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Am 21.06.2019 Auktion 126: Moderne und zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne Kunst bei Lempertz in Köln

Tänzer mit Schwips



Zum zweiten Mal nun hat das Kölner Auktionshaus Lempertz seine Versteigerung moderner Kunst in zwei Teile gegliedert. Zunächst kommen am Abend des 31. Mai knapp vierzig ausgewählte Werke zum Aufruf, bevor im Anschluss daran knapp zweihundert überwiegend günstiger taxierte Losnummern unter die Leute gebracht werden sollen. Das Hauptwerk kommt aus dem deutschen Expressionismus: Es ist Emil Noldes mittelgroßes Ölbild „Kirchenfiguren II (Mann und Frau)“ aus dem Jahr 1913. Als Vorlage für die beiden streng aufragenden, den Betrachter fixierenden Standbilder dienten dem Künstler die Figuren eines Apostels und einer Königstochter im ehemaligen Kieler Völkerkundemuseum Tharow, heute im Schloss Gottorf in Schleswig zu sehen. Ihre mittelalterliche Erscheinung kam einem Interesse an örtlich und zeitlich fernen Welten zugute, das nicht nur bei Nolde, sondern auch bei zahlreichen seiner expressionistischen Kollegen wie Kirchner, Pechstein oder Schmidt-Rottluff ausgeprägt war. Noldes Gemälde, einst Teil der berühmten Sammlung Bernhard Sprengel in Hannover und jetzt aus einer rheinischen Privatsammlung eingeliefert, ist ein hervorragendes Beispiel dieser auch experimentell arbeitenden Kunst. Es wird für 550.000 bis 650.000 Euro angeboten.


Die ausgewählten Werke bieten eine bunte Mischung von Kunst aus ganz Europa vom späten 19ten bis etwa zur Mitte des 20sten Jahrhunderts. Den ersten großen Block stellen die Maler des deutschen Impressionismus, Männer, die sich noch in der Tradition des genialisch-idealen Künstlers sahen, der es mit seiner Kunst auch im bürgerlichen Leben zu Ansehen bringen konnte. Max Slevogts kleines, aber kraftvolles Selbstbildnis von 1903 im Halbprofil ist beredtes Beispiel für diese Selbstsicht (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR), und als Beispiel für seinen Erfolg kann Lempertz das Ölbild „Heide und Bäume“ von 1910 anbringen, das einst Hanna Krüger, Oberin des Caecilienstifts in Berlin-Charlottenburg, gehört hat. Diese wurde von Slevogt auch im Portrait festgehalten, doch dieses soll im Krieg verbrannt sein (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Ein anderer erfolgreicher Maler war bekanntlich Max Liebermann, der auch im fortgeschrittenen Alter auf einen festen Stamm an Interessenten bauen konnte. Sein Spätstil unterscheidet sich daher kaum von seinen früheren Werken, wie auch sein Blick auf die „Große Seestraße im Wannsee mit Spaziergängern“ aus dem Jahr 1921 dokumentiert (Taxe 130.000 bis 150.000 EUR). Ganz anders dagegen Lovis Corinth: Sein Spätwerk bringt gegenüber den früheren Arbeiten thematisch wie stilistisch etwas neues. In seinem Stillleben mit „Amaryllis, Flieder und Anemonen“ von 1920 etwa ist die Formauflösung schon so weit gediehen, dass es zur völligen Abstraktion nur noch ein kleiner Schritt wäre (Taxe 400.000 bis 500.000 EUR).

Der deutsche Expressionismus tritt in einer recht großen Bandbreite auf. Neben „Klassischem“ wie eben Emil Noldes „Kirchenfiguren“ oder seinem strahlenden Aquarell „Segler im rot-gelben Abendmeer“ von 1946 für 120.000 bis 140.000 Euro gibt es auch Arbeiten etwas außerhalb der Dresdner, Berliner oder Münchner Pfade. Paula Modersohn-Beckers „Armenhäuslerin im Garten sitzend“ zum Beispiel, im Todesjahr der jungen Künstlerin 1907 entstanden, schon in bedeutenden Galerien wie Alfred Flechtheim, Ernst Beyeler und Alex Vömel gehandelt und nun für 100.000 bis 120.000 Euro aus einer Schweizer Privatsammlung eingeliefert. Bereits dem Spätwerk Gabriele Münters gehört eine „Landstraße mit gelbem Haus“ an. Das kleine Ölbild entstand 1949 vermutlich bei Murnau und mit starkem Rückbezug auf ihr Schaffen vor dem Ersten Weltkrieg (Taxe 110.000 bis 130.000 EUR). Auch von Karl Schmidt-Rottluff steht ein Spätwerk zur Verfügung: Die „Fackellilie“, ein Stillleben von 1956, das sich seit 1963 in einer hessischen Privatsammlung befindet und nun um 120.000 bis 130.000 Euro versteigert werden soll.

Auch von ausländischen Künstlern gibt es einige bedeutende Arbeiten. Der Schweizer Expressionist Louis Soutter ist durch eine seiner späten Figurenkompositionen unter dem Titel „Fakiristes“ für 80.000 bis 100.000 Euro vertreten. Freunde Salvador Dalís werden sich vielleicht über die Mischzeichnung „Industrial life – prémonition de la guerre civile“ von 1937 freuen. Im Januar des Folgejahres erschien eine farbige Fassung der Zeichnung auf dem Titel der Sonntagsbeilage der „American Weekly“ in New York – mit eindeutigem politischen Anliegen, wütete doch gerade in Spanien einer der blutigsten Bürgerkriege des 20sten Jahrhunderts in Europa (Taxe 150.000 bis 180.000 EUR). Der Bulgare Jules Pascin war zu seiner Zeit so bekannt und geschätzt, das anlässlich seiner Beerdigung 1930 in Paris alle Galerien dort ihre Pforten geschlossen hielten. Heute ist er fast vergessen, doch seine souveräne Darstellungskunst äußert sich auch an einem kleineren Gelegenheitswerk wie dem männlichen „Modèle italien“ 1923 eindrucksvoll (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Von zwei Papierarbeiten Marc Chagalls ist vor allem die gouachierte Tuschpinselzeichnung „Sujet biblique (Roi David)“ zu nennen, 1955 als eines von zahllosen Produkten einer jahrzehntelangen Beschäftigung mit religiösen Stoffen entstanden (Taxe 130.000 bis 140.000 EUR).

Einen weiteren großen Block bildet die konstruktivistische und konkrete Kunst. Vor allem eine unbetitelte Gouache Alexander Rodtschenkos von 1917 mit verschiedenen im Raum schwebenden Formen (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und Walter Dexels „MO 1925 I“ mit einer strengen Komposition rechteckiger monochromer Farbflächen verdienen hier erhöhte Aufmerksamkeit (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR). Bei Arthur Segals „Straße auf Helgoland I“ aus dem Jahr 1924 sind die Grenzen zur Gegenständlichkeit noch fließend: Die Fluchtpunktperspektive an den Häusern einer Straße vorbei ist noch erkennbar. Einbezogen in die ansonsten stark geometrisierte Gestaltung ist auch der Rahmen (Taxe 100.000 bis 120.000 EUR). Ähnlich vermittelnd zwischen Landschaft und Abstraktion steht Lyonel Feiningers Manhattan-Impression „Pulu’s Easter Egg“ von 1952, also eine Art Osterpräsent, worauf auch das kleine Format hindeutet (Taxe 160.000 bis 170.000 EUR).

Das originellste Stück der Auktion stellt übrigens die Skulptur in Form von Kurt Schwitters’ „Dancer“ aus dem Jahr 1943: Aus dem Gleichgewicht geraten, offensichtlich leicht beschwipst versucht das zweibeinige Wesen mit den knollenartig endenden Fingern und der roten Spitze, den Halt wiederzuerlangen. Einen Knochen, vielleicht aber auch nur eine Baumwurzel hat der Künstler als Grundträger für das rund achtzig Zentimeter hohe Werk gewählt und ihn mit Gips ummantelt. Unverkennbar ist auch hier, in diesem späten, in keineswegs glücklichen Zeiten entstandenen Werk der Hang des Künstlers zum Dadaismus und zum Surrealismus in einer liebevoll-absurden Idee verarbeitet. Der Seltenheit solcher Skulpturen auf dem Markt entsprechend möchte Lempertz 200.000 bis 250.000 Euro dafür erzielen. Die anderen Plastiken bewegen sich auf hohem Niveau im gängigen Repertoire: Ernst Barlachs Bronzen „Russische Bettlerin II“ von circa 1932 für 50.000 bis 55.000 Euro und „Lehrender Christus“ von 1931 für 60.000 bis 80.000 Euro, Gerhard Marcks’ lebensgroße „Schwimmerin II“ von 1938 in einem Guss von 1952 (Taxe 130.000 bis 140.000 EUR) sowie Fritz Klimschs Marmorplastik „Badende“ von 1919 für 45.000 bis 50.000 Euro sind hier die wichtigsten Offerten.

Einige der genannten Künstler tauchen auch im Hauptprogramm noch mit beachtenswerten Arbeiten auf, so Walter Dexel mit dem ebenso konstruktivistischen wie buntfarbigen Hinterglasbild „Segelschiff XVII“ von 1922 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR) oder Lyonel Feininger mit dem Tuschfederaquarell „Luminous Clouds“ von 1944 für 30.000 bis 35.000 Euro. Parallel zu den zwei großen Ölgemälden, die Van Ham von Rudolf Bauer anbietet, hat Lempertz von ihm eine kleinere unbetitelte, in Aquarell und Gouache gemalte Komposition aus dem Jahr 1924 für recht günstige 12.000 bis 15.000 Euro im Programm.

Durch und durch ein Werk des Expressionismus ist Peter August Böckstiegels „Erzählender Bauer (Vater Reiking)“: Die rasche Tuschzeichnung, eine starke Farbigkeit und das urwüchsige Motiv sind hier zu einer fast dämonischen Gesamtwirkung zusammengefügt (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR). Etwas sanfter geht es bei der postimpressionistischen Landschaft „Le village“ von Claude Monets Stieftochter Blanche Hoschedé-Monet 1942 und Frans Masereels allerdings etwas tristem Stadtpanorama „Les Toits pointus“ von 1928 zu (Taxen je 10.000 bis 15.000 EUR). Von Jan Thorn Prikker schließlich gibt es ein wohl als Probeexemplar erstelltes Mosaik, dessen endgültige Form unter dem Titel „Geistliche und weltliche Musik“ 1924/26 in der Stadthalle in Mülheim an der Ruhr installiert wurde und sich noch heute dort befindet. Die abstrahierte Darstellung eines Blasinstrumentenspielers kann für 20.000 bis 25.000 Euro erworben werden.

Die Auktion beginnt am 31. Mai um 19 Uhr. Die Besichtigung ist vom 24. Mai bis zum 30. Mai täglich von 10 bis 17:30 Uhr, samstags von 10 bis 16 Uhr und sonntags von 11 bis 15 Uhr möglich.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



24.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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31.05.2011, Moderne Kunst

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Auf flottem Parkett

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Max Liebermann, Die Große Seestraße in Wannsee mit Spaziergängern, 1921
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 Slevogt, Heide und Bäume, 1910
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 Slevogt, Selbstbildnis, 1903
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 Pascin, Modèle italien, 1923
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Lovis Corinth, Amaryllis, Flieder und Anemonen, 1920
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Lovis Corinth, Amaryllis, Flieder und Anemonen, 1920

Lovis Corinth, Amaryllis, Flieder und Anemonen, 1920

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Zuschlag: 420.000,- EURO

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Max Slevogt, Heide und Bäume, 1910

Max Slevogt, Heide und Bäume, 1910

Taxe: 60.000 - 70.000 EURO

Losnummer: 253

Max Slevogt, Selbstbildnis, 1903

Max Slevogt, Selbstbildnis, 1903

Taxe: 30.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 252

Paula Modersohn-Becker, Armenhäuslerin im Garten sitzend, 1907

Paula Modersohn-Becker, Armenhäuslerin im Garten sitzend, 1907

Taxe: 100.000 - 120.000 EURO

Zuschlag: 81.000,- EURO

Losnummer: 255

Max Liebermann, Die Große Seestraße in Wannsee mit Spaziergängern, 1921

Max Liebermann, Die Große Seestraße in Wannsee mit Spaziergängern, 1921

Taxe: 130.000 - 150.000 EURO

Zuschlag: 170.000,- EURO

Losnummer: 257

Jules Pascin, Modèle italien, 1923

Jules Pascin, Modèle italien, 1923

Taxe: 80.000 - 100.000 EURO

Losnummer: 256

Ernst Barlach, Lehrender Christus, 1931

Ernst Barlach, Lehrender Christus, 1931

Taxe: 60.000 - 80.000 EURO

Zuschlag: 75.000,- EURO

Losnummer: 274




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