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Am 30.05.2020 Auktion 1153: Alte Kunst - Kunst des 19. Jahrhunderts

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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

Kentaur, 1891/93 / Franz von Stuck
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Gute Auktion für Klassiker der Fotografie bei Lempertz in Köln

Dramatische Rheinschleife



Von einem dramatisch verdunkelten und von Wolken bewegten Himmel überfangen, setzt August Sander die Rheinschleife bei Boppard in Szene. Dynamisch windet sich der Fluss zu einer Schlaufe, die an Land eine fast kreisrunde Halbinsel ausbildet. Zwei Schiffe durchbrechen diese Rundungen mit ihren pfeilförmigen Körpern und wühlen die Rheinoberfläche zu schäumendem Kielwasser auf. Die Fotografie von 1938 zählt zu den wichtigsten und bedeutendsten Landschaftsaufnahmen Sanders. Der vom Kölner Auktionshaus Lempertz offerierte Abzug stammt aus den frühen 1950er Jahren, als der rheinische Fotograf seine Aufnahmen zu Mappenwerken zusammenstellte und sich vor allem dem Thema Landschaft widmete. Ein deutscher Sammler musste 15.000 Euro bieten, um das auf 8.000 Euro geschätzte Los sein Eigen nennen zu dürfen.


Insgesamt bot Lempertz am 23. Mai 175 Fotografien vom 19ten bis zum 21sten Jahrhundert an. Die internationale Bieterschar nahm 66 Prozent der Lose ab und bescherte Lempertz damit einen Bruttogesamtumsatz von gut 283.000 Euro. Die anderen zehn Positionen August Sanders sorgten allerdings für keine großen Überraschungen. Ein Abzug aus den frühen 1950er Jahren des „Blicks auf den Rhein an einem Frühlingsmorgen“ um 1941 mit romantisch inszeniertem Selbstportrait in Rückenansicht stoppte bei 6.000 Euro, 2.000 Euro unterhalb der Erwartungen. Mystisch mutet die „Partie am Aufgang zur Wolkenburg“ mit dem Baum bestandenen nebeligen Hang an. Der spätere Abzug eines Originals der 1930er Jahre erreichte dagegen gute 3.200 Euro (Taxe 2.000 EUR), und auch sein Blick in die Rheinebene auf Königswinter, Godesberg und Bonn mit diagonal fließendem breiten Fluss legte leicht auf 4.600 Euro zu (Taxe 4.000 EUR).

Zu Beginn der Auktion rief Lempertz einige Fotografien aus dem 19ten Jahrhundert auf, darunter auch ein Fotoalbum, das Ansichten verschiedener Brücken, Hafenanlagen und Straßenzüge um 1890 in New York enthält. Die Freiheitsstaue und Aufnahmen aus dem Central Park machen die Veränderungen, die im letzten Jahrhundert mit der Stadt vor sich gegangen sind, gut deutlich. So sind der Central Park und das Bassin kaum umbaut, und die Leute tummeln sich mit Hut und Melone auf dem Eis. Wie sieben andere Aufnahmen stammt dieses Bild laut Legende von John S. Johnston, eine andere aus dem Studio von William Purviance. 2.100 Euro wurden hier bewilligt (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Für Eugène Atgets stimmungsvolle, träumerische Ansicht der Parkanlagen von „Juvisy, Belles fontaines“ aus dem Jahr 1902 musste ein amerikanischer Sammler die Taxe auf 11.000 Euro mehr als verdoppeln.

Zwei der drei piktoralistischen Bilder von Heinrich Kühn fanden Anklang bei den Kunden. Sein malerisch drapierter Sohn „Hans im Gras“, ein Bromölumdruck auf Japanpapier von 1907, ging bei 4.200 Euro über das Auktionspult (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Die interessante Perspektive von oben auf die „Schnitterin“ von 1924 konnte einen Bieter dagegen zu 5.400 Euro überreden (Taxe 3.500 bis 4.000 EUR). Nur der Blick auf die „Wanderer unter einem Baum“ von 1915 konnte für 4.000 bis 5.000 Euro nicht überzeugen. Doch auch dieses Bild weist die Weichheit der Konturen auf, die der deutsch-österreichische Fotograf durch das Experimentieren mit verschiedenen Techniken erreichen wollte. Sein belgischer Kollege Léonard Misonne fängt im „Morgendlichen Spaziergänger“ von 1898 sich selbst als Rückenfigur im Wald bei atmosphärischer Lichtstimmung ein. Der ebenfalls mit impressionistischer Unschärfe abgezogene Vintage kam auf 2.400 Euro (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Heinz Hajek-Halke experimentierte dagegen mit der Technik der Doppelbelichtung und ließ dadurch ungewöhnliche Fotografien entstehen. So fand der Vintage „Werbevorschlag für Pharma-Industrie“ von 1935 reges Interesse. Lempertz hatte für den weiblichen, mit Zahnrädern überblendeten Torso 3.000 bis 4.000 Euro angesetzt. Der Preis stieg aber auf 5.500 Euro. Harold Edgerton und sein Partner Kenneth J. Germeshausen entwickelten um 1934 am Massachusetts Institute of Technologie eine Apparatur zur Ultra-Hochgeschwindigkeitsfotografie. Als Beispiele, die nicht nur technisch, sondern auch ästhetisch ansprechend waren, wählten sie zum Beispiel zerplatzende Seifenblasen. Die beiden Vintages, die diesen Vorgang zeigen, waren mit 1.500 bemessen, doch der Hammer fiel erst bei 2.200 Euro. Weiter in den 1930er Jahren ging es mit Germaine Krull und Ilse Bing. Krulls Vintage „Couple d’amoureux“ fand für die Schätzung von 1.500 Euro Gefallen, Bings späterer Abzug „Le coup de vent, Tour Eiffel“ von 1931 für 1.900 Euro (Taxe 1.800 EUR). Walker Evans hielt in dieser Zeit jenseits des Atlantiks die „Country Church near Beaufort, S.C.“ in all ihrer Rustikalität und Einfachheit fest. Die 1936 geschossene und 1971 für das Portfolio „Walker Evans“ nochmals abgezogene Aufnahme war einem Bieter 3.900 Euro wert (Taxe 3.500 bis 4.00 EUR).

Dass Otto Umbehr, in Kurzform „Umbo“, von 1921 bis 1923 am Bauhaus studiert hat, offenbart deutlich ein Vintage von 1950. Dort fotografiert der Künstler sein Spiegelbild in einer Glaskugel, um die optische Verfremdung des Bildraumes zu entlarven. Trotz dieser Raffinesse blieb das Bild mit 1.500 Euro hinter der Taxe von 2.000 bis 2.500 Euro zurück. Die drei Vintages von Otto Steinert gingen alle weg, allerdings immer unterhalb der Erwartungen. Als kleine, weiße Reflexlichter auf der Wasseroberfläche ist „Die Sonne von Amalfi“ 1963 indirekte Protagonistin des Bildes, das für 6.400 Euro versteigert wurde (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Auf den Kontrast von Schwarz und Weiß setzt Steinert auch bei „La Comtesse de Fleury“, einer Deutschen, die in Paris lebte und die Steinert im Sommer 1952 dort kennenlernte. Trotz der eindrücklichen Gesichtszüge blieb das Bild 1.000 Euro vor den angepeilten 4.000 Euro stehen. Die drei Stillleben von Josef Sudek fanden dann wieder großen Anklang bei der Kundschaft. Ein deutscher Händler konnte sich gegen die Konkurrenz bei 5.300 Euro für das „Stillleben mit Muschel“ von 1950/54 durchsetzen (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Das „Stillleben mit Rose“ von 1952 wurde mit 3.500 Euro entlohnt (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR), der Vintage aus dem Zyklus „Erinnerungen an Ostern“ samt Karaffe und Ei mit 4.200 Euro (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR).

Gruselig ist der Vintage „Graffiti, ‚Der Tod’“ von 1949. Brassaï hat hier einen stilisierten Totenkopf, der in eine Steinmauer eingeschnitten ist, fotografiert, was ihm 6.000 Euro eintrug (Taxe 8.000 EUR). Lustiger geht es bei André Kertész zu. Denn sein nun 4.000 Euro teuerer Vintage „Billboard“ von 1962 lebt von den interessanten grafischen Elementen, den Schattenbildungen einer Werbetafel, deren Beleuchtung und den Schildern sowie Wegweisern auf der oberhalb verlaufenden Straße, und dem Kontrast von Werbedame zu zwei Herren (Taxe 3.500 EUR). Ob Garry Winogrand seine Serie „Women are Beautiful“ wirklich ernst gemeint hat, wenn er von oben eine am Swimmingpool liegende, braun gebrannte Dame im Bikini mit Rauschehaar fotografiert hat, ist doch sehr fraglich. Jedenfalls kamen für den Gelatinesilberabzug von 1981 gute 2.000 Euro zusammen (Taxe 1.500 EUR). Als Vertreter der New Color Photography der ging Amerikaner Joel Meyerowitz an den Start und war mit seiner ruhigen abendlichen Seeschilderung „Porch Series, Provincetown“ von 1991 bei 2.200 Euro erfolgreich.

Politisches Zeitgeschehen dokumentiert Will McBride. So konnten „John F. Kennedy, Willy Brandt und Konrad Adenauer vorm Brandenburger Tor, Berlin 1963“ auch als späterer Gelatinesilberabzug für 1.600 Euro an den Mann gebracht werden (Taxe 1.500 EUR), ebenso Robert Lebecks berühmtes Bild „Wie König Baudouin von Belgien der Degen gestohlen wurde, Lépoldville 1960“ für 900 Euro (Taxe 800 EUR). Steve McCurrys Portrait eines zwölfjährigen afghanischen Mädchens in einem Flüchtlingslager in Pakistan erschien auf der Titelseite der Zeitschrift „National Geographic“ im Juni 1985. Damit schaffte der Fotograf es zu internationaler Berühmtheit. Das leuchtende Grün der verängstigten Augen findet sich im Hintergrund wieder, der rote Schleier steht dazu in Komplementärkontrast. Für die erwarteten 5.000 Euro konnte sich ein deutscher Händler das Bild sichern. Der brasilianische Fotograf Sebastião Salgados hat sich der sozialdokumentarischen Fotografie verschrieben. Sein eindrücklicher Abzug „Sud Soudan“ mit schwarzer Stammesbevölkerung samt Vieherde im Wüstenstaub von 2006 landete bei 5.200 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Der zeitgenössischen Fotografie wurde bei der Auktion ein Wertlimit von 2.000 Euro gesetzt. Teurere Abzüge landeten bei der zeitgenössische Kunst, die im Anschluss stattfand. Christian Boltanskis Fotoarbeit von 1992 „Reconstitution d’un accident qui ne m’est pas encore arrivé et où j’ai trouvé la mort 1969“ war zwischen 1.800 und 2.000 Euro geschätzt. Der Künstler fingiert in dieser Serigrafie und weiteren beiliegenden Fotokopien von Dokumenten den Hergang seines eigenen Todes. Diese verrückte Idee wurde mit 2.600 Euro bedacht. Das war auch der Höchstzuschlag in dieser Kategorie. Stephen Shore konnte das mit seinem C-Print einer Ansicht auf einen Vorgarten in der „Washington Avenue, North Adams, Massachusetts July 13, 1974“ für 2.200 Euro nicht übertreffen (Taxe 1.500 EUR), genauso wie Nobuyoshi Araki mit seiner Blütenpracht aus der Serie „Flowers“ für 2.400 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Der Japaner Tatsumi Orimoto erreichte mit seiner lustig erschütternden Aufnahme seiner an Alzheimer erkrankten „Small Mama + Big Shoes“, in der er 1997 das Altern thematisiert, 1.800 Euro (Taxe 1.500 EUR), ebenso der Amerikaner Bruce Wrighton mit dem menschenleeren Straßenzug samt „Greyhound Bus Station“ in der seiner kleinen Heimatstadt Binghamton (Taxe 2.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



22.07.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lisa Witte

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23.05.2012, Photographie

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Zuschlag: 2.100,- EURO

Losnummer: 11

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Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 13




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