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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Moderne Kunst bei Lempertz in Köln

Heißbegehrte grüne Frau



Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913

Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913

Ein bisschen brauchte es, bis die Versteigerung moderner Kunst am 2. Dezember bei Lempertz in Köln in Fahrt kam: Die ersten fünf Losnummern blieben unveräußert, darunter Henri Le Sidaners nachimpressionistische Venedig-Impression „Le bec de gaz. Nuit bleue“ von 1906 für 200.000 bis 250.000 Euro und Pablo Picasso frühe Zeichnung „Femme pensive regardant vers sa gauche“ aus der Zeit um 1899/1900 für 80.000 bis 120.000 Euro. Dann aber, vor allem mit Arbeiten des deutschen Expressionismus, wurden die 44 ausgewählten Werke, mit denen das Auktionshaus eröffnete, doch noch zum Erfolg. Schon Ernst Ludwig Kirchners doppelseitig mit einer „Badenden“ und einer aquarellierten „Landschaft mit See im Hintergrund“ ausgestattetes Blatt um 1908/10 schritt mit 50.000 Euro weit über die bescheidene Schätzung von 25.000 bis 30.000 Euro hinweg. Von 90.000 bis 100.000 Euro auf 115.000 Euro verbesserte sich Emil Noldes etwa gleichzeitig entstandene „Caféhaus-Szene“ mit drei weitgehend von hinten gesehenen Figuren, von gleicher Preisbasis aus erzielte wenig später sein ebenfalls aquarelliertes „Bauerngehöft“ aus den frühen 1920er Jahre 110.000 Euro. Zumindest die untere Schätzung von 160.000 Euro schaffte Alexej von Jawlenskys „Variation: Song“ aus dem Jahr 1916, das bereits alle Kennzeichen einer abstrakten Kunstauffassung präsentiert.


Unerreichbar an die Spitze rückte Max Beckmanns Zirkusbild „Löwenbändiger“, eine präsente, in ihrer Farbigkeit kräftige, aber nicht schrille Gouache mit Pastell aus dem Jahr 1930 mit prominenter Flechtheim- und Gurlitt-Provenienz. Nur auf 300.000 Euro angesetzt, kämpfte sich ein deutscher Sammler schließlich auf 720.000 Euro für das schon von den Zeitgenossen hochgeschätzte Blatt hinauf. Von vier bislang unbekannte Tuschezeichnungen Beckmanns aus dem Jahr 1944 wurden immerhin drei taxgerecht übernommen für bis zu 35.000 Euro, die eine „Frau auf einem Sofa liegend“ verlangte (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Hinter Beckmann folgte bei 600.000 Euro Max Ernsts einen Meter hohe surreale Leinwand „La Forêt“ aus dem Jahr 1925 mit vier statisch aufragenden Baumstümpfen vor undefinierbarem sandgrauem Hintergrund. Der Lyriker Paul Éluard war erster Besitzer dieser Arbeit, jetzt bleicht sie in Deutschland (Taxe 600.000 bis 800.000 EUR). Das dritte Hauptlos allerdings, Wassily Kandinskys abstraktes Tuschfederaquarell „Zwei schwarze Flecke“ von 1923, musste bei 900.000 bis 1 Million Euro vorerst zurück ins Depot, findet aber vielleicht im Nachverkauf noch einen Abnehmer.

Schönen Erfolg hatte Lempertz mit Arbeiten einiger weniger bekannter Künstler. Unzweifelhaft hoch war die Attraktivität von Hermann Stenners „Grüner Frau mit gelbem Hut II“, rot glühenden Augen, orangefarbenem Umhang und vor tiefblauem Hintergrund. Das kraftvolle, in seiner Farbigkeit aber auch beinahe geisterhafte Gemälde entstand 1913, ein Jahr vor dem frühen Kriegstod des hochbegabten Künstlers. Der Schätzpreis von 40.000 bis 50.000 Euro markierte bereits, dass es sich um die beste Arbeit handelte, die von Stenner bislang auf dem Auktionsmarkt gesichtet werden konnte. Mit 110.000 Euro, die ein deutscher Sammler nach heftigem Wettstreit spendierte, wurden diese Erwartungen aber noch deutlich übertroffen. Nicht ganz so begeisternd wirkte Paul Adolf Seehaus’ „Große Eifellandschaft“ von 1916 mit leisen kubistischen Anklängen. 26.000 Euro können aber doch als Achtungserfolg des ebenfalls viel zu früh – schon 1919 – gestorbenen Künstlers gelten (Taxe 30.000 EUR). Von 30.000 bis 35.000 Euro hob ein griechischer Sammler Heinrich Nauens religiös-naive „Madonna mit den Tieren“ von circa 1931 auf 41.000 Euro.

„Zwei sitzenden Mädchen am Starnberger See“, eine gefällige Neoimpression des gebürtigen Amerikaners und zeitweisen Wahlmünchners Edward Cucuel, gingen trotz der hohen Erwartung zur unteren Taxe von 80.000 Euro eine neue Bekanntschaft ein. Ein Hinterglasbild in ungegenständlichen, geometrischen Farbzusammenstellungen von Walter Dexel unter dem Titel „1922 XIV“ konnte Lempertz für 52.000 Euro versteigern (Taxe 28.000 bis 30.000 EUR). Auf 36.000 Euro konnte Lyonel Feiningers aquarellierte Tuschezeichnung mit zwei Booten vor „Stromboli“ von 1918 zulegen (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR), Natalja Gontscharowas Gouache „Espagnole“, eine spanische Tänzerin mit Fächer von 1916, musste sich dagegen mit 56.000 Euro bescheiden (Taxe 60.000 EUR).

Serge Poliakoffs Gouache verzahnter Farbflächen „Composition aux traits“ von 1952 konnte französischer Handel erst bei 33.000 Euro übernehmen (Taxe 25.000 bis 30.000 EUR). Unter den plastischen Arbeiten setzte sich erwartungsgemäß Pablo Picassos bemalte weibliche Terrakottafigur „Tanagra“ von 1951 zur unteren Grenze von 150.000 bis 200.000 Euro an die Spitze. Hier engagierte sich amerikanischer Kunsthandel. Georg Kolbes verhältnismäßig expressionistische Bronze „Stürzender (Stürzender Mann, Kleiner Stürzender)“ von 1924 reüssierte bei 54.000 Euro (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR).

Ein recht hoher Zuschlag wurde im Hauptprogramm noch einmal mit Ernst Ludwig Kirchners „Ruderboot unter der Brücke“ ebenfalls aus der noch immer begehrtesten Schaffenszeit des gebürtigen Unterfranken um 1911 erzielt: Die Mischtechnik aus Aquarell und schwarzer Kreide erlöste mit 53.000 Euro sogar noch etwas mehr als die erste Kirchner-Zeichnung (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Auch Erich Heckels Aquarell „Sommertag“ mit drei Akten am Strand von 1923 kam bei etwa gleich hoher Basis auf 27.000 Euro. Glänzen durften aber vor allem weniger bekannte Meister, so Hans Thuars nähende „Grete vor Heuhaufen“ von 1911 für 21.000 Euro (Taxe 15.000 bis 17.000 EUR), Karl Schwesigs anrüchige „Gasse in Marseille“ von 1931 für 12.500 Euro (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR) oder Louis Valtats „Bouquet de dahlias“ in leuchtendem Rot von etwa 1937 für 36.000 Euro (Taxe 30.000 EUR). Harmen Hermanus Meurs schickte die dichte Kohlezeichnung eines liegenden weiblichen Akts um 1928 bei 4.000 bis 6.000 Euro ins Auktionsgeschehen und kam mit 8.600 Euro wieder heraus.

Taxgerecht kamen Otto Dix’ eindrücklich gezeichneter Kopf einer alten Frau von 1924 bei 10.000 Euro, Walter Gramattés Aquarell einer schlafenden Frau, wohl seine Gattin Sonia, von 1922 bei 4.500 Euro und Josef Eberz’ statische „Kreuzigung“ von 1915 bei 12.000 Euro ans Ziel. Vollständigen Absatz fanden drei Gemälde Franz Xaver Fuhrs, darunter das panaromaartige Stadtbild „Der schöne Hafen“ aus den frühen 1930er Jahren für stattliche 21.000 Euro (Taxe 7.000 EUR). Unter den Abstrakten sind Werner Drewes’ verschachtelte Farbflächenkomposition „The Maze“ von 1978 für 13.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR), Auguste Herbins feines Aquarell „Composition, Juillet 17 1917“, eine geometrisch aufblühende Blume, für 19.000 Euro (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR) und eine Pastellkreidearbeit Adolf Hölzels um 1928 für 15.000 Euro zu nennen, in der in der sich die Farbflächen schon verkapseln, aber immer noch eine figürliche Szene durchschimmert (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Eugène de Kermadecs gestaffelte Farbabfolge mit schwarzen Konturlinien aus den 1920er Jahren schnitt mit 7.500 Euro ebenfalls gut ab (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Auch die eine oder andere Grafik machte auf sich aufmerksam. Camille Pissarros offenbar ziemlich seltene Monotypie eines sich die Füße waschenden Bauernmädchens von circa 1894 kletterte von 8.000 bis 10.000 Euro leicht auf 14.000 Euro, László Moholy-Nagys konstruktivistischer Holzschnitt „Kreis und Flächen Variation“ von 1924 spielte 13.000 Euro ein (Taxe 11.000 EUR). Skulpturales kam noch einmal mit mehreren Tierplastiken August Gauls zur Geltung, darunter dem ausgesprochen haptischen „Jumbo-Kopf (Kopf eines Orang-Utans)“ von 1895 für taxgerechte 24.000 Euro. Eine Überraschung bot Emy Roeders introvertierte „Sinnende (sitzend auf Bank)“ aus dem Jahr 1967: Die ausdrucksstarke, nur auf das Wesentliche ihrer körperlichen Präsenz konzentrierte Bronze wurde von 7.000 bis 9.000 Euro auf 23.000 Euro gehoben.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296



15.12.2011

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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02.12.2011, Moderne Kunst

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Kunsthaus Lempertz

Bericht:


Zerzaust im Wind

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Ernst Ludwig Kirchner, Landschaft mit See im Hintergrund, um 1908
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Kunstwerk:

Walter Gramatté, Frau im Bett (schlafend) – Schlafendes Mädchen I, 1922
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Kunstwerk:

Ernst Ludwig Kirchner, Ruderboot unter der Brücke, um 1911
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Camille Pissarro, Bauernmädchen, die Füße waschend, um 1894
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Kunstwerk:

August Gaul, Jumbo-Kopf (Kopf eines Orang-Utans), 1895
August Gaul, Jumbo-Kopf (Kopf eines Orang-Utans), 1895

Kunstwerk:

Hermann Stenner, Grüne Frau mit gelbem Hut II, 1913
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Camille Pissarro, Bauernmädchen, die Füße waschend, um 1894

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Taxe: 8.000 - 10.000 EURO

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Paul Adolf Seehaus, Große Eifellandschaft, 1916

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Losnummer: 212

Heinrich Nauen, Madonna mit den Tieren, um 1931

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Losnummer: 232

Ernst Ludwig Kirchner, Ruderboot unter der Brücke, um 1911

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Losnummer: 362

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Alexej von Jawlensky, Variation: Song, 1916

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Zuschlag: 160.000,- EURO

Losnummer: 208

Walter Gramatté, Frau im Bett (schlafend) – Schlafendes Mädchen I, 1922

Walter Gramatté, Frau im Bett (schlafend) – Schlafendes Mädchen I, 1922

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Losnummer: 309

August Gaul, Jumbo-Kopf (Kopf eines Orang-Utans), 1895

August Gaul, Jumbo-Kopf (Kopf eines Orang-Utans), 1895

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Ernst Ludwig Kirchner, Landschaft mit See im Hintergrund, um 1908

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