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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Diesmal mehr Zeitgenossen: Kunst bei Irene Lehr in Berlin

Vormarsch der Jugend



Eine Schwerpunktverlagerung hin zur zeitgenössischen, zum Teil ganz jungen Kunst kennzeichnet das Angebot von Irene Lehr zur kommenden Kunstauktion in Berlin. Den Meistern der ersten Hälfte des 20sten Jahrhunderts, die sonst doch die Mehrzahl der hochkarätigen Werke stellen, ist diesmal getrost der Rang abgelaufen. Auch das Hauptlos kommt von einem, den man gewöhnlich noch den Gegenwartskünstlern zurechnet: Fritz Winters Ölbild „Blühen zwischen Steinen“, 1960 mit ungewöhnlich heller Palette als ein fast spielerisches Zischen und Zucken kleinteiliger Formen über weißgrauem Grund gestaltet, führt mit realistischen 40.000 Euro die Schätzpreisliste an. Hinter ihm folgt ein Kollege, der nun wirklich zeitgenössisch ist: Neo Rauchs im Format fast identische Bilder „Die Werkstatt I“ und „Zündschnüre“ von 1990 repräsentieren den allmählichen Abschluss der Suche nach einem eigenen unverwechselbaren Personalstil. Die etwas indifferente Farbigkeit fast ausschließlich in grünlichen Tönen und die zögernde Suche nach der Figuration gehören noch zu den Altlasten der frühen Jahre. Jeweils 25.000 Euro hat Lehr hier angesetzt.


Ebenfalls 25.000 Euro soll Günther Förgs als „13/93“ nummeriertes und datiertes Bleibild kosten. Die 180 Zentimeter breite Tafel ist Teil einer ganzen Serie ähnlicher Bilder, die der Künstler fast monochrom mit rhythmisierten Unterteilungen gestaltete. Als Titellos der Auktion vom 29. Oktober fungiert mit einem Schätzpreis von 20.000 Euro Werner Tübkes „Mädchen mit roter Kappe“. Stilistisch und farblich erinnert das 1956 geschaffene Profilbildnis an Pablo Picassos blaue Periode. Als weitere Vertreter der DDR-Kunst werden zwei Gemälde Willi Sittes angeboten, von denen der „Kopfstand“ von 1961 die Rückkehr des Künstlers zur Figuration markiert (Taxe 9.000 EUR). Die „Schwimmenden Akte“ von 1991 knüpfen stilistisch an den Impressionismus an (Taxe 10.000 EUR). Mit dem 1972 geborenen Christoph Ruckhäberle, einem Meisterschüler Arno Rinks, hat Irene Lehr sogar einen ganz jungen Künstler im Programm. Die in Öl gemalte Märchenadaption „Hänsel und Gretel“, die verzweifelt im dunklen Wald umherirren, schuf er 1999 (Taxe 12.000 EUR).

Reichhaltig ist überdies die Offerte zeitgenössischer Künstlern der zweiten Garnitur. Nicht Alles davon überzeugt vielleicht, aber immer ist es Ausdruck auch einer bestimmten Zeit. Die neue Internationalisierung der deutschen Kunst in den 1970er Jahren repräsentiert beispielsweise Werner Berges’ „Double“ von 1972, sichtlich ein von der Pop Art inspiriertes Acrylgemälde mit weiblichen Akten (Taxe 3.500 EUR). Gegen die neue Welle gegenständlicher Malerei stellte sich Eberhard Göschel 1979 mit einer wohl halb humorig gemeinten „Alten Landschaft“, die an ein Kornfeld erinnert (Taxe 4.000 EUR). Ein lustiges Fest des Informel feiert Rolf Cavael in seiner durch den Titel zugleich datierten „Komposition 73/N2“ (Taxe 8.000 EUR), etwas radikaler geht es in zwei unbetitelten, mittelgroßen Mischtechniken Fred Thielers von 1962 und 1990 zu (Taxen je 9.000 EUR). Für einen Zug ins Transzendentale stehen Ben Willikens mit einem seiner ebenso statischen wie unwirklichen Interieurs von 1991 (Taxe 7.000 EUR) und James Brown mit seiner meditativ-abstrakten „Stabat Mater VI“ von 1988 über das traditionsreiche Thema der schmerzensreichen Muttergottes (Taxe 5.000 EUR).

Mit Georg Baselitz’ Holzschnitt „Schwarzes Tuch III“, 1989 mit zahlreichen Kreisformen und einer typisch auf dem Kopf stehenden Gestalt als eines von fünfzig Exemplaren entstanden (Taxe 1.500 EUR), oder Jasper Johns’ kaum sechs Zentimeter hoher „3“ aus der Folge von Aquatintaradierungen „10 Numerals“ von 1975 gibt es auch erschwingliche Grafik internationaler Künstler (Taxe 2.500 EUR). Etwas teurer wird es mit Friedensreich Hundertwassers kompletter Folge der zehn Farblithografien „Regentag – Look at it on a rainy day“ von 1971/72 für 12.000 Euro oder dem einzelnen Blatt „Le soleil de l’Atelier“ Marc Chagalls, 1971 als Selbstportrait vor der Staffelei aufgelegt, für bis zu 9.000 Euro sowie mit Gerhard Richters berühmter „Kerze“, die in London als neuer Auktionsrekord eben für Furore sorgte, bei Lehr leider nur als Farboffset zu haben ist, von 1988 für 6.000 Euro.

Zeichnerisch wird es mit Ilya Kabakovs teils farbiger Raum- und Proportionsstudie von 1962 und dem realistisch aufgefassten Brutbild eines jungen Mannes mit leicht melancholischer Ader seines russischen Kollegen Erik Bulatov von 1967 (Taxen je 3.500 EUR). Für seine Papierreliefs ist Jiri Hilmar bekannt. Ein größerer Objektkasten in schwarzweißer Kontrastreihung von 1970 liegt bei 3.500 Euro. Mary Bauermeister, der das Ludwigshafener Wilhelm-Hack-Museum im vergangenen Jahr eine umfassende Retrospektive widmete, ist mit einem ihrer Linsenkästen von etwa 1970 zugegen, in der sie eine betörende Welt aus spiegelndem Glas, Lupen, Linsen, Prismen und Zeichnungen erschafft (Taxe 1.500 EUR). Bei Dieter Appelt wird es ethnologisch, wenn er 1977 in einer Kassette mit zehn Silbergelatineabzügen das Zahlensystem der Massai variiert (Taxe 5.000 EUR). 1990 hat Wolf Vostell „The Fall of the Berlin Wall“ als materialintensive fließende Assemblage aus Blei, Beton, Gouache und einem Löffel abstrakt umgesetzt (Taxe 4.500 EUR).

So ganz fehlen aber natürlich auch die Meister nicht, die sonst das unverwechselbare Charakterbild Lehrscher Auktionen prägen. Den Beginn machen meist deutsche Impressionisten. Neben dem gefälligen Genrebild einer holländischen Fischersfrau beim Stricken von Franz Skarbina aus dem Jahr 1887 (Taxe 7.000 EUR) oder Paul Paeschkes spätes Blumenstillleben mit Iris, Flieder und Bellis aus den 1930er Jahren (Taxe 2.400 EUR) ist hier eine südfranzösische Hafenstadt mit Kirche von dem Elsässer Gustave Lehmann zu nennen, 1912 im Stil des Neoimpressionismus entstanden (Taxe 750 EUR). Bemerkenswerte Dokumentationen aus dem Alltagsleben des Ersten Weltkriegs sind Hans Michaelsons „Soldaten bei der Rast“ und „Winter in Frankreich“, beide um 1917 gemalt. Die Sujets sind im Verhältnis zu den Nöten ihrer Zeit erstaunlich heiter ausgeführt (Taxen 3.500 und 4.000 EUR).

Paul Wilhelm gehört zu den Vertretern der an guter Kunst reichen Zwischenkriegszeit, in die sich sein mit aufgewühltem Pinselstrich auf die Leinwand getriebenes Stillleben „Kapuzinerkresse und gelbe Schachtel“ um 1921 einreihen lässt (Taxe 4.000 EUR). Ein anderer Angehöriger dieser „vergessenen Generation“ ist Christian Arnold, der 1929 im Stil der Neuen Sachlichkeit eine heimische Hügellandschaft mit Dorf im Vordergrund verbildlichte (Taxe 3.000 EUR). Ihm schließt sich József Bató mit dem Aquarell des Osram-Werkes in Berlin-Charlottenburg von 1932 bei 1.200 Euro an. Konstruktivistische Tendenzen nahmen Elena Liessner-Blomberg 1921 in ihrem von der Kostüm- und Illustrationskunst inspirierten „Blauen Vogel“ und Otto Möller 1923 in seinen „Segelbooten“ auf – schöne Beispiele für die zahlreichen individuellen Lösungen, die die Künstler im Spannungsfeld der frühen Moderne fanden (Taxen je 3.000 EUR).

Auch Otto Fischer-Trachau kam es auf richtige Perspektive nicht mehr an. In seiner 1922 datierten Gouache „Fensterblick mit Alpenveilchen“ überlagern das stilllebenartige Motiv im Vordergrund, eine stark verzogene Interieurszene und die verschachtelten Häuser im Hintergrund einander völlig unverbunden (Taxe 8.000 EUR). Von Hermann Glöckner gibt es diesmal auch eine relativ frühe Arbeit aus seinem fast hundert Jahre währenden Leben: 1920 entstand das „Selbstbildnis mit kahlem Schädel“, in dem er den Betrachter mit selbstbewusstem Blick fixiert (Taxe 10.000 EUR). Unverkennbar den gemäßigt expressionstischen Stil Franz Heckendorfs zeigen ein Berglandschaft in kontrastreicher kräftiger Farbigkeit von 1929 (Taxe 4.500 EUR) und eine windige Uferpartie „Am Stößensee“ von 1931 (Taxe 6.000 EUR). Aufwühlender ist da schon Wilfried Ottos Ölgemälde „Norddeutsche Landschaft mit Brunnenbaum von 1923, auf dessen Rückseite sich eine weitere Szene mit dem antiken Mythos von Pygmalion beschäftigt (Taxe 4.000 EUR). 1930 hatte sich Heinrich Vogeler eine „Weiße Nacht am Weißen Meer (Kandalakscha)“ aus der Erinnerung zurückgerufen. Mit 15.000 Euro dürfte dieses Ölbild angesichts der Seltenheit von Vogeler-Gemälden auf dem Markt nicht zu hoch bemessen sein.

Mit Kate Diehn-Bitt feierte das Berliner Auktionshaus im vergangenen Mai bereits einen veritablen Erfolg: Für 18.000 Euro ging damals ihr Ölbild „Mutter mit Kind“ über die Bühne. Daran anknüpfend ist die um 1936 entstandene Holztafel „Die Witwe“ jetzt mit 20.000 Euro bewertet. Späte Blüten trieb die Neue Sachlichkeit in Willy Kriegels Abkonterfaktur „Herbstblätter“ aus den 1940er Jahren und Richard Müllers „Mühle in Sebusein an der Elbe“ von 1943 (Taxen je 7.000 EUR). Als hervorragender Grafiker des Expressionismus begegnet einem Hans Orlowski. Ausschließlich aus den frühen 1920er Jahren stammt ein Stapel teils farbiger Holzschnitte, die von einer Berliner Privatsammlung eingeliefert wurden. Darunter finden sich Meisterwerke der Charakterisierungskunst wie eine Tänzerin im „Varieté“ von 1921 oder ein magisch aus schmalen Augen blickender „Mädchenkopf mit langem Haar“ von 1920. 900 bis 1.500 Euro sind eigentlich viel zu wenig für solche Blätter. Eines der schönsten Werke der unmittelbaren Nachkriegszeit auf dieser Auktion ist Heinrich Siepmanns Ölbild „Komposition 8“, die 1946 die durch die Nationalsozialisten unterbrochene Kunstentwicklung der 1920er Jahre in geometrisch-kubistischer Sprache gleichsam fortsetzt (Taxe 5.000 EUR).

In der Riege der älteren DDR-Künstler tauchen bekannte Namen auf. Hans Jüchser beispielsweise, dessen mythologische Szene „Das Urteil des Paris“ 1975 zwei Jahre vor seinem Tod entstand (Taxe 6.000 EUR), oder Curt Querner unter anderem mit der nachexpressionistischen Landschaftsstudie „Börnchen“ für 9.000 Euro. Schon einmal erfolglos angeboten hatte Lehr einen „Lampionumzug“ von Albert Ebert aus dem Jahr 1960. Der Preis ist jetzt auf 10.000 Euro um ein Drittel reduziert. Zugleich gibt es seinen „Nächtlichen Jahrmarkt“ von 1964 für 12.000 Euro. Teuerste klassische Skulptur der Auktion ist Arno Brekers am Wasser kauernder Frauenakt „Träumerei“ für 8.000 Euro. Mit ihrer Entstehung 1932 gehört die Bronze sozusagen noch zu den unverdächtigen Werken des späteren nationalsozialistischen Handlangers. Die Eleganz eines äsenden Rehs hielt Fritz von Graevenitz 1930 ebenfalls in Bronze fest (Taxe 3.000 EUR). Auch hier werden aber die Älteren von den Jüngeren übertroffen: Mit 10.000 Euro ist die ampelartige Lichtinstallation „Signals. Series 3, No. 26“ des Griechen Takis, alias Panayiotis Vassilakis, aus dem Jahr 1967 ausgezeichnet. In der derzeitigen wirtschaftlichen Situation wirken die unterschiedlich blinkenden Leuchten an Teleskoparmen wie ein etwas spöttischer Kommentar des Künstlers auf sein Heimatland.

Die Auktion beginnt am 29. Oktober um 13 Uhr im Hotel Excelsior in Berlin. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 27. Oktober täglich von 12 bis 19 Uhr in den Räumen des Auktionshauses. Der Online-Katalog unter www.lehr-kunstauktionen.de bildet alle Objekte ab.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



24.10.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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