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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Fotografie bei Van Ham in Köln

Something More



Da hat sich ein junger Chinese in den Schoß einer Frau geflüchtet. Zärtlich umfasst er ihren Unterschenkel, mit ihrer Hand berührt sie fast schüchtern sein schwarzes, geflochtenes Haar. Geborgenheit und Ruhe strahlt diese Fotoarbeit aus, anders als die anderen Bilder aus Tracey Moffatts neunteiliger Serie „Something more“. Dort herrschen sonst Abhängigkeiten, Aggressivität, ja Gewalt und Sadomasochismus vor. Moffatt, als Aborigine in Australien geboren, erzählt darin das Schicksal einer jungen Frau im australischen Outback, die „etwas mehr“ vom Leben erwartet. Doch die Suche nach dem großen Glück, nach Glamour und Luxus erweist sich als Melodram mit tödlichem Ausgang. Sie stirbt verlassen auf einer Landstraße, und Brisbane ist immer noch 300 Meilen entfernt. Mit den eindrücklichen Bildern, die an Film-Stills erinnern, verarbeitet Tracey Moffatt ihre Erfahrung unter den weißen Einwohnern Australiens, spricht die kulturellen Differenzen und die Verdrängung der australischen Ureinwohner durch die Weißen ebenso an, wie die Suche nach der eigenen Identität, die Wunschvorstellungen und Sehnsüchte Heranwachsender oder die Verwendung von Bildern durch die Mächtigen.


Dieses dritte Motiv aus Moffatts Reihe „Something more“ bietet das Kölner Auktionshaus Van Ham am kommenden Freitag in seiner Versteigerung „Photographie“ für 12.000 bis 14.000 Euro an. Dazu treten annähernd 400 weitere Arbeiten deutscher und internationaler Fotokünstler, wobei gerade die junge Fotokunst mit einigen schönen Beispielen aufwarten kann. Landschaft und Natur als traditionelle Gattung der Malerei haben auch bei Fotografen ihren Reiz nicht verloren. Boris Becker hat sich 1997 etwa den Schollen auf einem umgepflügten Acker verschrieben, die er als abstraktes braunes Farbmeer einfängt (Taxe 3.000 bis 3.500 EUR). Sonja Braas führt in ihrer Serie „you are here“ vom Ende der 1990er Jahre künstliche und wirkliche Naturansichten zusammen und entrückt in Nummer 23 und 26 in ferne, tropische Gegenden (Taxen je 8.000 bis 10.000 EUR), während der Franzose Jean-Marc Bustamante in „Tableau No. 36“ einem Baum in heimischer südeuropäischer Region unspektakulär den Vorzug gibt (Taxe 10.000 EUR).

Stadtlandschaften sind dann Sache von Stéphane Couturier, der in seiner Serie „Archéologie urbaine“ den Wandel großstädtischen Raums anhand von Baustellenfotos dokumentiert, so auch 1998 in „Rue Boissy d’Anglas Paris“ (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Matthias Hoch hat es 1999 ebenfalls nach Paris gezogen. Dort hat er eine Stadionarchitektur leicht verfremdet ins Bild gesetzt (Taxe 3.000 EUR). Die Verbindung von Stadtraum und Natur vermittelt Joachim Brohms „Ruhrlandschaft“ von 1983 mit einer Kleingartenanlage im Vordergrund, hinter der Hochhäuser aufragen (Taxe 2.800 EUR). Auf eine abstrakt-konzeptuelle Ebene hebt Jan Dibbets ab, wenn er 1997 in seiner sechsteiligen Serie „Windows“ die Rundfenster verschiedener Gebäudetypen gegenüberstellt (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Die Schilderung des Menschen nimmt in der zeitgenössischen Fotografie neben Moffatts Arbeit weiterhin breiten Raum ein. In „Greer in her tub“ von 1983 und „Siobhan in the shower“ von 1991 zeigt Nan Goldin anhand von Aktfotos ihrer Freunde dessen Verletzlichkeit (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR). John Hilliard verleiht in seinem Triptychon „Raising the Camera…“ 1977 einer Liebesszene in einem Museum eine „wirklichkeitsfremde Stabilität“ (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), und auch Martin Liebscher findet 2002 in seinem Diptychon „Redaktion“ zu einer grotesken, beinahe surrealen Szene: Ein und derselbe Mitarbeiter führt alle Tätigkeiten in dem Studio aus (Taxe 1.800 EUR).

Wer einmal Andreas Gursky als Portraitist erleben will, sollte zu den beiden frühen Bildnissen eines rauchenden jungen Mannes unter dem Titel „Ommerborn“ um 1980 greifen (Taxe 4.000 EUR). Ihm folgt Peter Lindbergh mit seiner zwölfteiligen Mappe „Portraits“ bekannter Sportler, die 1998 als Opel Sport- und Imagekampagne erschien (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Für seine Aktfotografie hat sich Floris Michael Neusüss in den Jahren 1960/61 des umrisshaften Nudogramms bedient. Herausgekommen sind die beiden experimentellen, lebensgroßen Unikate „Ulle“ für 9.000 bis 12.000 Euro und „Sabine“ für 16.000 bis 18.000 Euro. Eine körperbetonte Kunst vertritt zudem Jürgen Klauke, der sich auch in seiner 5teiligen Serie „gebaute figuren“ von 1973/74 kritisch und humorvoll mit gesellschaftlich normierten Geschlechteridentitäten auseinandergesetzt hat (Taxe 14.000 EUR). Wie Moffatt verspricht auch Izima Kaoru in seinen drei Fotos unter dem Titel „Catase Rino wears Sybilla“ das Ende einer jungen Frau, hier in schönsten Bildern aber hoch ästhetisiert (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Diese Motivbreite findet sich auch in der klassischen Fotografie wieder. Das Thema Landschaft bearbeitet etwa Albert Renger-Patzsch, einer der Hausgötter Van Hams, der mit insgesamt dreizehn Positionen den Katalog bestückt. Seinem fast grafisch aufgefassten Winter in „Eichenkamp bei Wamel“ von 1945/46 für 2.400 Euro steht etwa die noch locker bebaute Stadtbrache „Bergmannshäuer in Essen-Stoppenberg“ von 1929 für 5.000 bis 6.000 Euro gegenüber. Ihm folgen etwa Mario Giacomelli mit einer in harte Schwarzweißkontraste getauchten südlichen „Paesaggio“ von 1968 (Taxe 2.400 EUR) oder Heinrich Riebesehl sowie Marion Post Wolcott mit ihren Agrarlandschaften „Drüber“ aus Northeim von 1978 (Taxe 1.600 EUR) und „Farm Landscape, Near Marion, Virginia“ von 1941 (Taxe 2.000 EUR). Das Stadtbild haben sich Adolf Schneeberger mit seinem noch dem Piktorialismus verhafteten, verschwommen Vintage „By the water“ von 1924 (Taxe 3.000 EUR) oder Bill Brandt mit seiner ansteigenden Kopfsteinpflastergasse „The Snicket Halifax“ von 1957 vorgenommen (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Einen eigenen Abschnitt hat Van Ham Architekturaufnahmen aus Köln gewidmet, den vor allem Werner Mantz, Hugo Schmölz und sein Sohn Karl Hugo Schmölz bestreiten. Sie haben vor allem den Siedlungsbau der 1920 und 1930er Jahre in der Domstadt dokumentiert, Hugo Schmölz etwa die südländisch inspirierte „Siedlung in Köln-Mauenheim“ um 1923 (Taxe 1.000 EUR), Mantz die für die „Weiße Moderne“ charakteristische „Eckbebauung Naumannstraße/Naumannplatz“ in Köln-Riehl von 1928/29 (Taxe 2.000 EUR). Karl Hugo Schmölz steuert einen kleinen Schatz bei: das Album „Köln am Rhein vor und nach dem Kriege. Die Tragödie einer alten Stadt“. Das in kleiner Zahl gefertigte Konvolut aus dem Jahr 1947 enthält 64 Originalabzüge, in denen Schmölz Aufnahmen wichtiger Gebäude Kölns vor und nach dem Zweiten Weltkrieg konfrontiert (Taxe 2.800 EUR).

Breit fächert sich die Palette an Menschenbildern auf. Bemerkenswert sind die Vintages von August Sander, die zu seinem großen Porträtwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts“ gehören: das unikate Doppelportrait „Fritz und Mathilde Husten“ aus der Kölner Kunstszene von 1928 (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) und als Prototyp des „Malers“ der Künstler Franz Esser von 1929 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Die Suite an Fotografien Germaine Krulls wird angeführt von einer „Nude“, einer malerisch gedachten Studioaufnahme um 1920, für 4.000 Euro. Die Aktfotografie bedient indirekt auch Henri Cartier-Bresson mit einem späteren Abzug von „Brussels“, auf dem zwei Männer durch einen Textilzaun auf die geheimnisvolle Darbietung spähen (Taxe 8.000 EUR).

Während Josef Heinrich Darchinger mit seinen „Roller-Kindern“ aus Bonn im Jahr 1955 ein treffendes Bild für das Wirtschaftswunder findet (Taxe 3.000 EUR), zeigt Garry Winogrand 1966, wie weit das großbürgerliche Vergnügen „Two men playing squash“ in New York schon gediehen ist (Taxe 4.500 EUR). Klassische Künstlerfotografie gibt es unter anderem mit Brassaïs Bildnis Pablo Picassos beim Signieren seiner Kunst im Café Flore von 1939 (Taxe 5.000 EUR) oder Christian Skreins jugendlichem Portrait von „Christo auf der documenta IV“ des Jahres 1968. Eine besondere Note erhält der Vintage durch den Stempel „Proof only!“ (Taxe 2.800 EUR). An rituelle menschliche Formen aus Erde erinnern die beiden Aufnahmen aus Ana Mendietas Portfolio „Documenting rock carvings with gunpowder, Iowa“ von 1981 (Taxen je 3.000 EUR). Nicht allzu ernst nimmt Lisette Model ihre weiblichen Modelle, so in „Coney Island. Standing“ von 1939/41 eine Dicke am Strand im Badeanzug oder die beiden aufgetakelten älteren Damen in „Fashion Show, Hotel Pierre“ um 1957 (Taxen je 3.600 bis 4.200 EUR).

Humor zeichnet auch das Schaffen Arnold Odermatts aus, obwohl der Schweizer als Polizeifotograf eigentlich ein strenger und genauer Beobachter des Geschehenen war. Doch seinen Aufnahmen, wie etwa „Oberdorf“ von 1964 und „Stansstad“ von 1966, haftet immer eine Situationskomik und etwas Kurioses an (Taxe 2.800 EUR). Harold Edgerton ist durch seine Bewegungsstudien bekannt, für die er 1935 etwa das Eintreten eines Tropfens in Milch in kurzen Abständen mit einer Spezialkamera festhielt (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). Experimente mit Fotografie betrieben zudem auch Chargesheimer mit der Gelatinemalerei „il suono“ von 1950 (Taxe 1.200 EUR) oder – eher unbekannt – Berenice Abbott mit „Magnetism and Electricity 1“ um 1950 (Taxe 1.800 EUR) oder „Interference Pattern“ um 1960 (Taxe 1.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 10. Juni um 15 Uhr. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 9. Juni täglich von 10 bis 18 Uhr. Der Katalog ist im Internet unter www.van-ham.com abrufbar.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Hitzelerstraße 2

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24

E-Mail: info@van-ham.com



06.06.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Hugo Schmölz, Siedlung in Köln-Mauenheim, um 1923

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Taxe: 1.000,- EURO

Zuschlag: 800,- EURO

Losnummer: 1262




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