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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenössische Kunst bei Lempertz in Köln

Kein Klischee ausgelassen



Die Gegenwartskunstauktionen gehören zu den ungewöhnlichsten Veranstaltungen des Kölner Auktionshauses Lempertz. Vielleicht ruft aber auch nur die Zusammenstellung der rund 340 Losnummern diesen Eindruck hervor: Wo andere Häuser die Spitzenstücke extrahieren und zu eigenen kleinen Sessions zusammenstellen, landet bei Lempertz alles in einem großen Topf. Man muss sie daher ein wenig suchen: das ausgefranste Scheibenbild Ernst Wilhelm Nays beispielsweise, ein gut anderthalb Meter hohes Ölgemälde unter dem Titel „Jota“ von 1959 für 280.000 bis 350.000 Euro, oder die rot-rot-rote „Homage to the Square“ von Josef Albers aus dem Jahr 1966 für 130.000 bis 160.000 Euro. Eine „Hommage à Mozart“ gestaltete Gerhard Hoehme ebenfalls 1959 als ein Breitformat mit einer Unzahl zeichenhafter rhythmisierter Motive. Ein Jahr nach seiner Entstehung war das collagierte Gemälde im Kunstverein Hannover und in Rio de Janeiro öffentlich ausgestellt. Jetzt werden 100.000 bis 120.000 Euro erwartet.


Bei der Fülle an attraktiven Offerten, die am 3. Dezember unter die Leute gebracht werden sollen, wäre eine Abteilung ausgewählter Werke, wie sie Lempertz vor nicht allzu langer Zeit bei der Klassischen Moderne eingeführt hat, also auch bei der Gegenwartskunst angebracht. So müsste ein unbetiteltes Rasterbild Sigmar Polkes mit weißem Netzgeflecht aus dem Jahr 1993 nicht zwischen mittelmäßigen oder kleinen Arbeiten von A.R. Penck oder C.O. Paeffgen versumpfen (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Mit Heinz Macks „Schwarzem Sternenbild. Chromatische Konstellation“ ist ein kapitales Stück der momentan so beliebten ZERO-Kunst zugegen. Die kosmisch anmutende Mischtechnik stammt zwar aus dem späten Schaffen des Künstlers 1995, besitzt aber das für ihn nicht allzu häufige Monumentalmaß von mehr als zweieinhalb Metern Höhe (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR). Eine frühe ebenfalls schwarze Arbeit desselben Künstlers, die durch ihre serielle Motivik unverwechselbar ist, datiert ins Jahr 1961 und soll 45.000 bis 50.000 Euro kosten.

Nicht weniger herausragend als Macks Chromatik ist eine dreiteilige Suite großer Mischtechniken des Informellen Emil Schumacher: Die mit gelbgrünen Tönen und reichlich Schwarz gestaltete Komposition „Kerim“ von 1989, das in erschreckendem Schwarz-Rot dröhnende „Merz“ von 1963 und die vergleichsweise sanfte Erscheinung von „Siles“ aus dem Jahr 1959, zu der sich noch ein dominantes Weiß gesellt, rangieren alle um die 150.000 bis 220.000 Euro. Als Dreingabe wartet Schumachers Frühwerk „Hühnerhaus“ von 1948 noch mit Anklängen an die Figuration bei 25.000 bis 30.000 Euro auf Interessenten. Von Gerhard Richter gibt es unter anderem ein kleines Abstraktes Bild in horizontalen Schlieren mit der Werknummer 862-5 von 1999 für 90.000 bis 100.000 Euro. Daneben ist der Malerfürst mit einem der dreißig Unikate „Blech“ zugegen, eine weiße Dämmerung in den blauschwarzen Randzonen, die 1980 den Mitgliedern des Bonner Kunstvereins als Jahresgabe angeboten wurde (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), sowie mit einer in kräftigen roten Farbzungen übermalten Landschaftsfotografie aus dem Jahr 1994 (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Als charakteristischer Repräsentant der italienischen Arte Povera ist Michelangelo Pistolettos fotografisch genaue Abbildung eines zwar ansatzweise gedeckten, aber in nichtssagendes Hellgrau gehüllten „Tavolo con piatti“ zu nennen. Die Serigrafie liegt auf einer polierten Edelstahlplatte, so dass sich der Betrachter selber über dem leeren Tisch sieht (Taxe 160.000 bis 180.000 EUR). Aus einer anderen deutschen Privatsammlung kommt Fabrizio Plessis sechsteilige Videoarbeit „Bombay-Bombay II“ von 1995. Lempertz hatte die überdies mit weißer indischer Baumwolle bestückten Eisenkästen allerdings schon vor zweieinhalb Jahren bei 160.000 Euro erfolglos auf Sendung. Nun werden 110.000 Euro erwartet. Ein Mittelding zwischen Arte Povera und informeller Malerei stellt das Œuvre des Spaniers Antoni Tàpies dar. Auf dem Kunstmarkt sind auch seine jüngeren Arbeiten arriviert wie die Mischtechnik „Pols de marbre“ von 1985, die mit 100.000 bis 150.000 Euro bewertet sind.

Das Mittelfeld ist mit einigen recht originellen Stücken gut vertreten, wie einer abstrahierten Figurengruppe Jean-Michel Atlans aus dem Jahr 1959 für 70.000 bis 90.000 Euro oder Imi Knoebels ultramarinblau dominiertem Acrylbild mit vielfarbigem Rahmen von 1993 für 40.000 bis 50.000 Euro. Auf das manische Aufschreiben einer endlosen Reihe siebenstelliger Zahlen ließ sich Roman Opalka 1965 ein. Der polnisch-französische Künstler ist erst im vergangenen August knapp achtzigjährig in Rom gestorben und hat damit sein Werk, das bis in die Unendlichkeit gehen sollte, vollendet (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). Für die klassische Abstraktion stehen unter anderem Bernard Schultzes dichter Farbgraten „Phönix“ von 1955 (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR), Peter Brünings schwungvoll gestische Komposition „Nr. 45“ von 1960 (Taxe 35.000 EUR), Rupprecht Geigers rot-orangefarben glühende Nummer „827/91“ (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR) und – mit 10.000 Euro etwas günstiger – Robert Rotars „Fliehkraftspirale“ von 1966, die an eine menschliche Pupille erinnert.

Die Riege der jüngsten Künstler bestreiten vor allem wieder bekannte Namen wie Norbert Bisky mit seiner diesmal ziemlich brutalen Jungmännerfantasie „Blutfluss“ aus dem Jahr 2005 (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR), ein zwei Meter breiter „Salon II“ mit einer ruhenden Frau auf einer Liege der 1977 geborenen Koreanerin SEO von 2005 (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR) oder die unbetitelte Rückenansicht eines vor einer Mauer – vielleicht ist die Klagemauer in Jerusalem gemeint – knienden Mannes von Daniel Richter ebenfalls aus dem Jahr 2005 für 30.000 bis 40.000 Euro. Etwas günstiger wird es mit dem überbordenden kosmischen Hirngespinst „Diamantkopfalien“ von Andrea Lehmann von 2005 mit 15.000 bis 18.000 Euro. Darunter rangieren das eiszapfenartige, weiße Dipp-Painting von Roxy Paine aus dem Jahr 1997 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), die unheimlichen nächtlichen Straßen Stefan Hoenerlohs, wie die „Invalidenstraße 50-51“ von 1997/98 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), oder der große Farbholzschnitt „Wohin der Hase läuft“ von Gert und Uwe Tobias, ein Plakat zu ihrer Ausstellung in der Galerie Michael Janssen in Berlin von 2007 (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR).

Teuerste Skulptur ist ein finnischer Granitstein, den Ulrich Rückriem 1991 zu einem aus insgesamt sechs Teilen bestehenden Pentagon gespalten hat (Taxe 80.000 EUR). Gegen das Starre der klassischen Bildhauerei treten die feingliedrigen kinetischen Erfindungen George Rickeys, wie sein „Mäander“ von 1973 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) oder die raumgreifenderen Nadeln in „One up one down excentric with acute angle II“ von 1980 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Dreimal die gleichen Speisereste eines Fernsehabends applizierte Daniel Spoerri 1964 genau parallel auf und unter eine Tischplatte sowie einen unter dieser befindlichen Spiegel und nannte die Wiederholungen dann „Triple multiplicateur d’art“ (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Wieder auf kompakte, abstrakte Formen rekurriert Alf Lechner; doch hat er seine beiden geometrischen Arbeiten von 1969 „Verformung“ genannt (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR). Dagegen spielen Günter Haese in seiner aus dünnen Messingdrähten aufgebauten „Debütantin“ von 1963 und Jacob Hashimoto 2002 in seinem Wandobjekt aus oktogonalen kleinen Papierschirmen, die an Fäden aufgereiht und überlagert sind, mit einem schwerelosen Filigran. Hierfür sind jeweils zwischen 5.000 und 8.000 Euro veranschlagt.

Aufgenommen hat Lempertz auch die zeitgenössische Fotokunst, während für die übrigen Aufnahmen am 1. Dezember eine eigene Sitzung abgehalten wird. Klassisches gibt es wieder von Bernd und Hilla Becher, darunter die vierteilige Serie höchst klappriger, aber offenbar funktionstüchtiger Holztürme diverser Förderanlagen im Schuylkill County im US-Bundesstaat Pennsylvania aus den Jahren 1974/75 (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), und auch von Candida Höfer. Sie hat 1999 das Museum für Völkerkunde in Dresden besucht und ihre zeitlosen, menschenleeren Aufnahmen von der werdenden Museumeinrichtung gemacht. Drei Bilder aus der Serie liegen bei jeweils 10.000 bis 12.000 Euro. Abgedrehter sind die homoerotischen Bildarrangements von Pierre et Gilles, die jede noch so süßliche Kitschfantasie bei weitem in den Schatten stellen: „Sur la plage abandonné“ mit einem liegenden, auch durch einen offensichtlichen Kopfschuss nicht um seine Schönheit gebrachten Halbakt des schwulen Schauspielers Rupert Everett von 1994 (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR) und die zweiteilige Selbstinszenierung „Le diable Pierre, la mort Gilles“ von 1997 lassen in ihrer Drastik und Offenheit kein Klischee aus (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 3. Dezember um 14:30 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 1. Dezember täglich von 10 bis 17:30 Uhr, am 2. Dezember von 10 bis 13 Uhr möglich.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



01.12.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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