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Wien bietet viel Kunst im öffentlichen Raum. Auch in diesem Sommer machen mehrere Projekte an verschiedene Orte auf sich aufmerksam

Vom leisen Geflüster bis zu Großen Geistern



Eine der wichtigsten Begegnungsmöglichkeiten mit künstlerischen Projekten bietet die Kunst im öffentlichen Raum. Gerade weil diese Kunst nicht in speziellen, eigens dafür gebauten Räumen, sondern im alltäglichen Lebensraum der Menschen auftaucht, hat sie sich zu einem maßgeblichen Kommunikationsinstrument im gesellschaftlichen Bereich entwickelt. In Wien, wo man angesichts einer Fülle von temporären und permanenten Projekten, Infiltrationen in den urbanen Alltag an prominenten Plätzen und versteckten Winkeln begegnen kann, bietet sich in diesen Sommer die Gelegenheit, eine Vielzahl von neuen Interventionen im nichtinstitutionellen Raum zu erkunden.


Am 7. Juni 2011 eröffnete die Thyssen-Bornemisza Art Contemporary (T-B A21), die von Francesca von Habsburg gegründete Stiftung zeitgenössischer Kunst mit Sitz in Wien, „The Morning Line“. Das auf den ersten Blick wie ein dreidimensionaler, ornamentaler, Scherenschnitt wirkende Objekt, ein 10 Meter hoher und 20 Meter langer Pavillon aus nicht weniger als 20 Tonnen schwarz beschichtetem Aluminium, steht mitten am Wiener Schwarzenbergplatz. Vom New Yorker Künstler Matthew Ritchie als interdisziplinäre Plattform entwickelt, bietet „The Morning Line“ die Option, das Wechselspiel von Kunst, Architektur, Musik, Mathematik und Wissenschaft zu erforschen. Ritchie schloss sich mit den Architekten Ben Aranda und Chris Lasch, dem Music Research Center der York University und dem Bauingenieurbüro Arup AGU zusammen, um einen multidimensionalen Tonraum zu entwickeln, der im Sinne sozialer Interaktion einen aktiven Dialog mit BesucherInnen sucht.

Wer „The Morning Line“ betritt, taucht in eine dreidimensionale, begehbare Klangarchitektur ein. Aus verschiedenen Richtungen dringen sphärische Klänge an das Ohr, die mittels einer speziellen Tontechnik ein neues Hörerlebnis kreieren sollen, sagt Franz Pomassl, einer der bekanntester Soundtüftler Österreichs und Kurator des Musikprogramms von „The Morning Line“. Neun zeitgenössische Komponisten hat die T-B A21 beauftragt, eigens für „The Morning Line“ Musikstücke zu komponieren, darunter so renommierte Namen wie Carsten Nicolai und weniger bekannte wie Christian Fennesz, Adam Bly, Brandon LaBelle und Maria Spiropulu. Im Juni setzte ein viertägiges Festival für zeitgenössische Komposition mit Beiträgen von 28 TonkünstlerInnen und MusikerInnen, den Auftakt für die sechsmonatige Präsentation des Pavillons. Die mobile Soundskulptur ist bis zum 20. November am Wiener Schwarzenbergplatz zu erleben.

Das Wiener Museumsquartier feiert in diesem Jahr sein 10jähriges Jubiläum. Aus diesem Anlass wird es bis Oktober ein vielfältiges kulturelles Angebot, nicht allein in den Kultureinrichtungen, sondern vor allem auch auf den Freiflächen geben. Eine besondere Intervention verspricht die Klanginstallation von Andres Bosshard zu werden. Der Schweizer Klangkünstler spannt seine an Kunststoffseilen hängenden transparenten Lautsprecherobjekte über den Haupthof des Museumsquartiers zum „Klanghimmel MQ“ auf. Dazu projizieren Richtlautsprecher in Form von Satellitenschüsseln von den Dächern des Fischer von Erlach-Traktes und der Kunsthalle punktuelle Klangbilder in den öffentlichen Raum. Synchron zu den Windbewegungen ziehen einzelne Klänge, kaum hörbares Geflüster, Ausschnitte oder ganze Klangkompositionen ihre Bahnen.

Im Bereich des Leopold Museum, an und in den Bäumen, befinden sich weitere versteckte Hörsituationen, für die von insgesamt 15 KünstlerInnen, StudentInnen mehrerer Hochschulen sowie von Andres Bosshard selbst Klangbeiträge zusammengetragen wurden, die im Rahmen der „European Tonspur“ bis zum Ende des Sommers am 1. Oktober täglich rund um die Uhr erlauscht werden können.

Am „Kunstplatz Graben“ nahm 2010 Cosima von Bonins „Tagedieb“ auf einem Hochstuhl Platz, ein Pinocchio mit überlanger Lügennase, von deren Ende eine Spinne baumelte. In diesem Jahr zeigt der in Düsseldorf lebende Künstler Thomas Schütte vier überdimensionale Bronzefiguren aus der zwischen 1997 und 2006 entstandenen Serie „Große Geister“. In ihren metallisch spiegelnden Raumanzügen wirken die dunklen Gestalten mit den herausfordernden Posen wie überraschte Hybride aus Michelin-Männchen und Star Wars-Figuren, die sich zu fragen scheinen, wie, weshalb und warum sie in der Wiener Innenstadt gelandet sind.

Zwischen ihnen stehend, sehen die Betrachter ziemlich klein und zudem karikiert aus. Denn in den spiegelnden Wülsten verzerrt sich deren Ebenbild zur zitternden Fratze. Dass der 56ährige Schütte, der 2005 auf der Biennale von Venedig als bester Künstler den Goldenen Löwen erhielt, erstmals Arbeiten in Wien präsentiert, ist seinem österreichischen Künstlerkollegen Erwin Wurm zu verdanken, der diese Installation für „Kör“ (Kunst im öffentlichen Raum Wien) kuratiert hat. (Wien, 1. Bezirk, Kunstplatz Graben, Graben Höhe 21, 1010 Wien, bis 2. November 2011).

www.koer.or.at
www.mqw.at
www.tba21.org



15.09.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Jacqueline Rugo

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