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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

„Absurd“, aber die Realität: Gerhard Richters rekordträchtige „Kerze“ führt die erfolgreiche Gegenwartskunstauktion bei Christie’s in London an

Krisenfest



Als „absurd“ hatte der Meister selbst bereits im Vorfeld der Versteigerung die astronomische Geldsumme bezeichnet, die sein eigenes Werk vermutlich verschlingen würde. Nun ist eingetreten, was Gerhard Richter befürchtet, der skandinavische Einlieferer und das Auktionshaus Christie’s in London aber wohl mehr erhofft hatten: 9,3 Millionen Pfund erzielte Richters fotorealistisches Ölgemälde „Kerze“ aus dem Jahr 1982 auf der Gegenwartskunstauktion am 14. Oktober. Damit wurde nicht nur die ohnehin ambitionierte Schätzung von 6 bis 9 Millionen Pfund übertroffen, sondern auch der alte Auktionsrekord, den vor zwei Jahren eine weitere seiner „Kerzen“ bei Sotheby’s in London aufgestellt hatte. Auch den zweiten Platz der Zuschlagsliste besetzte Gerhard Richter mit einem großen „Abstrakten Bild“ von 1992 für 3,2 Millionen Pfund im oberen Bereich der Schätzung, ebenso Platz sieben mit einer weiteren, wieder deutlich kleineren Arbeit von 1988 für 880.000 Pfund. Hier standen 500.000 bis 700.000 Pfund auf dem Etikett.


Mit nur sechs Rückgängen bei 47 Verkäufen und gut 38 Millionen Pfund Umsatz erwies sich Christie’s als einziges der drei großen Häuser in London diesmal als relativ krisenfest. Dank war auch den deutschen Künstlern. Keine der fünf Richter-Offerten blieb unveräußert liegen. Sogar ein weiterer Rekord war für Martin Kippenberger fällig, wenn auch nur bezogen auf sein skulpturales Schaffen: Von 250.000 bis 350.000 Pfund auf 1,15 Millionen Pfund entwickelte sich ziemlich überraschend seine mehrteilige Laterne aus dem Jahr 1990, die sich selbst in akrobatischen Serpentinen über die Wände schlängelt. Etwas moderater schlossen die beiden Interieurs Matthias Weischers ab: 160.000 Pfund für sein „Mobile“ von 2007, 120.000 Pfund für seinen „Erfundenen Mann“ von 2003, jeweils etwa im Rahmen der Erwartungen. Ebenso solide bei jeweils 320.000 Pfund gingen Sigmar Polkes „Transparent #7“ von 1988 und Albert Oehlens stilllebenartig-abstrakte Komposition „Geschmeidig“ von 1999 übers Auktionspult, letztere zu neuem Auktionsrekord (Taxen je 250.000 bis 350.000 GBP).

Ebenfalls eine neue Bestmarke setzte Antony Gormley mit einer über fünf Meter breiten Version seines berühmten „Angel of the North“ von 1996 annähernd in Lebensgröße. Vor drei Jahren in einem anderen Exemplar bei Sotheby’s noch für 2 Millionen Pfund versteigert, ist für den Briten inzwischen wohl wieder eine rund fünfzigprozentige Wertsteigerung eingetreten, legt man die jetzt erreichten 3 Millionen Pfund zugrunde (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP). Die Attraktivität jüngerer britischer Kunst äußerte sich auch in 850.000 Pfund für Damien Hirsts in Formaldehyd eingelegten Stierkopf unter dem Titel „Judas Iscariot (The Twelve Disciples)“ von 1994 und 800.000 Pfund für Glenn Browns schwebenden Putto „Earth“ in barockem Queroval von 2004, beide angetreten für jeweils 500.000 bis 700.000 Pfund. Bewährt hat sich mit Maria Lassnig auch einmal eine österreichische Position der Gegenwart. Ihr unbekleidet Fußball spielendes Paar „Competition I“ von 1999 erreichte taxgerechte 120.000 Pfund.

Die Amerikaner schnitten dagegen merklich schlechter ab. Einige ihrer Berühmtesten wie Andy Warhol oder die abstrakten Expressionisten waren gar nicht angetreten. Das einzige ältere Werk, Tom Wesselmanns querovales „Still Life #23“ von 1962, scheiterte schon an 400.000 bis 600.000 Pfund. Von Richard Prince wurden zwar drei der vier Angebote angenommen, nicht aber das Hauptlos, seine „Nurse Forrester’s Secret“ aus der sonst eigentlich markttauglichen Krankenschwesterserie für 2,1 bis 3 Millionen Pfund. Schon für 550.000 Pfund ging John Currins lesendes Damenbildnis „The Pillow“ von 2006 weg (Taxe 650.000 bis 850.000 GBP). Teuerstes Werk wurde Jean-Michel Basquiats zähnezeigender „Pedestrian 2“ von 1984 vor grün-rotem Hintergrund bei 1,15 Millionen Pfund (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP).

Glücklich gemacht hat Christie’s wieder einige Vertreter der jungen Generation, allen voran wohl den 1975 geborenen Ahmed Alsoudani, der mit seinem dekorativen Riesenformat „Baghdad I“ von 2008 bei 600.000 Pfund den Schätzpreis verdoppeln und souverän einen neuen Auktionsrekord aufstellen konnte. Der ein Jahr ältere Matthew Day Jackson, der auf dem Markt bereits in etwa gleiche Höhen aufgestiegen ist, gab sich etwas bescheidener mit 95.000 Pfund für seine relativ kleine Skulptur „Phineas (after Brancusi)“ von 2006 (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP). Auch ein anderer junger Künstler, den Christie’s als Abendauktionsneuling gleich an den Anfang der Versteigerung platziert hatte, profitierte von dem nach der Sommerpause wieder erwachten Run auf Zeitgenössisches. 65.000 Pfund schaffte Joe Bradley aus dem Stand mit seiner blau-weiß-roten Tafelkonstellation „Double Runner“ aus dem Jahr 2006 – Auktionsrekord natürlich inbegriffen (Taxe 25.000 bis 35.000 GBP).

Die Italiener waren im Hauptprogramm zweimal mit Maurizio Cattelan vertreten. 900.000 Pfund erlöste sein an einem neun Meter hohen Laternenmast aufgehängter Junge von 2004 (Taxe 900.000 bis 1,2 Millionen GBP), 280.000 Pfund sein vier Meter breites Farbfoto mit einer Ansicht des „Hollywood“-Schriftzuges in der sizilianischen Pampa, vom Künstler selbst aufgestellt 2001 für die Biennale in Venedig (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP). Knapp fünfzig weitere Italiener hatte Christie’s zudem in einer eigenen nachfolgenden Sektion zusammengestellt. Sie trotzten der allgemeinen Finanzkrise allerdings weit weniger robust als die Künstler des ersten Auktionsteils: Immerhin rund ein Drittel der Werke fand keinen Abnehmer. Der Gesamtumsatz lag bei rund 17,6 Millionen Pfund.

Auch von dem sonst so unverwüstlichen Lucio Fontana wurde lang nicht alles übernommen, und über 750.000 Pfund für ein weißes, vierfach geschlitztes „Concetto spaziale“ von 1963/64 kam man daher diesmal nicht hinaus (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP). Besser sah es für Piero Manzoni aus. Mit 2,9 Millionen Pfund wurde die obere Schätzung für sein ein Meter breites vertikal strukturiertes „Achrome“ von 1958/59 sogar noch um 100.000 Pfund übertroffen. Im preislichen Mittelfeld rangierten die Arbeiten Alighiero Boettis, darunter sein bunter Wandteppich „Tutto“ von 1988 für 1,15 Millionen Pfund (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP), und die Stillleben Giorgio Morandis für bis zu 820.000 Pfund. Als auffallend begehrt erwiesen sich die naiv angelegten Strukturbilder Domenico Gnolis. Von 250.000 bis 350.000 Pfund auf 750.000 Pfund kletterte sein Wintermantelausschnitt „Pelliccia“ von 1965, und mit fast sensationellen 2,05 Pfund für sein aus dem gleichen Jahr stammendes „Busto femminile di dorso“ reichte es sogar zu einen neuen Auktionsrekord (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26



21.10.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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