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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Gegenwartskunst bei Christie’s in London

Viel Fleisch



Das interessantere Angebot zeitgenössischer Kunst auf den Londoner Februar-Auktionen hat diesmal Christie’s im Gepäck. Die 66 Losnummern – genauso viele wie bei der Konkurrenz Sotheby’s – auf der Abendveranstaltung am 14. Februar sollen rund 95 Millionen Pfund einspielen und umfassen neben exzeptionellen Werken von Topstars auch viel Ausgezeichnetes aus der zweiten Reihe. Größter Hingucker ist wohl Francis Bacons „Portrait of Henrietta Moraes“ aus dem Jahr 1963, das verzerrte Ganzfigurenbildnis eines durchaus nicht mehr ganz schlanken Aktes auf einem Bett vor auffallend violettem Hintergrund. Bei der bis zur Unkenntlichkeit entstellten Frau handelt es sich um ein bekanntes Modell, das sich für Bacons Pinsel mehrmals zur Verfügung stellte, ebenso wie für Lucian Freud, der mit ihr auch eine kurzzeitige Liaison unterhielt. Einlieferer der 165 mal 142 Zentimeter messenden Leinwand soll der New Yorker Immobilienunternehmer Sheldon Solow sein, der sie 1983 bei Ernst Beyeler in Basel erwarb. Erwartet werden um die 18 Millionen Pfund. Bacons spiegelgleiches Diptychon „Studies of Isabel Rawsthorne“, das im Oktober 2007 bei Sotheby’s in London 1,6 Millionen Pfund gekostet hatte, steht jetzt nach einem weiteren zwischenzeitlichen Besitzerwechsel bei 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund erneut zur Disposition.


Bacons Freund und Malerkollege Lucian Freud erweist sich auf dieser Auktion wieder als ein ausgesprochen sachlicher Portraitist nackter Weiblichkeit. Seine „Small Figure“ zeigt 1983/84 in Nahaufnahme und von den Oberschenkeln an abwärts beschnitten eine unbekannte Dame auf einer Couch. Beeindruckend ist die Souveränität, mit der Freud allein mit einer vergleichsweise überschaubaren Anzahl breiter Pinselstriche ein Höchstmaß an Plastizität des Körpers erreicht (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP). Auch als Zeichner ist Freud zugegen, unter anderem mit dem anderen bevorzugten Modell Bruce Bernard, dessen Kopf er in ungewöhnlicher Aufsicht aufs Papier brachte (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Wie Bacons Portrait wird wohl auch eine unbetitelte Farbfeldkomposition Mark Rothkos aus dem Jahr 1955 in Rosé und Fahlgelb auf rotem Grund einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag einspielen. Die Schätzung für die 1994 an den jetzigen Einlieferer gelangte Leinwand gibt das Auktionshaus nur auf Anfrage preis. Den Beinahe-Rekordpreis von 3,5 bis 5 Millionen Pfund soll Nicolas de Staëls in kraftvollen Farbflächen inszeniertes Landschaftskürzel „Agrigente“ von 1953 bringen.

Mit zwei eher nachrangigen Andy Warhols, darunter einer kleinen, zartrosafarbenem Version des berühmten „Self-Portrait“ von 1986 für 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund, ist die klassische Pop Art wie bei Christie’s recht karg vertreten; kein Roy Lichtenstein, kein Tom Wesselmann und kein Robert Rauschenberg stehen ihm zur Seite. Dafür kommen mit Allen Jones’ Kreuzung eines roten Männer- und Frauenbeins unter dem Titel „Drama“ von 1966 (Taxe 120.000 bis 170.000 GBP) und David Hockneys gut gemachtem neokubistischem Bildnis „Henry Reading“ – gemeint ist der Kurator Henry Geldzahler – von 1985 einige Künstler der noch lebenden Pop Art-Generation zum Zuge (Taxe 380.000 bis 550.000 GBP). Rot dominiert ebenfalls die sechzehnteilige, ansonsten schwarze Fotostrecke „Bloody Life No. 13“ des britischen Performanceduos Gilbert & George von 1975 (Taxe 700.000 bis 1 Million GBP). Ein neuer Auktionsrekord könnte für Christopher Wools schwarz-weißen Großbuchstabenschriftzug „Fool“ von 1990 drin sein. Eine blaue Version dieses 2,75 Meter-Formats von 1990 erzielte im Mai 2010 bei Christie’s in New York 4,4 Millionen Dollar, was etwa der Mitte der jetzt veranschlagten 2,5 bis 3,5 Millionen Pfund entspricht.

Reichlich bestückt ist die Offerte italienischer und französischer Abstrakter mit Arbeiten wie Yves Kleins blauer weiblicher Körpermalerei „ANT 40“ von circa 1961 (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP), Lucio Fontanas mit schwarzen und weißen Glassteinen besetztem, dunklem „Concetto spaziale, Forma“ von 1958 (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP) und dem faltigen, weißen Kaolin-„Achrome“ Piero Manzonis aus den späten 1950er Jahren für 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund. Dazu gibt es für 400.000 bis 600.000 Pfund ein aus unzähligen kleinen Holzstäbchen bestehendes, weiß übermaltes „Relief no. 259“ des brasilianischen Fontana-Schülers Sérgio de Camargo aus dem Jahr 1970 (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Wie dieses ist auch Louise Bourgeois’ „Cumul III/Avenza“, eine 1969 aus grau-weißem Marmor gehauene, taktile Skulptur, ein Werk von bestechender Formschönheit und in seinen bescheidenen Abmessungen von angenehmer Zurückhaltung (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP).

Bedeutendster Deutscher ist einmal mehr Gerhard Richter mit vier ausschließlich abstrakten Bildern, darunter der zweieinhalb mal zwei Meter großen Nummer 811-1 von 1994 in schimmerndem Rosarot-Blau-Grün für 5 bis 7 Millionen Pfund. Ein schwarz-weißes, titelloses Punktraster Sigmar Polkes über einer zarten Ölmalerei von 1994 (Taxe 350.000 bis 450.000 GBP), Anselm Kiefers weitgehend abstrahiertes Sinnbild „Die Frauen der Antike“ von 1999/2000 (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP) und Matthias Weischers neosurrealistisches Interieur „Memling“ von 2006 für 180.000 bis 220.000 Pfund ergänzen dieses Angebot. Propagandistisch wird es mit Jörg Immendorffs „Die Kunst gehört dem Volk“ von 1975 (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP), beschwingt leicht mit Albert Oehlens mehrschichtigem „Aufräumen“ aus dem Jahr 1998 für 220.000 bis 280.000 Pfund. Das schmale fotografische Programm bereichern Andreas Gursky mit seinem zweiteiligen Massenkonstrukt „Pyongyang II“ von 2007 für 700.000 bis 900.000 Pfund und Thomas Struth mit seinen Schulklassen vor Velázquez’ Meisterwerk „Las Meninas“ im „Museo del Prado 6“ von 2005 für 180.000 bis 220.000 Pfund.

Aus dem Nachlass des 2005 verstorbenen Hamburger Kaufmanns Hubertus Wald kommen neben einem weiteren aus kleinen Quadraten aufgebauten „Achrome“ Piero Manzonis für 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund weitere deutsche Positionen wie Georg Baselitz’ auf den Kopf gedrehte „Fingermalerei-Birken“ von 1972 (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP) sowie die farbenfrohen Abstraktionen „Von Goldfarben und Blau“ und „Chromatische Ketten“ Ernst Wilhelm Nays, der es damit erstmals seit langem wieder auf eine Londoner Abendauktion schafft (Taxen zwischen 100.000 und 200.000 GBP). Ebenfalls der Sammlung Wald gehört Wols’ mittelgroße, eindrückliche gestische Malerei „Le feu“ aus den späten 1940er Jahren an. Im vergangenen Frühjahr hatten zwei ähnliche Arbeiten des 1951 verstorbenen Künstlers bei Sotheby’s in Paris und London überraschend hohe Preise erzielt, so dass die jetzt anvisierten 800.000 bis 1,2 Millionen Pfund leicht erreichbar scheinen. Die junge Kunst repräsentieren Thomas Houseagos betont dilettantisch wirkender Boxer-„Figure 2“ von 2008 für 100.000 bis 150.000 Pfund, Berlinde De Bruyckeres aus Pferdeleder zusammengenähte, missgestaltete Pferdekreatur von 2003 für 200.000 bis 300.000 Pfund und Ahmed Alsoudanis bunt-surreales „Baghdad II“ ebenfalls von 2008 für 250.000 bis 350.000 Pfund.

Die Tagesauktion am 15. Februar wird mittags von einer prominenten Privatsammlung unter dem Titel „A Way of Thinking“ eröffnet. Die in rund 30 Jahren aufgebaute Kollektion mit ihren 59 Arbeiten versammelt Konzeptkunst und Minimal Art, Arte Povera und politisch konnotierte Kunst, Fotokunst sowie auffallend viele Skulpturen und soll nochmals 3 Millionen Pfund einspielen. Ein Highlight ist Félix González-Torres’ Installation „Untitled (Ross in L.A.)“. Der korrekte Papierstapel, bedruckt mit einem Silberrechteck in der Mitte, entstand 1991 und ist ein Sinnbild für Ross Laycock, den langjährigen Lebenspartner Gonzalez-Torres’, der im selben Jahr an AIDS verstarb (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP). Ebenfalls mit dem Tod, aber auf eine gänzlich figurative Weise beschäftigt sich Jeff Wall in seiner Fotografie „The Jewish Cemetery“ von 1985. Wie gut 2,5 Meter breite Leuchtbox ist mit 300.000 bis 500.000 Pfund ausgepriesen.

Für die Kunst des minimalen Aufwands stehen etwa John McCracken mit seiner geometrischen Wandskulptur „Klondike“ in glänzendem Rot von 1992 (Taxe 80.000 bis 120.000 GBP), Ellsworth Kelly mit seinem überdimensionierten, ganz in Schwarz gehaltenen Kreissegment „Untitled (EK683)“ von 1983 (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP) oder auch Michelangelo Pistoletto mit seinem gekrümmten Standbild „Bianco carta“ von 1989 (Taxe 30.000 bis 40.000 GBP). Den feinen Hintersinn von Pistolettos Arbeiten erschließt auch der „Cane allo Specchio“ von 1971 (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP). Aus der Arte Povera steht ihm Giuseppe Penone mit der „Struttura del tempo“ von 1992 bei, die der Italiener durch eine Stapel roter Terrakottawülste und einen hölzernen Ast versinnbildlicht (Taxe 60.000 bis 80.000 GBP). Für seine Liegeskulptur „Unghia e Pietra“ hat Penone 1988 einen ausgehöhlten Sandstein und eine keilförmige Glasplatte mit seinen Handabdrücken kombiniert (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP).

Auch deutsche Kunst hat reichlich Einzug in diese Sammlung gehalten. An erster Stelle steht Gerhard Richter mit seiner Leinwand „Grau“, die 1972/73 lediglich mit den Schattierungen dieses Farbwerts spielt, bei 400.000 bis 600.000 Pfund. Zudem ist Thomas Struth ein weiteres Mal mit von der Partie und stellt hier 23 Arbeiten aus seiner Fotoserie „Unbewußte Orte“ mit menschenleeren Stadt- und Industrieansichten aus dem Ruhrgebiet für 150.000 bis 200.000 Pfund zur Verfügung. Als Plastiker tritt Thomas Schütte direkt mit seiner hölzernen, streng geometrischen Tischskulptur „Basement II“ von 1993, indirekt mit den 14 Fotografien seiner wulstigen, à la Messerschmidt Grimassen schneidenden Wachsköpfe „Innocenti“ von 1994 auf (Taxen zwischen 150.000 und 250.000 GBP).

Hermann Pitz greift in seiner lakonischen Installation „Deutsche Bank“ 1985 auf Fundstücke zurück und kombiniert einen Beistelltisch und eine Grappa-Flasche mit der Fotografie eines Wandausschnitts (Taxe 2.000 bis 3.000 GBP). Ähnlich unkompliziert und doppelbödig geht Ludger Gerdes 1985 in seinem Gemälde „Johnny Walker“ ans Werk, wenn er das Werbemaskottchen der Whiskymarke auf Holzplatten im Himmel schweben lässt (Taxe 4.000 bis 5.000 GBP). Für die anspielungsreiche Wandinstallation „Slap“ mit Comic- und Werbeelementen sind Franz West und der eben verstorbene Mike Kelley gemeinsam verantwortlich (Taxe 50.000 bis 60.000 GBP). Mit dem bergartigen Passstück „BI 5“ zum Anlegen an den Körper von 1990 tritt West dann noch einmal einzeln in Erscheinung (Taxe 40.000 bis 60.000 GBP). Hans Haacke greift für seine Arbeit „Reaganomics“ bildlich auf Politikerkampagnen zurück und gibt 1982/83 mit seinem Plakat einen scharfzüngigen Kommentar auf die politischen Verhältnisse in den USA zu Beginn der Ära Reagan (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP).

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



07.02.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander/Ulrich Raphael Firsching

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