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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Rückblick: Alte Meister und Kunst des 19ten Jahrhunderts bei Sotheby’s in Paris

Bezaubernde Mademoiselle Jacquet



Jean-Etienne Liotard, Portrait de Mademoiselle Louise Jacquet

Jean-Etienne Liotard, Portrait de Mademoiselle Louise Jacquet

Da sitzt sie nun, die junge Dame, vielleicht mit ein wenig Stolz und schaut mit ihren roten Wangen dem Betrachter freundlich und etwas versonnen in die Augen. Vor ihr liegt ein eben geöffneter Brief, in dem ein Bewunderer ihr schmeichelhafte Komplimente unterbreitet. Kein Wunder, handelt es sich bei der Schönen doch um Louise Jacquet, eine gefeierte Opersängerin des 18ten Jahrhunderts in Paris und Mitglied der Académie Royale de Musique. Der ebenso geschätzte Portraitist Jean-Etienne Liotard, der damals vom europäischen Adel hofiert wurde, hat sie wohl bei einem seiner Aufenthalte in der französischen Metropole in den späten 1740er und 1750er Jahren verewigt. Ihren Charme konnte Louise Jacquet auch gut 250 Jahre später wieder spielen lassen. Denn in der Auktion „Tableaux et Dessins Anciens et du XIXe siècle“ bei Sotheby’s in Paris war sie die Favoritin. Dazu trug nicht nur der hervorragende Erhaltungszustand des feinen Pastells, sondern vor allem auch die Marktfrische des Bildes bei. Denn Jacquet selbst hatte ihr Portrait an die Vorfahren des heutigen Besitzers übergeben, wo es seither unbemerkt hing.


Über eine Erwähnung des Liotard-Biografen François Tronchin aus dem Jahr 1769 wusste man zwar von dem Bildnis, doch erst der Sotheby’s-Spezialist Pierre Etienne konnte es vor kurzem in der südwestfranzösischen Sammlung ausfindig machen. Sieben internationale Verehrer der Mademoiselle Jacquet waren dann bei der Versteigerung in Paris angetreten und kämpften erbittert um ihre Gunst, bis ein amerikanischer Sammler bei 1,25 Millionen Euro die Oberhand behielt – einer der teuersten Preise für Jean-Etienne Liotard und eine einträgliche Steigerung von den anvisierten 300.000 bis 400.000 Euro. Aber nicht nur die Jacquet bezauberte das Publikum am 21. Juni, sondern auch François Boucher und das mit einem eher untypischen Frühwerk. So lässt er den Betrachter einem „Peintre de paysage“ beim Malen in seiner armseligen Hütte über die Schulter schauen. Aus 60.000 bis 80.000 Euro wurden schließlich 730.000 Euro.

Das gute Abschneiden einiger Positionen schlug sich auch in der Gesamtbilanz der Auktion nieder. So konnte Sotheby’s losbezogen zwar nur knapp 60 Prozent der Offerten losschlagen, wertmäßig kamen dann aber doch 81,6 Prozent der Schätzpreissumme zusammen. Dazu trug etwa auch die nicht allzu gut erhaltene, Jean-Antoine Watteau zugeschriebene Tafel „Le concert champêtre“ bei, für die sich wie schon bei Boucher englischer Kunsthandel mit 480.000 Euro einsetzte (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Dorthin wanderten zudem François Clouets ernstes Portrait der Christina von Dänemark in schwarzer Witwentracht von 1558 zur oberen Schätzung von 250.000 Euro und eine Vedute der Stadt Frankfurt von Christian Georg Schütz I. ab. Seine außergewöhnlich weit gespannte Sicht von der Alten Brücke über die Altstadt und Sachsenhausen ist mit 100.000 Euro nun der neue Rekordhalter in seinem Werk (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR).

Für eine bisher unbekannte Version der winterlichen Dorfszene mit der titelgebenden „Vogelfalle“, die Pieter Breughel d.J. nach einer Erfindung seines Vaters zu Dutzenden malte, interessierte sich ein russischer Bieter bei 570.000 Euro (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR), für die mit Menschen und Kutschen überbordende Ankunft des venezianischen Botschafters Alvise Pisani auf der Place Royale in Paris am 22. November 1699 von Pierre-Denis Martin ein südamerikanischer Sammler bei 230.000 Euro (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). An eine deutsche Sammlung ging dann das portraithafte Stillleben eines Windhundes vor einer Waldlandschaft mit einem Vogel von Jean-Baptiste Oudry aus dem Jahr 1746 bei 190.000 Euro (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Wilder ging es auf Oudrys fünf Jahre jüngerer Interpretation der Fabel „Le chien qui porte à son cou le diner de son maître“ von La Fontaine zu, die zur unteren Schätzung von 50.000 Euro einen Abnehmer fand. Kein Glück hatte dagegen sein Sohn Jacques Charles Oudry mit seinen drei fauchenden Leoparden bei 40.000 bis 60.000 Euro.

Die Gattung Stillleben bedienten zudem etwa noch Maerten Boelema de Stomme mit einem gedeckten Tisch samt Zinnkanne, Nautiluspokal, Gläsern, Zitrone und eben angebrochener Pastete für 17.000 Euro (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR) sowie die beiden wenig bekannten Franzosen N.L. Peschier und Paul Liégeois mit einer eindrucksvollen Vanitasschilderung samt Totenkopf und Sanduhr für 20.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR) beziehungsweise einem Früchtekorb mit Pflaumen, Pfirsichen und Trauben für 42.000 Euro jeweils aus der Mitte des 17ten Jahrhunderts (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR). Schon ins frühe 19te Jahrhundert wies Cornelis van Spaendoncks stimmungsvolles Arrangement von Rosen, Tulpen, Flieder, Mohn und weiteren Blüten zwischen einer Amphorenvase und einem Vogel für 75.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR).

Das mythologische Thema „Venus und Adonis“ konnte sich während der Auktion gut behaupten, einmal in Form von Charles-Joseph Natoires locker hingepinselter Rokokovariante von 1767 für 65.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), das andere Mal in der hochbarocken Gestalt Jacob van Loos für fast rekordträchtige 80.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Den neuen Spitzenpreis gab es dann für Louis Vigée und seine vornehme Rokokodame, die sich in Pilgerkleidung und mit Pilgerstab wohl eben zum heiligen Jakob nach Compostela aufmacht. Ein amerikanischer Kunsthändler zahlte für die Pastellmalerei von 1745 letztlich 70.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Die anmutige Weiblichkeit verehrten zudem Jean Daret mit der schlafenden, halb entblößten, schönen Pomona und dem als alte Frau verkleideten Gott Vertumnus für 75.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), François Lemoyne mit seiner „Jeune femme à la fontaine“, die sich eben mit einem nassen Tuch erfrischt, für 125.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) und schon in klassizistischer Aufmachung Jean-Baptiste Greuze mit seiner „Jeune fille assise“ bei Liebeskummer für 45.000 Euro (Taxe 30.000 bis 50.000 EUR).

Unbestrittener Höhepunkt des 19ten Jahrhunderts war Eugène Delacroix mit seiner aquarellierten Zeichnung eines stolzen „Chef arabe“ mit Turban und weiteren Kopfstudien für 240.000 Euro zur doppelten Schätzung. Die Schule von Barbizon hatte zahlreiche Vertreter in die Auktion gesandt, die sich zumeist gut schlugen, so Jean-Baptiste Camille Corot mit seinen atmosphärischen Landschaften „Rouen, vue panoramique avec la Seine au premier plan“ und „Une guinguette à Vaugirard“ für jeweils 55.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 und 40.000 bis 60.000 EUR), Gustave Courbet mit seiner unspektakulären „Rivière dans sous-bois“ für 34.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), Paul Désiré Trouillebert mit seinem einsamen „Pêcheur“ am Flussufer für 17.000 Euro (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR) und Henri-Joseph Harpignies mit seiner knorrigen „Vieux chêne“ von 1895 für 20.000 Euro (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Diesen Preis erzielte ebenso Léon Augustin Lhermitte mit seinem Pastell „Le repos des paysans“ um 1908 (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR).

Schon mehr impressionistische Farbenfreude sprach aus Félix Ziems topografisch nicht ganz korrekter Ansicht von Venedig mit einer Gruppe lagernder Frau unter einem Baum, die zu 44.000 Euro begeisterte (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Wertsteigerungen gab es zudem noch für zwei Frauenbildnisse mit Pierre Paul Prud’hons klassizistischer Ölstudie einer jungen Frau bei der Toilette aus den frühen 1800er Jahren auf 35.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und Emile Friants realistischem „Portrait de jeune fille“ auf immerhin 17.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Den Rang lief ihnen aber ein kleiner Bettlerjunge ab, der sich mit bloßen Füßen, übergroßer Jacke und einem leeren Hut an eine Haustür gestellt hat. Fernand Pelez hat diese bedrückende Genreschilderung gemalt und damit jetzt 52.000 Euro erwirtschaftet (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR).

Zwei französische Künstler, die man eigentlich mit der Schriftstellerei verbindet, meldeten sich in der Auktion als Zeichner zu Wort: George Sand mit dem im Abklatschverfahren entstandenen Aquarell einer gebirgigen Landschaft samt See und kleinen Wasserfällen für taxgerechte 6.000 Euro und Victor Hugo mit einer „Paysage au Burg“ vom 20. September 1842 mit Burg und Segelboot am Flussufer für 68.000 Euro (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Die Deutschen hatten den Franzosen wenig entgegenzusetzen, vielleicht Carl Morgensterns Amalfiküste mit strahlend blauem Meer und dunstigem Himmel von 1867 für 13.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), Karl Friedrich Decklers Historienschinken „Der Abschied Hektors von Andromache und Astyanax“ für 19.000 Euro (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR) oder Richard Sohns Genreszene auswanderwilliger Deutscher in der guten Stube unter einem Plakat der „Red Star Line“ von 1876 für 11.000 Euro (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Nach Belgien ging es mit Eugène Joseph Verboeckhovens nettem Tierbild „Le repos du cavalier“ von 1847 für 57.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), und Théophile Alexandre Steinlen beschloss die Auktion mit seiner Katze, die es sich mit ihrem Jungen auf dem Sofa gemütlich gemacht hat. Für die farbige Kohlezeichnung von 1920 kamen 19.000 Euro zusammen (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s Paris

76, rue du Faubourg Saint-Honoré

FR-75008 Paris

Telefon:+33 (01) 53 05 53 05

Telefax:+33 (01) 47 42 22 32



27.08.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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21.06.2012, Tableaux Anciens et du XIXe siècle

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