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Der Maler Giorgio de Chirico

Melancholische Musen zwischen Klassik und Avantgarde



"Vielleicht sollte ich mir die Vergangenheit wachrufen, die offenbar keinen Platz mehr auf dieser Bühne meiner Erinnerungen hat", lässt de Chirico den Helden in seinem autobiografischen Roman "Monsieur Dudron" sagen. De Chirico schrieb diesen Satz inmitten der Wirren der avantgardistischen Ereignisse zu Begin des 20. Jahrhunderts. Während die ganze Welt an utopischen Zukunftsplänen bastelte, wandte de Chirico den Blick zurück und entwickelte in seinen Gemälden doch eine aktuelle Position, die zahlreiche Bewunderer fand und mit der er zu einem der wichtigsten Vertreter der modernen Kunst in Italien wurde. Seine Werke sollten eine große Inspirationsquelle der Surrealisten werden, die ihn ihren geistigen Vorläufer nannten.



Der Blick zurück zeigt sich in der bewussten Auseinandersetzung des Malers mit den Künstlern seiner Vorzeit. Viele seiner Motive verweisen auf den Einfluss der Antike und der Renaissance. Seine Figuren wirken wie klassische Statuen aus Marmor oder Gips, seine Städte werden gebildet aus den Palazzi, wie man sie in Italien findet. Doch scheinen sie bedrückend entvölkert. In "Die Freuden des Dichters" von 1912 bis 1913 findet sich nur eine einsame Person im Hintergrund eines monumentalen Platzes. Die Arkadenöffnungen zeigen sich als schwarze Öffnungen, die nicht zum betreten des Hauses einladen. Trotz der starken Schlagschatten eines kräftigen Sonnenlichtes und der Uhr, die frühen Nachmittag anzeigt, ist der Himmel düster. Der Brunnen im Mittelpunkt des Bildes erinnert an Monsieur Dudrons Wort: "Er empfand auf einmal ungemeines Mitleid mit dem Brunnen und so etwas wie Scham, forteilen und ihm erneut dem Schweigen, der Einsamkeit und der undurchdringlichen Dunkelheit überlassen zu müssen."

De Chirico wurde am 10. Juli 1888 in Volos, der Hauptstadt von Thessalien in Griechenland, als Sohn einer italienischen Familie geboren. Besonders das Frühwerk ist von den antiken Geschichten inspiriert, die de Chirico während seines Studium in München zwischen 1906 und 1910 von seinem Vorbild, dem Maler Arnold Böcklin, übernahm. Wie sein Lehrer zeigt er den "Kampf der Kentauren und Lapithen" (1908/09) und den gefesselten "Prometheus" (1908/09). Die romantische Stimmung des Abschieds von den großen Heldentaten der antiken Welt bei Böcklin wird bei de Chirico in der Folgezeit aber zu einer regungslosen Melancholie.

Es war im Oktober 1909 auf der Piazza Santa Croce während eines Kurzaufenthaltes in Florenz, wo de Chirico seine berühmte "révélation" gehabt haben soll, in deren Folge das erste metaphysische Bild entstand: "Das Rätsel eines Herbstnachmittages". Der Begriff "metaphysisch" wurde allerdings erst 1913 in Bezug auf de Chirico geprägt, als Apollinaire, der große Fürsprecher des französischen Kubismus und der Surrealisten, in "Les Soirées de Paris" von den "metaphysischen Landschaften" des Malers sprach. Doch erst nach der gemeinsamen musikalischen Arbeit mit seinem Bruder Andrea, der später unter dem Namen Alberto Savinio ein berühmter Literat, Musiker und Maler wurde, an dem Stück "tiefste Musik", das 1911 in München uraufgeführt wird, beginnt die eigentliche metaphysische Schaffensphase des griechisch-italienischen Künstlers.

Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählt das Gemälde "Die beunruhigenden Musen" von 1918, von dem zahlreiche Repliken existieren. Der Titel steht wie ein Leitmotiv über dem gesamten Frühwerk des Meisters. Auch hier zeigt de Chirico einen Platz, der durch die Architektur gerahmt wird. Der Boden scheint allerdings bühnenhaft und die vereinzelten, fremden Gegenstände wirken leicht verzerrt. Die dargestellten "Personen" sind in der Tat bedrückend: teils lebend, teils wie eine Skulptur aus Stein oder Gips und teils wie eine Schneiderpuppe bevölkern sie die Piazza. Gesichtslos wie sie sind, können sie keinen Kontakt untereinander oder zum Betrachter aufnehmen. Die Welt zeigt sich auch hier als ein unlösbares Rätsel, dem jeder Mensch alleine gegenübersteht.

Die späteren Werke wirken insgesamt heller und leichter, doch auch in ihnen zeigen sich unerklärbare Phänomene, wie die gigantischen "Archäologen" mit ihren altertümlichen Fundstücken (1927). Beeinflusste de Chirico zuerst die Surrealisten, empfängt er nun auch Anregungen aus Paris. Plakativer und farbintensiver erweist sich das Gemälde "Der Morgen der geheimnisvollen Bäder" aus dem Jahr 1973. Die Thematik und deren Darstellung geht allerdings schon auf das Jahr 1934 zurück, in dem de Chirico 10 Lithografien zu einem Text von Jean Cocteau erstellt hat. Trotz der teilweise kräftigen Farben scheinen die Figuren unter dem grauen Himmel unbewegt. Der Mann auf dem Steg öffnet eine Türe, die ins Dunkle führt. Doch gerade wegen der Unerklärbarkeit und der melancholischen Grundstimmung ist das Leben für de Chirico wertvoll: "Et quid amabo nisi quod aenigma est" - Was soll ich anderes als das Geheimnis lieben - schreibt de Chirico, der 90jährig am 20. November 1978 in Rom nach längerer Krankheit stirbt, unter sein „Selbstportrait" aus dem Jahr 1911.



14.03.2001

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Lars Breuer

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