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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Mondrian, Giacometti, Picasso, Miró – große Namen waren bei Christie’s in London vertreten. Doch die Verkaufszahlen blieben hinter den Erwartungen zurück. Nur Kurt Schwitters könnte die Kunden verführen

Ja, was denn?



Auf der Suche nach neuen künstlerischen Ausdrucksformen entdeckte Kurt Schwitters die Dada-Bewegung für sich, was seinem rebellischen und humorvollen Naturell entsprach. Daher wurde die Collage für ihn zum Hauptbetätigungsfeld. Aus Zeitungsschnipseln, Stoffen, Fahrscheinen, Haaren, Holz, Bildfäden, Pappe, Spielkarten und Nägeln fabrizierte er lustvoll seine „Merz-Bilder“. In der Wahl von Objekten des täglichen Bedarfs sah er eine Grenzüberschreitung von Alltag zu Kunst, von Skulptur zu Gemälde, und griff die Nachwehen des Ersten Weltkriegs auf, indem er zerstörte und zerbrach und alles wieder in der Collage vereinigte. So mutierte Schwitters’ „Ja – Was? – Bild“, eines seiner wenigen frühen Merz-Reliefbilder, das noch nicht im Besitz eines Museums ist, bei Christie’s zum Star der Auktion „Impressionist / Modern Evening Sale“ in London. Die Rarität aus dem Jahr 1920 war mit 4 bis 6 Millionen Pfund schon hoch angesetzt, was dem Vierfachen des bisherigen Höchstpreises für Schwitters entsprach. Doch dabei blieb es nicht. Ab 6 Millionen Pfund lieferten sich nur noch zwei Bieter ein Telefonduell, das ein Sammler in der New Yorker Repräsentanz von Christie’s letztlich für sich entschied und mit 12,4 Millionen Pfund den neuen Auktionsrekord für ein Schwitters-Werk aufstellte.


Schwitters’ Collage kam aus der Neusser Sammlung von Viktor und Marianne Langen, die noch acht weitere Kunstwerke zur Auktion beisteuerte. Drei davon blieben unverkauft, darunter Max Ernsts Ölbild der gesichtslosen „Deux Jeunes Filles“ von 1926 (Taxe 1 bis 1,5 Millionen GBP). Gut platzierten sich dagegen Ernsts 1,20 Meter lange, auf Gipsgrund gemalte Arbeit „Rien n’est incompréhensible“ von 1923 bei 540.000 Pfund (Taxe 250.000 bis 350.000 GBP), sein geschabter „Forêt“ von 1927 mit Mond- und Vogelmotiv bei 700.000 Pfund zur doppelten Schätzung und nochmals Kurt Schwitters mit seinem späten Gips- und Objektrelief „Das Korbbild“ von 1940 bei 560.000 Pfund (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP). Joan Mirós abstraktes filigranes Traumbild „Painting (The Circus Horse)“ von 1925 gehörte mit seinen 2,6 Millionen Pfund zu den Top Ten der Auktion (Taxe 1,4 bis 2 Millionen GBP), und auch Fernand Légers dynamisch kubistische und lyrisch abstrakte „Paysage à l’arbre bleu“ von 1937 brachte die erwünschten 1 Million Pfund ein. Nach dem guten Abschneiden bei der New Yorker Auktionsrunde im Mai, konnten sich die Langen-Erben nun noch mal über netto 17,8 Millionen Pfund freuen.

Der Abend des 24. Juni lief für Christie’s aber nicht ganz so, wie erhofft. Zwar drängten sich Kunsthändler und Sammler um die 60 hochkarätigen Lose in der King Street, doch diesmal musste das Traditionshaus gegenüber seinem Erzrivalen zurückstecken. Einen Abend zuvor erst hatte Sotheby’s Monets Seerosenbild für netto 28,25 Millionen Pfund versteigert, nur vier der 46 angebotenen Lose wieder zurücknehmen müssen und ein Endergebnis von 122 Millionen Pfund eingespielt. Man war schon fast daran gewöhnt, dass der große Konkurrent Christie’s meist die Nase vorne hat. Doch ging hier ein Drittel der eingelieferten Kunstwerke an die Einlieferer zurück, und etliche der 40 verkauften Positionen blieben unter den Schätzpreisen. Bei einer losbezogenen Zuschlagquote von 67 Prozent und einem Erlös 85,7 Millionen Pfund hielt sich Christie’s diesmal auffallend mit Superlativen zurück. So stellten sich auf der Rückgangsliste etwa Wassily Kandinskys abstraktes Formenspiel „Schwebender Druck“ von 1931 (Taxe 2 bis 3 Millionen GBP) und – ebenfalls aus der Sammlung von Rudolf und Leonore Blum – Piet Mondrians rechtwinkelige Flächenmalerei „Composition A, with Double Line and Yellow“ von 1935 ein (Taxe 5 bis 8 Millionen GBP).

Auch die Hälfte der sieben Skulpturen und des Ölbilds von Alberto Giacometti erreichte den Reservepreis nicht und wurde zurückbehalten. Das schwache Abschneiden lässt sich mit den aggressiven Schätzpreisen erklären, die wohl einige Kunstliebhaber abgeschreckt haben dürften. Bei der ungewöhnlichen und fragilen Bronze „La Main“ aus dem Jahr 1947, die auf 10 bis 15 Millionen Pfund taxiert worden war, stockten die Gebote schon bei 9,5 Millionen, und das stark beworbene Exponat wanderte zurück ins Depot. Anders verhielt es sich bei Giacomettis fadendünner „Femme de Venise II“, einer mit goldener Patina überzogenen Plastik von 1956. Sie erreichte die untere Taxgrenze von 8 Millionen Pfund. Auch „Annette IV“, eine Bronzebüste von Giacomettis Ehefrau Annette, erfüllte die Erwartungen mit 1,5 Millionen Pfund (Taxe 1,5 bis 2 Millionen GBP), während ihr grau gemaltes, ebenfalls existenzialistisches Portrait von 1954 bei 3,5 bis 5,5 Millionen Pfund niemand haben wollte. Giacomettis farbig bemalte „Nu debout II“ aus einer gemeinnützigen Schweizer Stiftung blieb mit 1,6 Millionen Pfund dann etwas hinter ihrem Schätzwert von 2 bis 3 Millionen Pfund zurück.

Fernand Légers Skizze „Contraste de formes“ ist ein Vierteljahrhundert vor der Landschaft mit dem roten und dem blauem Baum entstanden und illustriert seine Passion für den Kubismus. Hier gab es die untere Taxe von 1,2 Millionen Pfund. Obwohl „L’artiste et le modèle nu“ von Henri Matisse nicht die angestrebte Summe von 7 bis 10 Millionen Pfund erreichte, belegte das charakteristische ornamentale Interieur mit 6 Millionen Pfund den dritten Platz auf der Rangliste der teuersten Lose, gefolgt von Franz Marcs „Kinderbild (Katze hinter einem Baum)“. Das in leuchtenden Farbflächen zwischen 1910 und 1911 gemalte Ölbild aus dem Nachlass des 2013 verstorbenen Herforder Bekleidungsunternehmers und Kunstsammlers Jan Ahlers wechselte für 5,5 Millionen Pfund den Besitzer (Taxe 5 bis 7 Millionen GBP), während Gabriele Münters „Gelbes Haus mit Schneebäumchen“ um 1909 – ebenfalls mit Ahlers-Provenienz – keinen Liebhaber fand (Taxe 300.000 bis 400.000 GBP). Aus der Ravensburger Sammlung Selinka stammte Ernst Ludwig Kirchners „Nacktes Mädchen vor grünem Sofa“ von 1908, das zur unteren Taxe von 2 Millionen Pfund nun in eine andere europäische Privatsammlung übersiedelt.

Zu einem der begehrtesten Künstler des Abends avancierte der belgische Surrealist René Magritte. Alle vier Werke fanden einen Käufer, die meisten konnten zudem Steigerungen verzeichnen. 1,9 Millionen Pfund war einem Bieter die Gouache „La belle promenade“ von 1965 wert, die eine männliche Wolken-Silhouette mit viel Ähnlichkeit zu Magritte vor bewachsenem Hintergrund zeigt. Sie wechselte erst einmal den Besitzer und war vom Auktionshaus auf 700.000 bis 1 Million Pfund geschätzt worden. Dicht dahinter rangierte mit 1,3 Millionen Pfund die nächtliche Traumlandschaft „La voix du sang“ mit einem Haus in einem Baumstamm von 1960 (Taxe 500.000 bis 700.000 GBP). Magrittes Bronze-Vorhänge, die in ihrer Komposition dem Gemälde „La Joconde“ von 1962 gleichen und auch so benannt sind, gingen für 750.000 Pfund an einen neuen Besitzer (Taxe 400.000 bis 700.000 GBP). Unter Wert verkaufte sich lediglich das Schlusslicht der Auktion, das Ölbild „Le changement des couleurs“ von 1928: Magrittes eher unspektakuläres Feld mit weißen Blumen vor einem bedrohlichen blutroten Hintergrund kam nur auf 680.000 Pfund (Taxe 700.000 bis 1 Million Pfund).

Auch von den älteren Meistern des Impressionismus hatte sich Christie’s wohl mehr erhofft. Nach dem vorabendlichen Erfolg im Hause Sotheby’s schaute man gespannt auf die beiden in den 1880er Jahren entstandenen Küstenlandschaften von Claude Monet, doch lediglich die signierte und datierte „La côte de Varengeville“ fand für 2,5 Millionen Pfund einen spendablen Käufer (Taxe 1,5 bis 2,5 Millionen GBP), das schlichtere Motiv „L’Hiver près de Lavacourt“ von 1880 bewältigte nur 1,3 Millionen Pfund (Taxe 1,4 bis 2 Millionen GBP). Mit 3,1 Millionen Pfund blieb „La Montagne Sainte-Victoire vue des Lauves“, von Paul Cézanne mit Wasserfarben und Bleistift in den Jahren 1902 bis 1906 gezeichnet, ebenfalls hinter den zu hoch gesteckten Erwartungen des Auktionshauses von 3,5 bis 5,5 Millionen Pfund zurück. Vergleichsweise unergiebig waren auch die Ergebnisse für die beiden Damenbildnisse Pierre-Auguste Renoirs. Das Porträt seiner Muse „Madeleine au corsage blanc et bouquet de fleurs“ um 1915/19 konnte nur für 800.000 Pfund veräußert werden (Taxe 800.000 bis 1,2 Millionen GBP), und das wie unter Weichzeichner gelegte Gemälde einer stickenden „Jeune femme brodant à la fenêtre“ erreichte mit 550.000 Pfund noch nicht einmal seine Schätzungen von 600.000 bis 900.000 Pfund.

Den Erlös von Christie’s noch einmal etwas erhöhen konnten zwei weitere Arbeiten Joan Mirós. „Femme à la voix de rossignol dans la nuit“, die mit starken, schwarzen Konturen gerahmten Farbflächen in Rot, Gelb, Grün und Blau, wurde mit 4 Millionen Pfund zum fünfterfolgreichsten Stück der Versteigerung (Taxe 4 bis 6 Millionen GBP). Seine naiv-abstrakten Formfindungen „L’Etoile se lève, les oiseaux s’envolent, les personnages dansent“ von 1954 blieben mit 1 Million Pfund unter den erwarteten 1,2 bis 1,8 Millionen Pfund. Zu Buche schlugen zudem eine kleine weibliche Bronzefigur auf vier Treppenstufen mit brauner und grüner Patina von Henry Moore bei 1,4 Millionen Pfund (Taxe 1,4 bis 1,8 Millionen GBP) sowie „La femme amphore“ von Hans Arp aus der Stiftung des Künstlers und seiner Frau, ein organisches Relief aus rotbraun bemaltem Holz in einem gemalten Rahmen von 1929, das für 1,55 Millionen Pfund das Auktionshaus verließ (Taxe 1,6 bis 2,4 Millionen GBP).

Dass mit nackter Haut oder einem kleinen Skandal heutzutage Geld gemacht werden kann, bewiesen abschließend zwei Exponate. Egon Schieles „Akt mit roten Strumpfbändern“ sowie der auf der Rückseite angebrachte „Liegende Akt“ zeigen alles her, was sie haben. Das entblößte junge Mädchen aus Wasserfarben und Bleistift von 1911 erzielte 1,65 Millionen Pfund (Taxe 1,8 bis 2,5 Millionen GBP). Das Lieblingssujet des noch heute polarisierenden Malers Balthus, unterschwellig sexuelle Darstellungen von Mädchen im heranwachsenden, minderjährigen Alter, die sich ihrer Wirkung noch nicht bewusst sind und damit den erwachsenen Betrachter kompromittieren könnten, schwingt auch in „Les trois sœurs“ von 1963/64 mit. Die in pastelligen Ölfarben gemalten Fräuleins spielen in Balthus’ Gemälde mit diesen erotischen Abhängigkeiten und hatten bei 2,8 Millionen Pfund Erfolg damit (Taxe 3 bis 4 Millionen GBP).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Christie’s

8 King Street, St. James’s

GB-SW1Y 6QT London

Telefon:+44 (020) 78 39 90 60

Telefax:+44 (020) 78 39 83 26

E-Mail: info@christies.com



30.08.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Viviane Bogumil

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