Die Kunst, online zu lesen.

Home


Magazin

News


Marktberichte


Ausstellungen


Journal


Portraits


Top Event


Netzkunst





Kunst kaufen
Werben

Translation EnglishFrench

Auktionsanzeige

Am 21.03.2020 Auktion 278 'Europäisches GLas & Studioglas'

© Auktionshaus Dr. Fischer - Heilbronn

Anzeige

Enten am Wehr / Alexander Koester

Enten am Wehr / Alexander Koester
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


Anzeige

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff

Stillleben mit Blaudistel und Fruchtschale, 1958 / Karl Schmidt-Rottluff
© Galerie Neher - Essen


Newsmailer Eintrag

Bestellen Sie bitte hier:


Suchen mit Google

Google
WWW
kunstmarkt.com

Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenössische Kunst bei Lempertz in Köln

Art is like Medicine – it can heal



Der Brite Damien Hirst, der mit seinen Werken immer wieder provoziert und gleichzeitig wie ein Popstar verehrt wird, glaubt an die heilende Kraft der Kunst. Vielleicht erinnern deshalb die zahllosen bunten Punkte auf seinem Gemälde an bunte Pillen, die in ihrer typischen Verpackung in Reih und Glied angeordnet sind. Ein mit Lack auf Leinwand gemaltes Bild im Plexiglasrahmen aus dem Jahr 2005 trägt den komplizierten und ziemlich chemisch klingenden Titel „Dicetyl Phosphate“. Die gut einen Meter breite Leinwand gehört in Hirsts Werkgruppe der „Spot Paintings“, die von 1986 bis 2011 entstand. Anfang dieses Jahres zeigte die Gagosian Gallery in sämtlichen ihrer weltweit elf Dependancen insgesamt 331 „Spot Paintings“, darunter „Dicetyl Phosphate“ in Paris. Nun führt es mit einer Schätzung von 200.000 bis 250.000 Euro preislich die rund 250 Objekte umfassende Versteigerung zeitgenössischer Kunst am 23. Mai bei Lempertz an. Vor drei Jahren wurde es schon einmal im Kölner Traditionshaus angeboten, konnte den taxierten Preis von 280.000 bis 320.000 Euro damals jedoch nicht erzielen. Vielleicht hat Lempertz dieses Jahr mehr Glück mit dem britischen Skandalkünstler.


Als einer der ersten Höhepunkte der Veranstaltung ist 25.000 bis 30.000 Euro ein Werk des griechisch-österreichischen Bildhauers Joannis Avramidis zu haben. Seine titellose Bronzeskulptur aus dem Jahr 1960 gehört in die in jenem Jahr erstmals auftauchende Werkgruppe der Baumdarstellungen. Aufsehen erregt unter den plastischen Arbeiten ferner Joseph Beuys’ kleines „Sonnenkreuz“ von 1947/48. Die expressiv-dynamische Bronze gilt als eine der frühesten erhaltenen Schöpfungen des großen Aktionskünstlers und zeugt schon damals von seiner lebenslang andauernden Auseinandersetzung mit religiösen Themen (Taxe 180.000 bis 200.000 Euro). Der Düsseldorfer Konzeptkünstler Abraham David Christian geht mit der schwarz patinierten Bronze „Das Gesetz“ ins Rennen, die zwischen 1979 und 1984 entstand. Die gravitätische Plastik erinnert an altorientalische Gesetzesstelen und antike Papyrusrollen. Vor anderthalb Jahre erfolglos bei 70.000 bis 80.000 Euro verhandelt, ist der Preis jetzt auf 55.000 Euro gesenkt. Eine verzinkte Eisenschachtel des Minimalisten Donald Judd von 1970 liegt für 60.000 bis 80.000 Euro bereit.

Günstiger zu haben sind zwei kleinteilige, filigrane Skulpturen des britischen Bildhauers Tony Cragg. Die beiden „Fast Particles“ stammen aus dem Jahr 1994 und bestehen aus verschiedenen Materialien, die anschließend mit Wachs überzogen wurden (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR und 25.000 bis 30.000 EUR). In derselben Preisklasse liegt Jaume Plensas organisch-geschlossenes „Cap V“ von 1988. Die an eine Insektenlarve in einem Kokon erinnernde Eisenskulptur des katalanischen Künstlers ist mit Gips patiniert und auf einen Steinsockel montiert (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Den deutsche Objektkünstler Günther Uecker vertreten insgesamt fünf Werke. In einem titellosen objet trouvé von 1965 verarbeitete er die für ihn charakteristischen Nägel: Die Sitzfläche eines weißen Stuhles ist fast vollständig mit großen Zimmermannsnägeln übersät, ebenso wie eines der Stuhlbeine (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Wer nur einen einzigen Nagel haben möchte, kann bei einem 178 cm hohen, ansonsten jedoch täuschend echten Exemplar mitbieten, den der Künstler 1989 als Teil einer Hunderterauflage schuf (Taxe 3.500 EUR).

Neben dem qualitativ hochwertigen Angebot an Skulpturen stehen zahlreiche Gemälde und Assemblagen zum Gebot. Der Italiener Alberto Burri, ein Wegbereiter der Arte Povera, geht mit zwei Bildern unter dem identischen Titel „Cellotex“ aus den Jahren 1990 und 1991 ins Rennen. Großflächig sind hier die abstrakten Formen in Schwarz und Rot auf den ockerfarbenen industriellen Dämmstoff Cellotex aufgetragen (Taxen zwischen 140.000 und 180.000 EUR). Ganz anders behandelt der Italiener Lucio Fontana in seinen „Concetti Spaziale“ die Werkoberfläche: Schnitte oder Löcher zerstören den traditionellen Bildträger und erweitern somit den Bildraum auf ziemlich radikale Weise. Ein solches Terrakottarelief aus den frühen 1960er Jahren soll bei Lempertz 50.000 bis 70.000 Euro erzielen. Ein ähnliches Konzept verfolgt der belgische Künstler Walter Leblanc, dessen Schnittbilder gleichfalls den klassischen zweidimensionalen Bildraum sprengen. Die aus weißem Polyvinyl mit schwarzer Rückseite geschnittene „Torsion“ von 1968/69 wartet bei 20.000 bis 30.000 Euro auf Interessenten. Auch ein Styropor-„Achrome“ Piero Manzonis von 1961 für 45.000 bis 55.000 Euro wäre hier einzuordnen.

Der Nachfolge des Konstruktivismus zuzurechnen sind zwei Gemälde des Schwaben Adolf Fleischmann. Seine gegenstands- und titellosen Bilder von 1954 bestehen aus zahlreichen geometrischen Formen in Gelb, Blau, Rot, Weiß und Schwarz (Taxen zwischen 25.000 und 35.000 EUR). Dieser älteren Generation gehört auch Alfred Jensen an. Seine hochformatige Leinwand „Reciprocal Relation, Mercury“ von 1969 mit ihren zwei kleinteiligen, perlenartigen Farbteppichen ist unverwechselbar für den 1903 geborenen Maler (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Ebenfalls auf geometrische Formen reduziert sind die drei angebotenen Gemälde des Münchners Rupprecht Geiger. Der 2009 verstorbene Sohn Willi Geigers konstruierte seine Werke meist aus einfachen Grundformen wie Kreis, Quadrat oder Rechteck. Auf „531/68“ ist nur eine große, dunkelviolette Ellipse zu sehen (Taxe 40.000 bis 50.000 EUR). Zu den Mitbegründern und Hauptvertretern der Op Art zählt der ungarisch-französische Maler Victor Vasarely. Sein wie am Computer generiert wirkendes „Axo – New York“ von 1972 besteht ausschließlich aus Quadraten und Rauten, die jedoch so angeordnet sind, dass ein extremer Tiefensog entsteht (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Der Mitbegründer der Düsseldorfer Künstlergruppe ZERO, Heinz Mack, ist unter anderem mit einem titellosen Werk von 1958 vertreten. Das mit zahlreichen parallel verlaufenden Riefen versehene und in einem dunklen Grauton gehaltene Relief verdeutlicht exemplarisch Macks Schaffensprinzip der dynamischen Strukturen, die trotz ihrer Regelmäßigkeit und Parallelität in Vibration und Bewegung geraten (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR). Otto Piene, das zweite Gründungsmitglied von ZERO, geht mit vier seiner berühmten Rauch- und Feuerbilder ins Rennen. Eine aus regelmäßigen kreisförmigen Rußflecken konstruierte Rauchzeichnung von 1959 gestattet Assoziationen mit Reptilienhaut (Taxe 2.500 EUR), während die in Orange gehaltenen „Schallwellen“ sich wie konzentrische Kreise über die Leinwand ausbreiten und dem Gemälde große Dynamik und Kraft verleihen (Taxe 6.000 EUR). Anspruchsvolle 40.000 Euro verlangt Lempertz für ein rosafarbenes, kaum merklich diagonal gestreiftes Acrylbild des 1984 recht früh verstorbenen Belgiers Jef Verheyen, der der ZERO-Gruppe zumindest nahestand.

Mit Emil Schumacher weckt ein wichtiger Vertreter des Informel Begehrlichkeiten. Das aus pastosen, fast reliefartigen Farbschichten aufgebaute Gemälde „Brega“ von 1970 bietet dem Betrachter eine weites Feld an Interpretationsmöglichkeiten, die von Mondlandschaften bis zu Kinderbildern reichen (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). In expressivem Rot strahlt das zweieinhalb Meter breite Spätwerk „Tamalan“ von 1996, durchzogen von expressiven schwarzen Strichen und Klecksen (Taxe 180.000 bis 200.000 EUR). Der Franzose Eugène Leroy bedeckt die Bildoberfläche seines Gemäldes „Couple aux seins blancs“ mit pastosen, ineinander verlaufenden Farbschlieren, so dass auch hier eine große Unruhe herrscht (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR). Ein titelloses Gemälde A.R. Pencks von 1981 weist mit seinen expressiven roten, gelben und schwarzen Farbklecksen wohl nicht ganz zufällig auf die deutschen Nationalfarben hin. Das für den Dresdner Künstler zumindest stilistisch eher untypische Bild aus der Serie „Pentagon“ soll 15.000 bis 20.000 Euro einspielen.

Pünktlich zur Fußball-EM steht Gerhard Richters „Schwarz-Rot-Gold I“ zum Verkauf. Der aus drei quadratischen Papieren übereinander montierte Streifen ging 1998 in 128 Exemplaren in Serie (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Mit 150.000 bis 200.000 Euro etwas kostspieliger ist Richters „Abstraktes Bild“ von 1988. Das kleine Ölgemälde gehört zum Zyklus „18. Oktober 1977“, der sich mit den Ereignissen des „Deutschen Herbstes“ auseinandersetzt. Als Ausgangspunkt diente ein Foto des nach mehrwöchigem Hungerstreik verstorbenen RAF-Terroristen Holger Meins, das der Künstler mit weißer Ölfarbe übermalte (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Den modernen Fotorealismus repräsentiert die deutsche Malerin Karin Kneffel. Ihre 1997 in Öl verewigten „Pflaumen“ zeichnen sich durch große Realistik aus und wirken doch verfremdet und unnatürlich – ein künstlerisches Konzept, dass Kneffel in fast allen Werken verfolgt (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Nur auf den ersten Blick abstrakt erscheint ein zweiteiliges Gemälde des Kölners Heribert C. Ottersbach von 1994. Bei genauer Betrachtung des im Grundton blauen Diptychons sieht man rechts Gesichter und links Felder mit Beschriftung, so dass der Eindruck eines Stammbaumes entsteht (Taxe 45.000 EUR).

Gewohnt geheimnisvoll kommt eine fast ein wenig an Claude Monets Seerosenbilder gemahnende „Wald-Variation VI“ des Dänen Per Kirkeby von 1989 daher (Taxe 80.000 EUR). Mit Robert Rauschenberg und Andy Warhol kann Lempertz schließlich zwei Hauptvertreter der amerikanischen Pop Art ins Rennen schicken. Rauschenbergs von drei Hühnern und einem Schäferhund besiedelte Farbserigraphie „Cock Sure“ von 1993 ist auf 30.000 bis 40.000 Euro geschätzt. Deutlich mehr müssen die Sammler für Warhols Serigraphie „Madonna Painting“ berappen. Die anlässlich der Hochzeit des Popstars mit dem Schauspieler Sean Penn im Jahr 1985 entstandene Schwarz-Weiß-Grafik, die Fotos und Textzeilen aus Zeitschriften kombiniert, wird für 120.000 bis 160.000 Euro angeboten.

Die Auktion beginnt am 23. Mai um 14.00 Uhr. Eine Vorbesichtigung ist vom 18. bis 22. Mai möglich, freitags und montags von 10.00 bis 17.30, samstags von 10.00 bis 16.00 Uhr, sonntags von 11.00 bis 15.00 Uhr und dienstags von 10.00 bis 13.00 Uhr.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



20.05.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Julia Remenyi

Drucken

zurück zur Übersicht


Empfehlen Sie den Artikel weiter:
an


Weitere Inhalte:

Veranstaltung vom:


23.05.2012, Zeitgenössische Kunst

Bei:


Kunsthaus Lempertz

Bericht:


Übermalung des Todes










Copyright © '99-'2020
Kunstmarkt Media
Alle Rechte vorbehalten


Impressum





Zum Seitenanfang Magazin

 Amazon export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce  Amazon ebay rakuten yatego meinpaket export/import Schnittstelle xt:commerce u. oscommerce