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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Phänomenaler Pforr: Die kleine Holztafel des deutschen Romantikers bringt bei Van Ham 740.000 Euro

Aus dem Schlummer erweckt



Franz Pforr, Nächtliche Heimkehr, 1809

Franz Pforr, Nächtliche Heimkehr, 1809

Mit seiner Versteigerung Alter und Neuerer Meister am vergangenen Freitag hat das Kölner Auktionshaus Van Ham nicht nur ein Stück Kunstgeschichte gehoben, sondern vielleicht auch geschrieben. Denn die kleine Holztafel „Nächtliche Heimkehr“ des deutschen Romantiker-Nazareners Franz Pforr aus dem Jahr 1809, die nach jahrzehntelangem Schlummer nun aus einer nordrhein-westfälischen Privatsammlung wieder an die Öffentlichkeit gelangte und die Wissenschaft begeisterte, wurde auch noch zu einem sensationellen Preis weitervermittelt: 740.000 Euro bezahlte ein anonymer Telefonbieter für das 20 mal 26 Zentimeter kleine Gemälde, das zu den schönsten Werken der Wiener Lukasbündler und überdies zu den wenigen seines früh verstorbenen Schöpfers zählt. Die klammen Museen, die sicher der geeignete Aufenthaltsort dafür gewesen wären, hatten keine Chance in dem heißen Wettbewerb, den sich vor allem Bieter aus Deutschland und den USA lieferten. Die Schätzung lag bei 130.000 bis 150.000 Euro.


Alte Meister

Pforrs kleine häusliche Szene mit dem zur später Stunde in seine Stube heimkehrenden Maler war größte Höhepunkt der Auktion am 18. November, die mit einer Zuschlagsquote von rund sechzig Prozent nach Losen sehr solide, aber nicht sensationell ausfiel. Insbesondere bei den Alten Meistern erwiesen sich manche Schätzungen als zu anspruchsvoll wie die 200.000 bis 220.000 Euro für Georg Flegels Frühstücksstillleben mit Kastanien, Trauben und Nüssen – hier wird noch über den Zuschlagspreis von 170.000 Euro verhandelt – oder die 130.000 bis 150.000 Euro für Gerrit Dous Stillleben mit militärischen Rüstungen, für das die Gebote schon bei 90.000 Euro endeten. Streng an die vorgegebenen Rahmen hielten sich ein Blumenstillleben mit Salamander von Jan Baptist van Fornenburgh für 50.000 Euro und Aernout Smits stürmisches Seestück mit schaukelnden Segelschiffen für 15.000 Euro. Die Gebote für ein weiteres Frühstücksstillleben mit Anchovisplatte, diesmal von Sebastian Stoskopff gemalt, verebbten bei 39.000 Euro, nur 1.000 Euro unterhalb der unteren Taxgrenze, und müssen deshalb ebenfalls nachverhandelt werden.

Ohnehin wurde auf große Namen nicht so sehr geschaut wie auf die künstlerische Qualität des jeweiligen Objekts. Wertsteigerungen waren daher an der Tagesordnung: Von 3.000 bis 4.000 Euro auf 12.000 Euro kletterte beispielsweise die Ecce Homo-Darstellung eines venezianischen Meisters der Tintoretto-Nachfolge. Eine verschmitzt lächelnde Dame, die soeben ein Streichholz an ein leicht entzündliches Grasbündel hält und damit die Allegorie des Feuers verbildlicht, wurde von 6.000 bis 7.000 Euro auf 24.000 Euro gehoben. Auch hier war ein italienischer Meister des 17ten Jahrhunderts am Werk. Auf niederländischer Seite stand das Portrait eines jungen Mannes aus der Rembrandt-Schule für stattliche 18.000 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Dem Umkreis Anthonie Palamedesz’ hatte Van Ham ein Interieur mit kostbar gekleideten Leuten auf einer sechseckigen Kupferplatte zugeordnet. Die Steigerung von 3.000 bis 3.500 Euro auf 26.000 Euro nährt aber den Verdacht, dass sie vielleicht doch von dem Delfter Meister selbst stammen könnte. Auf 13.000 Euro verdoppelte sich der Wert einer Ansicht Dresdens über die Elbe hinweg, die dem Sachsen Johann Alexander Thiele zugeschrieben wird.

Neuere Meister

Auch bei den Neueren Meistern gab es zum Teil heftige Schwankungen – nicht nur bei Franz Pforr. Wiederum profitierte davon eine Reihe weniger bekannter Künstler: Eine klare Partie in Istanbul mit der Eyüp-Sultan-Moschee im Hintergrund von Louis Émile Pinel de Grandchamp beispielsweise machte erst bei 17.000 Euro den Abgang (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR), ein lockeres Picknick gründerzeitlicher Glücksritter im Wald von Eugen Klimsch aus dem Jahr 1894 erst bei 20.000 Euro (Taxe 9.500 bis 10.000 EUR), und Hugo Mühligs einsamer Jäger im Schnee kletterte von 8.000 bis 9.000 Euro auf 15.000 Euro. Auf 10.000 Euro verdoppelte sich der Wert einer in warmes Licht getauchten Waldlandschaft mit Köhlern von dem Düsseldorfer Akademiegewächs Peter Heinrich Happel, eine weite dunstige Landschaft im Dachauer Moos von Josef Wenglein auf 12.500 Euro.

Carl Hilgers machte es ebenso und ließ seine „Winterlandschaft mit Schlittschuhläufern“ in Manier der alten Niederländer auf 11.000 Euro steigen (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Bei den zwei Tondi mit italienischen Landschaften in warmem Abendlicht, die August Christian Geist noch 1853 in einer Mischung aus idealem Klassizismus und romantischer Anmut gestaltete, kamen 6.000 Euro zusammen (Taxe 2.500 EUR). Ebenfalls gute Werte erzielten Johann Bernhard Klombecks spätromantische Waldlichtung mit einigen Rehen in der Abenddämmerung von 1873 für 18.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und Andreas Schelfhouts Gebirgslandschaft mit Bauern für 16.000 Euro (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR).

Auch manche gefällige Malerei aus Italien wurde honoriert, wie Attilio Pratellas beschauliches Tun der Fischer an der Küste von Neapel mit dem Palazzo Donn’ Anna für 12.000 Euro (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR) oder Luigi Bechis Genrebild zweier Kinder mit Brot und Äpfeln bei einer Pause, das bei 28.000 Euro nach Belgien wanderte (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Wenige Absatzschwierigkeiten hatten ferner die russischen Künstler, darunter Julius Sergius Klever, dessen „Reisigsammler am Rande eines Waldes“ von 1911 erst bei 20.000 Euro heimkehrte (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), und Alexis Hanzens giftblau schillerndes Meer an einer Felsenküste der Adria für 11.000 Euro (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR).

Aus Skandinavien beeindruckte Georg Anton Rasmussens großformatiger und auch im Sujet monumentaler Blick in einen morgennebligen Fjord, zwischen dessen Felsmassen sich ein eigentlich stattlicher Dampfer fast winzig ausnimmt. Die 1892 datierte Leinwand kostete 12.000 Euro (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Auch Fritz Grebe steuerte eine wolkenverhangene Fjordlandschaft mit Ausblick auf die Weite des Meeres bei, die taxgerecht bei 4.000 Euro übernommen wurde. Eine merkwürdige – vielleicht auch etwas spöttische – Kombination ist auf Frederik Hendrik Kaemmerers Gemälde „Am Strand“ von 1870 zu sehen: Da rauschen zwei edel gekleidete Damen über den Sand just in diesem Moment an einer alten verrosteten Kanone vorbei. Hier wurden 15.000 Euro bezahlt (Taxe 9.000 bis 10.000 EUR).

Für Heinrich Bürkels biedermeierliche Szene „Ankunft auf der Alm“ aus dem Jahr 1835 waren 30.000 bis 35.000 Euro zu viel. Im Nachverkauf wurden 29.000 Euro bewilligt. Von Oswald Achenbachs größeren Arbeiten wurde nur die Prozession zu Santa Maria in Aracoeli in Rom hinauf bei 20.000 Euro leicht unterhalb der Schätzung übernommen. Carl Spitzweg gab lediglich seine „Zwei Dirndl auf der Alm“ um 1870 bei 33.000 Euro in neue Hände (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Der „Angelnde Mönch“ von circa 1869 blieb, obwohl gegenüber der vergangenen Van Ham-Auktion von 120.000 bis 140.000 Euro auf 60.000 bis 65.000 Euro deutlich reduziert, ebenso unveräußert wie seine alttestamentliche Umsetzung „Susanna im Bade“ um 1849 für 25.000 bis 35.000 Euro. Als Höhepunkt der Neueren Meister nach dem Pforr-Bild ließ sich gegen Ende der Auktion ein Tscheche Alexander Koesters großes, in besonders elegantes Blau getauchtes Entenbild 80.000 Euro kosten (Taxe 38.000 bis 42.000 EUR).

Skulpturen und Kunsthandwerk

Die teuerste Skulptur war erwartungsgemäß ein lebensgroßer Erpel aus Bronze von dem beliebten Berliner Tierbildhauer August Gaul für 17.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Recht erfolgreich war zudem eine Suite von Bronzen, Biskuitporzellanen und Alabasterschönheiten Ernst Segers: für eine „Sandalenbinderin“ gab es 4.000 Euro, für eine stehende „Phryne“ aus Marmor und Onyx sogar 4.200 Euro (Taxen je 2.000 bis 2.500 EUR). 4.400 Euro erreichte eine Marmorbüste der Jeanne d’Arc aus der Hand des französischen Salonbildhauers Henri Chapu (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR). Beim Kunsthandwerk waren vor allem ausgefallene Preziosen gefragt. Unter Kennern hatte schon im Vorfeld eine klassizistische Stutzuhr wohl aus der Neuwieder Werkstatt David Roentgens einige Aufmerksamkeit erregt. Entsprechend groß war der Wertzuwachs von bescheidenen 5.000 bis 10.000 Euro auf 40.000 Euro aus der Hand eines deutschen Sammlers. Drei schöne Pariser Schmucktabakdosen des Louis XVI und aus späterer Zeit wurden zwischen 15.000 und 18.000 Euro jeweils etwa im Rahmen der Schätzungen gehandelt.

Beim Silber vervierfachte eine Augsburger Schauplatte mit einer Ruinenlandschaft von Isaak Warnberger um 1677/79 ihre Schätzung auf 12.000 Euro. Zum Überraschungssieger avancierte hier eine Fraustädter Schraubflasche des 17ten Jahrhunderts mit ungewöhnlichem Nuppendekor: Ein Schweizer Kunde stritt sich um das mit „M. R.“ bezeichnete Stück gegen eine Schar von Interessenten bis auf 46.000 Euro hinauf (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Dicht dahinter bei 42.000 Euro rangiert ein prunkvolles Gründerzeitservice der Bremer Firma Wilkens & Söhne, von dem es lediglich zwei Ausführungen gibt (Taxe 17.000 bis 18.000 EUR). Aus dem ausgehenden Jugendstil, halb schon auf der Schwelle zum Art Déco, stand ein großer dreiteiliger Tafelaufsatz von Koch & Bergfeld ebenfalls aus Bremen für 35.000 bis 40.000 Euro bereit. Er schaffte immerhin 32.000 Euro. Der Jugendstil war auch noch einmal mit einem schönen Möbelstück vertreten: Louis Majorelles Etagerenschrank mit floralen Intarsien um 1900 wurde erst bei 19.000 Euro aus dem Auktionshaus getragen (Taxe 8.000 bis 9.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Van Ham Kunstauktionen

Schönhauser Straße 10-16

DE-50968 Köln

Telefon:+49 (0221) 925 86 20

Telefax:+49 (0221) 925 86 24



25.11.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Johann Bernhard Klombeck, Waldlichtung bei Dämmerung, 1873

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Taxe: 12.000 - 15.000 EURO

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Taxe: 20.000 - 25.000 EURO

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David Roentgen Werkstatt zugeschrieben, Stutzuhr, um 1785

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Taxe: 5.000 - 10.000 EURO

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Losnummer: 880

Alexander Koester, Enten am Ufer des Bodensees

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Taxe: 38.000 - 42.000 EURO

Zuschlag: 80.000,- EURO

Losnummer: 355

Jan Baptist van Fornenburgh, Blumenstillleben mit Salamander

Jan Baptist van Fornenburgh, Blumenstillleben mit Salamander

Taxe: 50.000 - 55.000 EURO

Zuschlag: 50.000,- EURO

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Ernst Seger, Phyrne

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Taxe: 2.000 - 2.500 EURO

Zuschlag: 4.200,- EURO

Losnummer: 20

Tafelaufsatz, Koch & Bergfeld, Bremen um 1910/20

Tafelaufsatz, Koch & Bergfeld, Bremen um 1910/20

Taxe: 35.000 - 40.000 EURO

Zuschlag: 32.000,- EURO

Losnummer: 1201

Georg Flegel, Frühstücksstillleben mit Trauben, Nüssen, Kastanien und Brot

Georg Flegel, Frühstücksstillleben mit Trauben, Nüssen, Kastanien und Brot

Taxe: 200.000 - 220.000 EURO

Zuschlag: 170.000,- EURO

Losnummer: 105

August Christian Geist, Zwei italienische Landschaften, 1858

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Taxe: 2.500,- EURO

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Eugen Klimsch, Das Picknick, 1894

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Frederik Hendrik Kaemmerer, Am Strand, 1870

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Taxe: 9.000 - 10.000 EURO

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