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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Über zweitausend Jahre gestalterische Entwicklung lässt die Villa Grisebach in ihren „Ausgewählten Objekten“ Revue passieren

Thomas Mann und die Feingliedrigkeit des Jesuskindes



Jacob Auer, Maria mit dem Kind und dem Johannesknaben in einem Hausaltar, nach 1691

Jacob Auer, Maria mit dem Kind und dem Johannesknaben in einem Hausaltar, nach 1691

Wien war zu Zeiten Kaiser Leopolds I. in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts das europäische Zentrum der kunstvollen Bearbeitung von Elfenbein und so auch ein Hort der besten Künstler dieses Metiers. Jacob Auer war einer von ihnen und wurde schon von seinen Zeitgenossen, darunter auch dem Souverän selbst, gerühmt. Sie waren von der Feingliedrigkeit und der Bewegtheit seiner geschnitzten Andachtstäfelchen mit biblischen Szenen entzückt. Ein Täfelchen aus dem Bayerischen Nationalmuseum München trägt den Namen „Maria mit dem Johannesknaben“ und ist eine Variante eines weiteren Kleinods, das nun als Höhepunkt die Auktion „Ausgewählte Objekte“ bei Grisebach in Berlin mit 200.000 bis 300.000 Euro anführt. Zwei Putten räkeln sich auf einem Baum und halten hauchfein geschnitzte Zweige über den Christusknaben, der auf Marias Schoß sitzt. Johannes als Knabe steht über einem Lamm, küsst die Hand des Jesuskinds und hält einen Kreuzstab mit einer Siegesfahne und der Inschrift: „Ecce Agnus Dei“. Das um 1700 geschaffene Meisterstück ist eingefasst in einen Hausaltar, der zeitlich später angesetzt wird und schon antikisierende Züge zeigt. Die Provenienz ist bis zum Jahr 1983 unklar, als es schließlich wohl aus schwäbischem Adelbesitz den Münchner Kunsthändler Metz de Benito erreichte und dann in eine deutsche Privatsammlung überging. Von 1991 bis 2012 war Auers Kleinod als Leihgabe im Diözesanmuseum Freising zu sehen.


Unter dem Namen „Orangerie“ werden in dieser Saison erneut Kostbarkeiten, verlesen von den Mitarbeitern der Villa Grisebach, am 29. Mai unter den Hammer gebracht. Eine erstaunliche Bandbreite offenbart sich innerhalb dieser „Ausgewählten Objekte“. Von einer großen knienden männlichen Statue der Nok-Kultur aus Nigeria um 150 vor Christus mit ihrem archaischen Gestus (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) bis hin zu einer eigenhändig niedergeschriebenen Rundfunkrede Thomas Manns lassen sich die Objekte kaum annähernd vergleichen. Der große deutsche Schriftsteller wandte sich am 14. Januar 1943 zum zehnten Jahrestag von Hitlers Machtübernahme in der britischen BBC an die „Deutschen Hörer“ und endete mit Worten bewegender Weitsicht: „Möge aus seinem Fall ein Deutschland entstehen, das gedenken und hoffen kann … so wird es statt tödlichen Hasses die Liebe der Völker gewinnen“ (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR).

Abgesehen von Auer Elfenbeinschnitzerei ist die Auktion in zwei Preissegmente unterteilt. Jeweils mehr als 20 Objekte gehören entweder der fünfstelligen oder der vierstelligen Preisklasse an. Zwei Objekte Anton Graffs können beiden Segmenten zugeordnet werden. Graff war der bekannteste Portraitkünstler in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und schuf neben fremden Portraits auch 80 Selbstbildnisse mit der Intention, den eigenen Seelenblick einzufangen. Eine seiner späteren Selbstbefragungen aus dem Jahr 1806 befindet sich nun, nach langer Reise aus einem Schweizer Privatbesitz kommend, im Hause Grisebach. In dem dunkel gehaltenen Bildnis scheint der in schmalem Licht erleuchtete Graff in dem Moment des Schaffensprozesses gefangen, von dem er nur kurz den Betrachter von der Seite her anschaut, um sich im nächsten Augenblick einem noch leeren Skizzenblock zu widmen. Neben der originalen Holzpalette des Malers, die mit 1.500 bis 2.500 Euro bewertet ist, steigt das Ölgemälde für 25.000 bis 30.000 Euro auf das Auktionspult.

Ein besonders interessantes Objekt des im 18. Jahrhundert erstarkenden Tourismus ist ein in seiner Zeit modern gewordener Apparat. Er ermöglicht es, anhand einer Papierrolle in einer handlichen Dose eine neue Stadt zumindest auf dem Papier visuell zu erleben. Die sogenannte „Lindenrolle“ der Kunsthandlung Jacobi zeigt die Berliner Prachtstraße „Unter den Linden“ in fein kolorierten Details. Leider wurde diese damals teure und aufwendige Variante nur sehr selten verkauft. Umso erfreulicher ist es für das Aktionshaus, nun ein Exemplar für 20.000 bis 25.000 Euro in neue Hände geben zu dürfen. Als Mensch der Aufklärung zeigte der Kölner Bildhauer und Domvikar Kaspar Bernhard Hardy ein starkes Interesse an den verschiedenen Charakteren des Menschen. Mit dem Material Wachs gestaltete er die Empfindungen und Wesensmerkmale seiner Menschentypen, so auch die vierteilige Serie zu den Lebensaltern einer Frau (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR).

Weitere Glanzstücke der Auktion sind ein imposanter Stuhl für 10.000 bis 15.000 Euro und ein goldener Blasebalg für 1.000 bis 2.000 Euro aus Schloss Hernstein in Niederösterreich. Das einst von Erzherzog Leopold Ludwig mit dem Umbau und der Neuausstattung betraute Allroundtalent Theophil von Hansen sollte das Schloss zu seiner Zeit modern und äußerst prunkvoll umformen. Beide Möbel, um 1870 in dessen Bestand aufgenommen, sind Beispiele dieses historistisch klassizistischen Stils. Zur Einrichtung eines barocken Wohnsitzes passt dann die wandfüllende Tapisserie mit mehreren Damen in einer Palastarchitektur beim Blumenwinden als Allegorie auf den Frühling. Der Wandteppich gehört zu einer Serie von den vier Jahreszeiten und zwei Elementen aus Brüsseler Manufaktur Jan Frans van den Heckes, für die Lodewijk van Schoor, eine der bekanntesten flämischen Zeichner für Tapisserie-Kartons, die Vorlagen schuf (Taxe 35.000 bis 50.000 EUR).

Zwei religiöse Werke werden von Grisebach in eine chronologische Verbindung gebracht. Ein Stundenbuch aus dem Umkreis der Meister der Échevinage aus Rouen und ein Blatt aus einem Antiphonar aus den Gebieten Böhmen, Mähren oder Schlesien stammen beide aus der Zeit um 1470. Das Stundenbuch aus der mittelalterlichen Buchkunst-Metropole folgt dem normalen Typus, doch wurden besonders die Schutzpatrone Rouens, Romanus und Martialis, sowie die heilige Anna in ihrer Ausführung prachtvoller hervorgehoben als die restlichen zehn Illuminationen. Phantasievolle Fabelwesen wechseln sich mit üppigen und floralen Ornamenten in den Bordüren ab. Konzipiert wurde es für einen wohlhabenden Mann, dies ist anhand der männlichen Deklinationen und an der verschwenderischen Benutzung des unerschwinglichen Pergaments zu erkennen.

So leicht das Stundenbüchlein formalsystematisch zu lesen ist, gibt das Antiphonar-Blatt Rätsel auf. Das erstaunlich große und damit kostbare Pergament ist beidseitig beschriftet: Auf der einen Seite befinden sich zwei Mariengesänge, auf dessen Rückseite eine Antiphon des Psalms 23. Als humanistische Minuskel ist die Schrift in das 15. Jahrhundert einzugliedern, aber nicht vereinbar mit der Initiale, welche ins 16. Jahrhundert datiert werden muss. Außerdem handelt es sich um eine Art Collage. Die feingliedrige Bordüre und die Blattranke, welche zwei versteckte Gesichter von bärtigen Klerikern enthält, ist abgetrennt und auf die ältere Folioseite geklebt worden. Beide Handschriften sollen mindestens 10.000 Euro einspielen.

Dann steht eine Reihe von Miniaturportraits der ungarischen Herrscherdynastie Esterházy an. Sie sind Zeugnisse bewegender Momente im Leben der Protagonisten. Zwei zeigen die Eheleute Esterházy-Roisin, wobei eines als Selbstportrait aus der Hand Nikolaus Esterházys und das andere von Friedrich Heinrich Füger stammen. Hinter den Portraits verbirgt sich eine Liebesgeschichte. Der talentierte und verliebte Graf Nikolaus zeichnete 1799 sein Bildnis mit Silberstift auf Elfenbein, um es seiner Angebeteten und späteren Frau Gräfin Marie-Françoise Esterházy, geborene de Baudry, Marquise Roisin, zu übersenden (Taxe 6.000 und 8.000 EUR). Füger verwandelte Marie-Françoise in seinem Aquarell um 1795 zur Hebe, zur Göttin der Jugend (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR).

Die nächste Miniatur stellt die Schwester Nikolaus’ dar, Gräfin Antoinette Esterházy, gefertigt von Franziska Schöpfer, die es in München bis zur Hofmalerin brachte. In einem Hochzeitskleid und Blumen in den Haaren präsentiert Antoinette stolz ihren 1801 neu erworbenen Ehering (Taxe 12.000 bis 14.000 EUR). Auf dem letzten Bildnis stellt Johann Maria Monsorno Madame Royale de France, die letzte überlebende Tochter Louis XVI., höchstpersönlich vor. Marie-Thérèse Charlotte befand sich kurz nach der Entstehung des Portraits um 1796/99 auf ihrer Hochzeitsreise nach Russland. Im Gefolge dieser Dame reiste ein Teil der Esterházy-Familie, darunter auch die eben erwähnte Frau des Grafen Nikolaus; deshalb die Existenz ihrer Miniatur in der Sammlung-Esterházy.

Einem anderen Genre widmen sich zwei Skizzenbücher aus dem späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Victor Paul Mohn, der Schüler des großen romantischen Zeichners und Malers Adrian Ludwig Richter, erhielt der Auftrag, eine Teilausgabe der Märchen der Gebrüder Grimm neu zu illustrieren. Das Buch „Märchen-Strauß für Kind und Haus“ wurde am 24. Mai 1882 mit 42 Chromolithographien Mohns veröffentlicht und ein Riesenerfolg. Das Auktionshaus Villa Grisebach bietet nun eine Zusammenstellung mit 34 Illustrationsentwürfen für 5.000 bis 7.000 Euro an. Der Grafiker Louis Gilbert gestaltete Einbände für Georges Cretté und Pierre Legrain, namhafte französischen Buchkünstler des Art Déco. In Gilberts mit 250 Ideen gefüllter Arbeitsmappe ist der neue Trend des Buchdesigns sichtbar: Die Gestaltung erstreckt sich über den kompletten Umschlag und ist von der Ästhetik der Gegenwartsplastik geprägt, wobei auch die Titel in das Ganze einbezogen sind. Diese umfangreiche Sammlung offeriert Grisebach für 8.500 bis 10.000 Euro.

Die Auktion „Ausgewählte Objekte“ beginnt am 29. Mai um 11 Uhr. Die Besichtigung läuft vom 23. bis zum 26. Mai von 10 bis 18 Uhr, am 27. Mai von 10 bis 17 Uhr. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.villa-grisebach.de.

Kontakt:

Grisebach

Fasanenstraße 25

DE-10719 Berlin

Telefon:+49 (030) 885 91 50

Telefax:+49 (030) 882 41 45

E-Mail: auktionen@grisebach.com



22.05.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ann-Claudine Simmer

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