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Interieur – Dame im Salon auf Chaiselongue sitzend / Bruno Piglhein

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Blick aus dem Künstler-Atelier in Berlin. Kurfürstenstraße, 1927 / Ernst Oppler

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zugeschrieben, Pfauenbank / Peacock bench, Ende 19. Jahrhundert / Marcello Andrea Baccetti

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Ohne Titel, 2016 / Heinz Mack

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Aktuellzum Archiv:Ausstellung

Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen erforscht Alexander Calders Werkschaffen im Strom der Avantgarde

Immer die Balance wahren



Der Reiz, selbst Hand anzulegen, kribbelt in jedem, der Plastiken von Alexander Calder sieht. Schon zarte Berührungen, leichte Luftbewegungen oder sanfte Erschütterungen lösen bei seinen Mobiles bewegte Bilder aus. Über Experimente zur Erforschung von Material und Bewegung mobilisiert der Künstler die Zuschauer als Mitspieler, die auf diese Weise zu Koproduzenten kreativer Prozesse aktiviert werden. Einhergehend mit dem faszinierenden Spiel von Farben und Formen, Licht- und Schatteneffekten ergeben sich ideale Anknüpfungspunkte, Jung und Alt für seine Kunst zu begeistern. Die Popularität Calders ist ungebrochen. Doch die hohe Zahl von 22.000 dokumentierten Werken in verschiedenen Genres verhält sich extrem gegensätzlich zur Anzahl seiner Ausstellungen.


Plastiken des 1898 in Pennsylvania geborenen und 1976 in New York verstorbenen Amerikaners schottischer Abstammung lassen sich nur mit großem Aufwand transportieren, da sie empfindlich oder raumgreifend sind. Zuletzt bot die Bonner Bundeskunsthalle vor 20 Jahren eine Übersichtsschau in Deutschland. 1993 versammelte sie 53 Werke, darunter fast nur Stabiles, ergänzt von einer kleinen Kabinettausstellung. Schon früh wurde man hierzulande auf den führenden amerikanischen Bildhauer aufmerksam. 1929 zeigte die Berliner Galerie Neumann-Nierendorf 48 seiner Skulpturen in einer über 30 Mal rezensierten Schau. 1952 brachte die Wanderausstellung „Calder Mobile“ neues Leben in 13 Städte des Nachkriegsdeutschlands. 66 Exponate umfasst nun die Schau der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf, 55 davon stammen von Calder. „Avantgarde in Bewegung“, so der Untertitel, deutet die präzisere zeitliche Verortung an.

Nach dem Abschluss des Maschinenbaustudiums arbeitete der von Statur her kräftige, handwerklich-praktisch veranlagte Sohn eines Bildhauers und einer Malerin zunächst als Automobilingenieur und Bauzeichner. Der seit Kindestagen latente Drang nach Kreativität mündete dann in den Kunst- und Zeichenunterricht. Frühen Schritten auf dem Gebiet der Malerei folgten ab Herbst 1926 erste Drahtplastiken. In den 1920er Jahren war Bewegung ein weitverbreitetes künstlerisches Thema, bedingt durch die Beschleunigung aller Lebensbereiche im Rahmen zunehmender Industrialisierung und Motorisierung; Tanz, Theater, Varieté und Film standen dafür auf künstlerischer Seite. Zwischen 1926 und 1931 schuf Alexander Calder etwa 120 Zirkusfiguren aus Draht, Metall, Holz, Kork, und Stoff. Der Zirkus galt aus Ausdruck des neuen Lebensrhythmus’, dessen Synthese aus Bewegung, Licht, Farbe, Raum und Ton Avantgardekünstler zu dynamischen Ausdrucksformen animierte. Bis zu auf dem Schauspiel fußenden, abstrakten kinetischen Formen war es dann auch nicht mehr weit.

Zu Beginn der 1930er Jahre fertigte Calder dann erste Mobiles. In der Düsseldorfer Ausstellung stehen ihnen Filmausschnitte gegenüber, die belegen, wie sehr Bewegung und Rotation die Kunstszene inspirierte. Fernand Légers „Le Ballet mécanique“ von 1923/24, Man Rays „Le Retour à la Raison“ von 1923 und Marcel Duchamps 1926 entstandener Film „Anémic Cinéma“ unterstreichen dies kongenial. Frühe raumgreifende Eisenstabkonstruktionen Calders sind noch von einer geometrischen Formensprache geprägt. Sie wirken wie Zeichnungen im Raum, deren Holzkugeln an den Enden nicht nur Gewichte ausbalancieren sollen, sondern zugleich auch schon kosmische Aspekte andeuten, die in der Kunst später an Gewicht gewinnen sollten.

Einen kreativen Schub widerfuhr Calder im Oktober 1930 beim Besuch in Piet Mondrians Pariser Atelier in der Rue du Départ 26. In der Folge endete die Phase filigraner Drahtplastiken abrupt. Für kurze Zeit begann er, abstrakte Gemälde zu malen, bevor er sie in bewegliche Skulpturen überführte. Calder fragte Marcel Duchamp im Herbst 1931 bei einem Atelierbesuch nach einer Bezeichnung und erhielt spontan „Mobiles“ zur Antwort. Auf einer Ausstellung in der Pariser Galerie Vignon im Februar 1932 präsentierte Calder erstmals diese neue Kunst. Regelmäßiger Gast in seinem Atelier war der Komponist Edgar Varèse, dessen Schöpfungen ihn zur Einsetzung des Gongs animierten. Nur 48 dieser Klangmobiles, sogenannte „Noise-Mobiles“, sind bekannt und gehören zu einer bislang wenig beachteten Werkgruppe Calders. An Drähten hängende Kugeln erzeugen bei leichten Pendelbewegungen dumpfe Klänge.

In den Vordergrund ihrer Werkauswahl haben die Kuratoren die 2008 erworbene Plastik „Untitled“ von 1936 gerückt. Schlägt die an einem Draht hängende Holzkugel gegen das Blechgerippe, ist ein hohler Ton zu hören. Aus konservatorischen Gründen demonstrieren dies Videos. Unter Hörmuscheln eingespielte Musikstücke wie John Cages Komposition „Works of Calder“ von 1950 oder Edgar Varèses „Ionisation“, eine 1929 bis 1931 entstandene Partitur für 13 Perkussionsinstrumente, verdeutlichen die Bezüge klingender Objekte Calders zur Experimentalmusik jener Jahre.

Zwischen 1926 bis 1933 bewegte sich der in Paris beheimatete Künstler in Kreisen der Avantgarde. Bereits seit 1928 verband ihn eine Freundschaft mit Joan Miró, dessen biomorphe, Abstraktion und Figuration vereinende Bilder Calder wesentliche Impulse vermittelten. Im Juni 1931 nahm er die Einladung an, der Gruppe „Abstraction-Création“ beizutreten, zu der Hans Arp, Robert Delaunay, Antoine Pevsner oder Piet Mondrian gehörten. Arp war es, der für Calders unbewegte Skulpturen 1932 den Begriff „Stabile“ einführte. Kühle, geometrische Bildkonstruktionen Mondrians sowie verspielte Variationen Mirós und Arps legen in Düsseldorf Kongruenzen zum surreal-dadaistischen Umfeld Calders offen. Sie unterstreichen, wie eigenständig er sich künstlerisch zu positionieren verstand.

Die Ausstellung spannt den Bogen von ersten Drahtporträts, kleinformatigen Mobiles bis hin zu monumentalen Stabiles wie dem 2300 Kilogramm schweren „Le Tamanoir“ von 1963. Die Konzentration auf die 1930er und 1940er Jahre bietet Raum zur Entfaltung der Objekte, gedrängte Engpässe sucht man vergebens. Traumhafte Formen suggerieren schwebende Blätter, Vogelschwärme oder Flügel, deren Farben die in jenen Jahren schon charakteristische erden-warme Abtönung aufweisen. Doch sie waren für den Künstler zweitrangig. Abseits von Zerstreuung und Verspieltheit kommen bei Calder schon grundlegende Begriffe wie Energie, negative Räume, Echtzeitperformance zum Tragen, die weit in die Zukunft weisen.

„Für die meisten Leute, die ein Mobile betrachten, ist es nicht mehr als eine Ansammlung flacher Objekte, die sich bewegen. Für einige wenige aber kann es Poesie sein“, gab Calder 1976 zu Protokoll. Aber nicht nur Poesie und individuelle Reaktionen auf zeitliche Tendenzen sollten sie vermitteln. Zum Nachdenken kann das animieren, was Jean-Paul Sartre einst über Calders Mobiles schrieb: ein „seltsames Wesen, halb Materie, halb Leben“.

Die Ausstellung „Alexander Calder – Avantgarde in Bewegung“ wurde wegen des regen Zuspruchs von über 66.000 Besuchern bis zum 26. Januar verlängert. Die Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen am Grabbeplatz hat dienstags bis freitags von 10 bis 18 Uhr, samstags, sonn- und feiertags ab 11 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 12 Euro, ermäßigt 9,50 Euro. Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen, der an der Museumskasse 29 Euro kostet.

Kontakt:

K20 - Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen

Grabbeplatz 5

DE-40213 Düsseldorf

Telefon:+49 (0211) 83 81 0

Telefax:+49 (0211) 83 81 201

Startseite: www.kunstsammlung.de



07.01.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Hans-Peter Schwanke

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