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Franz West verstorben

Franz West mit einem Passstück

Franz West ist tot. Damit hat Österreich einen seiner wichtigsten Gegenwartskünstler verloren. Der Bildhauer, Maler, Designer und Performancekünstler starb in der Nacht zum Donnerstag im Alter von 65 Jahren in Wien. Seit Jahren litt er an einer infektiösen Gelbsucht. Die Direktoren aller großen österreichischen Museen und die Kulturpolitiker waren bestürzt über sein frühes Ableben und würdigen sein Schaffen wie seine Person. Kulturministerin Claudia Schmied sprach von einem „gewaltigen und facettenreichen Œuvre“. West sei ein Grenzüberschreiter gewesen, der nicht nur im Inland, sondern auch im Ausland als bedeutender Künstler der Moderne angesehen werde. Peter Pakesch, Intendant des Universalmuseums Joanneum in Graz, ergänzte: „In seinem Werk werden, in hoch komplexer Art und Weise, Fragestellungen der Philosophie oder der Linguistik mit ästhetischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen virtuos und zumeist überraschend verbunden. Bei ihm trifft Subversion auf Erhabenheit, womit er bedeutende Themen der späten Moderne in eine neue Ära der Kunst transportiert. Kunst war für ihn stets mit Ethos verbunden, mit Auseinandersetzungen, die sich grundsätzliche Fragen stellten und deren Kraft sich immer aus der Konfrontation mit dem Anderen und dem Gegenüber des anderen Menschen schöpfte.“

Franz West kam am 16. Februar 1947 in Wien zur Welt und studierte von 1977 bis 1982 an der Wiener Akademie der bildenden Künste bei Bruno Gironcoli. Seinen ersten künstlerischen Bezugspunkt fand er im Wiener Aktionismus, insbesondere in den Material- und Körperaktionen von Günter Brus, Otto Muehl und Hermann Nitsch. Aus deren Köperbezogenheit entwickelte er seine „Passstücke“, die die FAZ zu „Inkunabeln zeitgenössischer Skulptur“ erklärte. Die dreidimensionalen Objekte aus Gips, Papiermaché, Polyester oder Metall in undefinierbaren Formen können als Stützen, Prothesen oder Gewächse an den Körper angepasst werden. Der Betrachter darf sie vom Sockel heben, anlegen und wie einen Gebrauchsgegenstand benutzten. Franz West wollte mit ihnen psychische Störungen sichtbar machen: „Es sollte eigentlich die Darstellung von Neurosen sein. Ich behauptete, dass es so aussehen würde, wenn man Neurosen sehen könnte.“

Kommunikation und Interaktion mit und durch die Kunst sind ein Grundthema seiner Arbeiten. Oft bezieht Franz West den Betrachter in das Kunstwerk ein, lässt ihn zum Akteur werden und hebt damit die Aura des Künstlersubjekts auf. Gegen das pathetisch Hehre und starre Konzepte wehrte er sich auch mit seinen Malereicollagen und überdimensionierten Skulpturen in poppigen Farben, in denen er mit einem Schuss Ironie auf Gegebenheiten der Gesellschaft reagierte und mehr Fragen aufwarf, als beantwortete. Seit Ende der 1980er Jahre entstanden Designobjekte, meist Sitzmöbel oder Lampen, in denen West wiederum die Grenze zwischen Kunstwerk und Gebrauchsgegenstand thematisierte und damit zur Partizipation einlud.

Viele Einzelausstellungen und Kunstpreise begleiteten seine Karriere. So war Franz West 1992 und 1997 auf der Documenta zugegen, stellte im New Yorker Museum of Modern Art, in den Hamburger Deichtorhallen, der Londoner Whitechapel Art Gallery oder im Kunsthaus Bregenz aus und bespielte 1993 den österreichischen Pavillon auf der Biennale in Venedig. In der Saison 2009/2010 gestaltete er den Eisernen Vorhang der Wiener Staatsoper, und 2010 richtete ihm das Kunsthaus Graz eine umfangreiche Retrospektive aus. Höhepunkte im Reigen seiner Ehrungen waren die Aufnahme in die Kurie für Wissenschaft und Kunst der Republik Österreich und ebenfalls im Jahr 2011 die Verleihung des Goldenen Löwen für sein Lebenswerk auf der Biennale in Venedig, der mit Franz West erstmals einem Österreicher zuteil wurde. Von der Stadt Wien wird er nun mit einem Ehrengrab auf dem Zentralfriedhof gewürdigt.

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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