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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne Kunst im Wiener Auktionshaus Dorotheum

Anmut am See



Egon Schiele, Haus in Hütteldorf, 1907

Egon Schiele, Haus in Hütteldorf, 1907

Der junge Egon Schiele war ganz brav. Mit dem klassischen alttestamentlichen Stoff von Kain und Abel, dem ersten Mord in der Menschheitsgeschichte, beschäftigte sich in einer etwas ungelenken Bleistiftzeichnung der etwa 15jährige in den Jahren 1905/06, noch bevor er in die Wiener Akademie der bildenden Künste aufgenommen wurde. 1907 weckte ein „Haus in Hütteldorf“ das Interesse des angehenden Malers. Der Stil des Ölbildes ist noch ganz impressionistisch geprägt, wohlausgewogen die Farbigkeit, reich das Licht- und Schattenspiel der Sonne, die dem Künstler im Rücken steht. Die Zeichnung und das Ölgemälde sind Teil der Versteigerung moderner Kunst im Wiener Auktionshaus Dorotheum. Naturgemäß ist die Leinwand dabei deutlich teurer: 140.000 bis 220.000 Euro werden für das aus Wiener Privatbesitz eingelieferte „Haus in Hütteldorf“ erwartet, 10.000 bis 15.000 Euro für das knapp vierzig Zentimeter breite Blatt Papier.


Die 120 besten Werke klassischer Moderne, die in diesem Herbst den Weg in die Dorotheergasse fanden, hat das Auktionshaus für die frühabendliche Veranstaltung am 28. November ausgewählt. Der Schwerpunkt liegt wie gewohnt auf Werken österreichischer Maler, ergänzt vor allem um Italiener und Franzosen. Max Oppenheimers „Schwarze Katze“ von circa 1931 im Schoß einer blaugewandeten Dame mit knorrigen Fingern starrt die Interessenten als Eröffnungslos an (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Gleich darauf folgt mit Anton Faistauers Obststillleben samt Kanne vor einer rustikalen Kommode von 1915 ein Werk der frühen Moderne, dessen Pinselduktus noch ein wenig an Paul Cézanne erinnert (Taxe 90.000 bis 140.000 EUR). Der 1861 geborene Carl Moll gehört altersmäßig zur Generation der späten Impressionisten. Seine Ansicht lagernder Boote an der Zattere in Venedig aus dem Jahr 1926 atmet noch ganz den Geist dieser französischen Landschaftskunst (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Unverwechselbar in seiner Schilderung einer tief verschneiten Berglandschaft mit Bauernhof unter stahlblauem Himmel ist Alfons Waldes „Winteridylle“ in Öl auf Karton für 90.000 bis 140.000 Euro. Als Zeichner tritt Gustav Klimt hervor mit mehreren Portraitstudien weiblicher Modelle wie einer Dame mit Rüschenkragen von 1904/05, die ebenso forsch wie nachdenklich nach links aus dem Bild herausschaut (Taxe 32.000 bis 42.000 EUR). Jan Preislers sitzendes Mädchen in einer zauberisch schimmernden Landschaft, der rechte Teil seines Triptychons „Frühling“ im Pilsener Museum, gehört der Epoche des Jugendstil an. Jan Kotera, ein mit Preisler befreundeter Architekt und Schüler Otto Wagners, war der erste Besitzer dieses Bildes, das später in eine Wiener Privatsammlung kam (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Verspätet in seiner symbolistischen Haltung erscheint Herbert von Reyl-Hanischs bewusst manieristisch gestreckter Frauenakt „Eva im Paradies“ aus dem Jahr 1924. Malerische Qualitäten kann man dem detailreichen Ölbild keineswegs absprechen (Taxe 15.000 bis 22.000 EUR). In geradezu unterkühlter Sachlichkeit bietet sich eine menschenleere Fabrikarchitektur dar, aufgenommen 1930 von Maximilian Reinitz (Taxe 16.000 bis 22.000 EUR).

Zu den wichtigsten Werken der Nachkriegszeit in Österreich zählt Werner Bergs melancholisch-nüchterne Aufzeichnung dreier „Wartender“ in einer Winterlandschaft von 1973 (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Wichtigster Bildhauer ist Fritz Wotruba mit seinem vierteiligen „Figurenfries“ aus Bronze in stark abstrahierten Formen von 1973, auf dem sich aber noch menschliche Gestalten abzeichnen (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Ferner hebt sich das Dorotheum mit der Offerte mehrerer Werke von Künstlern ungarischer Herkunft hervor, etwa Vilmos Aba-Nováks in fast eisiger Farbigkeit gehaltener Landschaft „Caldo nell’Adriatico“ von 1930 (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) und József Rippl-Rónais „Geflügelhof“ in einer an Wirkteppichen erinnernden Flächigkeit (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Hauptlos der Auktion ist das Werk eines Franzosen: Henri de Toulouse-Lautrecs „Nu dans l’atelier“ gehört mit seiner Entstehung um 1890 noch zu den relativ frühen Arbeiten des Malers, der später vor allem mit seinen lithografierten Plakaten weite Verbreitung fand. Der weibliche Akt als autonomer Bildgegenstand ist in seinem Schaffen eher eine Randerscheinung. Die relativ hagere, an einem Holzgestell sich aufstützende Frau, die von Toulouse-Lautrec vor einem fast fahlen bräunlichen Hintergrund postiert wurde, sucht für 400.000 bis 600.000 Euro eine neue Bekanntschaft. Viel vorgenommen hat sich das Dorotheum mit Mary Cassatt farbiger Grafik „Feeding the ducks“ aus den mittleren 1890er Jahren: Im Juni 2011 fiel eines der wenigen Exemplare, die es von dieser auch an fernöstliche Kunst erinnernden Kaltnadel- und Aquatintaradierung gibt, bei Hauswedell & Nolte in Hamburg mit einer Schätzung von 80.000 Euro durch. In Wien sollen es jetzt dennoch 75.000 bis 85.000 Euro sein.

Eine etwas dumpfe Melancholie äußert sich in Maurice Utrillos Ansicht von „Château du Clos Vougeot“ aus dem Jahr 1933 (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR) und Bernard Buffets fast lieblos hingeworfenem Blumenstillleben „Pavots“ von 1964 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Für die Abstraktion steht eine mittelgroße Leinwand Joan Mirós mit der für den Spanier charakteristischen Überlagerung großer schwarzer Balken und teils sanft strukturierter farbiger Partien. Das Werk datiert 1977, also in die letzte Lebenszeit des Künstlers (Taxe 120.000 bis 160.000 EUR), ebenso wie die entspannte Komposition mit einem Gedicht von Carlos Franqui aus dem Jahr 1976 (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Aus einer französischen Privatsammlung werden vier Aquarelle des gebürtigen Böhmen František Kupka aus den 1930er Jahren angeboten, unverwechselbar wegen ihres konstruktivistischen Zugriffs (Taxen je 17.000 bis 22.000 EUR).

„Purgatorius animae“ betitelte Amedeo Modigliani einen knienden Männerakt in Betgestus, den der jung verstorbene Künstler 1916 in Bleistift auf Papier konzipierte (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Von zwei ganz verschiedenen Seiten präsentiert sich Gino Severini: Während sein Spätwerk „Il lavoro agricolo“ in Tempera und Pastell von 1953/54 zumindest stilistisch noch an die wilden 1910er Jahre im Schaffen des ehemaligen Futuristen erinnert (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR), offenbart er sich in seinem Bildnis von Töchterchen Romana mit ihrer Amme Paola 1938/39 als guter, aber auch extrem braver Portraitist (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Von Giacomo Balla, wie Severini einer der führenden Köpfe des Futurismus, gibt es ein kleines Ölbild namens „Ispirazione del Poeta“, die nur fünfzehn mal zehn Zentimeter messende Vorstudie zu einem Gemälde gleichen Titels aus dem Jahr 1925. Wie ein Geist scheint hier eine blaue Gestalt vor blauem Hintergrund auf und ist Zeugnis der hohen technischen Fertigkeit und Imaginationskraft des Künstlers (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Später wandte sich Balla wie viele frühe Avantgardisten wieder traditionelleren Bildformen zu, wie seine Landschaft „Luci a Villa Borghese“ von 1950 belegt (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR).

Auch der aus Deutschland stammende, aber weitgehend in Italien lebende Massimo Campigli hatte zunächst Kontakt zu den Futuristen, bekannt geworden ist er jedoch überwiegend mit seinen zahlreichen an Wandmalerei der alten Ägypter und Etrusker orientierten Werken. „Vetrine“ von 1962 ist eine dieser zarten, flächigen Kompositionen, durch die der Geist der frühen Antike weht (Taxe 75.000 bis 95.000 EUR). Kaum bekannt ist das Werk Roberto Marcello Baldessaris. Als Jahrgang 1894 gehört er nicht mehr zur ersten Generation der italienischen Avantgarde, lässt sich als eigenständiger künstlerischer Charakter aber durchaus identifizieren. Seine kubistische Komposition „Figure per Teatro Spaziale“ von circa 1919 zeigt die für Baldessari typische Farbkombination aus gedecktem Grau-Braun (Taxe 26.000 bis 32.000 EUR). Das ebenso produktive wie umstrittene mittlere und späte Schaffen Giorgio de Chiricos ist unter anderem durch die Abkonterfaktur zweier Holzhäuser mit barocken Dekorationselementen unter dem Titel „Calligramme. La grace exilée“ von 1931 (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) sowie die symbolistische Landschaft „Rocce misteriose“ von circa 1970 für 100.000 bis 150.000 Euro vertreten.

Aus Deutschland kommt unter anderem Franz von Stucks anmutiger „Junger Frau“ von 1902, der sich gerade über eine Anzahl Weintrauben hermacht und dabei lachend den Betrachter anschaut (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Lange Zeit in Deutschland brachte der Amerikaner Edward Cucuel zu, und hier, in der oberbayerischen Sommerfrische, entstanden während der 1920er Jahre auch seine beiden spätimpressionistischen Ölbilder „Die Landung“ (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR) und „An der See“ mit stets anmutiger weiblicher Figurenstaffage (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Sogar Tamara de Lempicka hat sich eingefunden, allerdings nicht mit einem ihrer mondänen Bildnisse der 1920er oder 1930er Jahre, sondern mit dem relativ späten „Nu au livre“ von etwa 1958, die im Gegensatz zu den älteren Arbeiten der bemerkenswerten Künstlerin schon wie durch den Weichspüler gezogen erscheint. Dennoch sollen es 180.000 bis 250.000 Euro für das Ölbild sein.

Die Auktion beginnt am 28. November um 18 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum Auktionsbeginn täglich von 10 bis 18 Uhr, samstags von 9 bis 17 Uhr und sonntags von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Kunstwerke unter www.dorotheum.com.

Kontakt:

Dorotheum

Dorotheergasse 17

AT-1010 Wien

Telefon:+43 (01) 515 60 0

Telefax:+43 (01) 515 60 443

E-Mail: client.services@dorotheum.at



20.11.2012

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Herbert von Reyl-Hanisch, Eva im Paradies, 1924

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Vilmos Aba-Novák, Caldo nell’Adriatico, 1930

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Taxe: 35.000 - 45.000 EURO

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Mary Cassatt, Feeding the ducks, um 1894

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Maximilian Reinitz, Fabrik, 1930

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Joan Miró, Komposition mit einem Gedicht von Carlos Franqui, 1976

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Joan Miró, Ohne Titel, 1977

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Amedeo Modigliani, Purgatorius animae, 1916

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