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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Kunst bei Winterberg in Heidelberg

Traditionsbewusst



Mit seinem Versuch, durch eine offensive Preispolitik einzelne Offerten besonders auszuzeichnen und sich so in eine höhere Liga auf dem deutschen Auktionsmarkt zu spielen, ist das Heidelberger Auktionshaus Winterberg vorerst gescheitert. Nur eines der hochgehandelten Stücke der umfangreichen Kunstauktion am 14. Mai wurde zumindest annähernd das, was Winterberg sich darunter vorgestellt hat: ein Toplos. Doch auch Hans Purrmanns Ölgemälde „Brunnen der Villa Romana“, entstanden kurz nach seinem Arbeitsantritt als Leiter der gleichnamigen deutschen Künstlerkolonie in Florenz 1937, musste deutlich abspecken: Statt für 65.000 Euro, wie angesetzt, ging die aquarellartig zarte Malerei schon für 50.000 Euro in neuen Besitz über. Für alle anderen derartigen Offerten wird sich Winterberg dagegen etwas anderes überlegen müssen: Albrecht Dürers Kupferstich „Das große Glück“ von 1501/02 für 53.500 Euro und Jean-Honoré Fragonards Bleistift- und Federzeichnung „La Fête de Bonne Maman“ für 65.000 Euro, aber auch moderne Grafiken wie Marc Chagalls Farblithografie „Les deux Rives“ von 1980 für 32.000 Euro, Otto Muellers „Polnische Familie“ von 1920/21 für 23.500 Euro oder die Gemäldewiedergaben von Pablo Picasso etwa im gleichen Preisrahmen mussten allesamt die Heimreise antreten.


Und damit sind nur die wichtigsten, das heißt teuersten Stücke genannt. Auch sonst zeigte sich, dass Winterberg ein Anbieter kleinerer, weniger kostbarer Arbeiten, aber doch auf ansprechendem Niveau bleibt. Die Gesamtzuschlagsquote von mehr als vierzig Prozent ist, vor diesem Hintergrund gesehen, auch gar nicht schlecht und zeigt, dass das Interesse an diesem Sektor für breitere Massen erschwinglicher Kunst nach wie vor besteht. Gelegentlich gab es auch bei diesen kleinen Preisen ganz ordentliche Bietschlachten wie um eine Buchmalerei aus der Zeit um 1500, entnommen einem italienischen Antiphonar und mit einer schönen, bildlich gestalteten S-Initale. Das Blatt, auf 920 Euro angesetzt, kletterte auf stolze 4.500 Euro.

Unter den älteren Zeichnungen machten sich zwei Scheibenrissentwürfe bemerkbar. Der eine, aus dem Umkreis Hans Holbeins d.J. stammend, mit einer thronenden Muttergottes, erzielte 3.000 Euro (Taxe 3.600 EUR), der andere von Hans Jegli, datiert 1603, mit einem Wappenschild samt männlichem Begleiter, brachte es auf 1.600 Euro (Taxe 2.400 EUR). 2.000 Euro erreichte eine 1796 datierte Pinselzeichnung des süddeutschen Rokokokünstlers Tiberius Dominicus Wocher, auf welcher mit unbefangener Selbstverständlichkeit Männer aus dem Appenzeller Landvolk in Szene gesetzt sind (Taxe 2.600 EUR), taxgerechte 1.200 Euro Franz Kobells zarte Federzeichnung einer fantasievollen Flusslandschaft mit Ruine und Wasserfall, und bei der Grafik 1.100 Euro ein Konvolut mit Radierungen Johann Christian Reinharts. Dafür erhielt der Käufer auch 35 Blätter mit Landschaften, Figuren und Tieren (Taxe 900 EUR).

Höhepunkt der Kunst des 19ten und frühen 20ten Jahrhunderts wurde, nach dem Versagen der Spitzenstücke wie Carl Philipp Fohrs aquarellierter Bleistiftzeichnung einer Ansicht der Burg Windeck bei Weinheim um 1812 (Taxe 15.500 EUR), überraschend eine skizzenhafte Campagnalandschaft in Aquarell des Sachsen August Leopold Venus aus dem Jahr 1867. Venus, der 1886 in der Nervenheilanstalt Sonnenstein in Pirna starb, erweist sich darin als erstaunlich modern, sind doch einige Partien lediglich angedeutet und in abrupten Gegensatz zu vollendeten Teilen gesetzt. Von 1.450 Euro auf 11.000 Euro schoss das im Januar 1867 während einer Italienreise entstandene Blatt. Ihm zur Seite stand als Aquarellist Johann Michael Wittmer. Der etwa eine Generation ältere Oberbayer gehörte ebenfalls zur langen Reihe deutscher Südlandreisender, brachte es sogar bis nach Griechenland, wo er 1833 einen Blick auf Athen mit Akropolis, Hadriantor und Olympieion richtete. Dieses farbige Aquarell wechselte jetzt um 4.800 Euro den Besitzer (Taxe 4.400 EUR).

Mit Wilhelm Gustav Hasemanns junger Mühlenbacherin mit Goldhaube von 1911 für 5.500 Euro (Taxe 5.800 EUR), Eugen Brachts 1861 entstandenem Frühwerk „Landschaft bei Norheim an der Nahe“ für 3.000 Euro (Taxe 4.000 EUR) und einem Kircheninterieur von George Gillis van Haanen für 2.200 Euro fanden sich daneben auch einige Vertreter der Ölmalerei mit gutem Erfolg in neuen Sammlungen wieder (Taxe 1.200 EUR). Eine skizzenhafte Voralpenlandschaft mit einem Dorf im Abendlicht, von Adolf Lier auf einen breitformatigen Karton aufgetragen, konnte ihren Wert auf 2.800 Euro sogar mehr als verdoppeln (Taxe 1.250 EUR). Den gleichen Betrag erzielte als die teuerste Skulptur des Tages ein kleinformatige Guss von Constantin Meuniers Bronze „Le Semeur“ aus der Zeit um 1896 (Taxe 1.980 EUR).

Bei den Grafiken zog Johann Adam Kleins Bildnisradierung des Künstlers Johann Christoph Erhard einige Aufmerksamkeit auf sich, die sich in unerwarteten 1.850 Euro niederschlug. Dahinter verbirgt sich die tragische Geschichte eines Künstlers, der, von körperlichen Leiden, aber auch von Selbstzweifeln über seine künstlerische Befähigung getrieben, bereits 1822 in jungen Jahren seinem Leben ein Ende setzte. Kleins Radierung entstand in eben jenem Jahr als Titelvignette zu einem Nachlassband für Erhard (Taxe 280 EUR). Nahe an die veranschlagten 680 Euro kam die linienbetonte Zeichnung „Die Feuerprobe“ des Nazareners Wilhelm Nerenz heran. Der Entwurf für einen Grafikzyklus zu Kleist „Käthchen von Heilbronn“ spielte 670 Euro ein.

Über eine kleine Jugendstil- und Art Déco-Abteilung, die unter anderem Umberto Brunelleschis zwölf Radierungen „Les Masques et les Personnages de la Comédie italienne“ von 1914 für 4.500 Euro zu bieten hatte (Taxe 580 EUR), ging es zum großen Block der Kunst des 20sten Jahrhunderts. Gesucht waren auch hier häufig Arbeiten, die noch an die alte Kunst erinnerten, wie Emil Beithans Aquarell einer lachenden jungen Bäuerin von 1910 für 1.450 Euro (Taxe 980 EUR), Otto Dills „Wölfe“ von 1915 für 3.200 Euro (Taxe 2.950 EUR) und sein ebenfalls spätimpressionistisches „Pferderennen“ für 3.100 Euro (Taxe 4.500 EUR) oder Franz Wallischecks Ansicht einer alten Steinbrücke in einem Odenwalddorf für 5.200 Euro (Taxe 1.450 EUR). Besonders drei Gemälde Arthur Grimms, der ebenfalls eher in den Traditionen des 19ten Jahrhunderts steht, weckten heiße Begehrlichkeiten. Sein eindrückliches Bildnis eines Negers im Halbprofil nach rechts von 1911 verbesserte sich von 1.850 Euro auf 3.800 Euro, jeweils 6.300 Euro gab es für seine frühlingshafte Odenwaldlandschaft mit Bauernhäusern von 1912 und eine winterliche Impression aus dem Künstlerdorf Hollerbach von 1915, in der Grimm ebenfalls seine nähere Heimat portraitierte (Taxen 5.200 und 5.800 EUR).

Bei der Grafik, etwa auch der deutschen Expressionisten, war man dagegen zurückhaltender. Über 2.600 Euro für Alexander Kanoldts neusachliche Lithografie „Olevano VIII“ von 1926 (Taxe 2.750 ERUR) oder Käthe Kollwitz’ Kaltnadelradierung recht frühe und noch heitere „Begrüßung“ von 1892 für 1.650 Euro kam man hier nicht hinaus (Taxe 1.500 EUR). Nicht viel anders erging es der zeitgenössischen Kunst: Günther Ueckers fast 180 Zentimeter hohe Stahlskulptur eines monumentalisierten Nagels von 1977 für 2.750 Euro (Taxe 3.400 EUR) sowie Emilio Vedovas zwei Bleistiftzeichnungen mit abstrakt-gestischem Gekritzel von 1962 und HP Zimmers ebenso wilde Mischtechnik „Die Vollendung“ von 1971 für jeweils 1.450 Euro waren hier einige der teuersten Offerten (Taxen 360 EUR und 1.200 EUR). Bezeichnenderweise waren hier auch wieder solche Werke an der Spitze anzutreffen, die erneut weit in die Vergangenheit zurückweisen: Hubert Kaplans kitschiges Ölgemälde „Enten im Teich“, das den Entenbildern Alexander Koesters nacheifert, spielte 4.000 Euro ein (Taxe 2.200 EUR), und Siegward Sprottes weitaus fortschrittlicheres „Studio von Alexej Jawlensky in Kampen 1925“ von 1990, das alle wichtigen Informationen bereits im Titel trägt, kletterte von 1.200 Euro auf 3.200 Euro – Ergebnisse einer traditionsbewussten Käuferschaft.

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Winterberg Kunst

Hildastraße 12

DE-69115 Heidelberg

Telefon:+49 (6221) 915 990

Telefax:+49 (6221) 915 99 29

E-Mail: info@winterberg-kunst.de



31.05.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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