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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Hauswedell & Nolte in Hamburg

Herrschaft der Blumen



Bunte Blumen gehören zu den größten Kostbarkeiten der Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst bei Hauswedell & Nolte. Da wären zum Beispiel Erich Heckels „Pfingstrosen und Lupinen“, die einen in Rot, die anderen etwas im Hintergrund weiß blühend, auf einer schlichten Anrichte vor blauem Vorhang platziert. 90.000 Euro werden für dieses 1916 entstandene Ölbild erwartet. In Gelb, Blau, Violett und Rot strahlen die Tulpen auf einem „Großen Stillleben“ Alexej von Jawlenskys. „Groß“ ist allerdings relativ: Der Karton aus dem Jahr 1936 misst nämlich nur rund 25 mal 17 Zentimeter. Dennoch stehen 50.000 Euro auf dem Etikett. Fritz Stuckenbergs „Blaues Stillleben“ von circa 1910 besitzt mit seinen 46 mal 37 Zentimeter dagegen fast monumentale Ausmaße, ist aber mit 12.000 Euro nicht ansatzweise so teuer. Ein weiteres „Stillleben mit Tulpen“, diesmal ganz in Gelb, von dem Kölner Neusachlichen Heinrich Hoerle gibt sich mit geschätzten 18.000 Euro ebenfalls recht bescheiden.


Im Wert übertroffen werden alle diese Bilder am 6. Juni jedoch von Emil Noldes aquarellierten „Sonnenblumen“ – jedenfalls wenn man dem Schätzpreis von 120.000 Euro heranzieht, der sich am Marktüblichen orientiert. Wohl bis in die 1950er Jahre hinein gehörte das Blatt dem Münchner Galeristen Günther Franke, anlässlich dessen Gedächtnisausstellung 1983 es auch einmal öffentlich zu sehen war. Seither befand es sich im Besitz einer Familie und ist daher als marktfrisch zu bezeichnen. Doch die Sitzung am Mittwoch beinhaltet nicht nur Blumen: Von Otto Dix beispielsweise gibt es eine wunderbare altmeisterlich wirkende Landschaft mit Blick über Allensbach und Reichenau am und im Bodensee. Mit 220.000 Euro geht das 1938 entstandene Ölbild, das unverwechselbar für die mittlere Schaffensphase des Künstlers ist, sogar als Hauptlos an den Start.

Erich Heckel gelangt noch einmal mit einer 1925 datierten „Landschaft mit Ziegen“ zum Zuge, die den gleichen ruhig-sanften Geist atmet wie sein zehn Jahre älteres Blumenbild (Taxe 60.000 EUR). Zugleich ist Heckel einer der wichtigsten Grafiker der Veranstaltung: Sein dreifarbiger Holzschnitt „Männerbildnis“, sein berühmtes Selbstbildnis von 1919, wird bei 40.000 Euro gehandelt, nur 5.000 Euro weniger als Noldes zarte Lithografie „Windmühle“ als Probedruck von drei Steinen aus dem Jahr 1913. Noch seltener als diese beiden Blätter gibt es Conrad Felixmüllers 1919 geschaffenen Farbholzschnitt „Einsame Frau“, der nur in circa acht Exemplaren erschien (Taxe 16.000 EUR). Umso häufiger tritt man auf Paul Klees farbige Lithografie „Seiltänzer“: 220mal wurde sie 1923 vervielfältigt, als Blatt vier in dem Mappenwerk „Kunst der Gegenwart“, herausgegeben von der Marées-Gesellschaft in München. Nichtsdestoweniger ist das Motiv bis heute sehr gesucht, wobei Hauswedell & Nolte die Messlatte der schönen Druckqualität wegen mit 50.000 Euro relativ hoch anlegt.

Genau hundert Nummern listet der Katalog mit den „ausgewählten Werken“ des Hamburger Auktionshauses. Den Beginn bestreitet noch das fortgeschrittene 19te Jahrhundert unter anderem mit Wilhelm Leibls karikaturistischer Bleistiftzeichnung „Der Kritiker“ aus dem Jahr 1866 (Taxe 10.000 EUR) oder dem winzigen „Brustbild eines Mannes mit Toga“ in Kreide und Aquarell von Honoré Daumier, das für 25.000 Euro aus den USA eingeliefert wurde. Pierre-Auguste Renoirs bekannte Farblithografie „Le Chapeau epinglé, 2e planche“ von 1898 führt bei 60.000 Euro eine Reihe von Drucken französischer Impressionisten an. Auf deutscher Seite beeindruckt Max Liebermanns naturalistische Genrestudie „Brabanter Spitzenklöpplerinnen“, deren Datierung mangels Lesbarkeit von des Malers Hand zwischen 1881, 1882 und 1887 schwankt (Taxe 45.000 EUR).

Als hübsches Frühwerk eines späteren Expressionisten tritt eine „Strandlandschaft bei Flut“ des zwanzigjährigen Max Beckmann aus dem Jahr 1904 bei ebenfalls 45.000 Euro an. Vor ziemlich genau 25 Jahren hat der derzeitige Eigentümer den Karton am selben Ort erworben. Schon einmal im vergangenen Dezember für 100.000 bis 140.000 Euro bei Van Ham in Köln war Lesser Urys „Caféhausszene“ von 1928 zu haben. Hauswedell & Nolte verlangt aber immer noch die untere Grenze dieser Wertbeschreibung. Nur zwei Jahre jünger ist Ernst Thoms’ „Schwedische Schärenwerft“, doch der Lebensabstand von einer Generation macht sich in der ganz anders gearteten, sachlich-kühlen und zugleich fast manierierten Darstellungsweise geltend (Taxe 18.000 EUR). Die frühe Abstraktion vertritt Walter Dexels collagierte „Diagonalkonstruktion im Quadrat I“ von 1924 (Taxe 10.000 EUR). Als späteres Meisterwerk folgt ein kleines „Montaru mit Gondel“ aus dem Jahr 1954 von Willi Baumeister, einem der treuesten Hausgäste des Hamburger Unternehmens (Taxe 60.000 EUR).

Gleichfalls bereits der Nachkriegszeit gehört eine unheimlich anmutende „Abendlandschaft“ an, um 1948 von dem Surrealisten Richard Oelze minutiös in Bleistift auf Papier gezeichnet (Taxe 20.000 EUR). Die Gegenwartskunst ist dagegen relativ zurückhaltend zugegen: Eine aus gemischten Farbmaterialien gefügte, freudige „Composition“ des 2006 verstorbenen „Cobra“-Künstlers Karel Appel trägt bereits die Jahreszahl 1950 (Taxe 25.000 EUR), und unter den Lebenden weilt nur noch Rainer Fetting, vertreten durch das Brustbild „Marc“ von 1990 für 20.000 Euro. Ernst Barlach steht wie so häufig in der Skulpturenofferte ganz oben: 85.000 Euro soll sein bekannter „Flötenbläser“ kosten, eines von 32 nach 1940 gegossenen Exemplaren der 1936 entworfenen Bronze. Hans Uhlmanns stählernes und scharfkantiges „Wachstum“ von 1962 könnte gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ermutigende Wirkung entfalten (Taxe 25.000 EUR), wohingegen Niki de Saint Phalles schrillbunter „Dragon“ von circa 1974 einen eher gierigen Eindruck macht (Taxe 60.000 EUR).

Über vierhundert weitere Positionen aus der klassischen Moderne werden den restlichen Tag über versteigert. Darin integriert ist eine kleine Gruppe von Gemälden Hamburger Künstler wie Friedrich Ahlers-Hestermanns breitformatiges, von der Realität losgelöstes Stillleben „Pik As“ von 1969 (Taxe 2.000 EUR), Otto Fischer-Trachaus multiperspektivischer „Fensterblick mit Alpenveilchen“ von 1922 (Taxe 6.000 EUR), Fritz Friedrichs’ etwas resigniert wirkendes „Selbstbildnis im Atelier“ aus dem freilich nicht gerade glücklichen Jahr 1918 (Taxe 6.000 EUR) und Paul Kaysers unprätentiöse Impression „Elbschlepper am Kai“ aus der Speicherstadt von 1924 für 3.000 Euro. Großzügig findet auch Valentin Ruths’ spätromantische Landschaft „Wilseder Berge“ von 1870 erneut Aufnahme bei den Modernen, diesmal mit einer um 1.000 Euro reduzierten Schätzung von 6.000 Euro. Mit César Kleins „Figuren in Ruine“ aus den späten 1920er Jahren kommen erneut surrealistische Tendenzen zum Zuge (Taxe 2.800 EUR). Ein Kleinod des Kubismus ist Lajos Kassáks Komposition „Ohne Titel (LE S)“ aus etwa der gleichen Zeit, collagiert mit Papierschnipseln und auf 9.000 Euro geschätzt.

Der nachfolgende Donnerstag ist den weit über dreihundert Werken der Gegenwartskunst vorbehalten. Einige davon, wie Katharina Grosses farbenfrohes Vertikalstreifenbild ohne Titel von 1993 für 10.000 Euro oder Karl Fred Dahmens sandhaltiger und -farbener „Regenherbst“ von 1980 für 12.000 Euro, hätten sich auch in den „ausgewählten Werken“ behaupten können. Der relativ frühe Bernard Schultze lässt sich in einer informellen Komposition namens „Submarin“ aus dem Jahr 1950 bewundern, die noch etwas sanfter, aber auch lyrischer ist als seine späteren Arbeiten (Taxe 6.500 EUR). Mit einer unbetitelten Komposition der bald neunzigjährigen Sigrid Kopfermann aus dem Jahr 1954 (Taxe 3.000 EUR) oder drei trompe-l’œil-artigen Acrylbildern des 1942 geborenen Amerikaners Jack Lembeck für bis zu 3.500 Euro finden sich auch unter den kleinen Preisen schöne Objekte.

Die Auktion beginnt am 6. Juni um 9:30 Uhr mit der modernen Kunst, ab 18 Uhr stehen die „Ausgewählten Werke“ auf dem Programm, am 7. Juni folgt um 14:30 Uhr die Kunst nach 1945. Die Besichtigung ist bis zum 4. Juni von 10 bis 18 Uhr, am 5. Juni von 10 bis 17 Uhr möglich.

Kontakt:

Hauswedell & Nolte

Pöseldorfer Weg 1

DE-20148 Hamburg

Telefon:+49 (040) 41 32 10 0

Telefax:+49 (040) 41 32 10 10

E-Mail: info@hauswedell-nolte.de



04.06.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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