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Kym IV, 1999 / K. O. (Karl Otto) Götz

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Im Park von Schloss Mainberg bei Schweinfurt, 1874  / Hans Thoma

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Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Klassische und zeitgenössische Fotografie unterschiedlicher Gestalt wartet beim Kölner Auktionshaus Lempertz auf Kundschaft

Weibsbilder



Das Arrangement aus zwei übereinander gestapelten Spiegeln trägt eine Botschaft in Form von aufgemalten Buchstaben. Bestimmt mit bloßen Fingern kam das Geschmier auf die glatte Oberfläche, dessen Farbigkeit unerkannt bleibt. „Sick of Goodby’s“ ergeben die Lettern in Robert Franks Arbeit aus dem Jahr 1978. Ein Arm, vielleicht der des schweizerisch-amerikanischen Fotografen selbst, erscheint in einem der Spiegel und hält eine kleine skelettartige Spielzeugfigur in seinen Händen. Das geheimnisvolle Foto besticht durch Direktheit und Unmittelbarkeit, die den Betrachter gleich beim ersten Blick fesselt. Vor kurzem hat der jüdischstämmige Meisterfotograf und Filmregisseur seinen 90. Geburtstag feiern können. Hat er schon 1978 über das Älterwerden, den Abschied und den Tod sinniert? Für 8.000 bis 10.000 Euro kann sich der Käufer den Gelatinesilberabzug nun in der Fotografieauktion bei Lempertz nach Hause holen und länger über seinen Gehalt nachdenken.


Robert Mapplethorpe rückt den Menschen in das Zentrum seiner monochrom gehaltenen Fotoarbeit. Von seinem 1987 geschaffenen männlichen Akt wurden posthum fünf Abzüge erstellt, wovon einer nun als Hoffnungsträger am 28. November in Köln antritt. Aufs Dichteste konzentriert, kauert ein unbekleideter Mann in einem ungreifbaren, leeren Raum, der lediglich von einem seitlich kommenden Lichteinfall aufgelockert wird. Die Beine bis zum Bauch angewinkelt, hält der Afroamerikaner seine Schienbeine mit seinen Armen fest, während sein Gesicht auf die herangezogenen Knie fällt und es damit für den Betrachter unsichtbar wird. Streng frontal in fast perfektionistischer Symmetrie füllt der skulptural anmutende männliche Akt die Bildmitte aus. Gleichsam kulminieren Künstlichkeit und Natur, Schwäche und Stärke, äußerliche Erscheinung und innere Empfindung, Ruhe und Bewegung in der Körperhaltung des Mannes und der Ästhetik Mapplethorpes. Für 15.000 bis 20.000 Euro gibt sich sein „Thomas“ nun in neue Hände.

Auch die historische Fotografie des frühen 20. Jahrhunderts kannte bereits den fesselnden Reiz des nackten menschlichen Körpers. Heinz Hajek-Halke, der ab 1925 vorrangig als Pressefotograf in Berlin tätig war, widmete sich ab den 1930er Jahren zunehmend den experimentellen Möglichkeiten der Lichtbildnerei. Die Gestalt seines „Sitzenden Aktes“ von 1930/32, einer wohlgeformten Frau, entsteht durch das Spiel mit Licht und Schatten. Vor tiefschwarzem Hintergrund tauchen die Körperformen der jungen Frau mittels schlaglichtartiger Akzente unmittelbar vor dem Betrachterauge auf. Das Gesicht bleibt im Schatten verborgen, wohingegen ihre Brüste ins helle Licht gerückt sind (Taxe 2.000 EUR). Hajek-Halkes „Aktkomposition“ von 1930/36 wohl mit demselben Modell spielt mit zwei Körpern in Winkelform (Taxe 2.500 bis 3.000 EUR). Im aktuellen Fotografiegeschehen ist man mit Michael Dweck. Der Amerikaner hat sich 2009 die schwarze Schönheit Januaria gewählt und sie effektvoll in weißen Bett und vor den weißen Zimmerwänden des Atlantic Penthouse in Havana arrangiert (Taxe 3.000 bis 5.000 EUR).

Ästhetische Weiblichkeit findet auch in den Arbeiten des Dada-Künstlers Man Ray ihren Ausdruck. Der New Yorker Avantgardist fing 1937 die jugendliche Schönheit von „Ady in Antibes“ ein. Romantisch versunken schenkt die junge Dame einem Blumenstrauß ihre ganze Aufmerksamkeit, der weich in ihren Armen liegt (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Weitere Arbeiten von Man Ray stammen aus seiner späteren Zeit, in der er sich vorwiegend abstrakter Fotomontage widmete und in seiner Dunkelkammer experimentierte. So stehen seine unbetitelte Rayographie mit Hell-Dunkel-Effekten für 2.000 bis 2.500 Euro sowie sein Portfolio „Les Voies lactées“ mit filigranen verlaufenden Strukturen für 2.000 bis 3.000 Euro in Köln zum Verkauf. Trude Fleischmann ist mit ihrer Nachaufnahme von „Tilly Losch“ um 1925 genauso dem Tänzerischen auf der Spur, wie Adorján und Olga Wlassics vom Atelier Manassé mit dem Portrait der geschmeidigen „Tänzerin Bea Egerváry“ um 1928 (Taxe je 1.000 EUR). Jaroslav Fabingers 1929 verschwommen aufgenommene Schönheit listet der Katalog für 1.200 Euro.

Wer sich für Landschaftsfotografie begeistert, erfreut sich an dem „Harzwald“ von Max Baur aus den 1940er Jahren. Meisterhaft inszeniert durch das Abwarten des richtigen Zeitpunkts, fällt wie gemalt ein heller Lichtstrahl in das dunkle Gewirr der langen, hohen Baumstämme (Taxe 1.300 EUR). Fast märchenhaft kommt auch die „Japanische Landschaft mit Mount Fuji“ von Arnold Genthe daher. Kühler Nebel lässt nur eine verschleierte Sicht auf den großen Berg mit seiner weißen Spitze zu. Die Äste eines Baums hängen wie in einer Traumwelt in den nebligen Dunst hinein und vervollständigen um 1915 die Fotografie als malerisch gedachtes Medium (Taxe 1.000 EUR). Städtisch wird es bei den Bahngleisen von Hoboken, die Berenice Abbott 1935 mit Blick auf die New Yorker Skyline festhielt (Taxe 2.500 EUR), oder Margaret Bourke-Whites Aufsicht auf den „Public square“ in Cleveland, aufgenommen 1928 durch das Ornament eines Brüstungsgitters (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR). Andreas Feininger trumpft mit seiner schwarz-weißen Nachtansicht auf die hell erleuchteten Fenster der Hochhauslandschaft in Manhattan von 1947 auf (Taxe 3.000 EUR). Für die alte Welt steht Léonard Misonnes noch recht ruhiger Markttag auf der Grand-Place in Brüssel aus den 1930er Jahren (Taxe 1.800 EUR). Otto Steinert nimmt den Betrachter um 1950 dann nach Paris mit und zeigt ihm zweimal die Stille Schönheit an den Quais de al Seine (Taxe je 5.000 bis 7.000 EUR).

Erschütternde Dokumentarfotografie der Nachkriegszeit schufen Karl Hugo Schmölz mit seinen zwei Kölner Trümmerlandschaften und den Domtürmen als Blickfang (Taxe je 1.000 bis 2.000 EUR) oder Hannes Kilian, der ebenfalls die zerstörte Rheinmetropole zu seinen Bildinhalten machte. Auch bei seinen Vintages ist der Dom stets bildimmanent (Taxen zwischen 1.500 und 2.000 EUR). Der französisch-ungarische Fotograf Gyula Halász interessierte sich für verschiedene Stile in der Lichtbildnerei. Anfang der 1950er Jahre widmete sich der unter dem Pseudonym „Brassaï“ arbeitende Picasso-Weggefährte surrealistischen und dadaistischen Ausdrucksweisen. Nicht ganz ohne Augenzwinkern und Schmunzeln entstand in dieser Zeit sein „Graffiti (Skull)“. In Stein geritzt, erscheint der Totenschädel mit seinen großen Augenhöhlen, als sei er von Kinderhand gezeichnet worden (Taxe 5.000 bis 6.000 EUR). Ebenfalls fortschrittlich fasste der Hamburger Herbert List die Möglichkeiten fotografischer Technik auf. Sein „Italienisches Stillleben“ von 1952 besteht aus zwei überdimensionalen gläsernen Bauchflaschen, die scheinbar in eine freie Landschaft eingebettet sind (Taxe 1.500 EUR). Der 1926 in Bologna geborene Nino Migliori schickt seinen bekannten „Tuffatore“ in die Kölner Auktion. Ein Schwimmer, der im Absprung begriffen ist, scheint waagrecht über dem Wasserspiegel zu schweben (Taxe 2.000 bis 2.500 EUR).

Natur und Mensch spielen in der Fotografie der Moderne stets eine Hauptrolle. So schildert Peter Keetman sein „Schilf“ 1978 mittels schwarzer kratziger Linien fast abstrakt auf dem Fotopapier (Taxe 1.800 bis 2.000 EUR), seine „Schnee-Inseln“ von 1958 kommen weich und samtig in kontrastarmen Grauabstufungen daher (Taxe 2.000 EUR) und sein „(Augen-) Blick“ aus dem Jahr 1961 konfrontiert den Betrachter mit der direkten Gesichtsansicht eines jungen Menschen, der hinter einem feinmaschigen Gitter gefangen zu sein scheint. Lediglich auf Augenhöhe reißt der Maschendraht kurz auf, um den Blick der Person freizugeben (Taxe 1.900 EUR). Namhafte Politikerpersönlichkeiten deutscher Geschichte werden bei Will McBride mit Konrad Adenauer (Taxe 700 EUR), Guido Mangold, der den Kanzler mit Kennedy 1963 am Checkpoint Charly einfing, oder Barbara Klemm mit Brandt und Breschnew in eindrucksvollen Schwarz-Weiß-Aufnahmen bildhaft (Taxe je 1.000 EUR).

Die Französin Claude Batho irritiert den Betrachter ihrer Arbeit „Instants trés simple“ mit einem auf einem Kanapee schlafenden Kind. Fast leblos wirkt der zarte Mädchenkörper auf dem gestreiften Polster des alten Sitzmöbels, das vollständig das Bildformat einnimmt. Für 3.000 bis 4.000 Euro steht dieses Portfolio mit zehn posthumen Gelatinesilberabzügen nun zur Verfügung. Ebenfalls verstörend wirken die zwei Arbeiten von Diane Arbus. Ihr „Hezekiah Trambles ‚The jungle creep‘, New York City“ von 1960 zeigt sich als tiefdunkler Afroamerikaner, dessen leuchtend blitzende Augäpfel sowie seine lückenhafte weiße Zahnreihe den gruseligen Eindruck seines furchteinflößenden Gesichtsausdrucks zusätzlich verstärken (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR). Ihre Vorliebe für die Abnormitäten menschlichen Seins hat Arbus auch zu zwei Frauen in der Natur geführt. Die sommerlich gekleideten Mädchen leiden am Down-Syndrom, sind aber zufrieden und unbefangen (Taxe 4.000 und 5.000 EUR).

Die teueren Werke der zeitgenössischen Fotografie verhandelt Lempertz erst am 29. November in der Auktion „Zeitgenössische Kunst“. Hier tut sich besonders Andreas Gurskys C-Print „Niagara Falls“ von 1989 hervor. Kalt, windig, dampfig, unzähmbar und überwältigend schildert er die weltberühmten Wasserfälle. Der unantastbaren Allmächtigkeit der Natur kann nicht einmal das schwarze Schiff einen Abbruch tun, das in den reißenden Wasserfällen fast wie ein Spielzeugboot wirkt. Der losgelöste erhabene Blick des Fotokünstlers auf das faszinierende Naturschauspiel, in dem das menschliches Einwirken wie ein wahnwitziges Unterfangen wirkt, wird für einen stolzen Preis von 60.000 bis 80.000 Euro in Köln zum Verkauf angeboten. Einen weiteren Blickfang der Auktion bilden die elf Künstlerbücher von Ed Ruscha. Jedes der Büchlein hat einen eigenen Titel, die gebundenen Bildersammlungen umfassen im Durchschnitt 40 bis 70 Seiten und sollen nun für 6.000 bis 8.000 Euro einspielen.

Nan Goldin gehört ebenfalls zu den Favoriten der Auktion. Ihr 1983 entstandenes „Self Portait in Kimono with Brian“ ist beispielhaft für ihren ungetrübten Blick auf sexuelle Verbindlichkeiten, die den Menschen mitunter in tiefe innerliche Zerrissenheit führen können. Nicht zuletzt sie selbst scheint hier im Zwiespalt ihres Tuns gefangen. Dieser verbildlichte Ausdruck menschlicher Empfindungen soll für 10.000 bis 12.000 Euro unter den Hammer kommen. Cindy Shermans unbetitelte Fotomontage provoziert mit unzähligen Ameisen, die scheinbar auf dem Gesicht einer blonden, attraktiven Dame herumkrabbeln (Taxe 6.000 bis 7.000 EUR). Martin Parr beschreibt seinen „Common Sense“ von 1999 gleich mit 350 Laserkopien, die zusammen mit der originalen Portfolio-Box für 8.000 bis 10.000 Euro angepriesen werden. Unerschöpflich und ironisch scheinen die Motive, die der Fotograf mit dem von ihm gewählten Übertitel verbindet.

Bettina Rheims mag es da schon etwas puristischer. Ihre „Valérie II“ aus der Serie „Les espionnes“ von 1991/92 ist jung, schlank und hat lange dunkle Haare. Ihr in Rückensicht gezeigter heller Körper ist lediglich durch eine schwarze Taillencorsage bedeckt (Taxe 7.000 bis 8.000 EUR). Jürgen Klauke mag es ebenfalls gerne farblos. So erscheint seine unbetitelte Arbeit aus der Serie „Ästhetische Paranoia“ als Dialog von schwarzer und weißer Fläche, die nur durch eine in schwarz gekleidete Person getrennt werden. Sie hat ihr scheinbar unendlich langes schwarzes Haar über ihr Gesicht geworfen, das über das Bett weiter- und hinausströmt (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Uta Barth schuf 2005 eine zweiteilige Arbeit, die einen Strauß roter Blumen als Ausgangspunkt hernimmt und diesen mal klar, mal farbig in Blutrot verfremdet (Taxe 4.000 bis 6.000 EUR). Nobuyoshi Araki arrangierte 2004 in „Kaori“ eine in Traditionstracht gekleidete Japanerin in einer weißen Kulisse und umgibt sie mit Spielzeugdinosauriern und einer naturfarbenen Kordel. Die sexuellen Konnotationen, wie Sado-Maso-Spiele, deuten sich hier nur unmerklich an (Taxe 7.000 bis 10.000 EUR).

Die Auktion beginnt am 28. November um 15 Uhr. Der zeitgenössische Teil wird im Rahmen der Auktion 1042 am 29. November versteigert. Auktionsbeginn ist um 12 Uhr. Der Internetkatalog listet die Objekte unter www.lempertz.com.

Kontakt:

Kunsthaus Lempertz

Neumarkt 3

DE-50667 Köln

Telefon:+49 (0221) 92 57 290

Telefax:+49 (0221) 92 57 296

E-Mail: info@lempertz.com



27.11.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Claudia Rauth

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Léonard Misonne, Ohne Titel, 1930er Jahre
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Arnold Genthe, Ohne Titel (Japanische Landschaft mit Mount Fuji), um 1915
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Kunstwerk:

Jaroslav Fabinger, Ohne Titel, 1929
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Veranstaltung vom:


29.11.2014, Auktion 1042: Zeitgenössische Kunst

Veranstaltung vom:


28.11.2014, Auktion 1041: Photographie







Arnold Genthe, Ohne Titel (Japanische Landschaft mit Mount Fuji), um 1915

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Taxe: 1.000,- EURO

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Léonard Misonne, Ohne Titel, 1930er Jahre

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Jaroslav Fabinger, Ohne Titel, 1929

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Taxe: 1.200,- EURO

Losnummer: 16




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