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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Zeitgenossen bei Christie’s in London

Rosa, nicht Blau



Man könnte fast von einer Dominanz der Farbe Blau in der Auktion „Post-War and Contemporary Art“ bei Christie’s sprechen, gäbe es da nicht ein Schwammbild von Yves Klein. Zwar hat sich der Franzose 1960 unter der Bezeichnung „International Klein Blue“, kurz „IKB“, ein suggestives Ultramarinblau patentieren lassen, doch nicht alle Kunstwerke sind in diesem Ton ausgeführt. Farbpsychologische und fast -magische Effekte sprach Klein auch Gold und Rosarot zu. Für den spirituellen Künstler symbolisierten die drei Farben die christliche Dreifaltigkeit von Vater (Gold), Sohn (Blau) und Heiliger Geist (Rosarot) genauso wie alchemistische Vorstellungen von Sonne (Gold), Wasser (Blau) und göttlichem Blut (Rosarot). Seine legendäre Ausstellung „Monochrome und Feuer“ im Krefelder Haus Lange von 1961, deren Katalog aus zwei monochromen Farbsiebdrucken in Blau und Rosa sowie einen mit Blattgold belegten Karton bestand, wurde von diesen drei Farben beherrscht. Hier stellte Yves Klein auch „Le Rose du bleu (RE 22)“ von 1960 von, sein größtes Schwammrelief in der Farbe Rosarot. Nun steht es Christie’s in London zum Verkauf und führt mit einer Schätzung von 17 bis 20 Millionen Pfund die Riege der Nachkriegs- und Gegenwartskunst an.


Doch ohne Blau geht es bei Yves Klein wirklich nicht. Rechtzeitig zu dessen 50sten Todestag am 6. Juni kann Christie’s zudem das „Relief éponge bleu (RE 51)“ von 1959 präsentieren, das sich kurzeitig bei Lucio Fontana befand und noch im Entstehungsjahr in eine italienische Sammlung überging, die es nun für 6 bis 9 Millionen Pfund zur Auktion gegeben hat. Als dritter Klein im Bunde tritt die „Anthropométrie (ANT 49)“, eine weibliche Köpermalerei mit gespreizten Beinen von 1960, bei 1 bis 1,5 Millionen Pfund wiederum in Blau an. Für die gut 70 Positionen der Abendauktion am 27. Juni will Christie’s über 100 Pfund sehen und liegt damit deutlich vor dem Konkurrenten Sotheby’s, der mit 80 Kunstwerken auf rund 60 Millionen Pfund kommt.

Neben Kleins „Le Rose du bleu (RE 22)“ ist der Unterschied auf zwei weitere kapitale Werke zurückzuführen, deren Schätzpreise Christie’s ebenfalls nur auf Anfrage verrät: Francis Bacons „Study for Self-Portrait“ von 1964, das des Malers Gestalt mit der seines Künstlerfreundes Lucian Freud vermischt, für 15 bis 20 Millionen Pfund und ein Kritzelwesen Jean-Michel Basquiats. Für den unbetitelten Mann, der seit 1981 seine Arme in Siegespose hochwirft, stand wohl ein schwarzer Boxstar Pate. Im Mai 2007 bei Sotheby’s in New York für netto 13 Millionen Dollar zugeschlagen, werden nun 10 bis 15 Millionen Pfund mitgeteilt. Günstiger wird es bei Basquiat mit einem Totenkopfbild von 1984, das nun wieder von einem blauen Hintergrund hinterfangen wird (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP).

Für die Blaunote in der Auktion sorgen dann noch das riesige „Baroque Egg with Bow“ in der Farbstellung „Blue/Turquoise“ von Jeff Koons, das seit 1994 in fünf Exemplaren auf dem Markt kam (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen GBP), Richard Princes Schriftbild „The Wrong Joke“ von 1987, das einen klitzekleinen roten Sechszeiler mittig auf blauem Fond niederschreibt (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP), Cy Twomblys gestische Abstraktion mit blauen, buchstabenlosen Schriftschwüngen von 1970 (Taxe 350.000 bis 550.000 GBP), Damien Hirsts Schmetterlingstondo „Blue Angel“ von 2005 (Taxe 300.000 bis 500.000 GBP) oder Beatriz Milhazes mit ihrer ausladenden Ornamentspielerei „O Elefante Azul“ von 2002, auch wenn sich die Lebensfreude hier doch hauptsächlich in der bunten, meist ungemischten Farbigkeit äußert (Taxe 400.000 bis 600.000 GPB).

Alighiero Boetti breitet auf seiner gestickten „Mappa“ von 1984/86 die Länder der Erde mit den Farben ihrer Flaggen auf einem blauen Meer aus (Taxe 900.000 bis 1.200.000 GBP), Adriana Varejão gestaltet 2006 die geometrische Kachellandschaft und das Tauchbecken in „O Sonhador“ aus ihrer „Sauna-Serie“ in wässrigem Blau (Taxe 350.000 bis 550.000 GBP) und Barnaby Furnas übersät 2004 in „Untitled (Battlescene)“ einen blauem Himmel mit roten Blutspritzern (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP). Wer noch ein passendes Andenken zum Thronjubiläum von Queen Elizabeth II. sucht, wird bei Andy Warhol fündig. Für seine Serie „Reigning Queens“ wählte er sich 1985 auch die britische Königin und ließ ihr charmantes Konterfei – wie könnte es anders sein – vor blauem Hintergrund aufstrahlen (Taxe 400.000 bis 800.000 GBP).

Doch nicht alles ist Blau. Ohne diesen Farbwert kommen etwa Lucian Freuds verkrümmt liegende Frauengestalt im „Naked Portrait II“ um 1974 (Taxe 3,8 bis 4,5 Millionen GBP) oder Alexander Calders raumfüllendes Mobile „Rouge triomphant“ von 1959/63 aus, in dem sich eine rote Metallscheibe gegen die Überzahl ihrer schwarzen Kollegen behaupten muss (Taxe 6 bis 8 Millionen GBP). Auch Ron Mueck nimmt sich den nackten Frauenkörper zum Ausgangspunkt seiner hyperrealistischen, aber dann doch unterlebensgroßen Skulpturengruppe „Mother and Child“ von 2001/03 und platziert das Neugeborene kurz nach der Geburt noch mit Nabelschnur auf dem Bauch seiner Mutter (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Bildhauerische Arbeiten der jüngeren Generation gibt es zudem noch von Berlinde De Bruyckere mit ihrem aus Pferdefell genähten Torso in einer Glasvitrine von 2006 (Taxe 180.000 bis 250.000 GBP) oder von David Altmejd mit der Gigantenfigur „The New North“, deren urwüchsiger chaotischer Erscheinung der 1974 geborene Kanadier mit architektonischen und kristallinen Elementen eine gewisse Ordnung verleiht (Taxe 200.000 bis 300.000 GBP).

Auf die Nichtfarbe Weiß legen Sérgio de Camargo in seinem aus kleinen runden Holzstäben gebildeten „Relief no. 283“ von 1970 (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP) und Lucio Fontana in seinem achtmal vertikal geschlitzten „Concetto spaziale, Attese“ von 1963/64 ihr Augenmerk (Taxe 2,2 bis 2,8 Millionen GBP). Doch schon wieder bricht das Blau durch, etwa in Mark Rothkos Farbflächenkomposition „Orange and Blue“ von 1960/61 (Taxe 1,8 bis 2,2 Millionen GBP), Dan Flavins quadratischer Lichtinstallation „Untitled (for Leo Castelli at his Gallery’s 30th Anniversary)3“ von 1989 (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP), Chris Ofilis Stecknadelbild einer afrikanischen, mit Elefantendung verzierten Schönheit unter dem Titel „Innervisions… Too High“ von 1998 (Taxe 900.000 bis 1.200.000 GBP) oder Marcel Broodthaers’ quadratischem Muschelbild „Surface de moules (avec sac)“ von 1966/74 (Taxe 180.000 bis 220.000 GBP). Auch Roy Lichtensteins Rasterbild „Reflections on Jessica Helms“ von 1990 kommt nicht ohne Blau aus, das in breiten diagonalen Streifen die Geschlechtsteile des rot gepunkteten Akts überdeckt (Taxe 3,5 bis 4,5 Millionen GBP).

Teuerster Deutscher ist wieder einmal Gerhard Richter mit der horizontal gegliederten, hauptsächlich grauen Schlierenabstraktion „Struktur (2)“ von 1989 bei 9 bis 12 Millionen Pfund. Als seltener Gast mischt sich dann Otto Piene mit dem frühen, schwarzweißen „Rasterbild“ in halbrunden Formen von 1957 unter die Londoner Abendauktion (Taxe 180.000 bis 220.000 GBP). Aus der Nachkriegszeit steht ihm Wols mit der surrealen Abstraktion „L’inachevée“ aus dessen frühem Todesjahr 1951 zur Seite (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP), aus der jüngeren Gegenwart Martin Kippenberger mit dem humorvollen, wie kritischen Gemälde „Keiner hilft Keinem“ von 1988 (Taxe 450.000 bis 550.000 GBP), Andreas Gursky mit dem Menschenauflauf in der rund fünf Meter breiten Fotoarbeit „May Day IV“ von 2000 (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen GBP) oder Anselm Kiefer mit der materialreichen Kosmologie „The Secret Life of Plants: Star Painting“ von 2003 (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP).

Doch ohne Blau geht es auch bei den Deutschen nicht. Verantwortlich ist hier vor allem Siggi Loch. Der Musikproduzent und Gründer des Labels „Act“ hat eine Sammlung aufgebaut, die das Faszinosum der Farbe Blau umkreist. Daraus offeriert Christie’s insgesamt 45 Werke in der Abend- und Tagesauktion, deren Erlös für die Gründung der „Siggi & Sissy Loch Stiftung“ bestimmt ist, die sich der Unterstützung hilfsbedürftiger Menschen sowie der Förderung des Tierschutzes widmet. Als erstes Werk erwarb Loch 1988 den „Blauklang“ Ernst Wilhelm Nays, der 1953 den Übergang von den „Rhythmischen Bildern“ zur Reihe der „Scheibenbilder“ markiert (Taxe 100.000 bis 150.000 GBP). Auf der raumlosen Illusion „Strandbild 10 – Night in Tunisia II“ von Georg Baselitz schweben dann eine liegende Frau und ein Haus vor Azurblau (Taxe 400.000 bis 500.000 GBP). Sigmar Polke überzieht seine hirnartige Wabenform 1998 mit schnellen, freien Pinselstrichen in Blau (Taxe 150.000 bis 200.000 GBP), und bei Gerhard Richter ist es das „Abstrakte Bild 829-3“, das an die Anmutung einer Teichlandschaft erinnert (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP). Auch bei ausländischen Künstlern wurde Siggi Loch fündig und legte sich neben Yves Kleins „Anthropométrie (ANT 49)“ etwa auch Sam Francis’ zarte „Composition in Blue and White“ von 1960 zu (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP).

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



25.06.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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