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Am Badestrand / Otto Pippel

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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Klassische Moderne mit zahlreichen interessanten Positionen bei Lempertz in Köln

Operetten-Fall



Henry van de Velde gehörte zu den führenden europäischen Meistern in Design und Architektur des Jugendstil und wurde besonders in diesem Jahr anlässlich seines 150. Geburtstages fleißig gefeiert. Dass der gebürtige Belgier aber auch ein beachtliches malerisches Talent besaß, zeigt sich an den wenigen Gemälden, die aus der Frühzeit seines langen Lebens erhalten sind. Bis etwa 1893 schuf der damals dreißigjährige Absolvent der Akademien in Antwerpen und Paris vor allem Gartenlandschaften, die mit ihrem unorthodoxen Pinselstrich, dem feinen Linienspiel und dem ungemischten Farbkanon schon weit über den französischen Impressionismus hinausgehen und irgendwo zwischen Vincent van Gogh und Georges Seurat ihren Platz haben. Eines dieser Gemälde bildet die Eröffnung der großen Versteigerung moderner Kunst bei Lempertz in Köln. Die sonnige „Gartenpartie in Kalmthout“ von 1892 ist eines dieser auf dem Markt heute eher seltenen Gemälde van de Veldes. Als Preisrahmen hat sich das Auktionshaus für 60.000 bis 80.000 Euro entschieden; Vergleichsbeispiele gibt es allerdings nicht viele.


Die qualitätvollsten und am höchsten gehandelten Offerten, knapp drei Dutzend, hat Lempertz wieder an den Anfang der abendlichen Veranstaltung am 26. November gesetzt. Mit einem 1912 entstandenen Stillleben Lyonel Feiningers, auf dem einige reich ornamental geschmückte Keramiken zusammen mit Äpfeln zu sehen sind, schickt sich das Kölner Unternehmen an, einen der höchsten Zuschläge in diesem Kunstherbst auf dem deutschsprachigen Raum zu erzielen. Die knapp achtzig Zentimeter breite Leinwand, die ein Dokument von Feiningers erwachendem Interesse an kubistischen Formen darstellt, soll 900.000 bis 1,2 Millionen Euro einspielen. Dahinter folgt bei 700.000 bis 900.000 Euro Hermann Max Pechsteins „Mühlgraben“ von 1921, in Farbigkeit, zackigem Pinselstrich und perspektivischer Verkürzung ein Musterbeispiel expressionistischer Malerei. Feininger ist dann zudem noch im zweiten Teil der Auktion mit fünfzehn Zeichnungen und Druckgrafiken vertreten, darunter einer wackeligen „Street in Eisleben“ von 1941 (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR), dem kristallinen Seestück „Enchanted Isles“ von 1946 für rund 5.000 Euro mehr oder dem in seiner Weimarer Bauhaus-Zeit gefertigten Holzschnitt „Kirche in Vollersroda“ von 1919 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR).

Gerade der Expressionismus hat bei Lempertz auch schöne Stücke aus der zweiten Garde zu bieten. Dazu zählen etwa Eberhard Viegeners aus sich heraus leuchtend bunte Landschaft „Frühling in Soest“ von 1919 (Taxe 35.000 bis 40.000 EUR), Hermann Stenners „Rhythmische Landschaft (Eifel)“, rückseitig mit der Skizze zu einem Selbstbildnis, von 1912 für 40.000 Euro oder Mela Muters eindrucksvolle, fast religiös anmutende „Zigeunerfamilie“ aus der Zeit um 1930 für 80.000 bis 90.000 Euro. Aus einer ungarischen Privatsammlung hat János Vaszarys „Pompadour“ von etwa 1926/27 den Weg nach Köln gefunden. Das in schrillbunter Farbigkeit gehaltene Gemälde wirkt wie eine Karikatur, hält aber eine Szene aus der 1922 in Berlin uraufgeführten Operette „Madame Pompadour“ von Leo Fall fest (Taxe 80.000 bis 100.000 EUR). Im späteren Auktionsverlauf kommen unter anderem noch Heinrich Nauens klar strukturierte „Niederrheinische Landschaft mit Heudiemen“ von circa 1932 sowie die farbenfrohe und bewegte Küstenszene „Schiff“ von Werner Gilles um 1927 zum Aufruf (Taxen zwischen 20.000 und 25.000 EUR).

Hier hat Lempertz zudem zwei prachtvolle, farblich höchst präsente Blumenstillleben platziert, eines von Willy Jaeckel mit blauem Götzen aus dem Jahr 1930 und eines von Josef Eberz mit der Datierung 1919 (Taxe zwischen 15.000 und 22.000 EUR). Eine unmittelbare Präsenz zeichnet Anton Räderscheidts neusachliches schlichtes Arrangement von einer Rose und zwei Tulpen in einer dunkelbraunen Kugelvase von 1926 aus (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR). Ein an der Neuen Sachlichkeit orientierter Stil ist auch das Markenzeichen von Hermann Lismanns „Wasserträgerin“ in den stillen Straßen einer südländischen Stadt von 1923 (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Einen fast identischen Bildaufbau in den Personen samt geneigtem Kopf und geschlossenen Augenlidern haben Paul Kother in seinem Ölgemälde „Bajazzo“ um 1912 und Joseph Kölschbach in seinem Hinterglasbild „Figürliche Szene (Sorgende Frau)“ wohl aus den 1920/30er Jahren gefunden (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR bzw. 2.000 bis 3.000 EUR). Als Zeichner treten Heinrich Hoerle mit einem surrealistischen, aber auch konstruktiven „Frauentorso“ von 1926 (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR), Gustav Klimt mit einem schreitenden Akt nach links von 1916/17 (Taxe 20.000 bis 22.000 EUR) und vor allem Ernst Ludwig Kirchner an. In seiner zehnteiligen Suite steht das schnell mit Bleistift skizzierte Paar mit einem liegenden Mädchenakt auf der Rückseite bei 22.000 bis 25.000 Euro an erster Stelle.

Noch dem Impressionismus entstammt Max Liebermanns gemäldehaft weit ausformuliertes Pastell „Muschelfischer mit Karren (Krevettenfischer am Strand)“ von circa 1908. Anlässlich von Liebermanns 80. Geburtstag 1927 war der Karton einige Wochen lang bei Bruno Cassirer in Berlin ausgestellt (Taxe 60.000 bis 70.000 EUR). Auch Max Slevogts flirrendes „Sonnenbad“ von circa 1921 mit einigen Herren, die ungeniert in der Gestalt, in der Gott sie schuf, auf einer baumbestandenen Wiese ihre Zeit verbringen, profitiert unübersehbar von den Errungenschaften des ausgehenden 19. Jahrhunderts (Taxe 95.000 bis 100.000 EUR). Freunde der westfälischen Stadt Soest werden sich außer über Viegeners Frühlingsbild vielleicht auch über Christian Rohlfs’ Blick durch eine alte Fachwerkstraße hindurch auf den Turm der Patroklikirche freuen. Der gebürtige Holsteiner war seit seinem ersten Aufenthalt in der geschichtsträchtigen Stadt 1904 Feuer und Flamme für die malerischen Ansichten, die sich ihm dort boten. Vorliegendes Gemälde in kurzen Pinselstrichen und sehr heller, großteils fast weiß erscheinenden Palette entstand 1907 (Taxe 90.000 bis 100.000 EUR).

Aus der Sammlung Gustav Rau kann Lempertz Léon Pourtaus pointillistisches „Portrait de Madame Vallad“ von 1890 anbieten, das dem Kinderhilfswerk UNICEF 200.000 bis 250.000 Euro bescheren soll. Heinrich Campendonk ist mit einem seiner träumerischen, leicht kubistisch angehauchten Werke vertreten: vor einem Schaufenster mit einer Gemüse- und Fischauslage scheinen eine Mutter mit ihrer Tochter vorbeizuschweben. Die Aquarell- und Gouachemalerei von 1919 verlangt 70.000 bis 80.000 Euro. In diesem Preisrahmen bewegt sich auch Otto Dix’ koloristisch auffällige Bibeladaption „Saul und David I“ aus dem Nachkriegsjahr 1946. Aus seiner Zeit im elsässischen Kriegsgefangenenlager Logelbach stammt die ein Jahr ältere, unprätentiöse „Landschaft bei Zimmerbach mit der Bruderkapelle (Munstertal)“ (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Mit einem weitaus distanzierteren Blick fängt Georg Schrimpf 1937 die Weiten um den „Seehamer See“ im morgendlichen Dunst ein (Taxe 32.000 bis 35.000 EUR).

Für die Abstraktion stehen eine „Composition“ Serge Poliakoffs mit den charakteristischen verzahnten Farbflächen in Rot, zwei Blautönen und Dunkelgrün von 1967 für 180.000 bis 220.000 Euro und – mit 18.000 bis 20.000 Euro etwas bescheidener taxiert – Walter Dexels geometrische „Figuration CP“ von 1925 mit den beiden einander verbundenen Buchstaben, das „C“ in Schwarz und das „P“ in Rot-Rosé. Sehr dekorativ macht sich ein fast zwei Meter breites Glasmosaik Jan Thorn Prikkers ebenfalls in ungegenständlichen Formen von 1925/26. Der gebürtige Niederländer war seit 1923 als Professor für Monumentalkunst an der Düsseldorfer Kunstakademie tätig, wechselte auf Einladung Richard Riemerschmids drei Jahre später nach Köln und arbeitete vornehmlich auf den Gebieten Wand- und Glasmalerei sowie eben Mosaik. Die Taxe von 8.000 bis 12.000 Euro muss man als günstig bezeichnen. Die collagierte Merzzeichnung „MZ X 13 BY“ von nur 14 Zentimetern Höhe aus Kurt Schwitters’ vorletztem Lebensjahr 1947 hängt für 100.000 Euro bereit.

Teuerste Skulptur des Abends ist Henri Laurens’ bronzene „Métamorphose“ von 1940 in Gestalt eines liegenden Frauenaktes, dessen Körperteile, insbesondere die Bauch- und Oberschenkelpartie, allerdings sichtlich deformiert ist (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Etwas korrektiver gibt sich Gerhard Marcks’ leicht überlebensgroße Bronze „Schreitendes Mädchen“ von 1960/62, bei der Alles stimmt und dennoch ein starker innerer Gehalt zum Ausdruck kommt (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Als „Impressionist“ unter den Bildhauern hat der Italiener Medardo Rosso in den Jahrzehnten um 1900 gewisse Berühmtheit erlangt, bisweilen genannt in einem Atemzug mit dem heute viel prominenteren Auguste Rodin. Sein Bildnis eines offenbar in Schlaf gesunkenen „Scaccino“, eines recht unansehnlichen Küsters von 1883/84, zeugt eindrucksvoll von der Qualität und Modernität des damals noch in Mailand, später zeitweise in Paris lebenden Künstlers (Taxe 40.000 bis 45.000 EUR).

Lempertz hat mit das schönste Angebot im Bereich Bildhauerei zusammengestellt. Nicht nur die teueren Werke überzeugen. Von starkem Ausdruck ist etwa auch Joseph Enselings stehende „Pietà“; die Keramikfigur von 1919 verlangt nur 2.000 Euro. Verspielt und bewegt geht Bernhard Hoetger um 1901 bei seinem Bronzeakt „Stehendes Mädchen“ ans Werk (Taxe 4.000 bis 4.500 EUR), während der russisch-französische Bildhauer Jacob Loutchansky seine Terrakottabüste „Tête de Jeune Femme“ stark stilisiert hat (Taxe 2.000 EUR). Ebenso verfährt der Belgier Oscar Jespers bei dem bronzenen liegenden „Babykopf“ von etwa 1927 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Bei Jean Fautriers früher dunkel patinierter Bronzeplastik „Nu aux bras levés“ aus dem selben Jahr fällt die bewegte schrundige Oberfläche ins Auge (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR). Den Grad der Abstraktion treibt Joachim Utech bei seiner „Sitzenden“ noch weiter fort und hat die graue Marmorfigur von 1950 nur noch auf ihre Umrisse reduziert (Taxe 4.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 26. November um 18 Uhr. Die Besichtigung der Objekte findet vom 21. bis zum 25. November zu unterschiedlichen Uhrzeiten statt. Der Katalog ist im Internet unter www.lempertz.com einsehbar.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



21.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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Taxe: 32.000 - 35.000 EURO

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Medardo Rosso, Lo Scaccino (Sagrestano, Se la fusse Grappa!, L’Ivrogne), 1883/84

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Taxe: 40.000 - 45.000 EURO

Losnummer: 302

Max Liebermann, Muschelfischer mit Karren (Krevettenfischer am Strand), um 1908

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Taxe: 60.000 - 70.000 EURO

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Hermann Stenner, Rhythmische Landschaft (Eifel), 1912

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Taxe: 40.000,- EURO

Losnummer: 311

Léon Pourtau, Portrait de Madame Vallad, 1890

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Taxe: 200.000 - 250.000 EURO

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Max Slevogt, Sonnenbad, um 1921

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Taxe: 95.000 - 100.000 EURO

Losnummer: 322




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