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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Fotografie bei Grisebach in Berlin

Kunst ist ein krimineller Akt



Sie hat bei Andy Warhol geklaut! 1969 hat sich Ulrike Rosenbach einfach bei dessen bekannter Elvis-Darstellung als Cowboy mit der gezogenen Pistole bedient und sie für ihre eigene Kunst adaptiert. Nun steht der King of Rock-n-Roll in der Mitte, rechts und links ist ihm das Bildnis der Künstlerin als Cowgirl beigesellt, und alle drei richten ihre Waffe auf den Betrachter. Na, wenn das krimineller Akt ist! Der Feministin und Medienkünstlerin Rosenbach, die für ihre Arbeit mit Performance, Fotografie und Video bekannt ist, geht es in ihrer Fotomontage um mehrere Dinge. Sie entlarvt den Musik- und Filmstar, der als Inbegriff der Männlichkeit für eine ganze Generation galt, als Aggressor, als Bild des gewalttätigen Mannes. Gleichzeitig deckt sie männliche Dominanz in der visuellen Kunst auf, sowohl die des Schöpfers, als auch die des Objekts, indem sie sich ein fremdes Motiv angeeignet und in ihre eigene Kunstproduktion übernommen hat. Schließlich stellt Ulrike Rosenbach die Kunstproduktion als solche – den Starkult, die Erkennbarkeit einer künstlerischen Handschrift, die Idee des Originals und Unikats oder die unkritische Rezeption durch den Betrachter – in Frage.


Ihre Fotomontage „Art is a criminal action II“ von 1969 ist Ulrike Rosenbach so wichtig, dass sie 2008 noch einmal darauf zurückgriff und sie in drei Exemplaren vervielfältigte. Aus dieser Auflage offeriert die Villa Grisebach in ihrer Auktion „Photographie“ nun einen Abzug für 10.000 bis 15.000 Euro. Rund 160 Losnummern klassischer und zeitgenössischer Fotografie des 20sten und 21sten Jahrhunderts hat das Berliner Auktionshaus für seine Versteigerung am 29. Mai zusammengetragen. Gerade in der jüngeren Fotokunst geht es nicht mehr nur um die Dokumentation des Gesehenen, oft steckt hinter den Bildern ein künstlerisches Konzept. So kümmert sich Shirin Neshat um die Rolle der Frau in der islamischen Welt, die sie etwa in einer verschleierten Muslima „I am its secret“ von 1993 mit kreisförmig angeordneten arabischen Schriftzeichen auf ihrem Gesicht (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR) oder in zwei ebenso ornamental überarbeiteten, aufragenden Frauenarmen exemplifiziert (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Eine Suite mit Hand- und Fußstudien meist berühmter Frauen hat Peter Lindbergh in den 1990er Jahren angefertigt. Darunter sind die eleganten Hände samt Fuß von „Catherine Deneuve, French Vogue, Deauville, France“ aus dem Jahr 1991 der größte und mit 5.000 bis 7.000 Euro auch der teuerste Abzug. Auch bei Anton Corbijns bewegendem Portrait von Miles Davis mit großen Augen spielen die Hände, die sich der Jazz-Trompeter erschrocken vor das Gesicht hält, eine wichtige Rolle (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Mit 12.000 bis 15.000 Euro ist Dieter Appelts 13teilige Sequenz „Der Fleck auf dem Spiegel, den der Atemhauch schafft“ von 1977 bewertet, in der wieder sein Körper zum Einsatz kommt und er sich selbst und sein Leben reflektiert. Den Menschen nimmt zudem Sebastião Salgado in den Blick, 1986 die anonymen Massen der Arbeiter in den berüchtigten Goldminen von Serra Pelada in Brasilien (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR) oder 2006 die Schwarzafrikaner in „Sud-Soudan“ mit ihren Büffelherden (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

In seiner minimalistischen Serie „Seascapes“ erweist sich Hiroshi Sugimoto als Meister der Leere. Die beruhigende Schönheit und der Zug ins Unendliche kommen auch in seiner meditativen dunkelgrauen Komposition „Baltic Sea, Rugen“ von 1996 zum Tragen (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Freudige Ruhe strahlen ebenfalls die „Tulips“ aus, die Robert Mapplethorpe 1983 in einem Spiel aus Licht und Schatten entwickelt hat (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Für die Gattung Stillleben konnte sich zudem 1997 Thomas Florschuetz in seinem farbigen Diptychon „Ricochet-II“ mit ausschnitthaft aufgenommenen Orchideenblüten begeistern (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Ein Farbspiel aus Rot und hellem Ocker evoziert Andres Serranos „Red River #6“ von 1989; dabei handelt es sich um Menstruation seiner Frau. Neben Sexualität und Körperlichkeit geht es Serrano auch um die Religion und das Heilige; dies dokumentiert er in seiner Serie „The Church“, etwa 1991 in dem Weihwasserkessel von St. Eustache (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR).

Innenräume öffentlicher Gebäude sind eine Spezialität von Candida Höfer. So hat die Fotografin 2000 die orangeroten Fließen, die weiße Wanne und die metallisch glänzenden Armaturen im Bad des Designhotels „The Standard Los Angeles“ gegenübergestellt (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Doug Hall hat es 1997 in den Vatikan verschlagen, wo er im langgestreckten Hauptlesesaal der Bibliothek nur wenige Benutzer bei der Arbeit fand (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Auch wenn sich auf seinen Architekturaufnahmen keine Menschen finden, konfrontiert Thomas Struth in seinen drei schwarzweißen Aufnahmen von Neubausiedlungen in Leverkusen aus dem Jahr 1980 deutsche Vorstadttristesse mit der Quirligkeit einer durch Fahrräder belebten Gasse in Peking von 1995 (Taxen zwischen 3.000 und 4.500 EUR).

Bei der klassischen Fotografie steht preislich Martin Munkácsis Bild „Brasilien erstickt im Kaffee“ an der Spitze. Die Aufnahme zweier brasilianischer Arbeiter, die bis zur Brust in Unmengen von Kaffeebohnen versinken, gehört zu der Fotoreportage „Kaffee-Tragödie. Eine Milliarde Pfund ins Meer geworfen“, die die staatlich angeordnete Vernichtung eines überschüssigen Teils der Kaffeeernte festhielt und am 30. Juni 1932 in der Berliner Illustrierten Zeitung veröffentlicht wurde. Mit 15.000 bis 20.000 Euro geht der Vintage-Abzug ins Auktionsrennen. So stark ins politische Tagesgeschehen greift kaum noch eine andere Fotografie der Auktion ein, am ehesten wohl George Silks Life-Berichterstattung „Marlene Dietrich posing seductively as she exhibits her famous shapely leg while entertaining troops in Germany. 27. Februar 1945“ (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Ärmliche Lebensumstände des Jahres 1931 spiegeln sich in den beiden Straßenszenen „Bananenverkäufer“ (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR) und „Junge mit Cello, Balaton, Ungarn“ von Eva Besnyö (Taxe 3.200 bis 3.800 EUR). Auf der anderen gesellschaftlichen Seite steht eine fürstlich gedeckte Tafel, die Bill Brandt 1933 mit „Parlourmaid and under-parlourmaid ready to serve dinner“ ablichtete (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).

Reich zugegen sind das Portrait und das Menschenbild. Hugo Erfurth hielt 1920 den jungen, energischen Maler Otto Dix in strenger Profilansicht auf einem seltenen Ölpigmentdruck fest (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), gemütlicher tritt der etwas beleibte, russische Regisseur Sergei Eisenstein 1929 bei André Kertész auf (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), und Jacques Henri Lartigue widmete sich zu Beginn der 1930er Jahre häufiger der distanziert kühlen Schönheit seiner Muse Renée Perle (Taxen zwischen 2.500 und 4.500 EUR). Mit Respekt und mit einem Schuss Humor näherte sich Diane Arbus den Außenseitern der amerikanischen Gesellschaft, so 1965 dem ungleichen Liebespaar „Two Friends at home, N.Y.C.“ (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR) oder 1968 dem strahlenden „Baby in a Lacey Bonnet“ (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR).

Ein Gespür für besondere Augenblicke zeichnet das Schaffen Henri Cartier-Bressons aus. 1959 lichtete er ein innig umschlungenes Liebespaar hinter einer Polizeiabsperrung in „New York City, Manhattan, Times Square, New Year’s eve“ ab (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Vor Harry Callahans Kamera postierte immer wieder seine Ehefrau Eleanor auch als Akt, so 1954 in Rückenansicht liegend im Gras vor einem Waldrand (Taxe 4.500 bis 6.500 EUR). Auch Erwin Blumenfeld hat sich mit dem Akt beschäftigt, ihn aber um 1943 zu einer schemenhaften „Solarized Nude“ umgestaltet (Taxe 10.000 bis 12.000 EUR). Die Technik der Solarisation hat er ebenfalls im seinem „Solarized Portrait“ von etwa 1949 angewendet (Taxe 9.000 bis 11.000 EUR). Aus dem Nachlass von Aenne Biermann stammen zwölf Vintages, die die Bandbreite der jung verstorbenen Fotografin von Portrait- und Landschaftsdarstellungen über die Gestaltungsformen der „Neuen Sachlichkeit“ bis hin zur experimentellen Aufnahmen zeigen, darunter eine Kirschplantage (Taxe 1.500 bis 2.500 EUR) oder das frontale Portrait ihrer Tochter mit Schlagschatten um 1931 (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Nicht mehr der einzelne Mensch, sondern seine ameisenhafte Ansammlung in der Herde ist Thema von Andreas Feiningers „Lunch Rush on 5th Avenue, New York“ aus dem Jahr 1950 (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Daneben ist Feininger noch mit seiner klassischen Architekturfotografie aus New York, etwa den „Skyscrapers in Lower Manhattan“ von 1942, vertreten (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Margaret Bourke-White gesellt sich mit der imposanten Brückenkonstruktion über den „Port of N.Y. Authority (Bayonne Bridge)“ von 1937 hinzu (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), Berenice Abbott mit der schmuddeligen „Pike and Henry Street, New York“ von 1936 (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Ein grafisches Spiel aus Schornsteinen und Stromleitungen entdeckte sie 1943 in „Smoke stacks, Red River Logging Co., Califonia“ (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Ilse Bing hat 1933 ebenfalls in den Himmel geblickt und in Paris die Lampions sowie die Fahne gesehen, die zum Französischen Nationalfeiertag am 14. Juli aufgehängt wurden (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR).

Als Stillleben hat Albert Renger-Patzsch am Ende der 1920er Jahre vier große Bütten auf der Straße bei der Weinlese an der Mosel (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR) sowie um 1955 eine eben erblühte Hyazinthe vor dem Sonnenfenster ausgearbeitet (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR). Dieser Gattung sind auch Josef Sudeks Muschel auf einem Stück Holz um 1950/53 (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR), sein gleichaltriges Interieur mit Stuhl und Gartengeräten (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR) oder Francesca Woodmans Besteckteile auf einer Fensterbank zuzurechnen. Doch taucht bei dem Silbergelatineabzug „It must be time for lunch now, New York“ von 1979 eine menschliche Gestalt aus dem Untergrund auf (Taxe 4.500 bis 5.500 EUR). Zwei Vintages von Constantin Brancusi zeigen ein verschollenes Modell des berühmten „Tor des Kusses“, das er zwischen 1935 und 1938 mit dem „Tisch des Schweigens“ und der „Unendlichen Säule“ im südrumänischen Târgu Jiu als Erinnerung an die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkrieg errichtete (Taxe je 6.000 bis 8.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 29. Mai um 17 Uhr. Die Besichtigung ist noch am 28. Mai von 10 bis 17 Uhr möglich. Der Katalog listet die Objekte unter www.villa-grisebach.de.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



28.05.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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