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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Moderne und zeitgenössische Kunst bei Ketterer in München

Guter Vorgeschmack



Diesmal hat das Münchner Auktionshaus Ketterer ein wenig kokettiert: Denn sie sind keineswegs so „abwegig“, die „Seitenwege der deutschen Avantgarde“, die Ende Oktober den obligatorischen Ableger der Abteilung moderner Kunst bildeten. Sie stellten letztlich sogar das Hauptlos: Max Schwimmers expressionistisches Bildnis „Der Einarmige“ von 1919 wurde erst bei 28.000 Euro, dem Doppelten der unteren Schätzung, ausgerufen und von einem hartnäckigen Sammler aus Süddeutschland gegen Konkurrenz aus dem Saal, an den Telefonen und im Auftragsbuch des Hauses schließlich bis auf 66.000 Euro verteidigt. Für Schwimmer war dies ein neuer Auktionsrekord. Schon die Zuschlagsquote von rund drei Vierteln versteigerten Losnummern dokumentiert eindrucksvoll das große Interesse an den überwiegend günstig taxierten Werken der sogenannten „Seitenwege“. Vollständig übernommen wurden beispielsweise vier zwischen Neoimpressionismus und Fauvismus stehende Gemälde Hans Michaelsons, darunter zwei schreiend farbige Blumenstillleben aus der Zeit um 1914 für 6.500 Euro und 7.000 Euro jeweils im unteren Bereich der Schätzung.


Seitenwege der deutschen Avantgarde

Für 9.500 Euro und 10.000 Euro jeweils zum doppelten Schätzpreis wanderten am 28. Oktober zwei zusammengehörige aquarellierte Kohlezeichnungen Hermann Scherers von 1924/26 nach Österreich ab, die durch ihren Duktus und die Motive von „Badenden am Bergbach“ an den Dresdner Expressionismus erinnern. Wilfried Ottos düstere Szene einer Hypnose auf einem „Jahrmarkt“ von 1927 steigerte sich von 2.000 bis 3.000 Euro auf 9.500 Euro. Das aquarellierte Portrait einer vom Leben gezeichneten Frau in unmittelbarer Nahaufnahme von Elfriede Lohse-Wächtler konnte dank des Engagements eines weiteren Österreichers seinen Wert auf 15.000 Euro ungefähr verdoppeln. Ein trotz aller Sachlichkeit sehr persönliches, konzentriertes Selbstbildnis des späteren Abstrakten Ernst Klinger aus dem Jahr 1938 kam auf 6.500 Euro (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR).

Ihre Schätzungen bestätigten ein gefälliges, gut gemaltes Stillleben vor chinoisem Vorhang Carl Christoph Hartigs bei 6.300 Euro und Ivan Babijs in Kreide, Aquarell und Gouache auf Papier gezeichnetes Blumenstillleben im Stil der 1920er Jahre bei 8.000 Euro. Auch bei den kleinen Preisen gab es einträgliche Steigerungen. So verbesserte sich Paul Hartmanns Gouache einer bunten nächtlichen Stadtsilhouette mit dem „Freundlichen Nachbarn“ aus dem Jahr 1921 im Stile Paul Klees von 1.400 Euro auf 4.300 Euro, Lou Albert-Lasards farbige Kreidelithografie vom wilden Tanzen und Kokettieren in einem Etablissement auf dem Pariser „Montmartre“ von 1920 auf 1.400 Euro (Taxe 400 bis 600 EUR), und die beiden veristischen, mit Pastell übergangenen Tuschfederzeichnungen „Kaffeehausszene“ und „Raucherin“, die Richard Ziegler in den 1920er Jahren nicht ohne eine gehörige Portion Spott ausgeführt hat, von jeweils 1.500 Euro auf 2.500 Euro und 2.700 Euro.

Moderne Kunst

Recht hoch, wenngleich nicht ganz so enorm wie auf den „Seitenwegen“ blieb – nach einer komplett abgesetzten Plakatofferte – die Zuschlagsquote mit 57 Prozent im Hauptprogramm moderner Kunst. Auch hier konnten wichtige Werke weitervermittelt werden wie Conrad Felixmüllers Damenbildnis „Vor dem Spiegel (Rokoko)“ von 1934 mit dem angeschnittenen Konterfei des Künstlers selbst im bezeichneten Glas für 28.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder Lyonel Feiningers kristallines Tuschfederaquarell „Segelboote“ von 1931 für 17.500 Euro (Taxe 18.000 bis 24.000 EUR). Ein Frühwerk Willi Baumeisters, ein in erdigen Farben gehaltenes „Stillleben mit grünem Lampenschirm“ von 1910, verdoppelte seinen Wert auf 24.000 Euro. Die Attraktivität signifikanter Werke auch von Künstlern der zweiten Reihe schlug auch bei Peter August Böckstiegels Pastell „Dorfstraße“ aus dem Jahr 1942 mit seiner ungewöhnlichen Violettfärbung zu Buche: Hier wurden 14.500 Euro im oberen Bereich der Schätzung erreicht. Für 16.500 Euro ließ sich ein Sammler Theo von Brockhusens spätimpressionistische „Straße mit Bäumen“ aus der Zeit um 1905 einschlagen (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR).

Bemerkenswert erscheinen die 29.000 Euro, die Karl Schmidt-Rottluffs Gouache und farbige Pastellkreide „Winterwald“ aus der Zeit um 1950 erzielte: Erst im vergangenen Mai hatte dasselbe Blatt bei Andreas Sturies in Düsseldorf gerade einmal 5.200 Euro gekostet (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Wieder eher ein Werk der zweiten Reihe war Franz Xaver Fuhrs Ölbild zweier abgehärmt wirkender Frauen „In Erwartung“ von 1951/53, das sich von 6.000 bis 8.000 Euro leicht auf 9.000 Euro verbesserte. Die in jüngster Zeit immer wieder zu beobachtende Beliebtheit Arnold Topps machte auch vor der kleinen Mischtechnik „Haus mit Windrose“ aus dem Jahr 1918 nicht halt: Die farblich, perspektivisch und überhaupt im ganzen Sujet aus den Fugen geratene Landschaft wurde von 6.000 bis 8.000 Euro auf 10.000 Euro gehoben. Gert Heinrich Wollheims fast zweieinhalb Meter breite, figurenreiche Holztafel „Shakespeare-Hamlet“ von 1967 ging taxgerecht bei 6.400 Euro in neue Hände über.

Im Bereich der Druckgrafik waren Klassiker gefragt wie Wassily Kandinskys Farblithografie „Kleine Welten III“ von 1922 für 16.000 Euro (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR), Otto Muellers einfarbige Lithografie „Sitzende, von Blattwerk umgeben“ von 1923 für 9.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) und Oskar Kokoschkas achtteilige Bildergeschichte „Die träumenden Knaben“ von 1908 für 13.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Für den Jugendstil reüssierte Emil Orliks Farbholzschnitt „Schloss in Böhmen“ von 1905 bei 4.400 Euro (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Aus der reichen Pablo Picasso-Offerte pickte man sich die Farblithografie „Femme assise (Dora Maar)“ von 1955 nach dem gleichnamigen Gemälde von 1944 für 17.000 Euro heraus (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Schmidt-Rottluffs plakativ derber Holzschnitt „Frau mit aufgelöstem Haar“ von 1913 schaffte die untere Grenze von 14.000 bis 18.000 Euro. Auch Wilhelm Morgners Zeichnung „Flucht nach Ägypten“ von 1913, die schon seit einiger Zeit durch die deutsche Auktionslandschaft tingelt, schaffte diesmal zu guten 4.600 Euro den Absprung (Taxe 2.800 bis 3.400 EUR).

Zeitgenössische Kunst

Auch wenn die Gegenwartskunst am 29. Oktober losbezogen nur zu gut 47 Prozent abgenommen wurde, bot sie eine Auktion zum Warmlaufen für die großen Versteigerungen im Dezember. Fritz Winters abstraktes „Rot vor Blau“ von 1966 für 36.000 Euro war schon mal ein kleiner Vorgeschmack auf mögliche Steigerungen: Der Schätzpreis hatte bescheiden bei 12.000 bis 15.000 Euro gelegen. Auch sonst dominierte Abstraktes wie Gotthard Graubners roter Ölfleck auf Papier „Untitled (P17)“ von 1964 für 9.500 Euro (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), Rolf Cavaels informelle Farblandschaft „59/Mi 5“ für 7.800 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR) und eine explosive Temperamalerei Mark Tobeys in blutigem Schwarz-Rot von 1970 für 10.500 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Sichtlich Anleihen an François Morellet nahm Piero Dorazio, als er in einem Aquarell 1961 mehrere rosafarbene Raster in unterschiedlichen Winkeln übereinander legte. Das so entstandene Netz fing jetzt 8.000 Euro ein (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changiert Karl Korabs „Totem“ von 1986, das einerseits als vertikale Farbstreifenkomposition, andererseits als wirklichkeitsgetreue Abkonterfaktur der titelgebenden Symbolplastik angesehen werden kann. Das in jedem Fall formschöne Gemälde steigerte sich von 5.000 bis 7.000 Euro auf 10.500 Euro. Für den Surrealismus stand Paul Wunderlichs Schwarz-Weiß-Bild „Es dämmert im Studio“ von 1971 mit einem fragmentierten Frauenakt im Zentrum eines steril anmutenden Raumes für 11.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Aus einer Reihe Arbeiten Andy Warhols brachte es die frühe, schemenhafte Tusche- und Gouachezeichnung „Girl Standing“ von circa 1954 mit 34.000 Euro am weitesten (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Aus der reichen, aber im Durchschnitt recht günstig umgesetzten italienischen Offerte sind Achille Perillis stilllebenartige Kombination mehrerer Bildfragmente „La caverna losca“ aus dem Jahr 1963 für 13.000 Euro zu nennen (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR).

Teuerste Skulptur wurde Karl Hartungs formschön geschwungene, schwarze Bronze „Delfoss“ aus dem Jahr 1962 bei 16.500 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), da Fritz Koenigs Scheibe „Votiv 63 II“ an 20.000 bis 25.000 Euro scheiterte. Toni Stadlers in der Tradition klassischer Menschendarstellungen stehender „Jünglingstorso“ von 1969 wurde auf 11.000 Euro gehoben (Taxe 3.500 bis 4.500 EUR). Mit Günther Ueckers rücksichtslos genageltem „Raum zerteilter Vorstellung“ von 1982 für 13.000 Euro war die ZERO-Kunst auch in der Skulptur repräsentativ vertreten (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), nachdem in der Malerei bereits Otto Pienes gebranntes „Squeeze“ von 1978 sowie die beiden späten farbigen Acrylbilder Heinz Macks „Vier Stufen der Erkenntnis“ von 1994 und „Kleiner Park (Chromatische Konstellation)“ von 1996 gute 11.500 Euro und 13.500 Euro eingespielt hatten (Taxen zwischen 4.000 und 8.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Ketterer Kunst

Joseph-Wild-Straße 18

DE-81829 München

Telefon:+49 (089) 552 440

Telefax:+49 (089) 552 441 66

E-Mail: infomuenchen@kettererkunst.de



05.12.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Wilhelm Morgner, Flucht nach Ägypten, 1913

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Taxe: 2.800 - 3.400 EURO

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Hermann Scherer, Badende am Bergbach III, 1924/26

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Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 10.000,- EURO

Losnummer: 341

Theo von Brockhusen, Straße mit Bäumen, um 1905

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Zuschlag: 16.500,- EURO

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Elfriede Lohse-Wächtler, Frauenportrait, 1931

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Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 15.000,- EURO

Losnummer: 326

Emil Orlik, Schloss in Böhmen, 1905

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Taxe: 2.500 - 3.500 EURO

Zuschlag: 4.400,- EURO

Losnummer: 677

Hermann Scherer, Badende am Bergbach I, 1924/26

Hermann Scherer, Badende am Bergbach I, 1924/26

Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 9.500,- EURO

Losnummer: 340

Otto Mueller, Sitzende, von Blattwerk umgeben, 1923

Otto Mueller, Sitzende, von Blattwerk umgeben, 1923

Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 665




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