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Am 21.01.2022 Auktion 139: Moderne und zeitgenössische Kunst - Moderne Photographie

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Interieur – Dame im Salon auf Chaiselongue sitzend / Bruno Piglhein

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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ohne Titel / Günther Uecker

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Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler

Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler
© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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zugeschrieben, Pfauenbank / Peacock bench, Ende 19. Jahrhundert / Marcello Andrea Baccetti

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Ohne Titel, 2016 / Heinz Mack

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Zeitgenössische Kunst stieß bei Christie’s in London auf ein spendables Publikum

Schlitze, Fetzen und Farben



Eine über neunzigprozentige Zuschlagsquote – das ist ein Wert, von dem die meisten Auktionshäuser in der Welt wohl nur träumen können. Für Christie’s in London ist das dagegen fast ein Normalwert, dennoch war die Versteigerung zeitgenössischer Kunst am 18. Oktober nur eine kleine Sensation. Zwar übertrafen die Gesamtumsätze von knapp 27,8 Millionen Pfund für die allgemeine und 26,8 Millionen Pfund für die Italiener – immerhin das beste Ergebnis in dieser Sparte – diejenigen von Sotheby’s einen Tag zuvor, auch konnten mehr Millionenwerte und Auktionsrekorde erzielt werden. Über 2,6 Millionen Pfund für Alberto Burris „Sacco“ kam man aber nicht hinaus. Die zusammengenähten, braunen Sackfetzen von 1953, die als abstrakte, fast zeichnerische Komposition, aber auch als Erinnerung an Burris Kriegserfahrungen gelesen werden können, waren mit 1,8 bis 2,5 Millionen Pfund bewertet. Mit Glenn Brown, der bei Sotheby’s mit 3,1 Millionen Pfund den Höchstpreis generiert hatte, verbuchte Christie’s nur 2 Millionen Pfund. Das war die untere Schätzung von „Böcklin’s Tomb“ aus dem Jahr 1998, einer großformatigen Weltraumodyssee mit mehreren im Blau des Alls dahindriftenden Welten nach Chris Foss’ „Floating Cities“ von 1981.


Neue Spitzenpreise gab es für junge oder noch wenig arrivierte Künstler, darunter drei Frauen: Josephine Mecksepers fotografisches Bildnis einer selbstbewussten jungen Frau mit brennendem Streichholz im Mundwinkel von 2003, das sie als brandstiftende Terroristin ausweist, kam auf 42.000 Pfund (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP), das breitformatige Gruppenbild „Diplomacy II“ mit korrekt aufgereihten und sauber gekleideten Schwarzen der ghanastämmigen Engländerin Lynette Yiadom-Boakye von 2009 verabschiedete sich bei 120.000 Pfund (Taxe 30.000 bis 50.000 GBP), und Sarah Lucas’ sechs übermalte subversive Schwarz-Weiß-Fotos „Fighting Fire with Fire“ von 1997 aus ihrer Serie „Self-Portraits“ steigerte sich von 150.000 bis 200.000 Pfund auf 240.000 Pfund. Der vierte Rekordträger war Ryan Trecartin, Jahrgang 1981, mit seiner vierzigminütigen skurril-trashigen Videoarbeit „A Family Finds Entertainment“ aus dem Jahr 2004 zur oberen Schätzung von 30.000 Pfund.

Oscar Murillo, als Jahrgang 1986 der Jüngste im Bunde, aber spätestens seit letztem Sommer einer der Senkrechtstarter in der angloamerikanischen Kunstszene, regte auch bei Christie’s die Gier einer sensationslustigen Käuferschaft nach scheinbar Aktuellstem an. Sein expressives Geschmiere „Leche“ von 2011 verfünffachte seinen Wert auf 125.000 Pfund. Dass dann aber doch wieder nicht Alles einfach gekauft wird, zeigte sich an einem monochromen Faltbild Tauba Auerbachs von 2009, das bei 250.000 bis 350.000 Pfund zum Rückgang wurde, ebenso wie Wade Guytons ungewöhnlich farbenfroher Tintenstrahldruck von 2005 mit geometrischem Muster bei 200.000 bis 300.000 Pfund. Ahmed Alsoudanis Auftürmung semiabstrakter Versatzstücke in Kohle und Acryl von 2010 verabschiedete sich zur oberen Erwartung von 200.000 Pfund.

Manch Anderer hat diese Preisniederungen dagegen schon längst verlassen, etwa Peter Doig, dessen bärtiger Hippie-Mann im „Red Canoe“ von 2000 bei 1,5 Millionen Pfund landete (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP), oder Mark Tansey, der mit dem türkisblau getönten Sinnbild „The Raw and the Framed“ aus dem Jahr 1995 bei 1,37 Millionen Pfund nur knapp die untere Schätzung verfehlte. Drei weitere Millionenwerte räumte Jean-Michel Basquiat ab. Seine grimmigen Figurationen „Untitled“ von 1984 und „Year of the Boar“ von 1983 lagen mit 1,5 und 1,45 Millionen Pfund ebenso im Rahmen der Erwartungen wie die 1984 zusammen mit Andy Warhol entstandenen „Cops“ mit 1,3 Millionen Pfund. Yayoi Kusamas gepunktetes weißgraues Acrylbild „Infinity Nets (T.W.A.)“ von 2000 gehörte mit 1,1 Millionen Pfund zu den wenigen Arbeiten der ältesten Meister, die sich deutlich verbessern konnten (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP).

Teuerster Deutscher wurde plangemäß Martin Kippenberger mit dem zweiteiligen pseudoprovokanten Anarchiebild „Nieder mit der Bourgeoisie“ aus dem Jahr 1983 für 1,55 Millionen Pfund. Die marktfrische Doppelleinwand mit dem auf dem Stuhl stehenden Maler selbst, der allerdings nur bis zur Brust zu sehen ist, geht auf eine Aktion in der Galerie Max Hetzler in Köln zurück, bei der er auch pamphletisch seine Hose herunterließ (Taxe 900.000 bis 1,2 Millionen GBP). Bei soliden 650.000 Pfund schloss eine abstraktes Farbverschiebung Gerhard Richters mit der Nummer 626-2 von 1987 ab (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP), während sein verwischtes Schwarz-Weiß-Bild „Säugling auf einem Tisch“ von 1965 mit 800.000 Pfund etwas enttäuschte (Taxe 900.000 bis 1,5 Millionen GBP). Anselm Kiefers bedeutungsschwere Mythologieadaption „Siegfried vergisst Brünhilde“ von 1975 blieb ebenfalls schon an 220.000 Pfund hängen (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP).

Als Fotograf war vor allem Thomas Struth erfolgreich. Seine prachtvolle Innenansicht der Kirche San Zaccaria in Venedig mit Giovanni Bellinis „Sacra Conversazione“ im Zentrum konnte ihren Wert auf 580.000 Pfund circa verdreifachen. Auch Gabriel Orozcos heruntergekommenes Hinterhoffoto „De techo a techo“ von 1993 war gefragt und legte leicht auf 32.000 Pfund zu (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP), außerdem Jeff Walls ebenfalls Tristesse verbreitende Industrieansieldung „The Crooked Path“ aus dem Jahr 1991 mit 400.000 Pfund (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP). Als Zeichner reüssierten Robert Longo mit seiner auf einem überdimensionierten Blatt gebannten riesigen Meereswelle von 2005 bei 350.000 Pfund und Lucian Freud mit dem intimen Portrait seiner alten Mutter im Bett aus dem Jahr 1984 bei 260.000 Pfund (Taxe je 120.000 bis 180.000 GBP).

Alberto Burri stellte bei den Italienern nicht nur das Hauptlos, sondern reüssierte auch mit seinen gebrannten Kunststoffbildern „Rosso plastica“ von 1968 bei 1 Million Pfund (Taxe 700.000 bis 1 Million GBP) und „Combustione“ von 1964 bei 720.000 Pfund (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Erfolgreicher war nur Lucio Fontana. Allein sechsmal tauchte er auf der Top Ten-Liste auf, keines seiner zehn Werke blieb unveräußert. Die ganze Bandbreite seiner Schnittbilder war hier aufgefahren, in Rot mit einem einzigen Mittelschnitt von 1968 für 1,55 Millionen Pfund (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP), das Gleiche in Weiß von 1967 für 1,7 Millionen Pfund (Taxe 1,2 bis 1,6 Millionen GBP), mit vier Schlitzen in knalligem Blau für 820.000 Pfund (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP), fünffach auf Quietschgrün für 740.000 Pfund (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP) oder wieder einfach auf Schwarz-Gold von 1959 für 950.000 Pfund (Taxe 600.000 bis 800.000 GBP), schließlich auch in drei schwungvollen Biegungen erneut auf Weiß von 1960 für 1,1 Millionen Pfund (Taxe 500.000 bis 800.000 GBP) – es gab scheinbar keine Variante, die es nicht gab.

Die neuen Auktionsrekorde waren teils ganz klein: Nur 32.000 Pfund reichten bei Marina Apollonios schwarz-weißem Op-Art-Strudel „Dinamica circolare 6ZNN“ von 1966 (Taxe 20.000 bis 30.000 GBP). Bei Paolo Scheggis runden Käselochöffnungen „Intersuperficie nera“ von 1965 waren es dann immerhin 180.000 Pfund, allerdings bei einer gleicher Schätzung aus. Dazu gesellte sich Mario Schifano, dessen konzeptuelle Collage „Propaganda“ von 1962 mit weißem, ausschnitthaftem Coca-Cola-Schriftzug 260.000 Pfund erlöste (Taxe 120.000 bis 180.000 GBP). Pino Pascali stellte mit der Stoffbahn „Muro di pietra“ von 1964, die so tut und sagt, als wäre sie eine gemauerte Wand, für unerwartete 1,4 Millionen Pfund den alten Christie’s-Rekord aus dem Jahr für die Skulptur einer Haubitze ein (Taxe 400.000 bis 600.000 GBP). Damit überholte Letzterer sogar eine bunte gestickte Weltkarte Alighiero Boettis aus den frühen 1990er Jahren, obwohl auch sie von 800.000 bis 1,2 Pfund auf 1,35 Millionen Pfund zulegte. Für 340.000 bis 350.000 Pfund durchwegs weit über den Taxen gingen schließlich auch drei strukturierte monochrome Leinwände Enrico Castellanis weg, der schon bei Sotheby’s mit guten Ergebnissen hat aufhorchen lassen.

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



07.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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