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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Hohe Einzelzuschläge und selektives Kaufverhalten bestimmten die Auktion „Meisterwerke“ im Wiener Kinsky

Zugpferd Hoffmann



Josef Hoffmann und Carl Otto Czeschka, Spieltisch für das Jagdhaus Hochreith von Karl Wittgenstein, Wien um 1906

Josef Hoffmann und Carl Otto Czeschka, Spieltisch für das Jagdhaus Hochreith von Karl Wittgenstein, Wien um 1906

Als „ein wenig Schatten bei sehr viel Licht“ bezeichnete das Wiener Auktionshaus im Kinsky die Zuschlagsrate von lediglich 50 Prozent bei seiner großen Prestigeauktion, die mit ihrem prägnanten Titel „Meisterwerke“ beinahe programmatischen Charakter vor sich her trug. In der Tat, der Rückgang von der Hälfte der 144 Werke musste angesichts der für österreichische Marktverhältnisse hervorragenden Qualität des Angebots etwas enttäuschen. Andererseits liegt dieses Gesamtergebnis durchaus im internationalen Trend, wie sich fast gleichzeitig in den großen New Yorker Auktionen gezeigt hat: Das Interesse ist da, im Einzelfall wird auch kräftig geboten, doch um jeden Preis wird nicht Alles genommen. Zumal gerade das Kinsky die Messlatte oft sehr hoch legt. So wurden beispielsweise Albin Egger-Lienz’ unmittelbares Bildnis einer „Bäuerin III (Contadina)“ von 1922/23 für 180.000 Euro oder Fritz Wotrubas steinerne „Doppelfigur (Mann und Frau)“ von 1949/50 ebenfalls für 180.000 Euro nur unter Vorbehalt zugeschlagen, obwohl die offiziell angegebenen Schätzungen eigentlich erreicht waren. Dahinter verbergen sich – wohl nicht zuletzt auch durch die Einlieferer selbst – also Ansprüche, die noch höher sind, als man offen äußern möchte.


Bei der Kunst des 19ten Jahrhunderts, mit der die Auktion am 10. Mai eröffnet wurde, fielen zwei der Toplose durch: Albin Egger-Lienz’ „Sonntagmorgen (Der Antrag)“, als Frühwerk 1896 unter dem unverkennbaren Einfluss seines Münchner Lehrers Franz von Defregger entstanden (Taxe 80.000 bis 150.000 EUR), und Theodor von Hörmanns motivisch etwas unausgeglichene Küstenlandschaft aus Sizilien mit dem Ätna im Hintergrund bei Sonnuntergang für 50.000 bis 100.000 Euro. Von Rudolf von Alts fünf Aquarellen wurden immerhin vier übernommen, was die ungebrochene Beliebtheit des wohl berühmtesten österreichischen Vedutenmalers des 19ten Jahrhunderts bestätigte. Den Höchstpreis errang, wie vorgesehen, sein Blick in die Schmöllergasse im vierten Wiener Bezirk mit der Villa des Kunstsammlers Friedrich Jakob Gsell im Vordergrund aus dem Jahr 1886 bei 65.000 Euro (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR). Als besonders zugkräftig erwies sich die impressionistisch angehauchte Landschaftsmalerei mit heimatlichen Motiven Österreichs. Emil Jakob Schindlers, der wohl bedeutendste Exponent dieser gelegentlich als „Stimmungsimpressionismus“ genannten Richtung, schaffte mit seiner Ende der 1870er Jahre entstandenen „Herbstlandschaft an der Donau“ gute 40.000 Euro (Taxe 25.000 bis 50.000 EUR), Max Suppantschitschs „Blühender Garten in Weißenkirchen/Wachau“ sogar die obere Schätzung von 50.000 Euro und damit einen neuen Auktionsrekord.

Ihrem Ruf als traditionell stärkste Abteilung der Kinsky-Auktionen wurde die klassische Moderne auch diesmal wieder gerecht. Trotz schmerzlicher Rückgänge wie Erika Giovanna Kliens kinetistischer „Bewegung“ zweier Frauengestalten von 1930 (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR) und Artur Nikodems expressivem Triptychon „Der Sündenfall“ wurden hier doch die meisten hohen Zuschläge erzielt (Taxe 100.000 bis 200.000 EUR). Noch vor Oskar Kokoschkas starkfarbiger Spätimpression „Blick auf Rapallo“ von circa 1933 für 240.000 Euro (Taxe 150.000 bis 300.000 EUR) und dem schon genannten Egger-Lienz ist hier Alfons Waldes beliebtes Motiv „Bauernsonntag“ in einer besonders plastischen Ausformulierung zu nennen, das mit einem Ergebnis von 270.000 Euro weit über die Schätzung von 100.000 bis 200.000 Euro hinausschoss. Mit 180.000 Euro ebenfalls weit mehr als erwartet erzielte Max Oppenheimers Bildnis des ungarischen Geigenvirtuosen Joseph Szigeti aus der unmittelbaren Nachkriegszeit um 1946 (Taxe 80.000 bis 150.000 EUR).

Ein weiterer Topzuschlag war Franz Sedlaceks zwischen Altmeisterlichkeit und Neuer Sachlichkeit changierende unheimliche Gebirgslandschaft mit einer Ruhe auf der Flucht im Vordergrund von 1929 für 120.000 Euro (Taxe 100.000 bis 200.000 EUR). Vermittelt werden konnte endlich auch Erwin Langs esoterisch angehauchtes Bildnis der Tänzerin Grete Wiesenthal in ekstatischer Pose neben den schlafenden Figuren von Sohn und Schwester aus dem Jahr 1911. Das schon vor drei Jahren für etwas übertriebene 250.000 bis 500.000 Euro angebotene Großformat fand jetzt für 70.000 Euro einen Abnehmer (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR). Gut bestückt war auch der Mittelbau unter anderem mit Franz von Zülows breit konturiertem Blick auf Annaberg bei Maria Zell von 1923 für 36.000 Euro und Willy Eisenschitz’ schrundiger Landschaft „Les pentes du Coudon“ für 34.000 Euro. Norbertine Bresslern-Roths ebenso lebens- wie liebevolle Aufnahme einer Löwenmutter mit ihren Jungen verbesserte sich sogar leicht auf 54.000 Euro (Taxen alle 25.000 bis 50.000 EUR).

Auch ein selbstbewusstes und dennoch aus selbstkritisches Autoportrait Albert Birkles und Ernst Nepos naiv-buntes Panorama über eine Stadt in Böhmen aus dem Jahr 1921 hielten sich mit 60.000 Euro und 70.000 Euro an die vorgegeben Rahmen. Ohne Fortune blieben die deutschen Offerten: Gabriele Münters unübliche „Naturstudie aus Dänemark“ von 1916, Alexej von Jawlenskys ebenso unspektakuläres „Großes Stillleben“ von 1936 und Emil Noldes aquarelliertes Bildnis einer Frau mussten bei Schätzungen zwischen 50.000 und 120.000 Euro allesamt die Heimreise antreten. Besser erging es dem Franzosen Pierre-Auguste Renoir mit seiner kleinen, aber fein ausgearbeiteten „Nature morte“ mit Zwiebeln aus einer französischen Privatsammlung. Sie konnte sich über einen Zuschlag bei 220.000 Euro freuen (Taxe 150.000 bis 300.000 EUR).

Das Spitzenlos der Auktion hielt ausgerechnet diejenige Abteilung bereit, die zusammen mit dem älteren Kunsthandwerk bei der Quote am schlechtesten abschnitt: der Jugendstil. Ziemlich überraschend erfolgte erst bei 410.000 Euro der Zuschlag eines von Josef Hoffmann und Carl Otto Czeschka um 1906 für den Großindustriellen Karl Wittgenstein entwickelten Spieltisches an einen englischen Liebhaber. Verbissen musste er mit einem Amerikaner um das geschnitzte und teilvergoldete, mit mindestens 90.000 Euro angesetzte Stück kämpfen und verhalf den beiden Jugendstil-Protagonisten zu einem neuen Rekordpreis. Bei den daran anschließenden Zeitgenossen beruhigten sich die Gemüter wieder, doch blieb auch hier das Interesse insgesamt hoch. Bei 180.000 Euro den höchsten Zuschlag neben dem Wotruba erreichte mit Antonio Sauras entstelltem „Portrait imaginaire de Philipp II“ aus dem Jahr 1988 sogar das Werk eines Ausländers (Taxe 150.000 bis 250.000 EUR). An dritter Stelle rangierte Friedensreich Hundertwassers dreißig Jahre ältere bunte Mischtechnik „Gras der Erde – Regen des Himmels“, die bis in die 1960er Jahre hinein in mehreren Hundertwasser-Ausstellungen öffentlich zu sehen war (Taxe 80.000 bis 150.000 EUR).

Mit einem Standardprogramm auf hohem Niveau kam das Auktionshaus auch im preislichen Mittelfeld überwiegend gut an. Das betraf neben malerischen Werken wie Josef Mikls informeller Kreisabstraktion „Zwei Figuren auf dem Marktplatz“ nach einer Dichtung des russischen Schriftstellers Gogol von 2004/05 für 70.000 Euro (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR) oder Max Weilers noch recht erkennbarer Mariahilferkirche von 1952 für taxgerechte 41.000 Euro vor allem die Skulptur: Hier waren Alfred Hrdlickas Torso eines Gekreuzigten für 60.000 Euro (Taxe 50.000 bis 100.000 EUR) und Joannis Avramidis’ formschöne Bronze „Trias“ von 1970 mit 45.000 Euro die bestbezahlten Stücke (Taxe 35.000 bis 70.000 EUR). Oskar Höfinger steuerte seine 1962 gegossene Bronze einer kubistischen „Koketten“ für 22.000 Euro und Karl Prantl seinen schwarzgrünen stillen „Stein zur Meditation“ von 1997/2003 für 10.000 Euro jeweils zur unteren Taxe bei.

Gute Preise erzielten dann noch Othmar Zechyrs großformatige Schriftzeichnung von 1987 mit dem zentralen Motiv eines Heuhaufens bei 25.000 Euro (Taxe 20.000 bis 35.000 EUR), Johann Fruhmanns gestisch-sphärische Abstraktion von 1964 für 20.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder Jürgen Messensees nur mit viel Fantasie zu entdeckende „Sitzende“ von 1975 für 24.000 Euro (Taxe 15.000 bis 25.000 EUR). Geringer geschätzt wurde die Malerei des Phantastischen Realismus, respektive wollten sich die Kunden den hohen Preisvorstellungen etwa für zwei Werke Arik Brauers, die jeweils zwischen 50.000 und 100.000 Euro kosten sollten, nicht anschließen. Und keinen Abnehmer fand auch Maria Lassnigs „Competition 2“, ein relativ neues Werk aus dem Jahr 2000, für geschätzte 150.000 bis 250.000 Euro.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

im Kinsky - Kunst Auktionen GmbH

Freyung 4

AT-1010 Wien

Telefax:+43 (01) 532 42 00-9

Telefon:+43 (01) 532 42 00

E-Mail: office@imkinsky.com



30.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Pierre-Auguste Renoir, Nature Morte
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Josef Hoffmann und Carl Otto
 Czeschka, Spieltisch für das Jagdhaus Hochreith von Karl Wittgenstein, Wien um 1906
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Emil Jakob Schindler, Herbstlandschaft an der Donau, um 1878/80
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Kunstwerk:

Rudolf von Alt, Blick in die
 Schmöllerlgasse im vierten Wiener Bezirk mit der Villa von Friedrich Jakob Gsell, 1866
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Pierre-Auguste Renoir, Nature Morte

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Taxe: 150.000 - 300.000 EURO

Zuschlag: 220.000,- EURO

Losnummer: 72

Richard Teschner, Kleine Stadt, 1908

Richard Teschner, Kleine Stadt, 1908

Taxe: 15.000 - 30.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 43

Emil Jakob Schindler, Herbstlandschaft an der Donau, um 1878/80

Emil Jakob Schindler, Herbstlandschaft an der Donau, um 1878/80

Taxe: 25.000 - 50.000 EURO

Zuschlag: 40.000,- EURO

Losnummer: 12

Rudolf von Alt, Blick in die Schmöllerlgasse im vierten Wiener Bezirk mit der Villa von Friedrich Jakob Gsell, 1866

Rudolf von Alt, Blick in die Schmöllerlgasse im vierten Wiener Bezirk mit der Villa von Friedrich Jakob Gsell, 1866

Taxe: 50.000 - 100.000 EURO

Zuschlag: 65.000,- EURO

Losnummer: 4




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