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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Alte Kunst und Antiquitäten bei Nagel in Stuttgart

Die verschmähte Puppe



Meister von Rabenden, Zwei Apostelbüsten, München um 1500

Meister von Rabenden, Zwei Apostelbüsten, München um 1500

Die moderne Kunst und vor allem die Asiatika mögen in diesem Frühjahr bei Nagel in Stuttgart die Nase vorn gehabt haben, denn das breite Angebot an Kunst und Antiquitäten schwächelte bei der letzen Auktionsrunde etwas. So lag die losbezogene Zuschlagsquote mit knapp vierzig Prozent nicht ganz so hoch wie sonst. Einen Ausgleich brachte wenigstens eine Reihe bedeutender Wertsteigerungen. Allen voran stand hier das Paar hölzerner Apostelbüsten aus spätgotischer Zeit, um 1500 entstanden und dem sogenannten Meister von Rabenden zugeschrieben. Die markanten Gesichtszüge der gedankenverlorenen Gestalten weisen aber auch in nördliche Richtung, auf den fränkischen Bildhauer Tilman Riemenschneider und seine ausgedehnte Schule. Wie dem auch sei, die hohe Qualität der flachen und doch außerordentlich plastisch wirkenden Büsten überzeugte eine Reihe von Interessenten, so dass sich ihre Gebote auf 60.000 Euro emporschraubten. Angesetzt hatte Nagel das Duo wertmäßig auf 15.000 Euro – von einer Favoritenrolle war da noch keine Rede.


Schon im Kunsthandwerk, traditionell der erste Teil der Auktion „Kunst & Antiquitäten“, hatte es am 6. Juni gelegentlich recht heftig geknistert. Ein niederländisches Teedöschen des frühen 18ten Jahrhunderts aus Schildpatt mit köstlichen Silbereinlagen chinoiser, teils ruinöser Architekturen und Landschaften mit Figurenstaffage brachte es von 10.000 Euro auf 41.000 Euro. Beim Porzellan reüssierte ein umfangreiches Meißner Speiseservice mit zierlichem, buntfarbigem Vogel- und Fruchtdekor aus den frühen 1760er Jahren bei 16.000 Euro (Taxe 12.000 EUR). Die vorgesehenen 5.000 Euro erzielte ein Teller aus dem berühmten Schwanenservice des Grafen von Brühl um 1740, die 12.000 Euro eine neoklassizistische Prunkvase von KPM Berlin aus dem ausgehenden 19ten Jahrhundert mit zwei Bildfeldern samt antiker Mythologie. Ein Wiener Pendant der gleichen Zeit in nicht allzu aufdringlichem Rosa, dafür im historistischen Stilmix, wohl von dem Emailspezialisten Karl Rössler fabriziert, schaffte ebenfalls im Rahmen der Schätzung 16.000 Euro. Beim russischen Silber war ein emaildekorierter Löffel von Fedor Rückert aus der letzten Zarenzeit um 1908 der Renner: Statt 1.800 Euro kamen schließlich 24.000 Euro bei dem Bietgefecht heraus. Der von Julius Rappoport bei Carl Fabergé gefertigte silberne Tafelaufsatz um 1899/1908 mit auffälligen Greifen als Handhaben kam auf taxgerechte 20.000 Euro.

Auf der anderen Seite standen freilich auch einige bedeutende Rückgänge, wobei die wenig überzeugende Schätzung von 50.000 Euro für eine zwar schöne, aber wiederum doch nicht so bedeutende Deckelterrine des Augsburger Meisters Philipp Jakob Drentwett VI. um 1722/26 wohl primär auf den Einlieferer zurückgehen dürfte. Begehrtestes Möbelstück war ein mächtiger Pinzgauer Stubenschrank mit geradezu überbordendem Rokokodekor, wie man ihn in dieser Üppigkeit selten zu Gesicht bekommt. Von 15.000 Euro auf 47.000 Euro schoss das 1785 datierte Stück, eine zugehörige, ebenfalls aus Château Lauterborn im luxemburgischen Echternach stammende Truhe landete bei 14.000 Euro (Taxe 3.000 EUR). Ein kleines Tischchen aus der gleichen Zeit, durch sein Glasperlenmosaik mit Papagei auf den Braunschweiger Meister Johann Michael van Selow verweisend, ging bei 13.000 Euro über die Ladentheke (Taxe 6.000 EUR). 8.000 Euro erlöste ein eleganter Rokokospiegel um 1750, den die Nagel-Experten im norddeutschen oder skandinavischen Raum lokalisieren (Taxe 2.000 EUR), immerhin noch 4.500 Euro ein schlichter, aber wohlproportionierter und authentisch erhaltener deutscher Barocksekretär aus einer alten Privatsammlung in Hessen (Taxe 2.500 EUR).

Bei den Gemälden Alter Meister konnten die Käufer den Preisvorstellungen von Auktionshaus und Einlieferern nicht immer folgen: Hoch gehandelte Tafeln und Leinwände wie Claes Molenaers Bauernkirmes in einem Dorf für 50.000 Euro, ein Kücheninterieur mit Dame und Dienstmagd vielleicht von Jeremias van Winghe für 28.000 Euro, Ludolf Backhuysens niederländische Handelsschiffe in bewegter See für 22.000 Euro oder Johann Thomas Christian Wincks Bildpaar „Allegorie des Frühlings“ und „Allegorie des Herbstes“ von 1769 für 35.000 Euro blieben unveräußert. Über 20.000 Euro für eine weite Gebirgslandschaft Claes Dircksz van der Hecks samt kleiner Figurenstaffage und wackliger Brücke im Vordergrund kam man hier nicht hinaus (Taxe 18.000 EUR). Dahinter folgte bei 17.000 Euro die Darstellung zweier speisender Bauern, die über dem Genuss ihrer Pasta nicht bemerken, dass sei von einem listigen Straßenjungen ausgeraubt werden. Ein neapolitanischer Caravaggist des 17ten Jahrhunderts scheint für diese durchaus ansprechende Malerei verantwortlich zu sein (Taxe 15.000 EUR).

Die originelle Idee eines limosiner Emailmalers aus dem frühen 16ten Jahrhundert, einen Kupferstich Martin Schongauers mit der Geißelung Christi auf eine knapp dreizehn Zentimeter hohe Kupferplakette zu übertragen, wurde mit 26.000 Euro leicht über der Schätzung honoriert. Den akademischen Klassizismus in der Malerei vertrat Johann Eleazar Zeissigs „Familienglück“, um 1800 als Spätwerk in Dresden entstanden, schon vor gut zwei Jahren bei Nagel für 12.000 Euro angeboten und nun für 7.500 Euro weitervermittelt (Taxe 5.500 EUR). Bei den Skulpturen sind außer den beiden Apostelbüsten ein souverän geschnitztes Renaissancerelief unterfränkischer Provenienz mit der Speisung der Fünftausend für 6.500 Euro (Taxe 5.000 EUR) und eine stehende bronzene Lucretia für 8.500 Euro zu nennen, letztere vermutlich ein norditalienisches Stück des späten Manierismus um 1600 (Taxe 3.500 EUR).

Bei den Neueren Meistern verharrten die Preise ebenfalls im niedrigen fünfstelligen Bereich, nachdem mit einem sommerlichen Entenbild Alexander Koesters für 28.000 Euro und Léon-Jean-Basile Perraults junger Dame in weißem Kleid mit Sonnenschirm für 25.000 Euro die Hauptstücke keine Abnehmer fanden. Landschaftliches stand im Vordergrund mit Christian Malis Ufer vor einem holländischen Dorf mit Schafherde aus dem Jahr 1869 und Oswald Achenbachs Abendstimmung am Golf von Neapel für jeweils 10.000 Euro (Taxen 12.000 und 9.000 EUR) sowie Sergei Ivanovich Svietoslavskis Reiter und Pferdefuhrwerk vor weiter Steppe auf über zwei Metern Breite für 16.000 Euro (Taxe 15.000 EUR).

Unter den Winterlandschaften – wenn sie nicht 29.000 Euro kosten sollten wie eine breitformatige Impression aus dem Gutsleben in den russischen Weiten von Wilhelm Amandus Beer – verbesserten sich Gabriel Loppés Abend mit Blick auf einen See im Gebirge von 1.200 Euro auf 5.000 Euro und Thomas Herbsts winterliche Dorfstraße vor einer Schmiede von 2.000 Euro auf 8.000 Euro. Das Bildnis eines auf dem Boden liegenden Mädchens mit achtlos beiseitegeschobener Puppe wohl von Johann Baptist Reiter kostete statt der anvisierten 3.000 Euro schließlich 10.000 Euro, und auch der Slowake Leon Fortunski legte mit seinen viktorianisch empfundenen römischen Sängerinnen mit Leier und Palmzweig kräftig auf 17.000 Euro zu (Taxe 1.200 EUR). Einer der fortschrittlichsten Künstler der Auktion war Hermann Pleuer. Seine impressionistische Mischtechnik einer Sicht auf den Stuttgarter Bahnhof mit einfahrenden Dampfloks bei Regen von 1904 reüssierte bei 6.000 Euro (Taxe 4.800 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Nagel Auktionen

Neckarstraße 189-191

DE-70190 Stuttgart

Telefax:+49 (0711) 649 69 696

Telefon:+49 (0711) 64 96 90

E-Mail: contact@auction.de



29.07.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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06.06.2012, Kunst und Antiquitäten

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