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Am 16.07.2020 Auktion 67: Moderne, Post War & Zeitgenössische Kunst

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Am Badestrand / Otto Pippel

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Kentaur, 1891/93 / Franz von  Stuck

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© Kunsthandel Ron & Nora Krausz


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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Moderne und zeitgenössische Kunst bei Neumeister in München

Expressionistische Schwangere



Egon Schiele, Sitzender schwangerer Akt mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen, 1910

Egon Schiele, Sitzender schwangerer Akt mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen, 1910

Für seine kommende Versteigerung moderner und zeitgenössischer Kunst konnte das Münchner Auktionshaus Neumeister zwei besondere Stücke expressionistischer Farbzeichnung akquirieren. Zum einen handelt es sich um Egon Schieles aquarellierte und in schwarzer Kreide konturierte Darstellung eines sitzenden schwangeren Aktes mit ausgebreiteten Armen und gespreizten Beinen. Geschaffen hat der damals etwa zwanzigjährige Künstler das für ihn selbst nicht ungewöhnliche, für die Zeit, in der er lebte, aber ungemein radikale Bild im Jahr 1910. Dass die Frau kein Gesicht hat, liegt an den Entstehungsumständen; denn die Schiele von einem befreundeten Mediziner als Modelle zur Verfügung gestellten schwangeren Frauen sollten anonym bleiben. Zum anderen gelangt Paul Klees 1918 datierter „Garten“ mit fantastischer Architektur und Botanik unter nachtblauem Himmel zum Aufruf. Das in Aquarell und Tempera auf hochformatigem Kupferdruckpapier fixierte Bild gelangte nach zwei Ausstellungen 1919 in Privatbesitz. Beide Blätter sind durchaus anspruchsvoll taxiert: Der Schiele soll 600.000 bis 800.000 Euro, der Klee 400.000 bis 450.000 Euro kosten.


Zu haben sind diese Arbeiten in den gut fünfzig „Ausgewählten Werken“, die die über dreihundert Losnummern umfassende Veranstaltung am 5. Juni gegen Abend beschließen werden. Zu einem regelrechten Trio expressionistischer Meisterzeichnungen werden sie durch Emil Noldes „Rote und gelbe Blüten (Mohn und Rudbeckien)“ ergänzt, wenngleich dieses ebenfalls in Aquarell und Tempera gestaltete Blatt erst in die Zeit um 1950 datiert (Taxe 150.000 bis 180.000 EUR). Bei 90.000 bis 120.000 Euro rangiert Conrad Felixmüllers Ölbild „Die himmlische Rose – Londa mit der Heckenrose“ aus dem Jahr 1927. Das schöne, für den ausgewiesenen Expressionistischen fast ein wenig gefällige Portrait vor einer weiten Wiesen- und Waldlandschaft ist eine Liebeserklärung an seine Frau Londa Freiin von Berg, mit der er seit 1918 bis zu seinem Tod 1977 verheiratet war. Sich selbst hat Felixmüller 1967 im Alter von 70 Jahren auf einem Aquarell verewigt, auf dem er hinter einem Zeichenbrett direkt den Betrachter anblickt (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Noch mehr Expressionismus gibt es auch dem Nachlass Emil Maetzels. Bei den sieben zwischen 1932 und des Künstlers Tod 1955 datierten Ölbildern handelt es sich ausschließlich um Stillleben, häufig mit Masken oder anderen Skulpturen aus fernen Kulturkreisen (Taxen zwischen 2.500 und 10.000 EUR).

Freunde symbolistischer Bilderfindungen werden sich vielleicht über Adolf Frey-Moocks 1910 hieratisch verbildlichte Muse „Euterpe“ mit Doppelflöte und damit über das Werk eines Künstlers freuen, der nicht zur ersten Garde gehörte und trotzdem Meisterliches hinterließ (Taxe 14.000 bis 16.000 EUR). Mit Pastellkreide hat Franz von Stuck um 1894 das Rückenbildnis einer sich umwendenden Frau mit hochgestecktem Haar in monochromen Brauntönen entwickelt (Taxe 12.000 bis 15.000 EUR). Diesseitsbezogen zeigt sich eine halbrund geschlossene farbfrohe Supraporte aus dem Jahr 1912, für die Leo Putz die chinesische Figur und den Papagei, seine Frau Frieda Blell die überbordende Blumenranke schuf (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR). Als Vertreter der Neuen Sachlichkeit steuert Franz Lenk eine kühle, winterliche „Hohenloher Landschaft“ in Gouache aus dem späten Schaffensjahr 1961 bei (Taxe 7.200 bis 8.000 EUR).

Teuerster Abstrakter ist Serge Poliakoff mit der 1968 ein Jahr vor seinem Tod entstandenen „Composition jaune et bleue“, die nur noch mit drei ineinander gestaffelten Farbbereichen auskommt (Taxe 70.000 bis 80.000 EUR). Ein unverwechselbares Streifenbild Günter Fruhtrunks wohl von 1974, diesmal mit vertikaler Einteilung und in dominierendem Grün und Rot über Schwarz, liegt bei 35.000 bis 40.000 Euro. Als Untertitel ist „Empfindung“ überliefert. Als früher Abstrakter nimmt László Moholy-Nagy mit einer freien geometrischen Linien- und Kreiszeichnung aus seinem Todesjahr 1946 an der Auktion teil (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Auf der Schwelle zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion changiert Johann Georg Müller, von dem Neumeister mit der kubistisch anmutenden „Tänzerin“ von 1959, dem Stillleben „Birnen“ in verknappten Formen von 1972 und der eng umschlungenen „Mutter und Kind“ von 1980 gleich drei charakteristische Werke für Schätzpreise zwischen 20.000 und 50.000 Euro anbieten kann.

Als Klassiker der amerikanischen Pop Art hängen Andy Warhols schwarz-weiße Serigrafie „Campbell’s Soup Can (Tomato)“ auf einem T-Shirt von circa 1981 (Taxe 35.000 bis 45.000 EUR) und Tom Wesselmanns farbig gefasster und umrissbetonter Stahlschnitt „Rosemary with socks, arms outstretched“ von 1989/90 bereit (Taxe 18.000 bis 22.000 EUR). Als noch lebender Vertreter dieser Stilrichtung tritt der 1939 geborene Engländer Peter Phillips an. Sein großformatiges, stilllebenartiges „Crossing“ von 1978/79 in Öl und Leinwandcollage kombiniert Florales, geometrische Gebilde und Bilder im Bild in freier Gruppierung zueinander (Taxe 16.000 bis 18.000 EUR). Damien Hirst erfreut den Betrachter mit einem herzförmigen „Spin painting“, das er 2009 eigens für die Ausstellung „Requiem“ im Privatmuseum „Pinchuk Art Center“ in Kiew angefertigt hat. Dieses wiederum basiert auf der Privatsammlung des ukrainischen Unternehmers Victor Pinchuk, der ein großer Fan des britischen Künstlers ist (Taxe 20.000 bis 25.000 EUR).

1981 meldete sich Jörg Immendorff nach einer Gastprofessur an der Kunsthochschule in Stockholm mit dem Querformat „Acht Bilder von der Nordfront – Für Dich zurück“ in Düsseldorf und spielte damit gesellschaftskritisch – wie üblich – auch auf den Zweiten Weltkrieg an (Taxe 15.000 bis 20.000 EUR). Für die zeitgenössische Kunst stehen ferner großformatige Arbeiten, die sich zwischen Gegenständlichkeit, Abstraktion und Surrealismus oder – zeitgemäßer formuliert – „Fantasy“ bewegen. Das eine ist Steve DiBenedettos kristallines, an eine Großstadt erinnerndes „Fuse“ mit Hochhaus, Krake und Helikopter, drei im Werk des 1958 geborenen Amerikaners besonders häufig vorkommenden Motiven. Er malte das Bild 2006 und ließ es über seine Haus-und-Hof-Galerie David Nolan in New York veräußern (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR). Das andere Gemälde stammt von der seit 2006 an der Akademie in Karlsruhe lehrenden Corinne Wasmuht, besteht aus drei Teilen, misst insgesamt fünfeinhalb Meter in der Breite und gibt eine fluchtpunktartig aufgebaute Scheinarchitektur frei, die den Betrachter in ein Geflecht von Linien und Flächen verstrickt und bei längerem Hinsehen regelrecht verschluckt. „Paraná“ ist der Titel des 2003 geschaffenen Triptychons, das 8.000 bis 10.000 Euro einspielen soll.

Der Japaner Yoshitomo Nara ist mit einer unbetitelten Acrylzeichnung auf knapp halbmeterhohem Papier vertreten, die 1993 mithilfe weniger Motive auf den umstrittenen Walfang seines Heimatlandes aufmerksam zu machen scheint (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR). Aus China kommt Ling Jians wohl nicht weniger gesellschaftskritisch gemeinter Portraittondo „Tear of Idealism – White Snow“ von 2008 für 130.000 bis 135.000 Euro zum Aufruf. Ost und West mischt der 1965 in Frankfurt geborene und heute in London lebende Tilo Kaiser auf einer collagierten Malerei, die eine Berglandschaft mit kahlen Bäumen, umherfliegenden Blättern über asiatischen Schriftzeichen evoziert (Taxe 8.000 bis 12.000 EUR). Als Plastiker tritt der 1967 geborene Däne Olafur Eliasson mit der sechsteiligen kristallinen Edelstahlskulptur „Negative quasi brick“ von 2003 an, die variabel aufzubauen ist und in ihrer Eigenart nicht denkbar ist ohne das Licht, das die polierten Flächen reflektieren sollen (Taxe 15.000 bis 18.000 EUR). Herbert Hamak ist für seine minimalistischen Farbplastiken bekannt, etwa der gut 150 Zentimeter hohen rechteckigen Stelen, die ein lilafarbenes Tiefenlicht zu erzeugen scheint (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Mit einem überdimensionierten Gasfeuerzeug, auf dem Portraits von Künstlergrößen des 20. Jahrhunderts collagiert sind, hat Thomas Hirschhorn 2004 in einem Pariser Vorort auf das „Musée Précaire Albinet“ aufmerksam gemacht. Das explizit gesellschaftspolitisch gedachte Multiple soll 5.000 bis 7.000 Euro erwirtschaften.

Knapp 300 Positionen mit Preisen im drei- und vierstelligen Euro-Bereich hat Neumeister dem Hauptteil vorgeschaltet und sie in Klassische Moderne und Zeitgenössische Kunst unterteilt. Eines der ältesten Werke ist Albert Weisgerbers Mutter, die mit ihrem nackten Kind im Schoß des Nachts unter Kopfweiden sitzt und angstvoll gen Himmel blickt. Die Gouache datiert ins Jahr 1904 (Taxe 800 bis 1.200 EUR). Symbolistisch bleibt es mit Heinrich Vogelers bekannter Radierung „Frühling“ aus dem Jahr 1896 oder Erich Erler-Samadens bodenständig-kräftigem Gemälde „Johannis-Feuer“ in der alpinen Bergwelt (Taxe 2.500 bis 3.500 EUR). Zur Münchner Künstlergruppe „Scholle“ gehörte auch Reinhold Max Eichler, der 1907 ein Mädchen mit Frühlingsstrauß lebensvoll vor einer Waldlandschaft impressionistisch in Szene setzte (Taxe 2.200 bis 2.500 EUR). Für das Münchner Satireblatt „Simplicissimus“ schufen Olaf Gulbransson 1931 die Illustrationsvorlage „Stalins Fünfjahresplan und die Weltkrise“ (Taxe 800 bis 1.000 EUR) und Erich Schilling 1922 „Das Porträt“. Auf der Zeichnung ist eine Frau doch sehr vom ihren kubistischen Bildnis überrascht, auf dem sie sich im Atelier eines Malers nicht erkennt (Taxe 600 bis 800 EUR).

In die Berliner Kunstszene des frühen 20. Jahrhunderts weisen Lesser Urys impressionistische Radierung eines Herrn mit Zylinder „Im Café“ von 1923 (Taxe 1.500 bis 1.800 EUR) oder Jeanne Mammens Aquarell „Café Boul’ Mich“ um 1910/14, auch wenn die Berlinerin das etwas tröge blickende Paar in einem Kaffeehaus am Boulevard Saint-Michel in Paris entdeckt hat (Taxe 5.500 bis 6.000 EUR). Waschechter Pariser in Fernand Piet, aus dessen Nachlass Neumeister wieder einmal sechs kleinere postimpressionistische mit Szenen aus der Bretagne oder der Hauptstadt für bis zu 1.800 Euro offerieren kann. Henri Michaux unterstützt ihn mit der existenziellen „Composition aux trois figures“ von 1959 (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Von fauvistischen Ideen, besondes von der Kunst Pierre Bonnards ist Rudolf Grossmanns Interieur „Lesende am Fenster“ von 1924 beeinflusst (Taxe 1.000 bis 1.500 EUR).

Den Auftakt der Zeitgenössischen Kunst gestaltet Hans Peter Adamski mit immerhin 18 Losnummern. Zur neoexpressiven Kunst des Neuen Wilden gehören der „Centaur“ über brennendem Rot von 1983 (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR) genauso wie ein motivreiches Acrylgemälde von 1988 mit Kreuz, asiatischem Liebespaar, Rose und Vogelranke (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR), mehrere Zeichnungen oder Reliefs, darunter den aus Cortenstahl geschweißten „Trinker“ von 1984 (Taxe 1.500 bis 2.000 EUR). Bernd Zimmer ließ 1982 auf einer farbigen Zeichnung eine Berglandschaft entstehen (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Michael Morgner rekurriert in seiner kleinen Mischtechnik „Ecce Homo“ von 1992 auf den geschundenen Menschen (Taxe 800 bis 1.000 EUR). Im selben Jahr fertigte Günther Uecker fünf abstrakte Prägedrucke mit unterschiedlich dicht angeordneten Punkten (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR).

Ungegenständlich bleibt es bei zwei Farblithografien mit Rechteckkörpern von Imi Knoebels aus dem Jahr 1986, Jan Voss’ Aquarell mit einer vierreihigen Anordnung von Formelementen, das die Buchstabenfolge des Alphabets sein könnte (Taxe je 2.000 bis 2.500 EUR), und Peter Langs „Neumond“; denn auf dem schwarzen Ölgemälde von 2006 entdeckt man nur ein zartes horizontales Streifenmuster (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Das genaue Gegenteil schafft der Amerikaner Matt Brackett in seinen hyperrealistischen Gemälden, wie dem „Nightfall“ von 2007, auf dem mehrere Jugendliche in einer Schneelandschaft den nächtlichen Himmel bei Schlaglicht beobachten (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Einen malerischen Zugriff auf die Realität formuliert dann Klaus Fußmann in seinem „Stillleben im Atelier Hardenbergstr.“ von 1976 (Taxe 5.000 bis 7.000 EUR), Dieter Roth verfremdet die Silhouette von München mit der Frauenkirche in seiner Farbserigrafie von 1971 zu einem Rot-Grün-Kontrast (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR), und der Tscheche Miroslav Tichý, der für seine manischen Fotografie von Frauenkörpern bekannt ist, hat sich um 1950 in einem liegenden Mädchenakt auch zeichnerisch dem Objekt seiner Begierde genähert (Taxe 1.000 bis 1.200 EUR).

Die Auktion beginnt am 5. Juni um 15 Uhr, die „Ausgewählten Werke“ folgen um 18 Uhr. Die Besichtigung ist bis zum 3. Juni täglich von 9 bis 17:30 Uhr, samstags und sonntags von 11 bis 17 Uhr möglich. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.neumeister.com.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



31.05.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander/Ulrich Raphael Firsching

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Paul Klee, Garten,
 1918
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Egon Schiele, Sitzender schwangerer Akt mit ausgebreiteten Armen und
 gespreizten Beinen, 1910
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Paul Klee, Garten, 1918

Paul Klee, Garten, 1918

Taxe: 400.000 - 450.000 EURO

Zuschlag: 400.000,- EURO

Losnummer: 323




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