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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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Stehender Mädchenakt vor Rot, 1954 / Karl Hofer

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Lehr in Berlin

Politische Landschaft



Bekannte Namen prangen auf der Angebotsliste der kommenden Auktion von Irene Lehr in Berlin. Otto Dix führt sie preislich an bei 140.000 Euro mit seiner „Böhmischen Landschaft“ in bewusst traditionalistischer Form – kein Wunder, entstand das neoromantisch anmutende Panorama mit Fernblick auf die Berghöhen doch in der Zeit der inneren Emigration 1939. Auch der ehemalige Expressionist und neusachliche Maler veränderte damals seinen Malstil, um wenigstens nicht ganz der Möglichkeit künstlerischer Tätigkeit beraubt zu werden. Zudem scheint die Landschaft etwas über die Zeitumstände zu verraten. Nebeliger Dunst umspielt die Bergkegel, die knorrigen Bäume sind von Wind und Wetter gegerbt, und der Herbst hat bereits mit seinen braunen Farben Einzug gehalten. Dix beschreibt hier eine Übergangszeit, der heiße Lebenssommer ist vorbei, es folgt der kalte Winter. Vielleicht braut sich im Nebel des Hintergrunds schon das Unheil zusammen.


Karl Hofer besetzt ebenfalls einen der vorderen Plätze mit seiner dunkel-erdigen Impression „Agno“, geschaffen bei einem seiner zahlreichen Aufenthalte im Tessin während der 1920er Jahre. 50.000 Euro stehen hier auf dem Etikett. Als weitere Stars der Klassischen Moderne kommen Georg Tappert mit einem etwas derangiert wirkenden „Mädchen mit flachem Hut“ aus den 1920er Jahren bei 10.000 Euro, Karl Schmidt-Rottluff mit dem 1942 datierten, konturbetonten Aquarell „Rohrhalme am Haff“ für 8.000 Euro, Christian Rohlfs mit der diaphan wirkenden Tempera „Zwiebelpflanzen“ von 1925 für 18.000 Euro und Erich Heckel mit dem feingliedrigen Aquarell „Goslar am Abend“ von 1937 für 9.000 Euro zum Zuge. Seine thematisch verwandte und gleichaltrige Bleistiftzeichnung mit einem etwas näher herangezoomten Blick auf die Harz-Stadt liegt bei 4.000 Euro. Für Serge Diaghilews 1938 in Paris uraufgeführtes Ballett Cendrillon schuf Natalja Gontscharowa die Kostüme. Ihr Entwurf eines roten Kleides mit geometrischem Muster soll 8.000 Euro einspielen.

Die eigentliche Attraktivität der Lehr-Offerte liegt aber auch am 26. Oktober wie gewohnt in den zahlreichen Entdeckungen abseits der ausgetretenen Pfade. So mischt sich schon im Bereich der Moderne eine große Anzahl qualitätvoller und interessanter Werke von weniger bekannten Künstlern unter die insgesamt rund 670 Losnummern. Als expressionistischer Grafiker tritt etwa Otto Lange mit dem Holzschnitt „Tanz um das goldene Kalb“ aus dem Jahr 1918 hervor. Das Tier, um das sich die zackigen Figuren dicht gedrängt versammeln, ist wirkungsvoll in Goldfarbe hervorgehoben (Taxe 2.500 EUR). Die Malerei dieser Richtung repräsentiert Franz Heckendorfs „Sonnenbeschienenes Haus im blühenden Garten“ von 1919 mit prismatisch gebrochenem Lichteinfall (Taxe 18.000 EUR).

Musterhaft für die Neue Sachlichkeit steht Erich Lindenaus Aquarell „Herbstliches Stillleben“, das die auf einer Holzplatte abgelegten Früchte und Blumen exakt bis zur Pedanterie wiedergibt (Taxe 1.500 EUR). Ungewöhnliche Menschenbilder gibt es mit dem expressionistischen „Weiblichen Akt“ in gelber Hautfarbe von Alfred Schütze aus dem Jahr 1918 (Taxe 1.200 EUR) oder dem maskenhaft gemalten Gesicht „Sie“ von Carl Lohse um 1920 (Taxe 4.000 EUR). Als überzeugte Sozialistin wollte Lea Grundig mit ihrer Kunst auch gesellschaftspolitisch wirken und war daher auf Direktheit und Verständlichkeit bedacht. Ihre Kohlezeichnung mit dem Doppelportrait eines jungen Mannes und ihres Gatten Hans Grundig von 1932 gibt die verhaltenen Personen daher realistisch wieder (Taxe 2.500 EUR).

Wer es eher avantgardistisch-abstrakt mag, sollte sich an Erwin Hahs’ „Dunkle Zeichen“ von 1932 mit einer Gruppe übereinandergelegter Dreiecksformen (Taxe 1.500 EUR) oder Herbert Behrens-Hangelers „Nocturno (Nächtliche Strandszene)“ von 1931 mit einem Puzzle unterschiedlich strukturierter Farbflächen halten (Taxe 9.000 EUR). Die ältesten Arbeiten der Auktion datieren noch um die Wende vom 19ten zum 20sten Jahrhundert, darunter Käthe Kollwitz’ schwarze Kreidezeichnung eines weiblichen Rückenakts aus der Zeit um 1904/06 (Taxe 6.000 EUR). Georg Gelbke, der als Student von Richard Müller und Gotthardt Kuehl an der Dresdner Akademie ausgebildet wurde, erweist sich sowohl in einem Mädchenbildnis als auch in seinem Jünglingsakt in Wiesenlandschaft unter dem Titel „Frühling“, beide von 1909, noch von Jugendstil und Symbolismus beeindruckt (Taxen 900 und 3.000 EUR).

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte in Deutschland zunächst die Abstraktion vor. Davon zeugen eine unbetitelte Komposition Werner Heldts von 1954 mit kubistisch eingestreuten Häusern (Taxe 7.000 EUR) und auch Jeanne Mammens „Neapolitanisches Kindermädchen mit Federball spielendem Kind“ von circa 1946/47, wenngleich letzteres Ölbild auch surrealistische Erwartungen auf sehr anmutige Weise bedient (Taxe 4.000 EUR). Informelle Tendenzen verfolgen in diesen Jahren der Rheinländer Fathwinter mit den schwer lastenden schwarzen Farbbündeln um 1956 (Taxe 1.500 EUR), Hann Trier mit den rippenartigen Formen in Braun und Weiß auf einer Mischtechnik des Jahres 1977 (Taxe 6.500 EUR), Heinz Trökes mit seinem locker gemalten Aquarell „Werbetanz“ von 1983 (Taxe 700 EUR) oder Else Hertzer mit ihren bewegten Formen in dem Ölgemälde „Abstrakt – Rosa Grau“ von 1965 (Taxe 900 EUR).

Rupprecht Geigers gelblich-weißes Acryl-Ei „512/68“ von 1968 lässt für 30.000 Euro ebenfalls keine Gedanken mehr an die Figuration aufkommen. Als Repräsentant der zweiten Generation der Konkreten Kunst gelangt Frank Badur mit einigen sauber abgezirkelten Streifenkompositionen der 1970er und frühen 1980er Jahre für bis zu 3.500 Euro zum Aufruf, ferner Lothar Quinte, dessen quadratisches „Luna gelb“ von 1969 sich mittig spaltbreit in einem dunklen Querstrich öffnet (Taxe 2.500 EUR). Besonders hübsch sind auch Willy Wolffs „Kreissegmente (mit roter Fahne)“, die sich seit 1969 in spielerischer und doch streng konstruierter Freiheit über einer orange-gelben Farbfläche tummeln (Taxe 7.000 EUR).

Die jüngere Avantgarde listet an Bekanntem einiges von ZERO und Umfeld, etwa Heinz Macks in Silberlack gesprühte „Wabenstruktur“ von 1964 (Taxe 8.000 EUR) und regenbogenfarbiges „Motiv für Sahara, Station: 5“ von 1975 (Taxe 6.000 EUR), ferner einige unverwechselbare Feuerbilder Otto Pienes in Schwarz und Rot für bis zu 12.000 Euro und ein konstruktivistisch anmutendes Spiegelobjekt Adolf Luthers aus dem Jahr 1975 für 8.000 Euro. Auch Gerhard Richter ist zugegen. „Goslar (still) – und Goslar (hektisch)“ lautet der Titel einer zweiteiligen treffend beschriebenen Fotocollage, die der gebürtige Lausitzer 1988 anlässlich seiner Auszeichnung mit dem renommierten Goslarer Kaiserring schuf (Taxe 25.000 EUR). Andere Künstler der älteren Generation knüpften an den Expressionismus an, etwa Max Kaus in seinem Italienmitbringsel „Hohenstaufenkastell mit kleiner Werft, Apulien“ von 1970 (Taxe 8.000 EUR).

Andere Künstler schlossen bewusst traditionalistisch Kunstrichtungen vergangener Epochen an. So erinnert Matthias Koeppels 1976/77 datiertes Ölbild „Kreuzberger Abrißhäuser“ mit einem Mann, der auf seinem Schubkarren gerade einen Schrank aus den Ruinen hinwegschleppt, an die Malerei der Neuen Sachlichkeit der 1920er Jahre (Taxe 4.000 EUR). Dieter Gutts monochrome „Nächtliche Bucht“ von 1979 bezieht sich thematisch und stilistisch auf die düstere Seite der ersten deutschen Romantikergeneration (Taxe 300 EUR). An die Malerei im Übergang von Impressionismus zu Expressionismus des frühen 20sten Jahrhunderts knüpft Klaus Fußmann an. Bekannt hauptsächlich vor allem für seine Blumenstillleben im Stil Emil Noldes, wartet diesmal auch ein im Interieur aufgenommenes „Portrait Hella K.“ von 1972 bei 17.000 Euro auf Kundschaft, ferner die fast auffallend konservative Szene „Waldspaziergang meiner Mutter“ von 1979 für 12.000 Euro.

Zu den prominentesten Meistern der ehemaligen DDR gehört einmal mehr Gerhard Altenbourg; mit rund vierzig Losnummern ist er auch wieder mit am umfangreichsten vertreten. Wie immer handelt es sich überwiegend um Zeichnungen und Drucke wie das filigrane Selbstbildnis „Eingekehrt in sich, selbst zur Morgenweihe des Lichts“ von 1979 oder die 1982 von der Hannoveraner Galerie Brusberg herausgegebene Mappe „Wund-Denkmale“ mit knapp drei Dutzend Einzelblättern (Taxen je 8.000 EUR). Carlfriedrich Claus schließt sich Altenbourg mit der ebenso kleinteiligen und inhaltlich undurchdringlichen Schriftzeichnung „Starting point“ von 1986/88 bei 2.000 Euro an.

Freunde Curt Querners werden sich wieder über seine kraftvollen Landschafts- und Menschendarstellungen freuen, zum Beispiel den „Oktober-Abend bei Karsdorf“ von 1968 (Taxe 5.000 EUR) oder einen liegenden weiblichen Rückenakt von rubensscher Körperfülle aus dem Jahr 1969 für 2.500 Euro. Bernhard Heisig, wichtigster Neoexpressionist der DDR, wartet mit dem Spätwerk „Der Bettelmönch vor dem Mönchehaus“ aus dem Jahr 1999 bei 20.000 Euro auf Kundschaft. Sein Schüler Hartwig Ebersbach schloss sich in den fast formatgleichen Pendants „Tanz des Kaspar“ und „Kaspar-Kreuz“ aus dem Jahr 1987 dieser Richtung an (Taxen 3.000 und 4.000 EUR).

Der junge Neo Rauch lässt sich anhand seines Ölbildes „Kochende“ aus dem Jahr 1988 als fleißiger Student nicht nur seiner unmittelbaren Vorbilder Arno Rink und Bernhard Heisig, sondern auch der Malerei des Iren Francis Bacon verorten (Taxe 15.000 EUR). Eine Ausnahmeerscheinung in Lehrs Programm ist eine rückseitig strukturierte Leinwand des Italieners Turi Simeti aus dem Jahr 1991, die sich der italienischen Bewegung um Enrico Castellani und Agostino Bonalumi zuordnen lässt. Vielleicht sind dafür aber auch in Berlin 14.000 Euro möglich. Teuerste Skulptur des Tages ist Gerhard Marcks’ Bronze „Getroffener“ von 1963, der sich eben an seinen verwundeten Kopf greift (Taxe 25.000 EUR). Dahinter folgt bei 10.000 Euro Ewald Matarés „Eingekauertes Rind II“ von 1947 ebenfalls aus Bronze, diesmal allerdings golden patiniert. In zwei geschweißten Köpfen Michael Croissants wird das Figürliche schon weitgehend ins Abstrakte überführt (Taxen je 6.000 EUR), während Rebecca Horn mit ihrem motorbetriebenen „Schlagobjekt“ eines Stahlhammers um 1987 offenbar politik- und gesellschaftskritische Zwecke verfolgt (Taxe 6.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 26. Oktober um 13 Uhr im Hotel Excelsior in Berlin. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 24. Oktober täglich von 12 bis 19 Uhr in den Räumen des Auktionshauses. Der Online-Katalog unter www.lehr-kunstauktionen.de bildet alle Objekte ab.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



22.10.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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26.10.2013, Kunst 20. Jahrhundert

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