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Lebenskonzepte im Berliner Kolbe-Museum

Unter der Überschrift „Bios“ verhandelt das Georg-Kolbe-Museum in Berlin seit Sonntag Konzepte des Lebens in der zeitgenössischen Skulptur. Dafür hat es hat es dreizehn vorwiegend jüngere Künstler und Künstlergruppen eingeladen, die sich insbesondere vor dem Hintergrund radikaler Umwälzungen in den modernen Lebenswissenschaften durch die fortschreitenden Entwicklungen der Gentechnologie und der Mikrobiologie mit Formen des Daseins beschäftigen. Der Ausstellungskurator Marc Wellmann macht darauf aufmerksam, dass die Bildhauerei von ihren geistigen Ursprüngen her mit Ideen des Lebendigen und der Menschwerdung verbunden ist.

So erzählt Ovid in dem Ursprungsmythos über den Bildhauer Pygmalion von der göttlichen Verwandlung einer von ihm selbst geschaffenen Elfenbeinstatue in eine lebendige Frau. Auf symbolischer Ebene verweist dieser Text auf die Beseelung der Materie durch den bildhauerischen Akt, der spätestens seit der Antike einen Grenzbereich zwischen dem Künstlichen und dem Lebendigen markiert. Rohe Materie verwandelt sich in den Händen des Bildhauers zu einer Form, die den Rang des Lebendigen zwar nicht von vornherein beansprucht, aber durchaus in den Verdacht geraten kann, mit der göttlichen Schöpfung zu konkurrieren. Die Überschreitung dieser Grenze unter dem Einfluss wissenschaftlicher Hybris ist unter anderem durch Mary Shelleys Frankenstein-Roman Teil unseres kollektiven Gedächtnisses.

Wenn man die Räume des Georg-Kolbe-Museums betritt, ist man diesen Schöpfungsgedanken häufiger ausgesetzt. So scheint eine Riesenkalmare eben auf dem Parkettboden gestrandet zu sein. David Zink Yi hat den Tintenfisch hyperrealistisch aus Keramik, Kupfer und Blei gebildet und mit einer Wasserlache umgeben. Auf Möglichkeiten, aber auch die Abwege der Gentechnologie macht Patricia Piccinini mit ihrer mutierten Mensch- und Tiergruppe „The Comforter“ aus Silikon, Fiberglas, Stahl, menschlichem Haar, Fuchsfell und Kleidung aufmerksam. Abstrakter geht es bei Thomas Feuerstein zu, wenn er in seiner „Manna-Maschine II“ aufwendig Algen produzieren lässt, humorvoll bei Tue Greenforts „Bio-Wurstwolke“ in Gedenken an Dieter Roth und wissenschaftlich bei Mark Dions Vitrine „Sea Life“ aus einem Naturkundemuseum mit scheinbar in Alkohol oder Formalin konservierten Tieren. Doch sind in seinen Gläsern Kinder-, Haustier- und Sexspielzeug in vielfarbigen Autoreinigern eingelegt. Darüber hinaus präsentiert die Schau Arbeiten von Brandon Ballengée, Peter Buggenhout, Lee Bul, Brad Downey, Eli Gur Arie, Donato Piccolo, Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger sowie Günter Weseler.

Die Ausstellung „Bios – Konzepte des Lebens in der zeitgenössischen Skulptur“ ist bis zum 11. November zu sehen. Das Georg-Kolbe-Museum hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 5 Euro, ermäßigt 3 Euro. Der Katalog zur Ausstellung kostet im Museum 16 Euro.

Georg-Kolbe-Museum
Sensburger Allee 25
D-14055 Berlin

Telefon: +49 (0)30 – 30 42 144
Telefax: +49 (0)30 – 30 47 041

Quelle: Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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