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Zum einhundertjährigen Bestehen zeigt das Clemens-Sels-Museum in Neuss eine aufschlussreiche Jubiläumsschau über den Symbolismus und seinen Weg in die Moderne

Strahlendes Farbfest



Gustave Moreau, Der Abend, 1887

Gustave Moreau, Der Abend, 1887

„Die Farbe muss gedacht, geträumt, imaginiert werden“. Nichts dokumentiert die revolutionären Ideen im Umgang mit der Farbe mehr als diese Aussage von Gustave Moreau (1826-1898). Sein Postulat bringt die Trennung des Kolorits vom Gegenstand griffig auf den Punkt. Die moderne Kunst befindet sich im Anmarsch. Ein wichtiges, wenn auch nicht immer adäquat gewürdigtes Fundament, auf dem die Entwicklung der Moderne aufbaut, ist der Symbolismus; als dessen Vaterfigur wird Gustave Moreau angesehen. So war es 1950 eine kluge Entscheidung der neuen Museumsdirektorin Irmgard Feldhaus, Vertreter dieser Richtung als Sammlungsschwerpunkt der neu auszurichtenden Kunstsammlung auszuwählen. Seitdem behauptet sich das Clemens-Sels-Museum Neuss mit seinem Alleinstellungsmerkmal wacker im Reigen der großen Sammlungen der unmittelbaren Umgebung. Die über Jahrzehnte hinweg zusammengetragene Kollektion von Vertretern des Symbolismus genießt mittlerweile weltweite Reputation. Als einziges deutsches Museum besitzt es vier Werke von Gustave Moreau; 1964 richtete ihm die langjährige Direktorin die erste Einzelausstellung in Deutschland aus.


Im Jahr seines hundertsten Geburtstages erweist das Clemens-Sels-Museum dieser Tradition erneut seine Reverenz und präsentiert nun eine kleine, aber fundierte Schau, in dessen Fokus Moreau, seine Schüler, seine Lehrmethoden an der École des Beaux Arts in Paris sowie die Wirkungsgeschichte des neuen Stils stehen. 74 sorgfältig und kompetent ausgewählte Exponate von einem Dutzend Künstlern sowie historische Fotografien und Dokumente gewähren einen aufschlussreichen Einblick in die Geburtsstunden der Moderne.

Um 1885 entwickelt sich in Frankreich die mit „Symbolismus“ betitelte Erscheinung zunächst auf dem Feld der Literatur, die sich danach auch in der Malerei ausbreitet. Deren Vertreter opponieren gegen Realismus und Impressionismus und versuchen, tiefere Gedanken durch Sinnbilder zu artikulieren. Merkmale sind ein auffallender Hang zur Mystik und Neigungen zum Dekorativen, wie etwa zum Jugendstil. Gustave Moreaus von Düsternis geprägte Bilder thematisieren biblische und mythologische Inhalte und zeigen historische Gestalten in kräftigem, oft reliefhaftem Farbauftrag. Seine Personen sind eingebettet in raffinierte, florale Fantasien voller magischer Wollust und teils grandiose architektonische Konstruktionen, die an Bühnenbilder mit schwermütigem Einschlag erinnern. Als Moreau im Jahr 1891 an die École des Beaux Arts berufen wird und ein Maleratelier übernimmt, kann er einen illustren Kreis aus 130 Schülern um sich versammeln, auf die er weitreichenden Einfluss ausübt. Die Ausstellung stellt zunächst Moreaus Tätigkeit als Lehrer heraus, bevor sie auf beide Teile der gespaltenen Schülerschaft eingeht, den innovativen Neuerern und den traditionsverhafteten Talenten.

In Moreaus Atelier an der Akademie versammeln sich nicht die akademisch ausgerichteten Nachwuchsmaler. Es ist vor allem ein Treffpunkt der Avantgarde und Moreau um Vermittlung seiner revolutionären Vorstellungen im Umgang mit dem Kolorit und bemerkenswerten Farbfantasien bemüht, womit er Ideen des 20sten Jahrhunderts vorwegnimmt. Auch hinsichtlich der Lehre ist er unter den Professoren ein Einzelfall. Das Studieren und Kopieren Alter Meister im Louvre, Aktstudien sowohl nach antiken Vorbildern als auch an lebenden Modellen, seine Forderung nach arabesker Linienführung, ferner der Griff zum Stift und gleichzeitig zum Pinsel sind an der Akademie einmalig. Die traditionelle Lehre sieht nämlich nur die Zeichnung vor.

Wie die Lehre vonstatten geht, vermitteln mehrere Ölgemälde seines Schülers Henri Matisse zwischen 1894 und 1899. Lebende textillose Modelle stehen oder sitzen auf einem Podest, ringsum sind adrett mit weißem Hemd, schwarzer Weste und Fliege gekleidete Studenten beim Malen vor ihrer Staffelei versammelt. Bei den Gemälden von Matisse fällt besonders der Wandel hin zu leuchtenden Farben auf. Deutlich sind seine Versuche, alles Körperliche und Räumliche in flächenbezogene wie dekorative Werte mittels simpler Konturierungen und strahlend reinen Farben umzusetzen.

Matisse, Mitbegründer der Fauves, gehört zu den herausragenden Figuren in der Studentengruppe der Neuerer. Hinzu kommen noch Georges Rouault, Henri Evenepoel, Albert Marquet, Henri Manguin, Charles Camoin und Léon Lehmann. Trotz unterschiedlicher Temperamente eint sie das Bestreben nach der reinen, intensiven Farbe, die losgelöst vom Gegenstand einzig dem subjektiven Empfinden verpflichtet ist. Von Moreau zur freien Themenwahl ausdrücklich animiert, konzentriert sich der junge Henri Evenepoel auf Porträts und Szenen des Pariser Lebens. Plakativ im strahlend weißen Kleid, vor pechschwarzem Hintergrund hart abgesetzt, porträtiert er 1896 die Tochter von Matisse. Beschwingte Linien lassen in seinen um 1897 entstandenen Farblithografien schon den Jugendstil anklingen.

Die zwölf Werke von Henri Matisse in der Neusser Schau verdeutlichen dessen überragendes Gewicht unter allen Schülern. Um 1898 vollzieht sich bei ihm ein genau zu beobachtender stilistischer und farblicher Wandel weg vom Impressionismus. In der aus diesem Jahr stammenden „Lesenden in violettem Kleid“ verzichtet er bereits auf die Kontur, reine Farbflächen von pulsierender Strahlkraft beherrschen das Sujet. Der Zusammenklang der Farbwerte dominiert auch Gemälde weiterer Schüler, etwa jene von Charles Camoin, von dem ein 1897 gemaltes Porträt seiner Mutter in ihrem Salon in einzelne leuchtende Farbfelder unterteilt ist. In Henri Manguins 1906 geschaffenem Ölbild „Jeanne mit Sonnenschirm“ zieht sich rund um einen orangefarben leuchtenden Sonnenschirm ein träumerisch-bizarres Gespinst von hellen Baumstämmen über die Bildfläche.

Neben Matisse wird Georges Rouault zu den wichtigsten Schülern Moreaus gerechnet, den darüber hinaus eine enge Verbundenheit mit seinem Lehrer auszeichnet. Nach dessen Tode wird er Konservator im neuen Musée Gustave Moreau. Rouault ist ein begabter religiöser Maler und hervorragender Grafiker, dessen Anfänge in der Glasmalerei liegen. Das schlägt sich erkennbar auf seine Arbeiten durch. Die Gefühlskraft der Farbe artet in eine nachhaltige Glut aus, die Konturen erinnern an kräftige Bleistege von Glasfenstern, seine ausschnitthaften Felderungen an Malkartons musivischer Provenienz. Dies wird insbesondere an den ausgestellten Aktstudien des Künstlers deutlich.

Ein eigener Abschnitt widmet sich der Gruppe der eher traditionsgebundenen Strömungen unter Moreaus Schülern, die ihrem Lehrer thematisch und stilistisch eng verhaftet bleiben. Raoul du Gardier, Jules-Gustave Besson, Fernand Sabatté, besonders aber Edgard Maxence lehnen sich zunächst noch an die symbolistische Sprache ihres Lehrers an, bevor sie ihren Malstil in einen dekorativen und detailreichen Ausdruck überführen. Besonderes Highlight in der Ausstellung sind die anmutigen Frauendarstellungen Maxences. Mit einer den Präraffaeliten verpflichteten Bildsprache formt der Maler seine Frauengestalten zu Allegorien der Schönheit.

Die Ausstellung schließt mit der 1947 von Henri Matisse geschaffenen Siebdruckserie „Jazz“. Die intensive Strahlkraft der plakativ in Feldern und Flecken vorhandenen Farbzonen und die rhythmischen Konturierungen erscheinen wie eine mustergültige Antwort auf die von Moreau gelegten Grundlagen. „Sie werden die Malerei vereinfachen“, hatte Moreau seinem Schüler prophezeit. Er sollte recht behalten.

Die Ausstellung „Sehnsucht nach Farbe. Moreau, Matisse & Co.“ ist bis zum 13. Januar 2013 zu besichtigen. Das Clemens-Sels-Museum hat täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr und an jedem ersten Freitag im Monat von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 6 Euro, ermäßigt 2,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 24,90 Euro kostet.

Kontakt:

Clemens-Sels-Museum

Am Obertor

DE-41460 Neuss

Telefon:+49 (02131) 90 41 41

Telefax:+49 (02131) 90 24 72

E-Mail: info@clemens-sels-museum.de



24.09.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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23.09.2012, Sehnsucht nach Farbe – Moreau, Matisse & Co.

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Clemens-Sels-Museum

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Eliza de Romilly, Gustave Moreau, sitzend in einem Bambussessel, um 1874
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Gustave Moreau, Der Evangelist Johannes, 1896
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Anonym, Atelier Moreau an der École des Beaux-Arts, 1897
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Gustave Moreau, Rückkehr der Argonauten, undatiert
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Gustave
 Moreau, Der Abend, 1887
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Künstler:


Gustave Moreau







Eliza de Romilly, Gustave Moreau, sitzend in einem Bambussessel, um 1874

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Gustave Moreau, Der Evangelist Johannes, 1896

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Anonym, Atelier Moreau an der École des Beaux-Arts, 1897

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Gustave Moreau, Rückkehr der Argonauten, undatiert

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