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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Die Klassiker aus Deutschland verhalfen der zeitgenössische Kunst bei Lempertz in Köln zum Erfolg

Bunte Trauben



Am Ende hat es doch nicht ganz gereicht. Nach längeren Verhandlungen hat sich der bisherige Eigentümer von Zeng Fanzhis hochformatigem Herrenportrait aus seinen „Mask“-Series von 2000 doch nicht zum Verkauf entschlossen. Auf der vergangenen Versteigerung zeitgenössischer Kunst beim Lempertz in Köln hatte das knapp zwei Meter hohe Ölbild auf Leinwand 800.000 Euro erzielt, was doch immerhin mindestens 200.000 Euro unterhalb der Schätzung lag. So fand sich das zunächst unter Vorbehalt einem chinesischen Bieter zugeschlagene Hauptlos der Auktion am Ende doch nicht mehr auf der Ergebnisliste. Davon abgesehen aber konnte Lempertz mit dieser Auktion wieder einen schönen Erfolg feiern: Eine hohe losbezogene Zuschlagsquote von über 70 Prozent und bedeutende Steigerungen auch in den obersten Rängen bezeugten großes Interesse an dem breiten Angebot. An die Spitze setzte sich „ZERO“-Künstler Günther Uecker mit seinem genagelten wogenden „Feld 83/84“ für 650.000 Euro, den höchsten Preis in einer deutschen Auktion und einen der höchsten auch auf internationaler Ebene, den ein deutscher Sammler bewilligte und damit die Schätzung von 200.000 bis 250.000 Euro in etwa verdreifachte. Taxgerechte 110.000 Euro räumte Ueckers etwas unregelmäßige und scheinbar nachlässig in Grau-Weiß bemalte „Spirale 86“ ab. Auch sie bleibt in deutschen Landen.


Die deutsche Avantgarde der 1960er bis 1980er Jahre erwies sich noch mehrmals als bemerkenswert zugkräftig. Schon zwei zunächst eher unscheinbare Zeichnungen und Collagen Joseph Beuys’, das Fragment „Hirsch“ von 1962 und der rasch skizzierte „Plan für Aktion“ von 1968/71, beide ehemals im Besitz von Heiner Bastian, erzielten mit 85.000 Euro und 38.000 Euro hohe Preise (Taxen 30.000 bis 40.000 EUR und 10.000 bis 15.000 EUR). Später gesellten sich die Künstler der Generation Gerhard Richter dazu, der Meister selbst etwa mit der unscharfen Schwarz-Weiß-Fotografie „Pyramide“ von 1966 für 140.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR), ferner Sigmar Polke, dessen 1985 flott gemalte, mit Leitern und Diagonalen rhythmisierte Komposition 38.000 Euro erlöste (Taxe 30.000 EUR), während sein karikaturistisches Bildnis eines Herrn vor gepunktetem Hintergrund von 5.000 bis 6.000 Euro auf 19.000 Euro schoss.

New Yorker Kundschaft konnte den Wettstreit um ein neoexpressionistisches Gemälde des aus Syrien stammenden Marwan, eine „Marionette“ von 1979/81, bei 48.000 Euro für sich entscheiden (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR). A.R. Pencks Strichmännchenbild „Drei von Vielen“ auf roter Sonne und mit zwei Tieren konnte sich auf 18.000 Euro verbessern, seine vier Jahre jüngere, gleich gebildete Bronzefigur „Standart T (X) II“ von 1994 auf 16.000 Euro (Taxe je 10.000 bis 15.000 EUR). Malerisch ging es mit Rosemarie Trockels fast quadratischer, naturweiß grundierter Leinwand weiter, auf die die Rheinländerin 1985 eine blaue, zweihenklige, weiblich konnotierte Vase mit Kreuz und zwei Punkten gemalt hat. 24.000 Euro waren ihr Lohn (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR).

Aus der ZERO-Gruppe und ihrem Umfeld kamen noch Otto Pienes vor allem schwarz verbrannte Feuergouache „Black Shell“ von 1986 bei 9.500 Euro, Adolf Luthers quadratisches, aus runden Konkavspiegeln zusammengesetztes Objekt von 1968/72 bei 14.000 Euro (Taxe je 10.000 bis 12.000 EUR) und Walter Leblancs schwarz-weiße, teils aufgeschnittene und verdrehte Leinwand „Torsions T.027“ bei 27.000 Euro an den Sammler (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Robert Rotars kreisrunde „Rotation Blau“ von 1967/69 mit Schneckenmuster brachte es auf 7.000 Euro (Taxe 6.000 EUR). Auch Jesús Rafael Sotos Vibrationsskulptur „La Spirale“ aus den 1950er oder 1960er Jahren schnitt mit 19.000 Euro gut ab (Taxe 15.000 EUR).

Die ältere Generation war durch Richard Oelze vertreten, dessen en grisaille gemalte Leinwand „In eigenem Garten“ von 1968 mit ihrer unheimlichen Szenerie von Masken in einem undefinierbaren Dickicht von Formen sich noch dem Surrealismus zurechnen lässt. Hier schlug der Hammer bei 42.000 Euro zugunsten eines rheinischen Sammlers aufs Pult (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR). Emil Schumachers informelle, schrundige Gesichtsform „Belua“ von 1960 wechselte für 90.000 Euro den Besitzer (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Erfolgreich behaupteten sich außerdem alle vier Werke Ernst Wilhelm Nays mit einer gerade noch erkennbaren „Liegenden“, die sich 1947 schon ins Farbmeer auflöst, bei 20.000 Euro an der Spitze (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Gerhard Altenbourg trug zum guten Auktionsergebnis den mit Aquarell und Tusche übergangenen Farbholzschnitt „Die Penis=Liebhaberin“ von 1966 in den charakteristisch wuchernden Formen für 16.000 Euro bei (Taxe 12.000 EUR).

Karin Kneffel, Meisterschülerin Gerhard Richters an der Kunstakademie in Düsseldorf, führte die jüngere Generation an. Ihre annähernd fotografisch genaue Nahaufnahme bunter Trauben auf einem Meter im Quadrat von 2005 wurde zur unteren Taxe von 60.000 Euro weitervermittelt. Eine genau viermal so große, bunte Partystimmung des 1967 geborenen Tal R, „Electric Light Orchestra“ betitelt und 2000 entstanden, verabschiedete sich bei 40.000 Euro ebenfalls am unteren Rand der Schätzung. Unterschiedlich war das Kaufverhalten bei Norbert Bisky. Während seine gut gebaute, blonde Jungmännerschar beim „Barbecue“ keinen Abnehmer fand (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), legte der Jungenkopf „Weltempfänger“ von 2009 mit geschlossenen Augen und geöffnetem Kopf samt fliegenden Farbklecksen auf 17.000 Euro zu (Taxe 12.000 EUR).

Auch wenn es gerade bei der jüngeren Kunst einige Ausfälle gab, stießen einige Werke auf Gegenliebe, so Thomas Hubers auf wenige Farben und Formen reduziertes rotes Gebäude unter dem Titel „Charité“ von 1998 bei 9.000 Euro, Peter Zimmermanns schachbrettartiges Farbmuster in Grün und Ocker von 2002 bei 8.000 Euro (Taxe je 8.000 bis 10.000 EUR) und Georg Herolds Schriftbild „Void“ mit Ziegelsteinen auf schwarzem Samt von 1993 bei 18.000 Euro (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR). Ralph Fleck konnte mit seinem betont malerischen „Alpenstück 14/IV“, einer Bergspitze über dem Wolkenmeer von 2000, gute 4.600 Euro erwirtschaften, Neo Rauchs motivreiche, aber auch schwer zu entziffernde Farblithografie „Überwindung“ von 2005 mit einem kämpfenden Männerpaar 8.500 Euro (Taxe 5.000 EUR).

Die größte Überraschung unter den ausländischen Künstlern bot Zdenek Sýkoras Acrylbild „Linie Nr. 160“ von 1998, das zur Konkreten Kunst zählt und seine besondere Note dadurch erhält, das es von einem Computer berechnet und vom Künstler nach dessen Vorgaben frei ausgeführt wurde. Statt 45.000 Euro zahlte ein tschechischer Landsmann des Künstlers 115.000 Euro. Die weit über drei Meter hohe schwarze Bahn „High Vertical“ des Amerikaners Richard Serra von 1977 schaffte bei 50.000 Euro den Absprung (Taxe 50.000 bis 60.000 EUR). Zwei perspektivische Formenmuster des ungarischen Op Art-Künstlers Victor Vasarely von 1966/71 brachten es auf bis zu 38.000 Euro (Taxen je 20.000 bis 30.000 EUR). Allan McCollums fünfteilige, konzeptuelle Schriftbildreihe „Visible Marker“ von 1998, in der er das Wort „Thanks“ in fünf verschiedenen Schriftarten auf postkartengroßem Karton zeichnete, machte sich bei 9.500 Euro davon (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), Joseph Marionis minimalistisches, rein blaues „Painting #7“ von 1978 bei 9.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Zu den teuersten Plastiken avancierte Harry Bertoias stacheliges Metallgebilde „Straw“ von circa 1963/64, in vorliegender Form der Entwurf für eine größere Ausführung im Wohnhaus des amerikanischen Architekturhistorikers und Sammlers W. Hawkins Ferry in Detroit. Mit 66.000 Euro erzeugte hier ein amerikanischer Sammler in etwa eine Wertverdoppelung. Als Hauptlos der Skulpturen war Joannis Avramidis’ abstrahierte Menschengestalt „Figur II“ von 1959 angetreten, in der Auktion bei 115.000 Euro aber nur unter Vorbehalt einem deutschen Sammler zugeschlagen worden. Der Verkäufer bestätigte in Nachhinein aber diesen Preis (Taxe 120.000 bis 150.000 EUR). Günter Haeses zwei filigrane Metallkäfige „Satow“ von 1987 und „Mirow“ von 1992 reüssierten bei 15.000 Euro und 26.000 Euro jeweils leicht oberhalb der Schätzungen.

Christos Entwurfszeichnung für den gigantischen „Valley Curtain“, den der Verpackungskünstler im August 1972 für 28 Stunden mitten in Colorado aufhängte, schaffte die untere Grenze von 50.000 bis 60.000 Euro. Als Zeichner konnte zudem Eugen Schönebeck punkten. Sein Tuscheblatt von 1963 zeigt beidseitig männliche, teils chimärenhafte heldische Wesen und verabschiedete sich erst bei 20.000 Euro (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). In der Fotografieabteilung schlug Elger Essers unwirklich stille Küstenlandschaft „St.-Valery, France“ von 2005 gute 20.000 Euro los (Taxe 14.000 EUR). Joel Sternfelds Momentaufnahme „McLean, Virginia, December 4, 1978“, das vorgeblich einen Kürbisstand zeigt, den Blick des entgeisterten Betrachters jedoch rasch auf ein brennendes Haus im Hintergrund lenkt, verbesserte sich von 8.000 bis 10.000 Euro auf 14.000 Euro. Diesen Wert gab es auch für Philip-Lorca diCorcias Menschenmasse auf den Straßen von „Tokyo“ aus dem Jahr 1998 (Taxe 9.000 bis 12.000 EUR), und Boris Beckers grafisch strukturiertes Rummelbild „Achterbahn“ kam auf 8.500 Euro (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



27.06.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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