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Knieende(r), 1907/1908 / Ernst Barlach

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Aktuellzum Archiv:Museumsportrait

Die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München punktet mit einer eigenen Abteilung zur Neuen Sachlichkeit und zeigt auf Dauer unter dem Motto „Menschliches, Allzumenschliches“ einiges, was lange im Depot schlummerte

Von der Melancholie sachlicher Bilder



Mit seiner exzellenten Sammlung zum Blauen Reiter, mit Gemälden Wassily Kandinskys, Franz Marcs und Gabriele Münters ist das Münchner Lenbachhaus weltberühmt geworden. Dass diese städtische Galerie eine respektable Kollektion von Werken der Neuen Sachlichkeit besitzt, ist etwas aus dem Blickfeld geraten. Dabei kann man ein Bild wie Christian Schads „Operation“ von 1929 weder übersehen, noch jemals wieder vergessen. Hier gibt es keine Emotionen, die Beteiligten funktionieren wie ein Uhrwerk. Die Sterilität des Operationssaals bestimmt die Atmosphäre auf dem Gemälde. Jedes Detail ist in einem peniblen Realismus erfasst. Technisch orientiert sich Schad an den Meistern des 15. und 16. Jahrhunderts. Die Gesichter und das Inkarnat sind fein ausgearbeitet, die Gewänder und Tücher mit ihren Falten, nahezu plastisch dargestellt. „Ein Weltklasse-Bild“, sagt Matthias Mühling, Direktor des Münchner Lenbachhauses zur Eröffnung der neukonzipierten Abteilung der Neuen Sachlichkeit.


Schads Gemälde ist ein Musterbeispiel für die Auffassung, dass die Neue Sachlichkeit die Malerei des unterkühlten Blicks ist. Doch wenn man Alfred Hawels subtiles, selbstreflexives „Selbstporträt als Gruppe“ von 1929, Herbert Plobergers buntes, ins Surreale gezogenes „Selbstbildnis mit ophthalmologischen Lehrmodellen“ von 1928/30 und vor allem Lotte Lasersteins distinguiert zurückhaltendes Damenporträt „In der Taverne“, das erst vor zwei Jahren in einem Münchner Auktionshaus wiederentdeckt wurde und hier als Privatleihgabe erstmals öffentlich gezeigt wird, wenn man diese Gemälde anschaut, weiß man, dass die Dispute um die Neue Sachlichkeit noch nicht am Ende sind. Die jüngste These, die diesen Bildern statt Kühle eher Melancholie zuschreibt, bekommt mit der Neupräsentation im Lenbachhaus neuen Diskussionsstoff.

Allein die genannten Künstler machen deutlich, dass die Neue Sachlichkeit ein Stil mit vielen Facetten ist. Er nahm seinen Anfang um 1920. Die seelische Erschütterung durch den Ersten Weltkrieg ergriff Literaten und Maler. Ernüchtert und desillusioniert wandten sie sich von den avantgardistischen Experimenten des Expressionismus, Kubismus und der Abstraktion ab, um sich nun ganz sachlich der Wirklichkeit zuzuwenden. Man malte wieder gegenständlich.

Man hat die Malerei diese Zeit lange als distanziert und objekthaft bezeichnet. Aber seltsamerweise vereint das Lenbachhaus vor allem Menschenbilder und genau beobachtete Alltagsdarstellungen. Manche sozialkritisch, andere intim persönlich, andere wieder mit analytischer Neugierde. Ein Realismus der Beiläufigkeit in leicht verzerrter Manier findet sich auf vielen Gemälden, wie auch auf Rudolf Schlichters Bildnis Bert Brechts in zerknitterter Lederjacke. Zu groß erscheint die Hand, die den markanten Zigarrenstummel zwischen den Fingern hält, der Bildausschnitt ist bewusst nicht nach dem Goldenen Schnitt gewählt. Überzogen plastisch und perspektivisch leicht aus den Fugen geraten hat sich der Maler Wilhelm Heise an einem Tisch voller Metallteile, Radioröhren und Blumentöpfe als zurückgezogener, vom Perfektionismus eines Rundfunktechnikers weit entfernter Radiobastler selbst dargestellt. Das frühe 20. Jahrhundert mit all seinen Hoffnungen und Aufbrüchen, mit Utopien und Selbstzweifeln spricht aus diesen Bildern, ebenso bei Willi Geigers „Korpsstudenten“: Das Gestrige hat kaputte, fratzenhafte Züge bekommen. Wie erstarrt, aber ohne jegliches Pathos hat Josef Scharl den „Gefallenen Soldaten“ 1932 wie die Antizipation noch bevorstehender Gräuel gemalt.

Schon der Kunstwissenschaftler Gustav Hartlaub, der 1925 die Ausstellung „Neue Sachlichkeit“ kuratierte und der neuen Malerei den Namen gab, glaubte in dieser Kunst zwei Richtungen zu erkennen, die auch Kuratorin Karin Althaus in ihrer Konzeption zum Ausdruck bringt: der linke Flügel mit den sozialkritischen, politisch ambitionierten Bildern, und der rechte mit zeitlosen Sujets und Stillleben. Manchmal trifft man beide Richtungen im Œuvre ein und desselben Malers. 1918 etwa stellte Georg Schrimpf seinen Freund Oskar Maria Graf mit dem Selbstbewusstsein eines revolutionär jungen Mannes vor eine futuristische Großstadtkulisse. Ein paar Jahre später lässt er sich von der Italienromantik des 19. Jahrhundert leiten und postiert ein junges Mädchen auf den Balkon hoch über den Dächern einer italienischen Küstenstadt.

Bei der Neukonzipierung der Ausstellung musste man feststellen, dass der linke Flügel mit den sogenannten Veristen im Münchner Lenbachhaus eine Leerstelle im Bestand darstellt. Otto Dix’ Gemälde „Mutter mit Kind“ und George Grosz’ groteske Bordellszene „Mann und Frau“ schließen nun als Leihgaben des Kunstmuseums Stuttgart und aus Privatbesitz die Lücke zumindest für die nächsten eineinhalb Jahre. Vielleicht werden einige jene Sujets vermissen, wie man sie aus dem Berliner Nachleben der wilden 1920er Jahre kennt. Die Neupräsentation im Lenbachhaus hat einen anderen Vorzug. Sie macht die Dimension der Neuen Sachlichkeit zwischen Zeit- und Sozialkritik und intimer Reflexion als Ausdruck von Lebensbejahung deutlich, die mit Machtantritt der Nationalsozialisten ein böses Ende fand oder ideologisch instrumentalisiert wurde.

Das Lenbachhaus hat täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr, dienstags zusätzlich bis 21 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 10 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre ist er kostenlos.

Kontakt:

Städtische Galerie im Lenbachhaus

Luisenstraße 33

DE-80333 München

Telefax:+49 (089) 23 33 20 03

Telefon:+49 (089) 23 32 00 00

E-Mail: lenbachhaus@muenchen.de



03.08.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Sabine Spindler

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Veranstaltung vom:


22.07.2014, Menschliches, Allzumenschliches - Neue Sachlichkeit im Lenbachhaus

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