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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Grisebach wartet mit einem Kunstkaleidoskop aus drei Jahrhunderten auf

Ferne Utopie



Die „blaue Stunde“ in einem tropischen Paradies ist angebrochen. Drei Frauen und ein Mann haben sich zu einem Plauderstündchen an der Lagune niedergelassen, zwei weitere Figuren genießen den lauen Abend in einem Boot an der Bucht im Hintergrund. Ein Mann, der zwei große, frisch gefangene Fische an einer Stange über der Schulter trägt, schreitet von links ins Bild. Im Vordergrund krabbelt gemächlich eine Schildkröte, durch die Luft fliegen zwei exotische Vögel vorbei an üppig wuchernden Gewächsen, an denen Tropenfrüchte hängen. 1951 schuf Hermann Max Pechstein den „Abend auf Palau“ und vermittelt mit ihm das Ideal der mit Gesellschaft und Natur in Einklang lebenden Südsee-Insulaner. Die Natur bietet Nahrung, Lebens- und Schutzraum für eine Gesellschaft von Menschen, die in ausgewogenem Gleichgewicht von Tätigkeit und Müßiggang inmitten dieses Paradieses auf Erden leben. In klarer, holzschnittartig vereinfachter Linienführung und in intensiven, stellenweise fast phosphoreszierend leuchtenden Farben stellt Pechstein diesen durch die Brücke-Maler favorisierten Gegenentwurf zum westlichen Leben vor. Auf 80.000 bis 120.000 Euro schätzen die Experten bei Grisebach diese Utopie, die in Berlin am 28. Mai im Rahmen der Auktion „Kunst des 19., 20. und 21. Jahrhunderts“ unter den Hammer kommt.


Ein früheres Werk Hermann Max Pechsteins führt uns in heimatlichere Gefilde. In „Morgen am Haff (Nidden)“ von 1939 spielt eine in suggestiver Beleuchtung dargestellte Küstenlandschaft die Hauptrolle (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). In der Wachskreidezeichnung „Beim Graben“ dokumentiert er 1930, ganz im Gegensatz zu gelösten Stimmung in der Südsee, gar die Beschwernis der Feldarbeit (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Dann beschäftigt sich Karl Hofer in „Drei Badende (unter Bäumen)“ aus dem Jahr 1943 mit dem Thema des in der Natur lagernden Menschen. Das flächig-malerisch angelegte Werk lässt durch die monumentale Auffassung der drei in verschiedenen Ansichten – frontal, im Vollprofil und als Rückenfigur – gezeigten Frauenkörper an die Auseinandersetzung mit den klassischen Dreiergruppen von weiblichen Akten denken, etwa dem Parisurteil oder den drei Grazien. Der Einsatz von drapierten Tüchern und nicht zuletzt das zentrale Attribut einer Orange tragen zu diesem Eindruck bei (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Hofers „Ruhendes Paar“ von 1926 gewährt Einblick in die Intimität der in tiefem Schlaf aneinander geschmiegten Liebenden, die der Maler in reduzierten Grundformen darstellt. Die eigenwillige Farbkombination der großen Flächen fordert den Blick zu einer aktiven Auseinandersetzung heraus (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Menschliche und tierische Schädel, Knochen und einen skelettierten Brustkorb komponiert Hofer 1923 auf der „Schädelstätte“ zu einem dämonischen Stillleben. Im flackernden Licht eines Feuers beunruhigend aufleuchtend, scheinen die Schädel unheilvoll grinsend die Zähne zu fletschen. In erdigen Farbtönen wecken sie vielleicht auch Assoziationen mit dem Grauen der Schützengräben (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Rund 20 Blätter aus Otto Dix graphischem Werk setzen sich teilweise weit weniger symbolisch mit zeitgenössischen Gegebenheiten auseinander, so insbesondere der berühmte beinlose „Streichholzhändler“ (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), oder auch der düstere, geometrisch aufgefasste Holzschnitt „Elektrische“, einer Straßenbahn, die durch die Stadt rollt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), beide von 1920. In „Die kleine Finn“ verarbeitet Gert Heinrich Wollheim 1920 ebenfalls zeitgenössische Elemente zu einer stellenweise blutig verschmierten Collage (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR).

In der kleinen Abteilung mit Arbeiten des 19ten Jahrhunderts, die Grisebach demnächst ausbauen will, ist Gustav Klimt unter anderem mit der akademisch sorgfältig durchdeklinierten „Männlichen Aktstudie“ von 1883 ist vertreten. Durch die Drehung des Körpers im Raum kombiniert der Wiener Maler geschickt Seiten- und Rückenansicht (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Dann gibt sich Otto Pilny mit dem „Tanz in der Wüste bei Sonnenuntergang“ noch ganz der Faszination des orientalischen Abendlichtes hin, in dem eine in Sonnenfarben gewandete Tänzerin eine Gruppe in der Wüste rastender Beduinen verzaubert (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Lesser Ury, der immerhin mit 17 Arbeiten vertreten ist, zeigt hingegen in „Berliner Straße im Sonnenschein“ aus den 1920er Jahren (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und dem stimmungsvollen, um 1900 entstandenen Pastell „Märkischer See am Abend“, wie schön auch die heimatliche Sommerlandschaft leuchten kann (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Auch in dem Pastell „Unter den Linden“ um 1925/30 beschreibt er einen heiteren Sonnentag in der Berliner Metropole (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), während über seiner „Siegesallee mit Siegessäule im Herbst“ um 1925 schon ein Hauch von Melancholie weht (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

In einer Gartenlandschaft, wie der von Leo Putz 1926 in „Mein Garten (Gauting)“ dargestellten (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), oder in einem Blumenstillleben kann sich die ganze Leuchtkraft des Sommers ebenfalls konzentrieren, wie Christian Rohlfs es 1929 mit den „Gelben Tulpen in heller Vase“ (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) oder 1933 mit seinen „Cannablüten in Schale“ zeigt (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Dass Landschaften im Abendrot auch bedrohlich und unheilvoll anmuten können, sieht man bei César Kleins „Leuchtturm“ von 1928 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). In verstärktem Maße gilt dies noch für die Gänsehaut auslösende „Märkische Abendlandschaft“ von Max Kaus aus dem Jahr 1944, deren Formensprache zudem in Richtung einer abstrakten Komposition weist (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Ebenso geht René Paresce vor, wenn er 1933 Versatzstücke aus Meergegenden wie Leuchtturm, Schiffrumpf und -kamine, Takelage und Fahne in einen undefinierbaren Farbraum setzt (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Viel menschliche Wärme und liebevolle Zärtlichkeit verströmt die malerisch aufgefasste „La grande sœur (à la fenetre ouverte)“. Hier hat Maurice Denis 1910 die Innigkeit der Beziehung zwischen Frau und Säugling, die wir aus der jahrhundertealten Tradition der Madonnendarstellung kennen, auf das weltliche Thema der großen Schwester übertragen. Liebevoll wiegt sie ihr neugeborenes Geschwister im Arm, vollkommen versunken in den Anblick des kleinen schutzbedürftigen Wesens (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Dem Thema Mensch nehmen sich noch weitere Künstler an und gehen dabei aber zunehmend dekonstruktiver mit den Vorgaben um. 1934 stellt Ernst Barlach einen Mann noch stilisiert, kompakt und ruhig als Allegorie einer „Flamme“ vor. Der posthume Guss liegt bei 50.000 bis 70.000 Euro.

Doch schon 1920 umschließt Armand Bouten in seinem „Mann mit Calla“ den Fratzenkopf und die Symbolpflanze des Jugendstil in befremdlichem Violett mit einer perspektivisch aus den Fugen geratenen Landschaft in grellen Farbkontrasten (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Im Gegensatz zu seinem Selbstbildnis für 5.000 bis 7.000 Euro zerfällt in dem um 1919/20 entstandenen expressionistischen Bildnis „Ludwig Renn“ von Carl Lohse das Gesicht des Schriftstellers komplett in eine Vielzahl von verschiedenartig geformten Farbflächen (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR). Oskar Schlemmers „Halbfigur frontal mit Licht auf der Stirn“ von 1941 entsteht aus wenigen verschwommenen Flecken (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Mit sparsamen Linien aus einem roten Faserstift umreißt Pablo Picasso 1971 in „Tête de femme“ eine in die Fläche geklappte Frauenbüste (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR).

Auf Helmut Sturms wilder Schlacht aus der Zeit um 1961 sind die fratzenhaft verzogenen Gesichter zweier Personen in den Farbwirbeln kaum noch als solche zu erkennen (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Der „Große Kopf“ von 1967/68 von Horst Antes hat gar kein Gesicht mehr, was den Blick auf die Hände mit den an christliche Ikonografie gemahnenden Wundmalen lenkt (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Johannes Grützke wendet sich andererseits bei „Freund und Feind (…unterscheiden)“ 1981 Mensch und Tier in nahezu fotorealistischer Manier zu. Bei aller formalen Klarheit lässt er jedoch die Beziehung zwischen den drei Personen und dem im Vordergrund sich aufbäumenden Boxerhund vollkommen ungeklärt (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Ebenfalls 1981 stellt Rainer Fetting mit dem in blutigem Rot gehaltenen „Mann und Axt (weiß)“ eine durch Attribut und Farbigkeit Grauen erregende Variante des männlichen Rückenaktes vor (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). In dem 2000 entstandenen Werk „The Dead Zone“, in dem die Farbigkeit der Pop Art und der Einfluss der Comic- und Manga-Ästhetik nachklingen, präsentiert Lisa Ruyter den Menschen nur noch als ein die Sphäre der Darstellung verlassendes Fragment am oberen Bildrand – die Unterschenkel eines einen Zebrastreifen überquerenden Mannes (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Gerhard Hoehme konzentriert sich in seinem Werk „A Piedi“ 1961 ganz auf hinterlassene Fußabdrücke, die zu einer abstrakten Komposition zusammenfinden (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Wie es sich schon bei Hoehme Bahn bricht, geht es in der Kunst auch ohne Figuration zu. 1963 gibt Emil Schumacher auf einer Holztafel mit unregelmäßig geformten von roten Schlieren durchzogenen weißen und schwarzen Farbflecken den Gegenstandsbezug ganz auf (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Striche und Gittermuster in Farbkreide stellt Hans Hartung 1952 zu einer Komposition zusammen (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). In Ida Kerkovius’ „Komposition“ von 1959 scheinen Erinnerungen Gegenstände wie Häuser, Gestirne und Landschaft aufzublitzen. Sie werden aber alle von dem geometrischen Formenreichtum aufgesogen (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Ein frühes abstraktes Werk in organischer Linienführung und kräftigen Farben steuert Auguste Herbin von 1938 bei (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Vollkommen geometrisch und wie mit dem Lineal gezogen geht es hingegen bei Camille Graeser in der vertikalen „Rhythmischen Verlagerung“ von 1958/59 zu (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR).

Georg Meistermanns „Schwebend“ und „Brennendes Rot (Verbrennendes Rot)“ aus den Jahren 1964/65 zeigen Kompositionen von eher malerisch aufgefassten geometrischen Formen in irisierenden Pastellfarben (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR). Heinz Mack verlässt 1979 mit seinem Lichtobjekt „Meteore (Licht-Blitzbox)“ auf der Suche nach neuen Ausdrucksformen die Welt von Farbe und Pinsel (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Als eine der wenigen Skulpturen der Auktion ist die 1968 entstandene Bronze „Sonnenblatt I“ von Bernhard Heiliger ebenfalls ein abstraktes Stück (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). In trompe l’œil-artiger Auffassung stellt Eberhard Havekost mit „Weg“ 2008 auf der Leinwand eine sich scheinbar dreidimensional im Raum entwickelnde polierte Metallskulptur vor (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 28. Mai um 10 Uhr. Die Besichtigung der Objekte ist noch am 25. Mai von 10 bis 17 Uhr möglich, der Katalog im Internet unter www.villa-grisebach.de einsehbar.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



25.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Susanne Prein

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