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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Die Sammlung Teutloff bereichert prominent die Fotografieauktion bei Lempertz in Köln

Die Conditio Humana



Sie schauen aus dem schwarzen Nichts, sie sprechen von Schönheit, Liebe und Lust, aber auch von Verfall, Elend und Tod, sie beschreiben die Massen und den portraitieren den Einzelnen, sie inszenieren sich und andere, sie sind humorvoll und auch traurig, sie wollen dokumentieren, aber auch kritisieren und Vorstellungen ändern. Lutz Teutloff hat sich immer für den Menschen und seine sozialen, politischen und religiösen Belange interessiert und eine Sammlung aufgebaut, die den Lebenszyklus von der Geburt bis zum Tod unter verschiedensten Aspekten in Szene setzt. Der ehemalige Bielefelder Modefabrikant sowie spätere Galerist und Ausstellungsmacher hat sich dabei auf zeitgenössische Medienkünstler, auf Fotografen und Videofilmer, konzentriert, die den Körper und seine Empfindungen in allen Spielarten durchdeklinieren. Damit ist ihm in rund 40 Jahren eine einzigartige und facettenreiche Kollektion gelungen, die schon in zahlreichen Ausstellungen ihre museale Würdigung erfahren hat. Seine Bilder waren etwa schon im Kölner Wallraf-Richartz-Museum, im Marta in Herford, im Linzer Kunstmuseum Lentos, im Deutschen Hygienemuseum Dresden oder in der Slought Foundation in Philadelphia zu Gast.


Nun trennt sich Lutz Teutloff von einem Teil seiner mehr als 900 Werke von 300 Künstlern aus mehr als 30 Ländern. Um knapp hundert fotografische Arbeiten am Markt zu platzieren, hat er sich das Kölner Auktionshaus Lempertz ausgewählt. Schon die erste Position der Versteigerung am 24. Mai überzeugt: Sie ist Ruud van Empels nüchtern betitelter „Photosketch #14“ aus dem Jahr 2002. Dahinter verbirgt sich ein junges androgynes nacktes Wesen, das aus einem überdimensionierten Blätterwald herausblickt. In seiner Unschuld und Naturzugehörigkeit klingen hier Paradiesvorstellungen und Schöpfungsmythen an, die den Menschen bei seinem ersten Eintritt in die Welt in Blick nehmen (Taxe 3.000 EUR). Auf eine persönliche Ebene hebt dies Larry Towell in seinem Aktfoto „Ann pregnant with Naomi, Lambton County, Ontario, Canada“ von 1984 aus seiner Serie „Mennonites“ (Taxe 1.200 EUR).

Am anderen Ende menschlichen Seins steht etwa Andres Serranos drastische Aufnahme eines verkohlten Skeletts mit Schraube. „Burnt to Death“ von 1992 gehört zur Totenserie „The Morgue“, die Serrano in einem Leichenschauhaus schoss, und verlangt 6.000 bis 8.000 Euro. Eher humorvoll geht Jürgen Klauke mit dem Tod um, wenn er 1988 einen „Toten Photographen“ zusammengekauert und mit Kamera als Röntgenaufnahme inszeniert (Taxe 14.000 bis 18.000 EUR). Der Erinnerung an einen Menschen widmet sich dann Christian Boltanski in der schemenhaften Aufnahme einer Sängerin. Seine zweiteilige Fotoarbeit „Les fantômes de Varsovie“ von 2002 steht bei 5.000 bis 6.000 Euro. Auch James Nachtwey greift dieses Thema auf, verortet es aber in einer konkreten kriegerischen Situation, wenn er in seinem Gelatinesilberabzug „Afghanistan“ von 1996 eine vollkommen verschleierte Frau an der Ruhestätte ihres gefallenen Mannes auf einem Gräberfeld trauern lässt (Taxe 3.000 EUR).

Henri Cartier-Bresson fand in den frühen 1950er Jahren ein eindrucksvolles Motiv für die Kindheit. Auch wenn der Sprössling in ärmlichen Umständen aufwachsen und nackt auf einer hölzernen Kommode zwischen allerlei Gebrauchsgegenständen schlafen muss, spürt man hier etwas von Hoffnung (Taxe 3.000 EUR). Anders verhält es sich bei Loretta Lux’ „Ophelia“ von 2005. Vielleicht dem Repräsentationsbedürfnis seiner Eltern geschuldet, tritt das kleine Mädchen schon wie eine Erwachsene auf und scheint in dem melancholischen Gesichtsausdruck seiner Kindheit beraubt (Taxe 5.000 EUR). In das Alter der Jugend entführt dann Bill Henson mit zwei traumwandlerischen nächtlichen Bildern von Heranwachsenden (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR). Bei der Dokumentation der Lebensphasen seiner Kinder entdeckte Hendrik Kerstens bei seiner Tochter Paula Ähnlichkeiten zu Portraitgemälden alter Niederländer, und so setzte er sie 2007 in „Bag“ mit handelsüblicher Plastiktüte auf dem Kopf in schwarz-weißer Farbstellung als zeitlose Ordenfrau ins Bild (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Ihres Körpers und der Wirkung von Make-up und Kleidung wird sich gerade die junge Frau in „Les nus #0180“ von Martin Eder bewusst (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR).

Auch für die Gebrechlichkeit und Hinfälligkeit des Menschen, für das Hässliche und Arme hat sich Lutz Teutloff interessiert. Nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen die Bilder der russischen Fotografin Alla Esipovich aus der Folge „No Comment“, etwa das des Kleinwüchsigen „Aleksej Ingelevich and his daughter Tanya“ von 2003 (Taxe 1.500 EUR). Adam Nadel, der unter anderem mit dem Gesicht eines schwarzen Jungen, das auf dem schwarzen Hintergrund nur schemenhaft aufscheint, von 2004 zugegen ist, interessierte sich ein Jahr später auch für einen „Soccer Fight“, den verkrüppelte schwarze Jugendliche auf ihren Krücken gerade austragen (Taxe je 2.500 EUR). Eine Deformierung des Köpers und seine Abkapselung von der Außenwelt deuten Anthony Aziz und Sammy Cucher in ihrer zweiteiligen Fotoarbeit „Couple“ von 1995 an: Auf den Gesichtern des Mannes und der Frau sind alle Öffnungen getilgt und damit die Sinneswahrungen verschlossen (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Vor allem mit der Ausschnitthaftigkeit und Fragmentierung des Körpers spielen etliche Künstler, so Eikoh Hosoe in „Leg and Torso“ aus den 1960er Jahren (Taxe 1.000 EUR), Kiki Smith in ihrer teils wilden Photogravüre „Las Animas“ von 1997 (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR) oder Thomas Florschuetz 1987 in seiner 17teiligen Fotoarbeit „Zweite Sekunde eines Schrittes“ (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Auch Paul McCarthy hat 2005 den nackten Körper von Peter Paul einzeln abfotografiert und dokumentiert in den 15 Laserabzügen dessen alternde Haut (Taxe 5.000 EUR). Da täte vielleicht der Jungbrunnen von Miao Xiaochun gut. Für „The Fountain of Youth“ griff der chinesische Fotokünstler und Computergrafiker 2007 auf ein Gemälde Lucas Cranachs d.Ä. zurück, interpretierte dessen Lebensquell aber eher als Bad der Reinigung für wesenlose Computermenschen (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Auf der anderen Seite stehen die Schönheit des Leibes, Lust, Eros und Sinnlichkeit. Auch wenn Jack Pierson einen nackten jungen jesusgleichen Mann mit Striemen übersät und damit auf die Schmerzensmann-Tradition anspielt, stellt er ihn in seiner erhabenen Schönheit vor. Doch ist Pierson auf seinem „Self Portrait #25“ nicht selbst zugegen, sondern andere Menschen, die den Künstler in einem bestimmten Lebensalter repräsentieren sollen (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Um die Wohlgestalt des männlichen Körpers kümmert sich zudem noch Robert Mapplethorpe 1983 im den Rückenakt „Michael Roth“ (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR), um die des weiblichen etwa Annie Leibovitz 1998 in „Julie Worden“ (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) oder Sally Mann in einem aus Dreiecksformen aufgebauten Körperausschnitt (Taxe 5.000 EUR).

Die schillernde Halbwelt und zugleich deren Verletzlichkeit thematisieren Peter Hujar in dem Gelatinesilberabzug „David Brintzenhofe applying make up (II)“ von 1982 (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR) oder Nan Goldin in der bekannten Farbaufnahme „Jimmy Paulette + Taboo! in the bathroom, NYC“ von 1991 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Richtig zur Sache geht’s bei Wolfgang Tillmans’ „Sucking at Roxy“ von 1993 (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR), Andy Warhols „Two male models“ von 1986 (Taxe 4.000 EUR), Larry Clarks Fotopinwand „Tulsa“ aus der Serie „Teenage Lust“ von 1973 (Taxe 1.500 EUR) oder Dash Snows „Zebra“ von 2006/07, für das der 2009 an einer Überdosis Drogen gestorbene Künstler alte Pornobilder mit abstrakten Mustern auf einem Buchdeckel collagierte (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Mit dem Körper, oft dem des Künstlers, als Medium ihrer Kunst arbeitet die Body Art. Die Fotografien dienen dann meist zur Dokumentation der Performance, so auch bei Spencer Tunick, der bei einem Happening im Jahr 2000 unzählige Leiber nackter Menschen vor der Hochhauslandschaft von Manhattan zu einer „Body Sculpture“ formte (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Valie Export und Jürgen Klauke kämpfen mit künstlerischen Mitteln für die Befreiung von überkommenen Rollenbildern; die Österreicherin tut dies mit dem auf ihrem Oberschenkel tätowierten Straps „Body Sign B“ von 1970 oder der der Aufnahme „Action Pants: Genital Panic“, auf der sie 1969 mit Gewehr und im Schritt geöffneten Hose posiert (Taxe je 15.000 Euro), Klaucke in enge Lederkluft gezwängt, geschminkt und exaltiert in einem roten Fauteuils sitzend und lustvoll am Busenfortsatz lutschend (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Der Witz kommt auch bei Erwin Wurm nicht zu kurz. Seine one-minute-sculptures sind eigentlich nur Handlungsanweisungen, die zu originellen und lustigen Situationen führen. Für „Inspection“ gab Wurm 2003 einem Mann den Auftrag, in einem Restaurant seinen Kopf in den Pullover einer Frau zu stecken. Die Dokumentation als C-Print auf Aluminium kostet 6.000 bis 8.000 Euro.

Die Auktion „The Human Condition – Photographien aus der Sammlung Teutloff“ beginnt am 24. Mai um 16 Uhr im Anschluss an die reguläre Fotografieauktion, bei der vor allem László Moholy-Nagys Gesichtsauschnitt der lachenden Ellen Frank für 20.000 bis 25.000 Euro herausragt. Die Besichtigung ist bis zum 23. Mai täglich von 10 bis 17:30 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



22.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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