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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Selektives Bieten bei der modernen und zeitgenössischen Kunst von Karl & Faber

Die Blaue Reiterin



Gabriele Münter war wieder der Glücksbringer auf der Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst bei Karl & Faber in München. Wie schon im vergangenen Juni besetzte die Protagonistin des „Blauen Reiters“ auch diesmal die oberen Ränge der Zuschlagsliste mit Werken von erheblich gestiegenem Wert: Von 90.000 bis 120.000 Euro auf 140.000 Euro wurde ihr trotz expressiven Pinselstrichs anmutig gestalteter „Dorfplatz in Sandvig auf Bornholm“ aus dem Jahr 1919 gehoben, ihre fünfzehn Jahre jüngere „Prozession in Murnau“ mit freudig im Wind flatternden Fahnen schoss sogar von 120.000 bis 150.000 Euro auf 210.000 Euro. Beide Gemälde bleiben im süddeutschen Raum. Erstere Leinwand war noch nie öffentlich ausgestellt und zuletzt vor mehr als fünfunddreißig Jahren auf einer Auktion bei Hauswedell & Nolte in Hamburg zu haben. Das andere Bild stammt aus dem Nachlass der Künstlerin und wurde aus einer süddeutschen Privatsammlung eingeliefert, die es in den vergangenen Jahren mehrmals für Ausstellungen hergab. Nur Münters frühe, studienhafte Arbeit „Pietà“ von circa 1909 fand – obwohl mit fast fünfzig Zentimetern das größte der drei Bilder – erst im Nachverkauf bei 39.000 Euro einen Abnehmer. Hier waren eigentlich 60.000 bis 80.000 Euro veranschlagt.


Annähernd vierzig Prozent der gut 220 „Ausgewählten Werke“ konnten Karl & Faber am 9. Dezember unter die Kunden verteilen – nicht sehr hoch angesichts der Quoten anderer großer Häuser in diesem Herbst. Mit dem Nachverkauf stieg dieser Wert wenigstens auf knapp 45 Prozent. Unverkennbar war die Neigung der Kunden, nur die wirklich qualitätvollen Stücke herauszugreifen. Ein für Lovis Corinth zweitrangiges Werk wie die etwas süßliche „Tändelei II“ von 1917/18, die zudem schon seit einigen Jahren durch den Auktionsmarkt tingelt (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR), oder Hans Purrmanns dünn in Öl aufgetragener „Blick auf Porto d’Ischia“ von etwa 1924 für 50.000 bis 70.000 Euro hatten keine Chance. Auch Stammgast Adolf Erbslöh reüssierte diesmal nicht: Weder seine Cézannesche „Baumgruppe im Englischen Garten (Elefantenbäume)“ von 1916 (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR) noch der düstere Blick auf den herbstlichen „Desenberg“ nahe Warburg aus einer Reihe von Westfalenbildern des Jahres 1915 für 40.000 bis 50.000 Euro fanden einen Liebhaber. Erst nach der Auktion ging Fritz Stuckenbergs südliche „Kubofuturistische Landschaft“ mit kleinem Stillleben im Vordergrund bei 22.000 Euro weg (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Manches musste also deutlich unterhalb der anvisierten Schätzungen abgegeben werden, beispielsweise auch Vlaho Bukovacs stilistisch etwas verspäteter, aber einfühlsam beobachteter „Weiblicher Halbakt, das Haar flechtend“ von 1920 schon bei 25.000 Euro (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR) oder Paul Kleinschmidts gehaltvolles „Stillleben mit weißem Flieder“ von 1934 für karge 13.000 Euro (Taxe 22.000 bis 24.000 EUR). Wenigstens sein Aquarell „In der Garderobe beim Stiefelschnüren (Woman Dressing)“ von 1943 mit einer der für Kleinschmidt so charakteristischen korpulenten Tänzerinnen vermochte mit 16.800 Euro die Erwartungen zu erfüllen. Für Franz Radziwills „Stillleben mit Uhr“ konnte bei 42.000 Euro ein Interessent gewonnen werden. Die 1920/21 datierte Leinwand war ebenfalls bereits mehrmals auf Versteigerungen im deutschsprachigen Raum gesichtet worden, zuletzt vor eineinhalb Jahren am selben Ort (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR).

Die ungebrochene Beliebtheit der kantig mit Tusche konturierten Aquarelle Karl Schmidt-Rottluffs dokumentierte ein Strauß „Rhabarber-Blüten“ aus dem Jahr 1969: Er kletterte von 20.000 bis 25.000 Euro auf 30.000 Euro. 17.000 Euro spielte Lyonel Feiningers leicht aquarellierte Tuschezeichnung „Vier Figuren und ein Boot“ von 1954 (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR), 15.000 Euro George Grosz’ Aquarell „Zwei Nonnen in New York City“ von 1933 ein (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Aus den preislichen Niederungen sind der Aufblick auf den „Stuttgarter Töpfermarkt im Schnee“ des westfälischen Spätimpressionisten Willy Lucas für 5.500 Euro (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR), Rudolf Möllers reduziert und kompakt gestaltete „Mutter mit Kind“ von 1913 bei 2.300 Euro (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR) und Walter Jacobs dunkel expressive „Fischerboote an der Ostsee“ von 1925 für 9.000 Euro zu nennen (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Interesse weckte dann vor allem der Pole Stanislaus Stückgold mit einer komplexen Raumsituation. Die zwei Blumenvasen, eine davon nur im Spiegel zu sehen, verschmelzen à la Matisse dekorativ mit den verschiedenen Mustern der Wände und des Vorhangs. Dafür wurden 13.000 Euro fällig (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Unter den Skulpturen wanderte Ernst Barlachs energisch gegen den Wind sich stemmender „Spaziergänger“ bei 52.000 Euro in ein deutsches Museum. Dabei handelt es sich um einen Guss, der 1938 gerade noch zu Lebzeiten des Künstlers nach dem Modell von 1912 entstand. Solche Exemplare sind weit begehrter als die der späteren Auflagen, wie sich kürzlich bei Hauswedell & Nolte zeigte: Hier blieb ein posthumer Guss desselben Werks bei 35.000 Euro unveräußert (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Erst im Nachverkauf sagte Emile-Antoine Bourdelles Bronze „Baigneuse accroupie au rocher“ bei 35.000 Euro Ade (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Marktgerechte 15.000 Euro gab es für Ewald Matarés kleine abstrahierte Bronze „Zeichen einer Kuh I“ von 1946, während sich Fritz Klimschs „Kleine Schauende“ über die Taxe von 10.000 bis 12.000 Euro und auch über bisherige Auktionspreise hinweg auf ebenfalls 15.000 Euro steigerte.

Die ausländische Druckgrafik hatte prominent Joan Mirós charakteristische farbige Aquatinta „Charivari“ von 1976 zu bieten. Für das Gesicht mit Stern und anderen Himmelskörpern zahlte ein Privatsammler 18.500 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Dagegen kam diesmal auch Pablo Picasso nicht an. Seine teuerste Arbeit wurde mit 12.000 Euro zur unteren Schätzung die stille Radierung „Sculpteur au repos avec son modèle, anémones et petit torse“ von 1933. Eine andere Version dieses Blattes 53 aus der „Suite Vollard“ hatte im Juni bei Karl & Faber nur 8.500 Euro gekostet. Lohnend waren die 7.500 Euro, die für Picassos farbigen Linolschnitt „Tête d’Histrion (Le Danseur)“ von 1965 bewilligt wurden (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Erfolgreich war auch der letzte grafische Zyklus von Otto Dix. Seine 38 Illustrationen zum Evangelium von Matthäus in der Vorzugsausgabe von 1961 erreichten 13.000 Euro (Taxe 9.000 bis 11.000 EUR).

Zur zeitgenössischen Kunst vermittelte Rupprecht Geiger mit der bemerkenswert raumhaltigen Farbkomposition „OE 246a (Gracco)“ von 1957 für starke 85.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und der zehn Jahre jüngeren Farbfeldmalerei „470/57“ mit großem gelbem Kreis auf rosafarbenem Grund für 46.000 Euro (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Auch Raimund Girke setzte auf die Aussagekraft der Farbe, bei ihm bevorzugt auf Weiß. Seine quadratische Leinwand von 1968 mit zarten diagonalen Schraffuren erreichte 7.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Das Kontrastprogramm bot Joseph Beuys unter anderem mit einer seiner 120 nummerierten Grafiken „New York Subway Poster“ von 1983 für 20.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

Von Imi Knoebel wurden nur sechs kleine Acrylmalereien auf Kunststoffpapier unter dem Titel „ataaaa“ aus dem Jahr 2003 für taxgerechte 15.000 Euro übernommen, seine blaue Holzplatte „Memories“ von 1994 mit zugehörigem farbiger Rahmenstruktur war mit 60.000 bis 80.000 Euro dagegen zu anspruchsvoll bewertet. Auf eine kindliche Bildsprache rekurrierten dagegen Heimrad Prem mit seiner unbekümmerten Akrobatik im „Zirkus Ubu“ von 1970 zur unteren Taxe von 8.000 Euro und Karel Appel mit einem auf die wichtigsten Merkmale reduzierten Kopf von 1976 für 6.000 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Aus einer kleinen Suite mit russischen Nonkonformisten gingen nur Wladimir Nikolajewitsch Nemuchins konstruktivistisches „Stillleben mit Spielkarten“ von 1999 für 7.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und Vladimir Yankilevskys ebenfalls aus geometrischen Formen aufgebaute, rot dominierte Mischtechnik von 2000 für 2.300 Euro weg (Taxe 2.500 EUR).

Unverwüstlich war wieder einmal die amerikanische Pop Art unter anderem mit den Farbserigrafien „Brushtroke“ Roy Lichtensteins von 1965 für 10.500 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR) und „Marilyn“ Andy Warhols in Grün-Rot-Gelb mit pinkfarbenem Mund von 1967, die der Kunsthandel für 55.000 Euro einkaufte (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Zwei der insgesamt zehn Blätter aus Warhols „Mick Jagger“-Mappe von 1975 landeten bei jeweils 17.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Eine kleine Überraschung bot der DDR-Künstler Gerhard Altenbourg, als ein französischer Kunde ausdauernd um sein mikrobisches Aquarell „Der grüne Baldachin“ aus dem Jahr 1953 bis zu 19.000 Euro kämpfte (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). In Form von Stephan Balkenhols handkoloriertem Prägedruck „Schwebender Mann“ von 2008 für 5.200 Euro (Taxe 4.500 bis 5.000 EUR) und zwei Schwarz-Weiß-Lithografien aus Robert Longos fotografisch anmutender Serie „Men in the Cities“ von 1985 für 4.200 Euro und 5.500 Euro etwa im Bereich der Schätzungen wurde auch günstigere Grafiken der Gegenwartskunst gern genommen.

Schon bei den „Ausgewählten Werken“ erregte Eduard Thöny mit der illustrativen Szene „K. K. Brachialgewalt“ von 1911 einige Aufmerksamkeit: Die farbige Mischtechnik verdoppelte ihren Wert auf 11.000 Euro. Der Münchner Karikaturist war es auch, der dann auf der Versteigerung der günstigeren Arbeiten mit Schätzungen von bis zu 3.000 Euro das meiste Interesse weckte: Weit hinauf schwangen sich die Preise für seine farbigen Zeichnungen, die den Blick des Menschenkenners ebenso verraten wie die spitze Feder des Satirikers. Einige dieser Arbeiten wie die „Veränderte Taxe“ von 1906 für 12.000 Euro (Taxe 1.000 EUR) oder die an einem toten Soldaten vorbeireitende Kolonne in „1812-1914“ aus dem grässlichen Kriegsjahr 1915 für 8.000 Euro erschienen seinerzeit im „Simplicissimus“ (Taxe 1.800 EUR). Von 2.800 Euro auf 6.000 Euro stieg Karl Korabs wirklich fantastische „Fantasielandschaft: Vorstadt“, eine hübsche kleinformatige Gouache aus dem Jahr 1967.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Karl & Faber Auktionen

Amiraplatz 3

DE-80333 München

Telefon:+49 (089) 24 22 870

Telefon:+49 (089) 221865

Telefax:+49 (089) 22 83 350

E-Mail: info@karlundfaber.de



04.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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