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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Neben Arbeiten bekannter Künstlergrößen sind in der Auktion mit moderner und zeitgenössischer Kunst bei Irene Lehr in Berlin auch erschwingliche Werke nicht so gängiger Künstler im Rennen. Stilistisch ist eine große Variation geboten. Ein eigenes Feld stellt die Kunst aus Lateinamerika aus einer Privatsammlung dar

Expressionistische Dreiecksbeziehung



Otto Dix war stets auf der Suche nach Inspiration, er liebte die Frauen und er zeichnete unentwegt. Folglich bezeichnete Ulrike Lorenz die 1922 entstandene Skizze „Puppe auf dem Dach“ in ihrem Werkverzeichnis die als „Verkündigung erotischer Art“. Der mit Bleistift ausgeführte weibliche Rückenakt, der einer Häuseransicht zugewandt ist, scheint aus einem Wolkenmeer eine göttliche Sendung zu empfangen. 1922 fertigte Dix drei Versionen dieser rätselhaften Kompositionsidee, ein ausgeführtes Werk dazu gibt es aber nicht. Für den flotten Bleistiftgebrauch wünschen sich das Auktionshaus Dr. Irene Lehr und der Einlieferer 9.000 Euro. Noch mehr Arbeiten aus dem Dixschen Grafikschaffen listet der Katalog mit moderner und zeitgenössischer Kunst der Berliner Auktionatorin. Auch seine Kaltnadelradierung „Schwangerschaft“ aus dem selben Jahr wendet sich dem weiblichen Geschlecht zu. Hier jedoch konfrontiert der Grafiker den Betrachter in wenig subtiler Weise mit dem Schicksal kriegshinterbliebener Frauen. Ausgemergelt und eingefallen erscheint die im Profil gezeigte Frau in anderen Umständen, unter ihr ein stilisierter Trümmerhaufen. Unzensiert und schonungslos mahnt die Arbeit an die Leiden des Krieges. Sie bildet mit 10.000 Euro den preislichen Höhepunkt im Angebot von Otto Dix.


Im höherpreisigen Sektor spielt am 25. Oktober auch Theodor Rosenhauer mit. Auf einer Reise nach Griechenland im Jahr 1982 stellte sich der Landschaftsmaler der selbsterklärten Schwierigkeit, den ewig blauen Himmel und die weiß gestrichenen Bauwerke in ein beschränktes Bildformat hineinzuformulieren. Augenscheinlich hat er die Aufgabe exzellent gemeistert. Das meint auch sein Künstlerkollege Wieland Förster, der in Rosenhauers Bildern Motive sieht, „…die nicht nur gesehen sind, sondern sich einlagern in alle Zellen seines Daseins“. So führt der pastose, aber doch sensible und behutsame Farbauftrag zu einer eigenen Bildsprache und Stimmung, die den weißen Kirchenbau vor dem hintergründigen blauen Meer und dem sich darüber ersteckenden blauen Himmel zu einem poetisch-meditativen Ort werden lässt. Die Konturen werden weich, aber dennoch klar, im Stillstand begriffen, aber doch bewegt, handfest und doch ungreifbar. Die meisterhafte Öl-Arbeit „Kirche am Meer, Paros“ ist mit 25.000 Euro veranschlagt.

Da geht aber noch mehr. Jedenfalls denkt das der gelbe sechszackige Stern von Hermann Glöckner. Ganz dem Konstruktivismus verschrieben, bildet die mathematisch durchexerzierte geometrische Form den prominenten Mittelpunkt der Fläche, die aus Tempera, Grafit und Lack gebildet wird. Bereits um 1930 erfand der Dresdner Künstler die eigentümliche Gestalt, die er in dem doppelseitigen Werk aus dem Jahr 1956 wieder aufgreift. Denn nicht nur eine gelbe Winkelkonstruktion auf schwarzem Grund erwartet den neuen Besitzer. Auf der Rückseite erscheint dasselbe Motiv in Schwarz auf sattem Currygelb. Die gleichwertige Behandlung dieser Flächen war das Motiv Glöckners und könnte jetzt bis zu 40.000 Euro einspielen.

Figürlich und wenig konstruiert geht es bei Paul Kleinschmidt zu. Seine bewegt-wuchtige Interpretation von „Columbine und Pierrot“ aus dem Jahr 1933 ist der Hoffnungsträger der Berliner Auktion. Peitschend, präsent, fast laut scheppernd erscheint der Pinselstrich, der zwei Figuren aus der berühmten Dreiecksbeziehung zwischen den Theaterfiguren Columbine, Pierrot und dem Harlekin formt. Das traditionsreiche französische Pantomimespiel schien Paul Kleinschmidt fasziniert zu haben. Pierrot ist der unglücklich Liebende, der Columbine stets umschmeichelt und hofft, sie für sich gewinnen zu können. Sie aber wird sich am Ende für den keck-gewitzten Harlekin mit schwarzer Augenmaske entscheiden und den weiß gesichtigen Pierrot in Einsamkeit zurücklassen. Kleinschmidt wählt Columbine als zentrales Bildelement. Die üppige Dame mit blondem Bob-Haarschnitt im grünen schulterfreien Kleid und weißen Kniestrümpfen sitzt selbstbewusst auf einem Stuhl, während sie sich mit der rechten Hand eine schwarze Maske vors Gesicht hält. Nur ihre großen Augen und die kräftigen Augenbrauen sind sichtbar. Womöglich ist es Pierrot, der flehend vor ihr kniet, sein Gesicht abwendet und es scheinbar zusätzlich mit seinen Händen zugunsten der Unkenntlichkeit verbergen möchte. Der dem Theaterleben entnommene Hintergrund aus grünen, weißen und braunen Farbfeldern verschiedener Größe und Form unterstreicht die skurrile Bühnensituation, in der die schwarze Maske, vielleicht die des Pierrot-Konkurrenten, den inhaltlichen Bedeutungsträger repräsentiert und den Ausgang der Geschichte vorwegnimmt. Diese vital-tobende Ölmalerei wird für eine Taxe von 80.000 Euro angepriesen.

Ebenfalls aus der schicksalsträchtigen Anfangszeit von Hitlers Machtergreifung stammt Bruno Voigts veristisches Gemälde „Bier hebt die Kraft“. So mancher würde bei jenem Titel nach dem tieferen Sinn fragen, vor allem, wenn eben diese Worte in deutlichen Lettern auf einem großen Schild in der rechten oberen Bildseite eingefügt sind. Doppeldeutig könnte man die Botschaft verstehen, betrachtet man die sich im Bild befindlichen Personen. Da ist einmal ein in die Jahre gekommener, etwas vom Schicksal gestreifter Mann mit Schnauzer und Stirnrunzeln. Er ist warm gekleidet mit dunkelrotem Schal, fein kariertem Jackett und einem großformatigen grauen Mantel. Seine Hände sind gefaltet, die linke davon mit einem weißen Verband versehen, sein Blick scheint etwas abwesend. Ein ehemaliger Kriegsveteran? Hinter ihm neigt sich eine junge, blonde Dame zu ihm, schaut ihn direkt, fast erwartungsvoll, an. Der Träger ihres weißen Kleidchens ist an ihrer rechten Schulter heruntergerutscht. Braucht der grauhaarige Herr ein kühles Helles, um den Anspielungen der Frau in all seiner Manneskraft nachkommen zu können? Es bleibt ungeklärt, aber das in ruhiger Pinselführung und klar konturierten Umrissen gemalte Lob an den Gerstensaft würde kommenden Samstag gerne 7.000 Euro einspielen.

Johannes Beutners „Stillleben mit Hortensie“ von 1918 wirft da schon weniger Fragen auf. Die Pinselführung des von der Dresdner Kunstakademie stammenden Malers lässt trotz lebhafter Striche und selbstbewussten Farbauftrags eine kontrollierte Umrissbildung zu. Der Zierstrauch mit satt blauer Blüte wächst vital aus dem kleinen Töpfchen heraus, das auf einem weißen Unterteller steht. Umringt wird das Gewächs von einem roten Krug sowie einem blauen Tuch, das die Farbe der Blüten wieder aufgreift und sich geschmeidig auf der Tischplatte abgelegt hat. Der dunkle Hintergrund lässt die hell beleuchteten Blätter der Pflanze noch saftiger erscheinen (Taxe 8.000 EUR). Floral geht es auch bei Oskar Kokoschkas Farblithografie „Sommerblumen mit Rosen“ von 1969/72 (Taxe 1.800 EUR), Rudolf Berganders Stillleben mit Obstschale und Blumenstrauß (Taxe 600 EUR) oder Karl Quarcks „Frühsommerlicher Blumenwiese“ zu, deren unzählige kleine Blüten in einem Meer warmgrüner Gräser förmlich den Duft des Frühlings zum Betrachter transportieren (Taxe 900 EUR). Auch Curt Herrmann hat sein fast monochrom braunes Arrangement aus sechs Äpfeln um eine kleine Vase mit drei Blüten bereichert (Taxe 4.000 EUR).

Viel Liebliches wartet auch im Bereich der skulpturalen Arbeiten. August Gauls „Sitzender junger Löwe“ schmeichelt sich mit seinem großen kinderhaften Köpfchen und seinen tapsigen, unfertig gewachsenen Gliedmaßen direkt ins Herz des Betrachters. Das gute Bronzestück aus dem Hause Noack soll 8.000 Euro einbringen. Auch die „Kratzende Ziege“ von Renée Sintenis ist auf den ersten Blick zum Liebhaben. Die mit schwarzbrauner Patina überzogene, auf 2.500 Euro geschätzte Bronze ist eines von 25 Exemplaren. Werner Stötzers „Sitzende“ von 1976 ist weniger zierlich. Die beleibte Bronzefigur hat sich bequem auf einem Marmorsockel niedergelassen und wartet als eines von vier existierenden Exemplaren auf 2.000 Euro. Auch Waldemar Grzimeks fülliger „Tänzer“ schämt sich seines Äußeren nicht und bewegt sich seit 1968 exzessiv im Raum (Taxe 12.000 EUR). Wilhelm Loths Alu-Kleinplastik „Busenobjekt I“ von 1967 aus einer 100er Auflage gibt sich dagegen recht abstrakt und ist für 300 Euro zu haben. Aus der Reihe der figürlichen Auktionsvertreter tanzt der hölzerne „Propeller“ von Magdalena Jetelová. Der Beititel „Der Wind kommt von West“ erklärt die Richtung des Flügels, den die tschechische Bildhauerin um 1984 entwarf. Das an der Wand anzubringende Objekt soll 2.500 Euro kosten.

Für ein filigranes, aber raumgreifendes Gespinst aus teils bemalten Metallstäben, -rechtecken und -kreisen ist Michael Kramer verantwortlich. Seine konstruktivistische Raumplastik von 1979/81 zieht sich vom Boden über die Raumecke bis zur Decke und an ihr in den Raummittelpunkt (Taxe 9.000 EUR). Dazu passt auf malerischer Seite Edmund Kestings titellose Gouache von 1926, die ebenfalls von der Beziehung und Spannung der geometrischen Formen und Farben zueinander lebt (Taxe 2.400 EUR). Doch das meiste aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist dem Figürlichen verhaftet und bewegt sich in expressionistischen Bahnen. Dazu gehören etwa Otto Beyers farblich aufgewühlter „Kleiner Hafen im Sonnenuntergang“ von 1933 (Taxe 3.000 EUR) oder Karl Hahns Stillleben mit Kinderspielzeug und titelgebender Ausgabe des „Strubelpeter“ (Taxe 2.400 EUR). Willy Robert Huth greift um 1920 auf Ernst Ludwig Kirchner zurück und hat dessen Atelier mit dem legendären Zelt um vier Akte in gelber Haut bereichert (Taxe 10.000 EUR).

Mit unnatürlichen Farben spielt zudem Bruno Krauskopf in seinem „Portrait Frau L.A.“ und hat 1925 das Inkarnat der Dargestellten aus violetten Farbtönen entwickelt (Taxe 4.000 EUR). Eine gemäßigtere Bildsprache kennzeichnet mehrere südliche Landschaften, so Michel Fingestens „Andalusisches Dorf“ aus den 1920er Jahren (Taxe 1.200 EUR) oder Robert Eckerts Blick auf den „Secano bei Granada“ (Taxe 1.000 EUR). Wohl an der heimischen Ostseeküste hat Clara Arnheim ihre Abendstimmung mit ankommenden Fischern gefunden (Taxe 900 EUR). Ihr Tod im Konzentrationslager Theresienstadt verbindet die 1865 in Berlin geborene Jüdin mit einer weiteren Malerin der Auktion, der ein Jahr älteren Julie Wolfthorn. Mit ihrem auf 2.000 Euro geschätzten „Alten Restaurant im Stadtpark Steglitz“ unter herbstlichen Bäumen hat das Angebot bei Irene Lehr dann den Impressionismus erreicht, für den etwa noch Ernst Opplers Strandpromenade mit saftig grünen Bäumen und Sommerspaziergängern steht (Taxe 4.000 EUR).

Von Lesser Urys regenassen Großstadtstraßen ließ sich die Berlinerin Marie Elisabeth Giese inspirieren und nahm um 1930 einen frühen Abend mit zahlreichen Autos am Potsdamer Platz vor dem Pschorrhaus auf (Taxe 900 EUR). Gegen Gieses Gewimmel nimmt die nächtliche stille Straßenflucht in einer Pariser Vorstadt, die Theo Gebürsch 1927 nur mit fünf Menschen anreicherte, fast schon existenzielle Züge an (Taxe 600 EUR). Auf jegliches Lebewesen verzichtet Otto Fischer-Lamberg 1928 bei seiner „Leeren Straße“, die durch das Licht einer Laterne aus dem nächtlichen Dunkel heraustritt (Taxe 2.500 EUR). Sein Gemälde kommt der Kühle der Neuen Sachlichkeit schon sehr entgegen. Diese spricht auch aus John Wells’ „Dame in grünem Mantel“, die sich 1930 überproportional zum Hintergrund vor einem Gutshaus groß aufgebaut hat (Taxe 6.000 EUR). Die Sujets, mit denen sich Josef Hegenbarth beschäftigt hat, sind vielfältig. Der Katalog listet dazu eine klassische Kreuzigung unter dem Titel „Golgatha“ um 1919 (Taxe 6.000 EUR), eine „Zirkusreiterin“ um 1940 (Taxe 4.000 EUR), einige Straßenpassanten mit Hund von 1948 (Taxe 3.000 EUR) oder eine auf einem grünen Naturteppich ruhende „Antilope“ von 1932 (Taxe 4.500 EUR).

Einen beachtlichen Teil widmet die Auktion dem Themenfeld „Zero“. Prinzipen von Monochromie, bildlicher Reproduktion, dynamischen Raumkonstruktionen oder mechanischer Bewegung bildeten die Hauptmotive der Künstlerbewegung, die von den Gründerfiguren Otto Piene und Heinz Mack mit einer Ausstellung im Jahr 1958 ins Leben gerufen wurde. Pienes’ von sattem Rot und tiefem Schwarz dominierten Siebdrucke „Schwarze Sonne auf Rot“ oder „Die Sonne kommt näher“ leben aus der Farbe. Sie kosten zwischen 500 und 800 Euro. Etwas teuerer wird es mit 1.000 Euro bei seinem Regenbogen über Prägedruck aus der Mappe „Zero“, die 1966 bei der Kestnergesellschaft in Hannover erschien. Heinz Macks „Rotor“ von 1971 besteht aus einer handgeprägten Aluminiumscheibe, die sich auf einem Elektromotor in einem Edelstahlkasten hinter einem Wellenglas dreht und so das Licht in der Bewegung bricht (Taxe 12.000 EUR).

Günther Uecker ist mehrfach mit grafischen Arbeiten vertreten. Seine unterschiedlich gestalteten Prägedrucke auf naturfarbenen Karton verarbeiten abermals das Thema des Nagels und bewegen sich in einer Preisspanne zwischen 300 und 1.500 Euro. Auch die italienischen Kollegen der Zero-Künstler hat Irene Lehr am Ende des Katalogs in diesem Abschnitt zusammengefasst. Aus dem Süden gesellen sich Lucio Fontana mit einem Concetto Spaziale, einem mit Bleistift gezeichneten und perforierten Papierbogen samt der Nummerierung 25/130, für 3.000 Euro, Piero Manzoni mit der 150mal aufgelegten ockerfarbenen Monotypie „Effects of matter“ von 1959 für 4.000 Euro und Enrico Castellani mit dem Multiple „Estroflessione“, einem weißen regelmäßig reliefierten Kunststoffquadrat von 1968, bei 1.500 Euro hinzu. Aus Frankreich macht Yves Klein mit dem legendären Krefelder Ausstellungskatalog „Monochrome und Feuer“ von 1961 auf sich aufmerksam (Taxe 12.000 EUR) und aus Polen Henryk Stazewski mit einem titellosen rechtwinkligen Liniengebilde von 1976 (Taxe 1.500 EUR).

Aber auch Künstler aus der ehemaligen DDR reden wie üblich bei Irene Lehr ein Wörtchen mit. Hier herrscht dann die Figuration vor, etwa bei Albert Wigand mit einem Stillleben samt Glas und Früchten auf einem roten Teller von 1974 (Taxe 5.000 EUR) oder Curt Querner mit einem zeittypischen herbstlichen Baum und Gestrüpp bei Karsdorf von 1959 (Taxe 15.000 EUR). Werner Tübke hat sich 1967 der Sommerfrische gewidmet und eine klassische Strandszene mit Badeurlaubern in Grafit auf Karton niedergelegt (Taxe 9.000 EUR). Harald Metzkes war 1990 von dem Verkehr auf einer sechsspurigen Autobahn fasziniert (Taxe 6.000 EUR), während Wolfgang Mattheuer 1994 anspielungsreich die Durchfahrt auf einer leeren Straße durch eine herabgelassene Bahnschranke sperrt (Taxe 9.000 EUR).

Doch es ging auch abstrakt in der DDR zu. Neben Hermann Glöckner stehen dafür Karl Godeg mit seiner Farbwolke „Aufreißendes Weiß“ von 1960 (Taxe 3.000 EUR) oder Max Uhlig mit seinen aus Schraffuren aufgebauten Gemälden, wie einer querformatigen Landschaft von 1992 (Taxe 4.000 EUR). In diesem Jahr malte Veit Hofmann seinen „Baum“ als wilde, ungegenständliche Farbschlacht (Taxe 5.000 EUR). Walter Stöhrers aus ebenso ungestümen Pinselschwüngen entwickelter „Kopf“ um 1964 ist da stilistisch nicht so fern (Taxe 28.000 EUR). In seiner Mischtechnik „Tanzende“ von 2007 spielt Neo Rauch mit beiden Richtungen und lässt ein älteres Paar in einem abstrakten Farbraum weite Schritte ausführen (Taxe 20.000 EUR).

Auch Ekkehard Geists Privatsammlung über lateinamerikanische Kunst beherbergt eine künstlerische Vielfalt, lockt das Auge zur näheren Betrachtung und womöglich auch den Geldbeutel, sich zu öffnen. So kommt zum Beispiel „Pintura“ des aus Buenos Aires stammenden Eduardo Mac Entyre in faszinierender Gleichzeitigkeit verschiedenster Eindrücke daher. Auf schwarzem Grund erstrecken sich vertikal die Lettern „d“ und „p“, beide kleingeschrieben, beide auf Anhieb nicht zwingend zu identifizieren. Vor allem die großen, perfekt gezogenen Kreise dominieren das Bild und werden zusätzlich von einem mathematisch rigorosen türkisfarbenen Raster hinterfangen, das die Kreisbewegung adaptiert. Träumerisch oder psychedelisch, aber doch auch klar und deutlich möchte das Gebilde sein und 15.000 Euro sehen. Miguel Ocampo schuf 1968 mit „Ewiger Stein“ eine ebenfalls abstrakte Komposition und ein weich-samtiges Gebilde, hellbraun in seiner Ausgangsfarbe, weich abgestuft durch Licht-und Schattenspielerei. Die wie die Kurven eines menschlichen Körpers anmutenden Linien sind trotz der zarten, hauchigen Beschaffenheit klar und deutlich in ihren Konturen (Taxe 10.000 EUR).

Antonio Bernis blonde Dame in seinem Gemälde „Chelsaea Hotel“ von 1976 erscheint dagegen nicht geometrisch, sondern sitzt als weiblicher Akt auf der Bettkante und schiebt den rosafarbenen Vorhang aus collagierten Stoff beiseite, um sich in voller Gestalt präsentieren zu können. Die Prostituierte Romana Montiel kokettiert mit ihrem schlanken Körper und der üppigen Oberweite. Ihre in schwarze Netzstrümpfe gehüllten Beine hat sie lasziv übereinandergeschlagen. Diese sinnliche Verführung soll 6.000 Euro einspielen. Carlos Alonsos „Kater“, der von einem Stuhl hüpft, erscheint lediglich als peitschender grauer Pinselstrich, der in Höchstgeschwindigkeit übers Papier gestreift wurde. Die blitzschnelle Akrobatik des Stubentigers ist 5.000 Euro wert. Neben der frühen figürlichen Monotypie des Interieurs „Mujer frente al espejo“ von 1954 steuert Julio Le Parc auch seine in Europa bekannten bunten Farb- und Formexperimente wie „Modulation 811“ von 1986 für 7.000 Euro bei. Der Mittel optischer Verwirrspiele bedienen sich auch Omar Rayo in seiner Rautenleinwand „Sariris V“ von 1984 und Kazuya Sakai in seiner von Jazzmusik inspirierter „Pintura No. 1, Serie 2“ von 1974 /75 (Taxe je 15.000 EUR), während Nicolás García Uriburu mit seiner Kunst auf ökologische Probleme aufmerksam machen will. So ist sein farbenfrohes Acrylgemälde mit zwei lagernden Katzen um 1967 ein Plädoyer für die Artenvielfalt (Taxe 9.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 25. Oktober um 13 Uhr im Hotel Excelsior in Berlin. Die Vorbesichtigung läuft bis zum 23. Oktober täglich von 12 bis 19 Uhr in den Räumen des Auktionshauses. Der Online-Katalog unter www.lehr-kunstauktionen.de bildet alle Objekte ab.

Kontakt:

Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

Sybelstraße 68

DE-10629 Berlin

Telefon:+49 (030) 881 89 79

Telefax:+49 (030) 881 89 95



22.10.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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25.10.2014, Kunst 20. Jahrhundert - Moderne Kunst aus Lateinamerika

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Dr. Irene Lehr Kunstauktionen

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Argentinische Klarheit und deutscher Charme

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