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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Moderne und zeitgenössische Kunst bei Bassenge in Berlin

Deutsch-Italiener nach vorn!



Zu einem der Hauptlose der Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst hat das Berliner Auktionshaus Bassenge einen Deutsch-Italiener küren dürfen: Im deutschen Norden kommt Massimo Campigli sonst eigentlich kaum vor, doch jetzt wird mit seinem mittelgroßen Ölbild „Vetrine“ bei 80.000 Euro ein Versuch unternommen. Charakteristisch für den 1895 als Max Ihlenfeld in Berlin geborenen und 1971 in Saint-Tropez verstorbenen Meister ist die an frühantike Formen erinnernde Zweidimensionalität und die collageartige Zusammenstellung der Motive in einem geometrischen Raster, dessen Zentrum eine eifrig gerundete Frauengestalt in stark stilisierter Haltung einnimmt. Angesichts der konsumfreudigen Entstehungszeit des Bildes im Jahr 1962 mag man sich allerdings auch ganz profan an ein Schaufenster erinnert fühlen, in dem die verschiedenen, letztlich doch puppenartig wirkenden Figuren ihre Aufstellung gefunden haben. Jedenfalls darf man auf das Ergebnis dieser Offerte gespannt sein.


Der teuerste Künstler ist Campigli am 30. November allerdings doch nicht ganz. Ein weit bedeutenderer Meister rangiert über ihm, noch dazu mit einer Druckgrafik: 180.000 Euro möchte Bassenge für Pablo Picassos Aquatinta „Torse de Femme (L’Egyptienne)“ sehen, die 1953 in fünfzig Exemplaren gedruckt wurde und damit zu den eher selteneren Blättern des Wahlfranzosen gehörte. Allerdings handelt es sich der Größe und des Motivs wegen – zu sehen ist Picassos damalige Geliebte Françoise Gilot – ohnehin um ein Hauptwerk seiner Grafik. Ein rundes Dutzend weiterer Blätter umspannt mehr als sechzig Jahre Schaffenszeit Picassos, beginnend mit seiner Radierung „Tête de Femme: Madeleine“ auf nur zwölf mal neun Zentimetern Darstellungsgröße von 1905 (Taxe 60.000 EUR). An weiteren Drucken international berühmter Künstler liegen Edvard Munchs kreidelithografisches Portrait des schwedischen Dramatikers August Strindberg von 1896 (Taxe 32.000 EUR) und ein komplettes Exemplar der Vorzugsausgabe von Joan Mirós rund zwei Dutzend Blätter umfassende Folge „Passage de l’Egyptienne“ von 1985 für 60.000 Euro bereit.

Die ältesten Werke speisen sich noch aus dem Postimpressionismus, etwa Léon Pourtaus pointillistische Stimmung „Soleil couchant“ von 1893 (Taxe 40.000 EUR), Henri Le Sidaners kleine, etwas grob gemalte Öllandschaft „La Maison sur le canal, Verneuil“ von 1921 (Taxe 9.000 EUR) oder Theo von Brockhusens kraftvoll alla prima aufgetragenen Wald- und Feldlandschaft „Weidende Kühe“ aus dem Jahr 1918 (Taxe 12.000 EUR). Ein Vorgeschmack auf die Fauves bildete 1892/99 Maurice Denis’ 13 Farblithografien enthaltende Folge „Amour“, die in vorliegender Form allerdings erst 1911 bei Ambroise Vollard in Paris herauskam (Taxe 20.000 EUR). Auf der Schwelle zu einer neuen Zeit steht Hermann Max Pechsteins Aquarell „Segelschiff im Hafen“ von 1909. Das Malerische des Impressionismus und die Heftigkeit des Expressionismus scheinen hier einen Symbiose einzugehen (Taxe 15.000 EUR).

Aus der Hochzeit des deutschen Expressionismus gibt es dann jede Menge Druckgrafik wie Max Beckmanns anrührende Lithografie „Der Hunger“, den eine kleine Familie in der Notzeit 1919 am Abendtisch zu erleiden hat (Taxe 15.000 EUR), Otto Muellers unverkennbare Lithografien „Mädchenkopf (Bildnis Irene Altmann)“ und „Zwei Figuren am Waldbach 2“ jeweils von 1921/22 (Taxen 15.000 und 12.000 EUR) sowie Otto Dix’ zerzauste „Alte im Café“ von 1920 für 12.000 Euro. Die Arbeitswelt ist Thema von Conrad Felixmüllers Holzschnitt „Der Bergingenieur“ aus dem Jahr 1922, von dem es wohl nur zehn Handabzüge gibt. Die veranschlagten 4.000 Euro erscheinen daher recht günstig. Von Emil Nolde gibt es die Farblithografie „Tingel-Tangel-Sängerin“ von 1907/15 für 8.000 Euro und die Strich- und Tonätzung „Ästhet“ von 1918 für 7.500 Euro bei.

In den Zeichnungssektor geht es mit George Grosz’ Gesellschaftskarikatur „Jugendlust“ im Tanzcafé um 1922 (Taxe 12.000 EUR). Auch Elfriede Lohse-Wächtlers Tuschfederblatt „Im Hippodrom I“ von 1930 steht für kritische Tendenzen während der Weimarer Republik (Taxe 5.000 EUR), während Hans Reichel 1953 mit seiner „Phantastischen Komposition“ in schwarzer Feder und Aquarell in eine innere Traumwelt entführt (Taxe 4.000 EUR). Frankreich steuert Louis Marcoussis’ kubistisches Bildnis Guillaume Apollinaires von 1912/20 für 28.000 Euro bei, das ob seiner motivreichen Einfühlung in das Denken des Intellektuellen als grafisches Meisterwerk gilt. Maurits Cornelis Escher versammelt in seiner Lithografie „Orde en chaos“ von 1950 um eine zentrale kristalline Sternform jede Menge kaputtes Alltagsmaterial, wie ein zerbrochenes Glas, ein aufgeschlagenes Ei oder eine geöffnete Sardinenbüchse (Taxe 9.000 EUR). Eine der jüngsten grafischen Arbeiten des Katalogs ist Tracey Moffatts unheimliche nächtliche Waldgegend mit einem Hexenhaus, in dem zwei Menschen gerade ihre Pläne schmieden. Die Farbserigrafie aus dem Jahr 2000 steht für 2.000 Euro zum Kauf.

Die Gemäldeofferte ist, wie in der Regel bei Bassenge, weniger umfangreich, enthält aber doch beachtliche Arbeiten von nicht so bekannten Künstlern. Dazu zählen Willy Jaeckels eindrucksvolle Gebirgslandschaft im Winter, 1921 der Neuen Sachlichkeit verpflichtet (Taxe 4.000 EUR), Alfred Lomnitz’ naiv anmutender „Bauer mit Kühen auf dem Feld“ von 1924, die alle drei den Betrachter etwas misstrauisch anschauen (Taxe 10.000 EUR), und vor allem Oskar Molls liebevolles Bildnis der kleinen Tochter eines Freundes von 1939 für 22.000 Euro. Am Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 schuf Ewald Mataré die aquarellierte Landschaft „Beim Kloster Eberbach im Rheingau“. Bezeichnend für die Entstehungszeit ist das Changieren zwischen Altmeisterlichkeit und progressiver künstlerischer Handschrift sowie die eigenartig unsicher wirkender Zurückhaltung in der überwiegend grünen Farbigkeit (Taxe 12.000 EUR). Frei und unbeschwert, allerdings vielleicht auch etwas beliebig mögen dagegen die Ölbilder „Vor der Stadt“ und „Die schmale Tür“ wirken, mit denen Karl Kunz 1946 und 1968 farbenfroh die Autonomie der schaffenden Persönlichkeit feierte (Taxen 4.000 und 1.500 EUR).

Den Beginn der Versteigerung bestreitet ein Konvolut von gut siebzig überwiegend abstrakten Arbeiten aus dem Besitz des Berliner Kunstsammlers Rolfes, die einen Bogen von Informel über Konkrete Kunst, Minimalismus und ZERO bis hin zu jungen Positionen spannt. Heinz Mack stellt mit seiner blau-schwarzen Pastellkreide „Blaue Frottage“ von 1961 für 12.000 Euro eines der Hauptlose. Ferner sind eine unbetitelte Papiercollage Gerhard Hoehmes von 1957 für 15.000 Euro, ein ganz weißes Relief mit zwei kleinen gelben quadratischen Erhebungen von Antonio Calderara aus dem Jahr 1974 für 10.000 Euro und zwei wilde Gouachen Fred Thielers von 1980 für 4.000 und 3.500 Euro zu nennen.

Auch bei den weniger bekannten und daher meist günstigeren Künstlern finden sich markante und achtbare Schöpfungen in der Sammlung Rolfes, etwa Gerhard Wittners minimalistisches Acrylbild „6/65“ in kaum unterscheidbaren Rosatönen oder ein „Indian Summer“ mit einander überlappenden Farbfeldern, das der deutsche Amerika-Auswanderer Hans Moller 1957 in Anlehnung an die Arbeiten des mit ihm recht gut bekannten Mark Rothko schuf. Beide Bilder sind auf jeweils 1.500 Euro taxiert. Einer der jüngsten im Bunde ist der 1966 in Berlin geborene Künstler Stefan Hirsig. In seiner Materialassemblage „Tommi“ von 2004 aus Netzen, bedruckten Papieren und Plattencovern der Band „The Who“ lässt er Erinnerungen an die Zeit von Punk, New Wave und Indie-Rock wieder lebendig werden (Taxe 1.800 EUR).

Das Hauptprogramm enthält teils bedeutende abstrakte Werke. So wird eine großformatige Leinwand des Brasilianers Roberto Burle Marx, mit dem Bassenge schon einmal vor eineinhalb Jahren recht erfolgreich war, mit einer an den Kubismus erinnernden Verschachtelung verschiedener Motive zum Aufruf gelangen, die vermutlich 1993 ein Jahr nach ihrer Entstehung in den Besitz des jetzigen Noch-Eigentümers gelangte (Taxe 30.000 EUR). 18.000 Euro soll Hans Hartungs „Composition P20-1983-H12“ kosten, auf der in zarter Ölkreide und Grafit eine rote und eine blaue Flächen durch einen vertikalen schwarzen Strich getrennt werden. Bereits 1920 gab der heute weitgehend vergessene Otto Griebel die handkolorierten Lithografien „Zehn Themen“ heraus. Worauf sich die konstruktivistischen Bilder beziehen, ist unmittelbar der Mappe zu entnehmen: Es sind Kompositionen des tschechischen Tondichters Erwin Schulhoff, die ebenfalls abgedruckt wurden (Taxe 35.000 EUR).

Zu den bedeutendsten Skulpturen der Auktion gehört eine Bronze Ernst Barlachs, sein geheimnisvoller „Sterndeuter II“ in hockender Haltung mit Blick nach oben von 1920 für 24.000 Euro. Die Tierplastik tritt mit Richard Scheibes majestätisch schreitendem Löwen, einer Bronze von 1947, bei 7.000 Euro oder mit Renée Sintenis’ bewegter gestaltetem „Sich leckendem Fohlen“ um 1928 für 8.500 Euro an. Die neuen Formen des Ausdruckstanzes verewigte Johannes Schiffner um 1925 in seinem Frauenakt mit erhobenen Armen (Taxe 3.000 EUR). Freunde der Abstraktion seien auf Karl Hartungs bronzene „Kugelform“, ein fast meditativ wirkendes Objekt aus den Jahren 1951/52 (Taxe 10.000 EUR), und auf Herbert Strässers „Nonne“ von 1960 verwiesen, die lediglich aus geometrischen Formen zusammengesetzt ist und sich nur mit dem Titel als menschliche Gestalt ausweist (Taxe 2.500 EUR). Im Umfeld von ZERO schuf Ferdinand Spindel Mitte der 1960er Jahre seine ersten Schaumstoffobjekte; ein solches, sich wulstig hervorwölbendes weißes Relief in quadratischem Kasten von 1967 listet der Katalog für 1.500 Euro.

Die Auktion beginnt am 30. November um 10 Uhr mit den günstigen Arbeiten, um 15 Uhr folgt der Hauptteil der Modernen Kunst. Die Besichtigung ist noch bis zum 28. November täglich von 10 bis 18 Uhr, am 29. November von 10 bis 16 Uhr in der Rankestraße 24, 10789 Berlin, möglich. Der Katalog im Internet listet alle Objekte unter www.bassenge.com.

Kontakt:

Galerie Bassenge

Erdener Straße 5a

DE-14193 Berlin

Telefon:+49 (030) 893 80 290

Telefax:+49 (030) 891 80 25

E-Mail: info@bassenge.com



28.11.2013

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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