folgte ihm mit der lichten Malerei „Souffle du nacre (Irisierender Wind)“ von 1973 bei 4.200 Euro (Taxe 4.000 EUR), während sein kräftiger und ungewöhnlicher „Oktober II“ von 1956 bei 8.000 Euro unbeachtet liegen blieb.

Von HAP Grieshaber gab es neben einer Reihe gängiger Grafiken auch einen in Aquarell, Gouache und Pastell gemalten „Pfau“ um 1960 für 8.000 Euro (Taxe 7.500 EUR). Horst Janssen enttäuschte dagegen etwas: Seine expressive Farbzeichnung „Tagebuch“ aus dem späten Jahr 1988 wechselte bereits um 7.000 Euro den Besitzer (Taxe 10.000 EUR). Eine tüchtige Erweiterung des Kunstbegriffs vollzog Otto Piene seit den 1950er Jahren. Aus seinen Experimenten mit neuen Techniken als Grundlage der Kunstausübung entstanden zahllose Feuerbilder, von denen zwei annähernd gleich große, dunkelrot leuchtende Exemplare aus dem Jahr 1966 für 9.500 Euro und 10.000 Euro weitervermittelt werden konnten (Taxen je 4.000 EUR). Ein Künstlerkollege bei ZERO war Oskar Holweck, der sein bevorzugtes Material in Papier fand, das er durch Zerreißen, Pressen, Falten und Zerschneiden zu filigranen Strukturen verarbeitete, wie 1982 bei seinem nun 3.400 Euro teueren Reißrelief „4 III 82/2“ (Taxe 2.500 EUR). Bei der ausländischen Kunst reüssierte die zarte Bunt- und Bleistiftzeichnung einer Hafenbarkasse in Venedig von Zoran Music aus dem Jahr 1980 für 3.000 Euro (Taxe 1.800 EUR), während Eduardo Chillidas großformatige Aquatintaradierung „Nitaz (Über mich)“ aus dem Jahr 1975 bei 18.000 Euro verschmäht wurde.

Unter den jüngeren Künstlern ragten zwei besonders hervor. Der eine von ihnen, Neo Rauch, ist dem deutschen Kunstmarkt ein wohlvertrauter, und insofern ist nicht verwunderlich, dass einer weniger bedeutenden Arbeit wie der Mischtechnik „Frau im Raum“ von 1989 nicht die größte Aufmerksamkeit zuteil wurde. Schon bei 13.000 Euro endeten die Gebote (Taxe 15.000 EUR). Werke des anderen sind hierzulande dagegen seltener zu haben: Simon Raab, geboren 1952 im französischen Toulouse, lebt heute in Kalifornien, wo er Traditionslinien der Pop Art und des Informel zu einer eigenständigen Bildsprache verschmolz. Eines seiner bunten, reliefartigen Gemälde mittleren Formats, „Titanic-Mêlée – Aqueous beginning and ending“ von 2007, gelangte jetzt für 8.000 Euro zum Aufruf, wurde jedoch bis auf 21.000 Euro gesteigert.

Teuerste Plastik der Auktion wurde bei 14.500 Euro Hans Uhlmanns goldbraun patinierte Bronze „Stehende“ von 1947, einem Zeitpunkt, zu dem der Berliner Künstler kurzzeitig wieder Figuratives in sein Werk aufnahm (Taxe 9.000 EUR). Die nur ein Jahr jüngere „Sorgende Frau“ Fritz Cremers, ebenfalls figurativ in der Nachfolge Ernst Barlachs, ging für 8.400 Euro über die Bühne (Taxe 5.500 EUR). Ein abstrahierter Bronze-„Kopf“ des gebürtigen Pfälzers Michael Croissant aus dem Jahr 1990 musste sich dagegen mit 7.400 Euro bescheiden (Taxe 8.000 EUR). Getulio Alvianis „Superficie a testura vibratile“ aus den 1970er Jahren steht, in der großen Tradition der italienischen Postfaschismusmoderne, auf der Schwelle zwischen Malerei und Plastik. Das Spiegelobjekt wurde mit 8.000 Euro ebenfalls hoch beboten (Taxe 2.500 EUR). Eng an die Op-Art und geometrische Abstraktion schließt sich Jiri Hilmars „Obsah 003/771“ von 1971 für 9.500 Euro an, auch dies ein Werk, das mit seinen gefalteten, kreisförmig ausgestanzten und schwarz hinterfangenen Kartonelementen das Bild in den Raum ausdehnt (Taxe 8.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



17.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Paul Kutscha, Abendstimmung am Hamburger Hafen, um 1900
Paul Kutscha, Abendstimmung am Hamburger Hafen, um 1900







Paul Kutscha, Abendstimmung am Hamburger Hafen, um 1900

Paul Kutscha, Abendstimmung am Hamburger Hafen, um 1900

Taxe: 1.000,- EURO

Zuschlag: 1.300,- EURO

Losnummer: 329




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