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Eine schöne Rückkehr: Der jetzige Leiter der Chinati Foundation in Texas, Thomas Kellein, kuratiert die Ausstellung „Picasso 1905 in Paris“ in der Kunsthalle Bielefeld, seiner ehemaligen Wirkungsstätte

Befreiungsschlag vom Trübsalblasen



Es ist bereits die fünfte Schau, die die Kunsthalle Bielefeld dem spanisch-französischen Künstler Pablo Picasso widmet: Nach den „Todesthemen“ 1984, „Picassos Klassizismus“ 1988, „Picassos Surrealismus“ 1991 und den „Letzten Bildern“ 1993 nimmt die derzeitige Ausstellung das Schalt- und Wendejahr 1905 im Werk des Künstlers in den Blick. Genau genommen weilte Picasso zum vierten Mal in seinem Leben seit dem Frühjahr 1904 in Paris. Hier geriet er in das Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne, Salon und Varieté, als Neoimpressionisten, Maler der Art Nouveau und Fauvisten um neue Ausdrucksformen und die künstlerische Vorherrschaft in der französischen Hauptstadt rangen. Die Idee zu dem Projekt geht noch auf Thomas Kellein zurück, von 1996 bis Ende 2010 Direktor der Kunsthalle Bielefeld und seither Leiter der Chinati Foundation im texanischen Marfa. Für „Picasso 1905 in Paris“ kehrte der erfolgreiche und renommierte Museumsmann kuratorisch also noch einmal an seine alte Wirkungsstätte zurück.


Die Ausstellung beschränkt sich nicht auf die innere künstlerische Entwicklung des angehenden Malers. Mittels drucktechnischer, fotografischer und filmischer Dokumente wird vielmehr eine ganze Welt wieder lebendig, die Welt des Montmartre, jenes damals am nördlichen Pariser Stadtrand gelegenen Viertels, das seit etwa 1860 seiner günstigen Mieten und der unkomplizierten Lebensformen wegen die Künstler scharenweise anlockte. Auch Picasso wohnte seit seiner Ankunft im April 1904 hier, im ebenso berühmten wie heruntergekommenen Ateliergebäude Bateau-Lavoir in der Rue Ravignan, in dem schon der Schriftsteller Max Jacob sowie wenig später unter anderem Kees van Dongen, Amedeo Modigliani und Juan Gris hausten. Picasso genoss das bunte altertümliche Treiben in den verwinkelten Straßen der Umgebung, das Kabarett und die zahlreichen Zirkusvorführungen in diesem dörflichen Idyll sowie nicht zuletzt das freisinnige Leben zusammen mit seinen Künstlerfreunden.

Die Welt des schönen Scheins war es denn auch, die Pablo Picasso während seiner Pariser Jahre besonders anzog und die ihn zu den vielleicht bedeutendsten künstlerischen Leistungen dieser Zeit inspirierte – und die sein Werk nachhaltig veränderte. Zur Erinnerung: Seit 1901 hatte Picasso eine Reihe düsterer, schwermütiger Bilder in tiefdunkler Farbigkeit geschaffen. Die Werke dieser sogenannten „Blauen Periode“ zeigen meist Außenseiter der Gesellschaft: Obdachlose, Trinker oder arme und verwahrloste Artisten. Auch zu Beginn seines vierten Paris-Aufenthalts dominiert noch der deprimierte Blick auf die Wirklichkeit. 1904 entsteht die Radierung „Le repas frugal“ mit einem ausgemergelten, mitleiderregenden Menschenpaar an einem spärlich gedeckten Esstisch – Ausdruck einer überaus resignierten Weltsicht, der sich allerdings in einem Kunstwerk von höchster technischer Perfektion niederschlägt. Ein Nachklang der „Blauen Periode“ ist das in Bielefeld gezeigte Bildnis „Femme à la chemise“, das im Profil dieselbe Frau wiedergibt wie auf der Radierung „Le repas frugal“.

Doch dann scheint sich die Haltung des Künstlers zu wandeln: Die Farbpalette hellt sich auf, die Sicht wird bejahender, die Sujets – oft noch immer Artisten, Gaukler und Spaßmacher – auch von ihrer positiven Seite betrachtet. Um das vielleicht berühmteste Ölgemälde eines solchen existentiellen und emotionalen Schwebezustandes, die ohne Ausleihmöglichkeit in Washington befindliche und nur in einer gleich großen Reproduktion präsentierte „Famille de saltimbanques“, ist in der Kunsthalle Bielefeld eine Reihe von Zeichnungen und Druckgrafiken gruppiert, die diesen langsamen Prozess der Stimmungsveränderung dokumentieren.

Es ist nicht alles besser in dieser „Rosa Periode“, als welche die Zeit bis zu einer vorübergehenden Unterbrechung von Picassos Paris-Aufenthalt im Sommer 1906 bezeichnet wird, aber es wird eine Alternative ermöglicht, wie die Wirklichkeit auch gesehen werden kann: Sie verliert ihre alles überschattende Tristesse und wandelt sich in eine tiefsinnige Melancholie, die auch Möglichkeiten des Ausbruchs in die ausgelassene Fröhlichkeit bietet. Es dürften die belebenden Künstler- und Gesellschaftskreise am Montmartre gewesen sein, die Pablo Picasso zu diesem „gedämpften Optimismus“ geführt haben, ferner die allmähliche Besserung seiner wirtschaftlichen Verhältnisse, seit unter anderem Leo Stein auf ihn aufmerksam geworden war. Auch fand er nach einer Reihe mehr oder weniger schnell zu Ende gegangener Liebschaften in Fernande Olivier eine Lebensgefährtin, die ihm während der kommenden sieben Jahre zur Seite stehen sollte.

Bemerkenswert ist die enorme Selbständigkeit, mit der der junge Künstler fast gänzlich unabhängig von den künstlerischen Strömungen seiner Zeit aus seinem eigenen Erleben und Empfinden heraus gestaltete. Denn eigentlich gewaltige Einflüsse hätten auf ihn einwirken müssen: Henri Matisse und seine fauvistischen Mitstreiter André Derain, Maurice de Vlaminck oder Henri Manguin beherrschten damals die junge Pariser Szene. Just in Picassos Aufenthaltszeit fiel die skandalöse Präsentation von Werken dieser Künstler im Pariser Herbstsalon 1905, deren Kritik den „Fauves“ auch ihren Namen verpasste. Die Kunsthalle zeigt eine kleine, aber erlesene Auswahl von Bildern der Fauves, Werke jener „Orgie von Farben“, die den Zeitgenossen so neu und unverständlich erschienen.

Nichts davon aber scheint sich bei Pablo Picasso niedergeschlagen zu haben. Allein der weiterhin zeichnerische Ansatz seiner Bildfindungen unterscheidet ihn grundlegend von den Zielsetzungen der Fauves. Aber auch ihre strahlende Farbigkeit scheint ihm fremd zu sein. So verhalten die Emotionalität seiner Sujets ist, so verhalten bleibt auch seine Farbpalette. Fast überraschend ist die künstlerische Beziehung, die Picasso zu einem wesentlich älteren Franzosen unterhält, dem 1898 verstorbenen Pierre Puvis de Chavannes. Nicht die mitunter der antiken Mythologie, mitunter auch der christlichen Themenwelt entnommenen Motive, wohl aber die Einordnung der dargestellten Personen in einen wesenlosen landschaftlichen Hintergrund bei Puvis de Chavannes scheinen Picasso nachhaltig zu beeindrucken. Diese Bilder atmen den gleichen Geist der emotionalen Mäßigung wie seine jüngeren Artistenbilder. Nicht zu Unrecht widmet die Bielefelder Ausstellung dem altmeisterlichen Franzosen ein eigenes Kabinett und macht so auf eine unvermutete künstlerische Anlehnung des jungen Picasso aufmerksam.

Dessen Weg führt indes rasch weiter, auch über das selber Erreichte hinaus. Bald machen sich neue Ansätze bemerkbar: Die Figurendarstellungen etwa werden kompakter: kein Vergleich mehr zwischen der massiv-breithüftigen „Femme nue“ in Kohle von 1905/06 und den manieriert überlängten Gliedern des hungernden Paares in „Le repas frugal“ keine zwei Jahre zuvor. Fast klassizistisch muten jetzt auch gelegentlich die Themen an wie auf den Ölbildern „La toilette“ oder „Nu se coiffant les cheveus“: Wiederum Puvis de Chavannes scheint sich hier geltend zu machen oder auch der gegenüber Picasso ein Jahrhundert ältere Jean-Auguste-Dominique Ingres. Nicht aber der Neoklassizismus folgt daraus, sondern eine regelrechte Neuerfindung: der Kubismus. Der Paukenschlag „Les Demoiselles d’Avignon“, deren Vorstudien Picasso schon 1906 zu erarbeiten beginnt, leitet 1907 eine neue künstlerische Epoche nicht nur im Werk Picassos, sondern überhaupt in der moderner Kunstgeschichte ein.

Die Ausstellung „Picasso 1905 in Paris“ ist noch bis zum 15. Januar zu sehen. Die Kunsthalle Bielefeld hat dienstags und donnerstags von 11 bis 18 Uhr, mittwochs und freitags von 11 bis 21 Uhr sowie am Wochenende von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 8 Euro, ermäßigt 4 Euro bzw. 2 Euro. Der Katalog umfasst 175 Seiten, ist beim Hirmer Verlag erschienen und kostet im Museum 20 Euro.

Kontakt:

Kunsthalle Bielefeld

Artur-Ladebeck-Straße 5

DE-33602 Bielefeld

Telefax:+49 (0521) 329 99 50 50

Telefon:+49 (0521) 329 99 500



09.01.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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