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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Gute Werte für die moderne und zeitgenössische Kunst bei Sotheby’s in Paris

Freundestaumel



Amedeo Modigliani, Portrait de Paul Alexandre, 1911/12

Amedeo Modigliani, Portrait de Paul Alexandre, 1911/12

Ernst und vielleicht ein wenig verlegen steht er da. Dabei könnte sich Paul Alexandre eigentlich freuen. Denn der Freund, Vertraute und Förderer Amedeo Modiglianis wurde auf der Auktion „Art Impressionniste & Moderne“ bei Sotheby’s in Paris seiner Favoritenrolle gerecht. Doch das Portrait des Arztes, das Modigliani 1911/12 in der für ihn typischen Malweise der überlängten Formen mit den stilisierten, leicht facettierten Gesichtszügen fertigte, entstand kurz nach dem Tod der Mutter Alexandres. Den Kunden war der milde melancholische Grundton des Werks aber angenehm. Sechs internationale Bieter stritten sich um diese Ikone im Schaffen Modiglianis und ließen den Wert von veranschlagten 5 Millionen Euro schnell auf 12 Millionen Euro steigen. Das ist nicht nur der höchste Preis für den Künstler bei Auktionen in Frankreich, sondern mit dem Aufgeld von rund 1,5 Millionen Euro auch schon mehr als die Hälfte der Einnahmen von Sotheby’s an diesem Abend.


Doch Paul Alexandre und Amedeo Modigliani trugen Anfang Juni noch mehr zum Ergebnis von 23,8 Millionen Euro bei. Denn wie das Portrait stammten auch noch einige Zeichnungen aus dem Nachlass Alexandres und kamen seit ihrer Entstehung vor über 100 Jahren erstmals auf den Kunstmarkt. Von dieser noblen Provenienz profitierten vor allem eine im März 1913 mit blauer Kreide gezeichnete, hieratische „Tête de cariatide surmontée d’architecture“ bei 260.000 Euro (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR) und wiederum Paul Alexandre selbst auf einer eleganten Kreidezeichnung des Jahres 1909 bei 420.000 Euro, die sich mit diesen Summen ebenfalls auf der Top Ten-Liste einstellten (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Sotheby’s freute sich über diese Steigerungen; konnte der Auktionsriese bei einer losbezogenen Zuschlagsrate von knapp 80 Prozent Objekte im Wert von 91,5 Prozent der Schätzpreissumme verkaufen.

Moderne Kunst

Der zweite Großmeister neben Modigliani war am 4. Juni Pablo Picasso, der ebenfalls drei Werke auf den ersten zehn Rängen platzierte, auf den zweiten seine späte Schnellmalerei „Le Peintre et son modèle“ bei taxkonformen 2,6 Millionen Euro, auf den vierten sein südlich anmutendes „Atelier“, das sich Picasso 1955 in der Villa „La Californie“ in Cannes eingerichtet hatte, für 580.000 Euro (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR) und auf den sechsten seine farbige Zeichnung mit zwei muskulösen „Nu debout et nu assis“ von 1970 bei 340.000 Euro (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Zwischen Modigliani und Picasso drängte sich nur noch Georges Braque, der dafür den Wert seiner „Nature morte aux cerises“ vor verwirrend gemusterten Tapeten und Stoffen von 1936 auf 1,05 Millionen Euro vermehrte (Taxe 600.000 bis 800.000 EUR).

Auch zwei von Picassos Frauen meldeten sich zu Wort, zuerst Dora Maar mit einem großnasigen Portrait ihres Geliebten aus dem Jahr 1938, in dem sie sich dem Stil Picassos bis aufs I-Tüpfelchen angepasst hat. Hierfür wurden 260.000 Euro bewilligt (Taxe 220.000 bis 280.000 EUR). Dann trat auch noch Françoise Gilot mit drei Zeichnungen hinzu, darunter mit der perspektivisch verzogenen „Diane-Sphynx“, einem Bildnis der Schauspielerin Diane Deriaz in bunter Kreide von 1954, das sich von 10.000 bis 15.000 Euro auf 24.000 Euro verbesserte. Während Fernand Légers buntes Studienblatt „Le Café“ mit zwei Arbeitern in der Mittagspause von 1955 bei 130.000 Euro etwas nachgab (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), legten seine drei Entwurfstudien für den Fassadenschmuck des Niedersachsenstadions in Hannover zu, der durch Légers Tod im Jahr 1955 nicht zur Ausführung kam und dann am Musée National Fernand Léger im südfranzösischen Biot verwirklicht wurde: Die querformatige Gouache auf 90.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR), und die beiden umrissbetonten, schwarz-weißen Keramikreliefs „Les Jeux de ballon“ ebenfalls auf 90.000 Euro (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR) und „Le Cycliste“ sogar auf 230.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR).

Gute Preise gab es zudem für einige Surrealisten, so für Max Ernsts blumenartige „Coquillages“ auf rotem Grund um 1959 mit 90.000 Euro (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR), René Magrittes schwebendes Perlengesicht „Shéhérazade“ von 1947 für 180.000 Euro (Taxe 140.000 bis 180.000 EUR) oder Óscar Domínguez’ kubistisch vereinfachter „Muerte de un torero“ von 1956 für 125.000 Euro (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Kubistisch blieb es auch bei Léopold Survage „Le Mont Agel“ von 1917 aus floralen und baulichen Versatzstücken mit 85.000 Euro (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR), während Fernando Botero in den schlichten, voluminösen Formen seines Stilllebens mit vier roten Zwiebeln, zwei Fliegen und einem Messer von 1969 eher die dinghafte Seite der Realität betont. 160.000 Euro waren sein Lohn (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR).

Die Skulpturenofferte konnte mit Auguste Rodins Bronze „Minotaure“ von 1883 bei 200.000 Euro glänzen (Taxe 110.000 bis 150.000 EUR), gefolgt von Emile-Antoine Bourdelles sechs Jahre jüngerem „Grand torse d’Adam“ bei 50.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und Pablo Gargallos kubistisch aufgefasster Bronze „Petit cheval de cirque“ von 1932 in einem posthumen Guss bei 34.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR). Bei Alberto Magnelli verdoppelte sich der Preis für seine 1937 auf eine Schiefertafel niedergelegte freie Formspielerei auf 36.000 Euro. In der Zeichnungssuite waren zudem Joan Mirós lustige Gestalten auf zwei Studienblätter zu „Ubu Roi“ aus den frühen 1950er Jahren für jeweils 45.000 Euro gefragt (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR), ebenso Bernard Buffets Kopf eines nachdenklichen Toreros bei 50.000 Euro (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR).

Zeitgenössische Kunst

Bei der Nachkriegs- und Gegenwartskunst lag der Umsatz mit 28,6 Millionen Euro noch etwas höher und markiert wie bei den Modernen den Spitzenwert in diesem Segment für Sotheby’s in Paris. Dafür traten aber auch mehr als doppelt so viele Kunstwerke an. Neben den beiden hohen Zuschlagsraten von losbezogen 87 Prozent und wertmäßig sogar 97,6 Prozent freute sich Sotheby’s über drei Auktionsrekorde. Sie galten Kazuo Shiragas wild gestischer Leinwand „Gekidou suru aka“ in roten, weißen und ockerfarbenen Bahnen von 1969 mit 3,4 Millionen Euro (Taxe 1 bis 1,5 Millionen EUR), Sam Szafrans chaotischem, teils surrealem „Atelier, rue de Crussol“ von 1968/71 mit 720.000 Euro (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR) und Germaine Richiers existenzialistischer Bronzefigur „Don Quichotte“, der seit 1950/51 aus zwei Baumästen emporzuwachsen scheint, mit 1,4 Millionen Euro (Taxe 500.000 bis 600.000 EUR).

Preislicher Höhepunkt der Abendauktion am 3. Juni war Nicolas de Staëls querformatige „Composition“ grauer, gestaffelter und ineinander verzahnter Farbflächen von 1950, die bei guten 3,7 Millionen Euro zwar in die Spitzenliga der Staël-Preise aufsteigen konnte, aber immer noch drei bessere Werte vor sich hat (Taxe 2,5 bis 3,5 Millionen EUR). Für de Staëls abstraktes Stillleben „Verre et pinceau“ vor schwarzem Hintergrund von 1954 kam die obere Schätzgrenze von 600.000 Euro zusammen. In der Millionenregion platzierten sich zudem noch Cy Twomblys locker mit Kreide und Öl gekritzelte „Ides of March“ von 1962 bei 2,3 Millionen Euro (Taxe 2 bis 3 Millionen EUR) und Zao Wou-Kis abstrakte rot glühende Landschaftserinnerung „16.4.62“ bei 1,72 Millionen Euro (Taxe 1 bis 1,5 Millionen EUR). Auch die tiefblaue Wasserwelt „18.9.65“ des im vergangenen Jahr verstorbenen Malers ließ sich mit 610.000 Euro gut an (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR).

Insgesamt führte die ungegenständliche Kunst das Wort auf der Versteigerung, seien es die Parallelfurchen auf der hochrechteckigen schwarzen „Peinture 100 x 81 cm, 1 oct 2006“ des 95jährigen Grandseigneurs Pierre Soulages für 300.000 Euro (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR), die zerknüllte, mit blauer Farbe bemalte und wieder auf den Keilrahmen gespannte Leinwand „Meun“ von Simon Hantaï aus dem Jahr 1968 bei 320.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR) oder die 170.000 Euro für Joseph Simas vagen Natureindruck „Paysage gris ciel bleu horizontal“ von 1960 für 170.000 Euro (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Diese Reihe lässt sich mit Pierre Alechinskys energischer „Paysage impressionné“ von 1959 mit 200.000 Euro zum unteren Schätzwert, Jean-Paul Riopelles gespachteltem, dunklem Mosaikbild von 1953 bei 140.000 Euro (Taxe 150.000 bis 200.000 EUR) oder Serge Poliakoffs bunten Farbverzahnungen seiner „Composition abstraite“ von 1964 bei 380.000 Euro gut fortsetzen (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR). Da stachen figürliche Positionen, wie Jean Dubuffets Kritzelgestalten auf einer monochrom braunen „Paysage du magique“ von 1951 bei taxkonformen 400.000 Euro und vor allem Andy Warhols popiges Portrait „An American Lady: Kay Fortson“ von 1976 ebenfalls bei 400.000 Euro (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR), erst recht ins Auge.

Die Abstrakten blieben auch in der Tagesauktion mit den kleineren Preisen am 4. Juni gefragt. So behauptete sich Zao Wou-Kis schwarze wolkenartige Tuschearbeit von 1981 bei auftrumpfenden 310.000 Euro (Taxe 70.000 bis 90.000 EUR). Auch für zwei weitere ungestüme Farbschwünge Kazuo Shiragas erhöhte sich der Wert: bei „Futatsu no mau ougi“ um 1975 auf 110.000 Euro (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR), bei „Shushi fudo myou-ou“ von 1971 auf 140.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR). Einträglich waren bei gleicher Schätzung auch die 110.000 Euro für Jean Fautriers pastos aufgetragenes „Little Red Square“ von 1958 und die 122.000 Euro für André Lanskoys kleinteilige Fleckenmalerei „Soirée bleue“ von 1955. Yves Kleins berühmter Torso „Vénus Bleue“ von 1962/82 wurde mit 82.000 Euro umworben, Victor Vasarelys geometrische Schwarz-Weiß-Spielerei „Anadyr“ von 1955 mit 48.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR) und François Morellets mathematisch korrekte „40.000 carrés – Répartition aléatoire 50% gris clair 50% orange“ von 1961 mit 100.000 Euro (Taxe 25.000 bis 35.000 EUR). Auch für David Hockneys umrissbetonte Portraitzeichnung „Mo, Pavillon Sévigné, Vichy“ von 1970 kam mit 34.000 Euro ein einträglicher Wert zusammen (Taxe 10.000 bis 15.000 EUR), ebenso für das aus der Form geratene gelbe „Fat Car“ von Erwin Wurm mit 95.000 Euro (Taxe 50.000 bis 70.000 EUR).

Die Ergebnisse verstehen sich als Zuschlag ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Sotheby’s Paris

76, rue du Faubourg Saint-Honoré

FR-75008 Paris

Telefon:+33 (01) 53 05 53 05

Telefax:+33 (01) 47 42 22 32



14.09.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Ulrich Raphael Firsching

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Amedeo Modigliani, Paul Alexandre vu de trois quarts, la main gauche dans le poche,
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Amedeo Modigliani, Tête de cariatide surmontée d’architecture, 1913
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Amedeo Modigliani, Portrait de Paul Alexandre, 1911/12
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Auguste Rodin, Minotaure, version aux corners recourbées, 1883
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Emile-Antoine Bourdelle, Grand torse d’Adam, 1899
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Pablo Gargallo, Petit cheval de cirque, 1932

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Emile-Antoine Bourdelle, Grand torse d’Adam, 1899

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Auguste Rodin, Minotaure, version aux corners recourbées, 1883

Auguste Rodin, Minotaure, version aux corners recourbées, 1883

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