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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Ausgewählte Werke bei Grisebach in Berlin

Ein Bild, zwei Ehen



Was er in Aquarell konnte, konnte er auch in Öl: Bezaubernde Marschlandschaften in leuchtender Farbigkeit gehören zu den unverwechselbaren Markenzeichen Emil Noldes, immer wieder erklärte er seiner norddeutschen Heimat bildlich die Liebe. Meist in Aquarell gestaltet, gibt es auch einige Ölbilder dieses Sujets. Eine solche Leinwand von 73 mal 88 Zentimetern Größe gelangt bei Grisebach in Berlin in der Versteigerung „Ausgewählte Werke“ zum Aufruf. Es zeigt die flache Ebene mit einem kleinen Gehöft unter einer riesigen grauschwarzen Regenwolke, die sich soeben über die saftig-grünen Wiesen entlädt. Darüber ist schon wieder der sonnige blaue Himmel zu sehen. Datiert ist das Gemälde 1925, als Nolde sich allmählich dauerhaft in Nordfriesland niederließ. Zuletzt 2006 in Murnau ausgestellt, liegt bereits eine weitere Leihanfrage für die große Emil Nolde-Retrospektive 2014 im Frankfurter Städel vor. Zunächst aber muss sich noch ein Käufer finden, der 1 bis 1,5 Millionen Euro für die „Landschaft (mit Regenwolke)“ zu zahlen bereit ist.


Aus der Führungsriege der Dresdner „Brücke“-Expressionisten kommen am 30. Mai diesmal die meisten Hauptlose der „Ausgewählten Werke“, wenngleich alle betreffenden Arbeiten erst nach Auflösung der berühmten Künstlergruppe 1913 entstanden. Dazu gehört Karl Schmidt-Rottluffs „Landschaft mit Leuchtturm und Windmühle“ aus dem Jahr 1920 in geradezu knallig bunten Farben, wie es typisch für die mittlere Schaffenszeit des Künstlers ist. Auch der Holzschnitter scheint in der konstrastreichen, kantigen Flächigkeit durch (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen EUR). Gleich zwei Frauenakte finden sich auf einer hochformatigen Rupfenbahn Otto Muellers aus den späten 1920er Jahren: ein „Mädchen mit grünem Schal“ und ein „Stehender Mädchenakt“. Delikates Detail: Letztere ist die erste Frau des Künstlers Maschka, von der er sich bereits 1921 wieder scheiden ließ, während das „Mädchen mit grünem Schal“ Elfriede Timm darstellt, die letzte Ehefrau Muellers (Taxe 700.000 bis 1 Million EUR).

Von Ernst Ludwig Kirchner gibt es das 1929 datierte Spätwerk „Lützowufer am Morgen“, das in seiner Schablonentechnik Kirchners Annäherung an die französische Kunst dokumentiert (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Unter den übrigen Expressionisten fällt Christian Rohlfs auf mit einem geradezu wild, fast gestisch hingeworfenen „Haus in Soest“ von 1916, das einmal dem „Stern“-Herausgeber Henri Nannen gehört hat (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). In gleicher Preisklasse rangieren Hermann Max Pechsteins kühle Schilflandschaft „Durchbrechende Wintersonne“ von 1922, die aus spanischem Privatbesitz eingeliefert wurde, und Alexej von Jawlenskys „Bunte Blumen“ von 1915, mit denen keine Geringere als Greta Garbo einst ihr New Yorker Appartement in ein Fest der Farben verwandelte. Eine prominente Stellung bei Grisebach nimmt Karl Hofer mit drei hochkarätigen Werken ein. Besonders sein stoisch aufragender, scheinbar unerschütterlicher „Seminarist“ von 1925 mit Ölzweig in der linken Hand beeindruckt durch unmittelbare Präsenz, während seine Feier eines „Geburtstags“ von 1943 wie der Versuch erscheint, ein bisschen Normalität in schwerer Zeit aufrechtzuerhalten (Taxen je 200.000 bis 300.000 EUR).

Zu den Klassikern der Impressionisten wie Lesser Urys „Waterloo-Brücke bei Nebel (London)“, die sich 1926 an Claude Monet orientiert (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), und Max Liebermanns marktfrischen und daher mit 500.000 bis 700.000 Euro hoch angesetzten „Nutzgarten in Wannsee nach Westen“ von 1922 gesellen sich diesmal auch ein paar Frühwerke jüngerer Meister, die später dem Expressionismus zugerechnet werden sollten. Zum einen ist hier Max Beckmanns „Kinderspielplatz Alter Botanischer Garten“ zu nennen. Die leicht querrechteckige Leinwand zeugt von der frühen Meisterschaft des rund 21jährigen Absolventen der Weimarer Kunstschule. Raffiniert verwendet er 1905 immer wieder eine Struktur vertikaler Pinselstriche, aus denen die Parklandschaft mit den großen Bäumen gefügt ist (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Wassily Kandinsky orientierte sich, nachdem er seine Karriere als Jurist an den Nagel gehängt und zur Malerei gefunden hatte, zunächst an den französischen Impressionisten. In seiner Zeit als Mitglied der – allerdings wenig erfolgreichen – Münchner Künstlergruppe „Phalanx“ entstand 1902 das Ölbild „Kochel – Gebirgslandschaft mit Tannen“ (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR).

Hochkarätiges der deutschen klassischen Moderne gibt es auch aus der zweiten Reihe, etwa Rudolf Bauers abstrakte fliegende Formen „Andante 3“ von 1913/14, ausgestellt 1917 und 1918 in der Berliner Galerie „Der Sturm“ (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), sowie Arthur Segals perspektivisch geteiltes „Interieur mit vier Blickpunkten“ von 1928 für 80.000 bis 120.000 Euro. Vor vier Jahren schon hatte Grisebach Georg Scholz’ „Exotische Prinzessin“ von 1919 im Programm, die der Künstler mit einer Krone aus vergoldetem Stuck schmückte. Damals wie heute werden für die originelle, avantgardistische Holztafel mindestens 250.000 Euro erwartet. Der Bauhaus-Künstler Oskar Schlemmer lässt sich als Maler mit seinem Kopffragment „Aufblickende“ von 1935 erleben (Taxe 180.000 bis 240.000 EUR), aber auch als Innenarchitekt: 1930/31 gestaltete er für den Zwenkauer Kunstsammler Rabe eine große Wanddekoration aus Draht unter anderem mit der als allgemeingültig deklarierten Figur „Homo“ samt kleinerer Rückenfigur auf der Hand. Nach diesem Vorbild schuf der Kunstschlosser Anton Steinlechner 1968 eine Edition von zehn Exemplaren auf weißer Leinwand mit leichten Schattierungen, von denen jetzt eines für 200.000 bis 300.000 Euro auf Kundschaft wartet.

Nach dem Zweiten Weltkrieg dominiert bei Grisebach die ungegenständliche Kunst, etwa mit Ernst Wilhelm Nays zwei Meter hohem, aus Kreisstrukturen und Augen bestehendem Gemälde „Orakel“ von 1964 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), Emil Schumachers informellem, erdigem „Adon“ mit schwarzen Furchen von 1981 (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), Enrico Castellanis von hinten strukturierter Leinwand „Superficie bianca“ von 1979 (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR) oder Victor Vasarelys großem, sich scheinbar wölbendem „Lyrae“ von 1952/60 für 180.000 bis 240.000 Euro. Ohne eigene künstlerische Handschrift gestaltet Ad Reinhardt 1957 seine „Iris mystique“, die nur aus einer hochformatigen dunklen Fläche besteht und aus einer Haltung des Verneinens resultiert (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Aus dem Bereich der Skulptur sind George Rickeys kinetische „Four open rectangles diagonal jointed III“ von 1984 zu nennen, die sich bis auf über drei Meter in die Höhe zu schwingen vermögen (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), ebenso Norbert Krickes aus kleinen Drahtstücken geschweißte, sich ungestüm in den Raum ausbreitende Edelstahlplastik von 1963 für 40.000 bis 60.000 Euro.

Erst mit dem Kolumbianer Fernando Botero hält die Gegenständlichkeit wieder Einzug. Seine gewohnt korpulenten „Circus Musicans“ in adretten grünen Uniformen entstanden im Jahr 2008. Erst zwei Jahre zuvor hatte Botero den Zirkus als schier unerschöpfliche Quelle bildlicher Motive für sich entdeckt (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Alltägliche Versatzstücke wie Uhren, Zeitungsausschnitte und Fotos collagierte und zeichnete Robert Rauschenberg 1966 auf ein Quadratraster, übermalte mit dekonstruktivistischer Geste wieder einige Partien und nannte sein Bild dann „Paragraph III“ (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR). Auch die jüngeren Künstler wenden sich zunehmend der Abbildung oder Vorstellung realer Ge- und Begebenheiten zu, etwa Neo Rauch mit seinem „Roten Jungen“ von 1995, der an einer Schreibtafel offenbar ein Kunstwerk Cy Twomblys nachzumachen versucht (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), oder Dirk Skreber, der in „It rocks us so hard – ho, ho, ho 7.0“ 2002 mit makabrer Nüchternheit einen Autounfall nachzeichnet (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Der Amerikaner David Salle ist für seine großformatigen Leinwände im Stil der Pop Art berühmt. 1998 schuf er für den Sitzungssaal des von Renzo Piano entworfenen Gebäudes der Debis AG am Potsdamer Platz in Berlin ein mehr als viereinhalb Meter breites Triptychon. Dieses motivreiche, ikonografisch allerdings etwas kryptische Werk „To be titled #2“ soll jetzt 70.000 bis 90.000 Euro kosten.

Die Auktion beginnt am 30. Mai um 17 Uhr. Die Besichtigung ist vom 24. bis zum 27. Mai täglich von 10 bis 18:30 Uhr, am 28. Mai von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.villa-grisebach.de.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com

Startseite: www.grisebach.com



24.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Ernst Ludwig Kirchner,  Lützowufer am Morgen, 1929

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Taxe: 500.000 - 700.000 EURO

Zuschlag: 500.000,- EURO

Losnummer: 27

Max Liebermann,  Der Nutzgarten in Wannsee nach Westen, 1922

Max Liebermann, Der Nutzgarten in Wannsee nach Westen, 1922

Taxe: 500.000 - 700.000 EURO

Zuschlag: 780.000,- EURO

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Alexej von Jawlensky,  Bunte Blumen, 1915

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Zuschlag: 280.000,- EURO

Losnummer: 28

Christian Rohlfs,  Haus in Soest, 1916

Christian Rohlfs, Haus in Soest, 1916

Taxe: 200.000 - 300.000 EURO

Zuschlag: 420.000,- EURO

Losnummer: 16

Lesser Ury,  London. Waterloo-Brücke bei Nebel, 1926

Lesser Ury, London. Waterloo-Brücke bei Nebel, 1926

Taxe: 80.000 - 120.000 EURO

Zuschlag: 86.000,- EURO

Losnummer: 2

Otto Mueller,  Mädchen mit grünem Schal (Elfriede Timm), um 1927/29

Otto Mueller, Mädchen mit grünem Schal (Elfriede Timm), um 1927/29

Taxe: 700.000 - 1.000.000 EURO

Losnummer: 23




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