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Aktuellzum Archiv:Auktions-Nachbericht

Resultate: Alte Kunst und Antiquitäten bei Neumeister in München

Fesche Damen und erschöpfte Herren



Gerrit Jansz van Bronchorst, Susanna und die beiden Alten, 1662

Gerrit Jansz van Bronchorst, Susanna und die beiden Alten, 1662

Nicht umfangreich, aber qualitätvoll war das Angebot an Gemälden Alter Meister, das am 25. März eine Schar von Händlern und Sammlern in die Räume des Münchner Auktionshauses Neumeister zog. Zwei bekannte Niederländer hatten es den Kunden dabei besonders angetan, und beide wurden weit über die Erwartungen auf jeweils 40.000 Euro gehoben: Gerrit Jansz van Bronchorsts 1662 datierte Leinwand „Susanna und die beiden Alten“ nach einer alttestamentlichen Geschichte startete von 18.000 bis 22.000 Euro aus, und Abraham Bloemaerts 1619 entstandene Verbildlichung des jugendlichen Johannes des Täufers mit dem Lamm, die bislang nur aus einem seitenverkehrten Kupferstich des Meisters bekannt war, konnte ihren Wert sogar annähernd vervierfachen.


Gemälde Alter Meister

Solide Qualität wog gelegentlich auch die Tatsache auf, dass man die Schöpfer der jeweiligen Werke nicht sicher benennen kann. So kam ein dem Umkreis Cornelis Biltius zugewiesenes Trompe-l’œil-Stillleben, das den Vogel als Gespielen wie als Opfer des Menschen zum Thema hat, auf 11.000 Euro (Taxe 6.000 bis 8.000 EUR), und eine büßende Maria Magdalena vielleicht von Johann Thomas Christian Winck kletterte leicht von 4.000 bis 5.000 Euro auf 6.500 Euro. Der Antwerpener Maler Frans Floris I. reüssierte bei 6.000 Euro mit einem jungen Paar, wenn er denn wirklich der Schöpfer der wohl stark fragmentierten Holztafel ist (Taxe 1.400 bis 1.600 EUR). Taxkonforme 9.000 Euro gab es für die Allegorie der Vergänglichkeit in Gestalt eines alten Mannes beim Seifen Blasen aus niederländischer Hand des 17. Jahrhunderts. Teuerste Arbeit bei den Miniaturen wurde mit 5.000 Euro Richard Cosways klassizistisches Bildnis des schottischen Juristen und Politikers Andrew Stuart of Craigthorn von 1790 (Taxe 3.000 bis 4.000 EUR).

Gemälde Neuerer Meister

Eine hübsche junge Frau vom Schliersee aus dem Jahr 1831, mit hohem Hut von Eduard von Heuß’ in Szene gesetzt, eröffnete bei überraschenden 18.000 Euro die Gemälde des 19. Jahrhunderts (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR). Später gesellte sich zu ihr Georg Wilhelm Wanderers fesche „Alt-Münchner Kellnerin“ von 1841 mit Blick auf den barocken Kirchturm von St. Georg in München-Bogenhausen im Hintergrund, auch sie mit 16.000 Euro deutlich kostspieliger, als die angegebenen 2.000 bis 3.000 Euro vermuten ließen. Schlechter geht es den beiden Soldaten auf einem 1848 geschaffenen Gemälde Albrecht Adams: Der eine liegt erschöpft oder tot über seinem Geschütz, der andere schaut nachdenklich zu, denn es ist „Nach der Schlacht“, und die Sonne sinkt über ein Feld des Todes. Wenigstens wurden die beiden Männer mit 26.000 Euro ebenfalls weitaus besser besoldet, als mit 10.000 bis 12.000 Euro anvisiert war.

Behaupten konnten sich – abgesehen von Georg Bergmanns großem Historienbild „Kaiser Karl V. im Kloster Yuste“ von 1854 (Taxe 45.000 bis 50.000 EUR) – auch diejenigen Werke, die schon im Vorfeld als Favoriten gehandelt waren: so Ferdinand Konrad Bellermanns Ansicht des riesigen Eingangs der Guácharo-Höhle im südamerikanischen Venezuela von 1873 für 30.000 Euro (Taxe 30.000 bis 40.000 EUR), Alexander Koesters „Acht Enten im Schilfteich“ für 31.000 Euro (Taxe 30.000 bis 35.000 EUR) und Carl Spitzwegs hochformatiges, summarisch angelegtes Holztäfelchen „Faust und Gretchen“ vor mittelalterlicher Kleinstadtkulisse für 26.000 Euro (Taxe 22.000 bis 25.000 EUR). Auch Gotthardt Kuehls neobarock überschwängliche „Trauung in der Münchner Asamkirche“ von 1881 bestätigte mit 17.000 Euro ihre Schätzung.

Hermann David Salomon Corrodis nicht ganz ernst gemeinte Fantasie „Fischer und Meerjungfrauen in der Blauen Grotte auf Capri“ für 18.500 Euro (Taxe 18.000 bis 20.000 EUR) wurde überholt von der Abendstimmung eines kleinen Fischerhafens in der Bucht von Neapel aus der Hand desselben Meisters für 23.000 Euro (Taxe 13.000 bis 15.000 EUR). Rechnen konnte man mit einer Wertsteigerung für Edward Theodore Comptons Gletscherlandschaft „Ochsentalferner (Silvretta)“ aus den Ostalpen: 15.000 Euro beschreiben die Marktsituation für den aus England nach Bayern eingewanderten Meister besser als die angesetzten 5.000 bis 6.000 Euro. Auch das Genre profitierte von dem bemerkenswert großen Interesse an den Arbeiten aus dem 19. Jahrhundert, etwa Fritz von Uhdes „Schwerer Gang“ eines armen Paares durch ein winterliches Dorf für 19.000 Euro (Taxe 7.000 bis 9.000 EUR), Rudolf Jordans figurenreiches „Heiratsversprechen auf Helgoland“ für die erwarteten 7.500 Euro und Hubertus van Hoves zwei junge Frauen bei der Toilette von 1853 für 6.000 Euro (Taxe 2.000 bis 3.000 EUR).

Kunsthandwerk

Gute Ergebnisse konnte Neumeister auch beim Kunsthandwerk verzeichnen, etwa beim teils sehr günstig angesetzten Porzellan. So gab es bei den Meißner Waren zu Beginn der Auktion fast keine Aussetzer, und der Auftakt mit einem kleinen Tabakstopf um 1735, auf dem ein fliegendes Eichhörnchen, ein Traubennascher und eine Reisstrohhecke nach asiatischen Vorlagen gemalt waren, gestaltete sich mit 2.600 Euro schon vielversprechend. Ihm folgten etwa ein Koppchen samt Unterschale mit Kakiemondekor und Purpurfond bei 3.200 Euro (Taxe 1.200 bis 1.500 EUR), eine ähnlich dekorierte Tasse mit Untertasse für 2.800 Euro (Taxe 800 bis 1.000 EUR) oder eine Bechertasse samt Untertasse mit Landschaften, umgeben von türkisfarbenem Fond, für 2.600 Euro (Taxe 1.200 bis 1.400 EUR). Einträglich waren auch die 2.400 Euro für einen Meißner Teller um 1740 mit „Drei Freunde-Dekor“ aus Pinus, Bambus und Prunus. Angesetzt waren dafür nur 300 bis 400 Euro.

Aber auch beim Silber ließen sich die Kunden oftmals nicht lange bitten, wie bei einer barocken Schraubflasche des Augsburgers Philipp Jakob Drentwett IV. aus den späten 1690er Jahren mit Imperatorenköpfen für 13.000 Euro (Taxe 8.000 bis 10.000 EUR). Für bis zu 11.000 Euro gingen mehrere Murano-Glasvasen aus den 1930er Jahren weg, überwiegend nach Entwürfen Napoleone Martinuzzis und Carlo Scarpas. Überraschungssieger bei den alten Möbeln war ein klassizistischer Spiegel wohl norddeutscher Herkunft mit antikisierendem Portraitmedaillon. Auf 4.500 Euro konnte sich der Preis hier ungefähr verzehnfachen. Teuerste Skulptur wurde bei 6.500 Euro eine kleine Anna Selbdritt wohl niederbayerischer Herkunft aus dem frühen 16. Jahrhundert (Taxe 4.000 bis 5.000 EUR).

Alle Preise verstehen sich als Zuschläge ohne das Aufgeld.

Kontakt:

Neumeister Münchener Kunstauktionshaus

Barer Straße 37

DE-80799 München

Telefax:+49 (089) 23 17 10 55

Telefon:+49 (089) 231 71 00

E-Mail: auctions@neumeister.com



06.04.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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25.03.2015, Alte Kunst

Bei:


Neumeister Münchener Kunstauktionshaus GmbH & Co. KG

Bericht:


Tod im Teppich

Kunstwerk:

Tabaktopf,
 Meißen, um 1735
Tabaktopf, Meißen, um 1735

Kunstwerk:

Carlo
 Scarpa, Amphore, um 1930
Carlo Scarpa, Amphore, um 1930

Kunstwerk:

Tasse mit Untertasse, Meißen, um 1735/40
Tasse mit Untertasse, Meißen, um 1735/40

Kunstwerk:

Bechertasse mit Untertasse, Meißen, um 1740
Bechertasse mit Untertasse, Meißen, um 1740

Kunstwerk:

Anna Selbdritt, Niederbayern, um 1520
Anna Selbdritt, Niederbayern, um 1520

Kunstwerk:

Koppchen mit Unterschale, Meißen, um 1730
Koppchen mit Unterschale, Meißen, um 1730







Allegorie der Vergänglichkeit, wohl Niederlande, 1. Hälfte 17. Jahrhundert

Allegorie der Vergänglichkeit, wohl Niederlande, 1. Hälfte 17. Jahrhundert

Taxe: 8.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 9.000,- EURO

Losnummer: 288

Hermann David Salomon Corrodi, Ein Fischer und Meerjungfrauen in der Blauen Grotte auf Capri

Hermann David Salomon Corrodi, Ein Fischer und Meerjungfrauen in der Blauen Grotte auf Capri

Taxe: 18.000 - 20.000 EURO

Zuschlag: 18.500,- EURO

Losnummer: 338

Alexander Koester, Acht Enten im Schilfteich

Alexander Koester, Acht Enten im Schilfteich

Taxe: 30.000 - 35.000 EURO

Zuschlag: 31.000,- EURO

Losnummer: 431

Spiegel, wohl Norddeutschland, um 1800

Spiegel, wohl Norddeutschland, um 1800

Taxe: 400 - 600 EURO

Zuschlag: 4.500,- EURO

Losnummer: 186

Anna Selbdritt, Niederbayern, um 1520

Anna Selbdritt, Niederbayern, um 1520

Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 6.500,- EURO

Losnummer: 158

Carlo Scarpa, Vase „pulegoso“, 1932/36

Carlo Scarpa, Vase „pulegoso“, 1932/36

Taxe: 10.000 - 12.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 114

Cornelis Biltius Umkreis, Trompe-l’œil mit einem Gimpel im Käfig, einem erlegten Vogel, einer Vogelfalle und einer geflochtenen Tasche mit Vogelbeeren

Cornelis Biltius Umkreis, Trompe-l’œil mit einem Gimpel im Käfig, einem erlegten Vogel, einer Vogelfalle und einer geflochtenen Tasche mit Vogelbeeren

Taxe: 6.000 - 8.000 EURO

Zuschlag: 11.000,- EURO

Losnummer: 303

 Porzellanmanufaktur Meißen, Koppchen mit Unterschale, Meißen, um 1730

Porzellanmanufaktur Meißen, Koppchen mit Unterschale, Meißen, um 1730

Taxe: 1.200 - 1.500 EURO

Zuschlag: 3.200,- EURO

Losnummer: 7

Fritz von Uhde, Schwerer Gang

Fritz von Uhde, Schwerer Gang

Taxe: 7.000 - 9.000 EURO

Zuschlag: 19.000,- EURO

Losnummer: 398

Richard Cosway, Andrew Stuart of Craigthorn, 1790

Richard Cosway, Andrew Stuart of Craigthorn, 1790

Taxe: 3.000 - 4.000 EURO

Zuschlag: 5.000,- EURO

Losnummer: 245

Eduard von Heuß, Mädchen von Schliersee, 1831

Eduard von Heuß, Mädchen von Schliersee, 1831

Taxe: 4.000 - 5.000 EURO

Zuschlag: 18.000,- EURO

Losnummer: 310

 Porzellanmanufaktur Meißen, Tasse mit Untertasse, Meißen, um 1735/40

Porzellanmanufaktur Meißen, Tasse mit Untertasse, Meißen, um 1735/40

Taxe: 800 - 1.000 EURO

Zuschlag: 2.800,- EURO

Losnummer: 12




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