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Das Kunstmuseum Basel vereint alle in der Schweizer Dreiländereck-Metropole vorhandenen Werke des spanischen Meisters Pablo Picasso

Ein folgenreicher Flugzeugabsturz



Das Schicksal schlug am 20. April 1967 zu. Nahe Nikosia zerschellte eine Maschine der Baseler Charterfluggesellschaft „Globe Air“ beim Landeanflug an einem Hügel. Nur vier von 130 Insassen überlebten. Schon im Oktober 1967 musste „Globe Air“ Konkurs anmelden, Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe galt es zu bedienen. Hauptaktionär Peter Staechelin musste ans Eingemachte gehen. Er war der Sohn des Baseler Chemieindustriellen Rudolf Staechelin, der seit 1917 eine exquisite Kunstsammlung aus rund 200 Bildern von Impressionismus und Moderne angehäuft hatte, die er 1931 in die Familienstiftung einbrachte. Schlüsselwerke daraus hängen bis heute als Leihgaben im Kunstmuseum Basel. In einer Blitzaktion veräußerte damals Peter Staechelin aus dem Bestand Vincent van Goghs bekanntes Gemälde „Die Amme“ für 3,25 Millionen Schweizer Franken nach Paris, von wo es kurz darauf für 4,25 Millionen Dollar in die Sammlung Pulitzer nach St. Louis gelangte.


Unruhe kam in den Kunstmarkt. An die Pariser Kunsthandlung Wildenstein gab Staechelin Arbeiten von Paul Cézanne, Alfred Sisley, Claude Monet ab, und auch der legendäre Baseler Händler Ernst Beyeler nahm acht herausragende Werke in Kommission. Als dann noch bekannt wurde, dass Peter Staechein zwei bedeutende Bilder von Pablo Picasso zu veräußern beabsichtigte, gab es einen Aufschrei der Empörung. Die Gemälde „Les deux frères“ von 1906 und „Arlequin assis“ von 1923 drohten in die USA abzuwandern. Auf elf Millionen Schweizer Franken beliefen sich erste Angebote. Staechelin hatte Einsehen und offerierte den Baselern die beiden Picassos zum Sonderpreis von 8,4 Millionen Franken. Die Stadtregierung beschloss, sechs Millionen Franken für den Ankauf bereit zustellen. Eine eifrig organisierte Sammelaktion, unterstützt von erstaunlich vielen jungen Leuten, erbrachte den Rest. Unvergessen bleibt das von griffigen Parolen wie „All we need is Pablo“ geprägte „Bettlerfest“. In einer erzwungenen Volksabstimmung stimmten 32.118 Baseler Bürger für, 27.190 gegen den Ankauf. In der Kunstgeschichte hatte erstmals ein Gemeinwesen in einer demokratischen Abstimmung für den Ankauf moderner Kunst votiert.

Pablo Picasso, damals bereits 86 Jahre alt, war über das Engagement der Baseler Bürger derart begeistert, dass er noch am Abstimmungsabend den Kunstmuseumsdirektor Franz Meyer in sein Atelier nach Südfrankreich einlud, um weitere Werke zu stiften. Von diesem Besuch nahm Meyer vier Arbeiten mit nach Hause: Neben einer 1907 entstandenen Skizze zu „Les Demoiselles d’Avignon“ das ein Jahr zuvor gemalte Ölbild „Homme, femme et enfant“ sowie zwei großformatige „frische“ Gemälde aus dem Jahr 1967, „Vénus et l’Amour“ sowie „Le couple“. Dem nicht genug: Die Roche-Hauptaktionärin Maja Sacher rundete die Bescherung ab, indem sie begeistert und spontan aus ihrer Kollektion Picassos kubistisches Meisterwerk „Le poète“ von 1912 stiftete. Auf einen Schlag war Basel um sieben fulminante Arbeiten des Jahrhundertkünstlers reicher.

Basel und Picasso war schon damals eine Beziehung von lang währender Verbundenheit. Zwischen 1914 bis 2012 wurden 80 Ausstellungen des spanischen Meisters in der Chemiemetropole präsentiert. Damit eng verknüpft war das Interesse privater Sammler an Werken des Künstlers. Der Bankier und Kunstmäzen Raoul La Roche, der Transportunternehmer Karl Im Obersteg, der Chemiefabrikant Emanuel Hoffmann und seine Ehefrau Maja Hoffmann-Stehlin, später Maja Sacher, der Textilhändler Georges Bloch und nicht zuletzt als zentrale Figur der 2010 verstorbene Kunsthändler und Sammler Ernst Beyeler sowie eine Reihe weiterer kleinerer Sammler des Bildungsbürgertums hatten teils schon früh beachtliche Picasso-Bestände angehäuft. Allein Beyeler hat in seiner langen beruflichen Tätigkeit rund 600 Picasso-Werke vermittelt und etliche kapitale Stücke für seine eigene Sammlung abgezweigt. Daher ist er erstaunlich, in welch großer Dichte und Qualität Werke Picassos in Basel konzentriert sind.

Das überragende Potential des eigenen Fundus einmal vorzustellen und die Picasso-Rezeption in Basel aufzuarbeiten, war Intention des Kunstmuseums Basel für die möglichst umfassende Präsentation sämtlicher vorhandener Bestände. Bemerkenswert ist, wie geräuschlos und konstruktiv dies im kollegialen Zusammenwirken der Sammlungen geschehen ist. Dies war nur unter Wahrung der Diskretion möglich, so dass viele der 164 Exponate die Eigentümerschaft nicht zu erkennen geben. Den Besucher erwartet eine instruktive Schau mit Beispielen aller Gattungen und Werkphasen, die frühe Jugendzeit Picassos einmal ausgenommen. Von den 53 Gemälden stammen allein 19 aus der Fondation Beyeler, die auch vier der acht Plastiken beisteuerte. Hinzu kommen rund 100 Zeichnungen und Druckgrafiken.

Den Einstieg bildet eine auf Vorder- und Rückseite derselben Leinwand aufgetragene Doppelkomposition von 1901, als der in Paris lebende neunzehnjährige Maler trinkende Frauen aus der Halbwelt der Seine-Metropole porträtierte. Die stilistische Differenz zwischen einem explosiven Farbfeuerwerk und einer flächigen, durch klare Umrisse geprägten Malweise zeigt das Wanken zwischen eher dunkeltoniger Salonmalerei und Einflüsse aktueller Kunstproduktion. Nach der auf soziale Randfiguren konzentrierten „Blauen Periode“ folgt bei Picasso bis 1906 die „Rosa Periode“, deren neue Protagonisten Gaukler, Artisten und Harlekine sind. Glückliches Zusammenleben von Mensch und Tier oder Zirkusbilder sind Zeichen aufkeimender Freude und von Optimismus nach einer Zeit der Tristesse.

Die beiden 1967 akquirierten Gemälde „Les deux frères“ und „Homme, femme et enfant“ belegen einprägsam im reduzierten Kolorit von Grau, Rosa und Beige die Erdverbundenheit und Auseinandersetzung Picassos mit der klassischen Aktdarstellung. Die von ihm gestiftete Pastellskizze zu seinem gefeierten Werk „Les Demoiselles d’Avignon“ überführt in den Kubismus. Motive werden in geometrische Formen zerlegt, die Bildflächen überziehen dichte, facettierte Formgefüge, die der Betrachter gedanklich sortieren muss. Collagen und eingefügte Zeitungsschnipsel stellen den Bezug zur Realität her, und im Laufe der Jahre bis 1914 verschwindet die Perspektive unter Überlagerung heterogener grafischer Muster und Formfragmente gänzlich.

Als nach dem Ersten Weltkrieg Picassos deutschstämmiger, in Paris ansässiger Kunsthändler Daniel-Henry Kahnweiler nicht mehr für ihn tätig werden konnte, fand er in dem eher ein gehobenes, auf Repräsentation bedachtes, aber weniger avantgardistisch aufgeschlossenes Publikum bedienenden Paul Rosenberg einen neuen Galeristen. Dies bot Picassos Neuausrichtung auf die Klassik einen perfekten Rahmen. Statuarische Geschlossenheit und fließende Linienschönheit wandelte Pablo Picasso jedoch durch aufgeblähte, teils als schwere Massen erscheinenden Körperteile ab.

Bis 1937 schloss sich dann eine vom Surrealismus beeinflusste Phase an. Doch verstand sich Picasso nie als Surrealist. Seine ovalen Köpfe zeigen sich scheibenartig flach. Sämtliche Bildelemente werden radikal reduziert; er versuchte, alle Farb- und Formwerte in ein fragiles Gleichgewicht zu bringen. Bis in die 1940er Jahre herrschen Frauendarstellungen vor. Porträts zeichnen sich durch Verschiebungen etwa von Nase und Augen aus, wie es das in privatem Besitz und kaum je öffentlich ausgestellte Werk „Femme au béret orange et au col de fourrure“ von 1937 oder die zwei Jahre später entstandene „Buste de femme au chapeau (Dora)“ belegen.

In den 1950er und 1960er Jahren schuf Picasso Plastiken, deren Formfindung in Reaktion auf vorhandene Elemente geschah. Durch Kombination, Bearbeitung oder Bemalung evozieren diese Skulpturen neue Zusammenhänge. Gesichter aus spitz zugeschnittenen Blechen oder zusammengesetzt aus vorgefundenen Artefakten wie Henkeln oder Spielzeugautos wirken skurril. Picassos Metallskulpturen der 1960er Jahre sind räumliche Collagen aus flächigen Elementen, die sich in einem labilen Gleichgewicht bewegen. Flächen klappen zusammen, offenbaren Lücken oder eröffnen neue weite Flächen. Die klaren Umrisse dieser Figuren finden in der Malerei eine Entsprechung, wie die Dialoge im letzten Ausstellungssaal vor Augen führen. Großformatige Gemälde füllte Picasso mit rasch aufgetragenen Einzelfiguren oder Paaren aus, die somit eine physische Präsenz entfalten – mehransichtig, monumental, mit scharf umgrenzten Konturen und von schriller Farbigkeit als Zeichen persönlicher Begierde.

Die Ausstellung „Die Picassos sind da! – Eine Retrospektive aus Basler Sammlungen“ ist noch bis zum 21. Juli zu sehen. Das Kunstmuseum Basel hat täglich außer montags von 10 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 21 Franken, ermäßigt 16 Franken bzw. 8 Franken.

Kontakt:

Kunstmuseum Basel | Hauptbau

St. Alban Graben 16

CH-4010 Basel

Telefax:+41 (061) 206 62 52

Telefon:+41 (061) 206 62 62

E-Mail: pressoffice@kunstmuseumbasel.ch



07.07.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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Kurt Wyss, In Picassos Atelier in Notre Dame de Vie bei Mougins, 20.12.1967
Kurt Wyss, In Picassos Atelier in Notre Dame de Vie bei Mougins, 20.12.1967

Variabilder:

Kurt Wyss, Banner an der Fassade des Kunstmuseums Basel, 6. Januar 1968
Kurt Wyss, Banner an der Fassade des Kunstmuseums Basel, 6. Januar 1968

Variabilder:

Kurt Wyss, Beim Besuch Pablo Picassos in Mougins, 1967
Kurt Wyss, Beim Besuch Pablo Picassos in Mougins, 1967







Kurt Wyss, In Picassos Atelier in Notre Dame de Vie bei Mougins, 20.12.1967

Kurt Wyss, In Picassos Atelier in Notre Dame de Vie bei Mougins, 20.12.1967

Kurt Wyss, Banner an der Fassade des Kunstmuseums Basel, 6. Januar 1968

Kurt Wyss, Banner an der Fassade des Kunstmuseums Basel, 6. Januar 1968

Kurt Wyss, Beim Besuch Pablo Picassos in Mougins, 1967

Kurt Wyss, Beim Besuch Pablo Picassos in Mougins, 1967




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