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Marktberichte

Aktuellzum Archiv:Auktions-Vorbericht

Sotheby’s tritt in Paris mit impressionistischer und moderner Kunst sowie Vertretern der zeitgenössischen Szene an zwei aufeinander folgenden Tagen an

Picassos Frauen und Chagalls Blumen



Pablo Picasso gilt als einer der produktivsten Künstler überhaupt. Unermüdlich erscheint sein Repertoire an Stilen und Medien, seine Motive bewegen sich dagegen in einem relativ engen Rahmen. Typisch für ihn sind unter anderem Porträts, Stillleben, Strandbilder und Stiere. Als Beispiele seiner Vielfalt können die Auktionsbeiträge bei Sotheby’s in Paris gelten: zunächst sein „Tête d’homme“, ein spätes Männergesicht von 1965. Mit wenigen dicken Pinselstrichen erschafft Picasso ein lebendiges individuelles Antlitz, ohne jedoch jemand bestimmtes zu meinen. Sein Stil ist zudem unverkennbar präsent; einfach und beinahe kindlich, gleichzeitig aber auch gekonnt bringt Picasso den Kopf auf die Leinwand. Er verwendet blasses Rosa, Dunkelgrün, Schwarz und Dunkelblau für seine schnellen Striche. Bei Sotheby’s ist die Schnellmalerei mit 1 bis 1,5 Millionen Euro veranschlagt.


Moderne Kunst

Auch seine Vorliebe für Stiere – er stellt sich selbst oft in der Figur des Minotaurus dar – und seine Schwäche für Frauen spiegeln sich im Angebot am 4. Dezember wider. Die Vergewaltigungsszene „L’Étreinte (Minotaure embrassant une femme)“ von 1933 zeichnet Pablo Picasso mit einem Bleistift und vereinfacht die beiden Körper bis hin zu einer Konglomerat von verschiedenen geometrischen Formen. Die Gesichter geben keine Auskunft über die Gefühlslage der Abgebildeten. Die Zeichnung stammt aus dem Besitz von Marina Picasso, der Enkelin des Künstlers (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Ebenfalls aus ihrer Sammlung stammt die „Femme nue debout les bras sur la tête“ von 1946. Das Blatt beschäftigt sich mit dem Körper der Frau und verknappt ihn ebenfalls geometrisch. Spontan mischt Picasso schwarze Farbe, Kreide und Bleistift und kreiert ein beidseitig bemaltes Papier, welches zwischen Skizzenblatt und fertiger Zeichnung changiert (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR).

Noch einfachere und klarere Strukturen wählt Pablo Picasso in den „Trois Femmes nues (Études)“, die im gleichen Jahr entstanden und ebenfalls in den Besitz Marina Picassos übergingen. Mit blauem Stift und wenigen Linien zeichnet er drei nebeneinander aufgereihte Frauen, die den Horizont beinahe um ein Drittel ihrer Körpergröße überragen (Taxe 350.000 bis 450.000 EUR). Neben den Zeichnungen und Gemälden offeriert Sotheby’s auch acht Vasen Picassos aus einer italienischen Privatsammlung. Auffallend weicht der Künstler von den klassischen Formen einer Vase ab und deutet Personen oder Tiere an. Die reduzierte Bemalung verstärkt diesen Eindruck. Die zu einem großen Teil in den 1950er Jahren entstandenen Keramiken sind zwischen 1.200 und 7.000 Euro angesiedelt.

Nach Picasso tut sich vor allem Marc Chagall mit fünf Arbeiten in der Auktion hervor. In den dekorativen „Fleurs et amoureux“ von 1960 hat es sich ein Liebespaar zu Füßen eines prächtigen und voluminösen Blumenstraußes gemütlich gemacht, der einen großen rosaroten Schmetterling anlockt (Taxe 1 bis 1,5 Millionen EUR). Ein ähnliches Motiv zeigt „Les Coquelicots“ aus dem Jahr 1949. Der Strauß mit leuchtend roten Mohnblumen noch etwas kleiner, der Tisch nun verschwunden, und die Stadt im Hintergrund tritt deutlicher zu Tage. Über allem schwebt das Liebespaar in den Lüften (Taxe 600.000 bis 800.000 EUR). Als Frühwerk tritt Albert Marquets Stadtansicht „Le Havre, le bassin“ um 1907 an, die noch ganz in der Farbkraft der Fauves schwelgt (Taxe 400.000 bis 600.000 EUR).

Von oben betrachtet man ein Stillleben an der frischen Luft: Auf einer roten Picknickdecke über einer grünen Wiese sind die Überreste einer Mahlzeit verstreut. Auch Sonnenschirm, Hut und Blumenstrauß wurden zurückgelassen. Das kubistische Werk von André Lhote aus dem Jahr 1912 wird für 300.000 bis 400.000 Euro versteigert. Kubismus, Musik und Tanz sind die Inspirationsquellen für Albert Gleizes’ energiegeladene Gouache „Broadway, danseuse électrique ou Sur une chanteuse de music-hall“ von 1917 (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR). Bei Fernand Léger sind es Sonnenblumen, die er durch geometrische Muster auf blauem Grund verfremdet. Das von 1954 stammende Ölgemälde kommt für 1 bis 1,5 Millionen Euro unter den Hammer. Auch bei Georges Braques „Nature morte à la poire et aux pommes“ um 1935 haben sich die Formen wieder beruhigt, und der Kubismus grüßt nur noch von der Ferne (Taxe 180.000 bis 220.000 EUR).

Robert Delaunays späte Farbkreise in vielen verschiedenen Schattierungen sind trotz klar definierter Formen als gegenständliches Motiv nicht mehr greifbar. Vielmehr lädt das Kaleidoskop „Rythme. Joie de Vivre“ von 1931 zum Schwelgen in der Farbe ein (Taxe 1,2 bis 1,8 Millionen EUR). Auf der Wirkung der Farbe beruht auch Auguste Herbins „Composition, Abstraction“ von 1925 mit amorphen, flächig nebeneinander gereihten Gebilden (Taxe 80.000 bis 120.000 EUR). Als beinahe einzige Skulptur bietet die Auktion eine Büste, welche Alberto Giacometti von seiner Ehefrau Annette anfertigte. In der circa 45 Zentimeter hohen Bronzeplastik sind die schlanken und hageren Züge der Portraitierten charakteristisch für den Bildhauer (Taxe 600.000 bis 900.000 EUR). Daneben ist Auguste Rodin berühmte Bronzegruppe „Le Baiser“ in der dritten Reduktion von 1901 und einem Guss, der bis 1918 ausgeführt wurde, für 300.000 bis 400.000 Euro zu haben.

Zeitgenössische Kunst

Eröffnet wird die zweitätige Auktionsrunde am Abend des 3. Dezembers mit der „Art Contemporain“. Unter diesen 29 Positionen haben die bildhauerischen Arbeiten etwas mehr Gewicht. Die unförmige Menschengestalt „Le Pentacle“, was mit der Drudenfuß übersetzt werden kann, schuf von Germaine Richier mit schrundiger, aufgerissener Oberfläche im Jahr 1954 (Taxe 180.000 bis 230.000 EUR). Von ihr stammt zudem der schon etwas ansehnlichere Akt „La Vierge Folle“ aus dem Jahr 1946 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR). Vielmehr auf glatte, gerundete Oberflächen setzt François-Xavier Lalanne in seinem mannshohen „Gorille de sûreté II“ von 1970/84. Zudem ist der bronzefarbene Menschenaffe auch noch als Tresor zu gebrauchen (Taxe 500.000 bis 700.000 EUR). Zwischen autonomer Skulptur und funktionstüchtigem Design schwanken auch seine drei friedlich stehenden Schafe von 1977 (Taxe 200.000 bis 300.000 EUR).

Die Bewegung führte Alexander Calder in die sonst recht statische Skulptur ein und erfand seine berühmten Mobiles. Zwei Variationen dieser kinetischen Gattung stehen bei Sotheby’s zur Auswahl: Ein kleines rot-schwarzes Standmobile um 1955 für 100.000 bis 150.000 Euro und das größere Exemplar zum Hängen von der Decke um 1947, ebenfalls in Rot-Schwarz mit Akzenten in Weiß und Gelb (Taxe 800.000 bis 1.200.000 EUR). Bewegung ist ebenfalls das Thema bei Barry Flanagans „Leaping Hare“ von 1979; doch ist der Sprung seines Bronzehasen eingefroren und muss daher auf einem Holzgerüst aufgebockt werden (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). Der menschlichen Gestalt widmet sich der Spanier Manolo Valdés und hat 1997 in einer kompakten Bronze die „Reina Mariana“ nach Vorbildern Diego Velázquez’ gegossen (Taxe 270.000 bis 350.000 EUR).

Bei den Gemälden, die sich zumeist aus der gestischen Malerei der Ecole de Paris nach dem Zweiten Weltkrieg speisen, werden dann auch Millionenpreise erreicht. An erster Position steht hier Simon Hantaïs monochrom hellgrüne, gefaltete, bemalte und wieder auf den Keilrahmen aufgespannte, durch Knickfalten kleinteilig strukturierte Leinwand „m.b.2 (Mariale)“ von 1960/61 für 1,8 bis 2,2 Millionen Euro. Weitaus kraftvoller agiert Kazuo Shiraga 1961 in seinem rot glühenden, von Schwarz durchfurchten Gemälde „Chishusei Kanchikotsuritsu“ (Taxe 1 bis 1,5 Millionen EUR). Jean-Paul Riopelle spachtelt dagegen in „Après la Nuit“ um 1957 die Farbe wie bei einem Mosaikfußboden dick auf die großformatige Leinwand. Pierre Soulages staffelt seine schwarzen Balken in dem Querformat „Peinture 85 x 222 cm, 17 mars 1990“ auf weiß-blauem Hintergrund vertikal oder lässt sie in der „Peinture 73 x 54 cm, 20 avril 1951“ auf ockergelbem Grund sich kreuzen (Taxen je zwischen 400.000 bis 700.000 EUR).

Verzahnte Farbflächen in Puzzleform sind das Markenzeichen von Serge Poliakoff, so auch in der „Composition abstraite“ aus seinem Todesjahr 1969, in der Rot und Blau ineinandergreifen und von Schwarz und Braun gerahmt werden (Taxe 300.000 bis 400.000 EUR). Aus sich heraus dunkel leuchtende Farbklänge erzeugte der im März verstorbene Chu Teh-Chun 1988 in seiner Abstraktion „Quand vient le Soir“ (Taxe 250.000 bis 350.000 EUR). In den gesteinsartigen blau-rot-weißen Formationen, die Jean Dubuffet 1965 in seinem Gemälde „Le Train des Vacants“ niedergelegt hat, meint man so etwas wie menschliche Gestalten zu entdecken (Taxe 700.000 bis 1 Million EUR).

Im Bereich des Figürlichen ist zumindest zu einem Teil Christos „The Mastaba of Abu Dhabi (Project for United Arab Emirates)“ von 1981 anzusiedeln. Der Künstler malt die pyramidenstrumpfförmigen Grabbauten in geometrischer Form, darüber platziert er eine Karte, welche die Verortung des Bauwerks ermöglicht (Taxe 120.000 bis 180.000 EUR). Zwischen Figuration und Abstraktion pendelt zudem ein titelloses Diptychon Hervé Télémaques, auf dem der Franzose haitianischer Abstammung Comicgestalten und Sprachfetzen auf nebulöse freie Formen treffen lässt (Taxe 180.000 bis 250.000 EUR). Auch sein amerikanischer Kollege Andy Warhol, der King of Pop Art, ist mit Wilhelmina Ross aus der Serie „Ladies and Gentlemen“ von 1975 präsent und spielt hierbei auf doppeldeutige Geschlechterrollen, so Ross’ Verwandlung zur Drag Queen, an (Taxe 1 bis 1,5 Millionen EUR).

Für den 4. Dezember hat Sotheby’s weitere zeitgenössische Kunstwerke im unter Preissegment zusammengetragen. Auch hier spielt sich viel in der Ungegenständlichkeit ab. Schwarze und rote Farbschlieren, ähnlich der Verletzungen einer Haut, malt Zao Wou-Ki auf grauen Grund. „Albatros“ von 1952 soll bei der Auktion 120.000 bis 180.000 Euro einbringen. Ein buntes luftschlangenartiges Durcheinander evoziert André Lanskoy 1963 mit seiner Leinwand „Le Mage ensorcelé“ (Taxe 60.000 bis 80.000 EUR), während Antoni Tàpies sich in seinem Materialbild „Matèria amb quatre tensors“ auf eine monochrom graue Mondlandschaft konzentriert (Taxe 100.000 bis 150.000 EUR). Farbenfroh ist dann wieder Raymond Hains’ Plakatabriss „Coucou Bazar“ von 1973 (Taxe 25.000 bis 25.000 EUR).

Schwebende Kreise und Ovale täuscht Victor Vasarely in seinem blaugrünen Streifenbild „Kacay“ von 1964/87 vor (Taxe 45.000 bis 65.000 EUR). Wie ein grünes Wellblech erscheint Carlos Cruz-Diez’ „Physichromie 1043“ von 1975. Auf einer Aluminiumplatte hat er dazu Plastikelemente angebracht und ergründet damit die Bedingungen der Farbe, indem sie sich je nach Betrachterstandpunkt und Lichteinfall verändern kann (Taxe 90.000 bis 120.000 EUR). Dies sind ebenfalls die Grundlagen für Yaacov Agams vielfarbige Schlangenlinien auf seinem Quadrat „Galim“ von 1972 (Taxe 40.000 bis 60.000 EUR). Gegenständlich wird es dann wieder in der jüngeren Kunst, etwa bei Peter Doigs Gemälde „Figure in landscape“ von 1996 mit einem Langläufer an einem rot-weißen Wintertag (Taxe 70.000 bis 100.000 EUR). Zehn Arbeiten werden zugunsten des „Magasin – Centre National d’Art Contemporain“ in Grenoble versteigert, darunter Sylvie Fleurys überdimensionaler, tiefrot glänzender „Mushroom“ von 2006/11 (Taxe 20.000 bis 30.000 EUR) und David Altmejds Keramikbüste „Le Bec“, die einer Fratze mit tiefen Verwundungen gleicht (Taxe 12.000 bis 18.000 EUR).

Kontakt:

Sotheby’s Paris

76, rue du Faubourg Saint-Honoré

FR-75008 Paris

Telefon:+33 (01) 53 05 53 05

Telefax:+33 (01) 47 42 22 32



02.12.2014

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Mona Zimmer/Ulrich Raphael Firsching

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Robert Delaunay, Rythme. Joie de Vivre, 1931
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Robert Delaunay, Rythme. Joie de Vivre, 1931

Robert Delaunay, Rythme. Joie de Vivre, 1931

Taxe: 1.200.000 - 1.800.000 EURO

Zuschlag: 2.000.000,- EURO

Losnummer: 12




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