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Karl Otto Götz: Zum 100. Geburtstag des großen Pioniers der informellen Malerei

Die hingeschleuderte Kunst



Der Roman vom „Hundertjährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ hält sich seit drei Jahren auf den Bestsellerlisten. Der Protagonist ist der wohl berühmteste Hundertjährige unserer Tage. Die Geschichte begeistert uns so sehr, weil ein Jahrhundert Weltgeschichte verknüpft ist mit einem Jahrhundert Leben der Hauptfigur. Was kann einer erzählen, der schon so lange lebt? Was hat er erfahren, gesehen und geschaffen? Ein ganz realer Hundertjähriger kann uns diese Fragen beantworten. Morgen begeht einer der Protagonisten des Informel, Karl Otto Götz, seinen runden Geburtstag, zurückgezogen im Westerwald. Die Feierlichkeiten traut sich der inzwischen erblindete Maler nicht mehr zu. Interessierte Kunstfreunde können sich aber an zahlreichen Ausstellungen erfreuen, etwa in Berlin, Chemnitz und Aachen.


Die Erzählung im Buch wird zum literarischen Parforceritt durch die Weltgeschichte, fantastisch und völlig unrealistisch. Zur Wirklichkeit wird sie im Leben von K.O. Götz, und klingt doch fast wie erfunden: Zwei Weltkriege erlebt der Maler, in drei verschiedenen Ländern lebt und arbeitet er, unterhält zahllose Kontakte zu den wichtigsten Künstlern und Intellektuellen des 20. Jahrhunderts und ist Begründer und Ikone der informellen Kunst in Deutschland.

Das Leben dieses Mannes beginnt 1914 in Aachen. Am 22. Februar erblickt Karl Otto Götz dort das Licht der Welt. Er soll Textilingenieur werden, widersetzt sich aber dem Wunsch des Vaters und besucht lieber die Kunstgewerbeschule. Es sind die 1930er Jahre, und als abstrakt arbeitender Künstler erhält er Berufsverbot. Auch diesem widersetzt er sich und malt heimlich weiter. Der Zweite Weltkrieg führt Götz zuerst nach Dresden, wo er Otto Dix kennenlernt, und von dort nach Norwegen, wo er Briefkontakt mit Willi Baumeister hält. Beim Bombenangriff auf Dresden 1945 verbrennt fast das komplette Frühwerk des jungen Malers. Nach Kriegsende beginnt Karl Otto Götz – wie so viele seiner Generation – ganz von vorn.

Die Nachkriegsjahre sind Götz’ kreativer Startschuss, sein Lebensmittelpunkt wechselt zwischen Frankfurt und Paris. Er wird zum Vermittler zwischen der deutschen und französischen Nachkriegskunst und ist als einziger Deutscher Mitglied der internationalen Künstlergruppe CoBrA. In Frankfurt gründet Götz mit Bernard Schultze, Otto Greis und Heinz Kreutz die Künstlergruppe Quadriga und mit ihr die Keimzelle des Informel in Deutschland. Das Jahr 1952 wird zum Meilenstein. Götz entwickelt seine charakteristische Technik, bei der er die Farbpigmente mit Kleister anmischt und dann auf die Leinwand bringt. Mit einer Rakel bearbeitet er anschließend den Malgrund, wobei die Farbe regelrecht weggeschleudert, verworfen und verschoben wird. Erst dann kommt auch ein Pinsel zum Einsatz und verfestigt oder verwischt die geschaffenen Formen.

Diese typische Malweise prägt vor allem seine Werke der 1950er und 1960er Jahre. Die Gemälde entstehen als Action Paintings in großer Geschwindigkeit, sind aber immer das Ergebnis einer intensiven gedanklichen Auseinandersetzung. Karl Otto Götz selbst formuliert es 1965 so: „Ich brauche Monate oder gar Jahre, um durch Gedanken- und Malexperimente zu einem neuen Bildschema zu kommen. Meine sogenannten ‚Wirbelbilder‘ z.B. zeichnen sich dadurch aus, daß sie in 3 bis 4 Sekunden gemalt werden müssen, während zur Entwicklung dieses Typs 3 bis 4 Jahre gebraucht wurden.“ Bis heute sind es diese Werke mit sich verwirbelnden Linien, aufragenden und wieder in sich zusammenstürzenden Formen und Flächen, die den Blick der Kunstsammler auf K.O. Götz ausmachen.

Inzwischen erzielen manche von Götz’ Werken sechsstellige Preise. Bei den Sammlern sind vor allem die wichtigen gestischen Werke aus den frühen Nachkriegsjahren gesucht. Aktuell führt seine Leinwand „Brien-Elven“ mit kraftvollen Schwüngen in Blau und Schwarz sowie zart leuchtend gelben Momenten von 1957 die Rekordliste seiner Auktionspreise an. Das mitteformatige Gemälde brachte bei Münchner Versteigerer Ketterer im Dezember vergangenen Jahres 140.000 Euro. Was den Auftritt auf dem Kunstmarkt betrifft, scheint 1957 das Glücksjahr für Götz zu sein. Denn auch die beiden nachfolgende Ränge belegen Werke aus dieser Zeit: Das in X-Form angelegte „Skütter“ mit einem zusätzlichen Rakelwirbel erreichte im selben Auktionshaus ein Jahr zuvor 95.000 Euro, im Dezember 2009 das in einer großen Bewegung gemalte „Ild-Feit“ bei Lempertz in Köln 70.000 Euro.

Karl Otto Götz bleibt umtriebig, experimentiert in den 1960er Jahren mit Lyrik und Film, interessiert sich für Psychologie und die Fluxus-Bewegung, nimmt an der Biennale in Venedig und an der Documenta in Kassel teil. Er lehrt als Professor an der Kunstakademie in Düsseldorf, zu seinen Schülern zählen Kuno Gonschior, Sigmar Polke, Gerhard Richter, HA Schult, Franz Erhard Walther und Paul Schwietzke.

Ab den 1970er Jahren sucht Götz, der jetzt mit seiner früheren Schülerin und nun Ehefrau Rissa in den Westerwald gezogen ist, vermehrt neue Ansätze und verarbeitet immer häufiger tagesaktuelle Ereignisse und Zeitgeschehen wie etwa die deutsche Wiedervereinigung in „Jonction I-III“ oder die Terroranschläge vom 11. September in „Menetekel I und II“. Götz erweitert außerdem seine künstlerischen Ausdrucksmittel und arbeitet nun auch skulptural. Er fertigt eine Serie von Stahlreliefs an, das 2002 entstandene „Ingrid“ kann in Chemnitz bewundert werden, ebenso wie die fünf für das dortige Museum entworfenen Bleiglasfenster von 1995.

2004 verliert Karl Otto Götz das Augenlicht, für den Maler ein Schicksalsschlag. Trotzdem arbeitet er weiter, zum Schluss mit Hilfe seiner Frau, die ihn führt. Heute ist Götz ein Maler ohne Pinsel und Farbe, Bilder entstehen nur noch in seinem Kopf. „Halluzinationen“, wie er in einem Interview mit der Zeit verrät. „Es sind Halluzinationen, Blumen, Bäume, ein leuchtender Garten. Vermutlich meine letzten Werke.“ Der hundertjährige Maler bleibt Künstler durch und durch.

In der Berliner Nationalgalerie ist die Retrospektive „K.O. Götz“ noch bis zum 2. März zu sehen, danach wandert sie nach Duisburg und Wiesbaden. Das Aachener Suermondt-Ludwig-Museum zeigt die Schau „Karl Otto Götz. Gemälde und Nebenwege“; Chemnitz eröffnet am 23. Februar die Ausstellung „K.O. Götz. Zum 100. Geburtstag“. Beide Ausstellungen können bis zum 4. Mai besucht werden. Auch das Museum Kunst Palast in Düsseldorf beteiligt am Jubiläumsreigen und stellt am dem 23. März aus der hauseigenen Sammlung Willi Kemp die „Hommage à K.O. Götz“ zusammen.



23.02.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Julia Remenyi

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Künstler:


Karl Otto Götz










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