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Die Frankfurter Schirn erzählt eine „geheime Geschichte der Moderne“ –nicht immer überzeugend, aber jedenfalls spannend und bedenkenswert

Künstler und andere Merkwürdigkeiten



in der Ausstellung „Künstler und Propheten. Eine geheime Geschichte der Moderne 1872-1972“

in der Ausstellung „Künstler und Propheten. Eine geheime Geschichte der Moderne 1872-1972“

Ob es Egon Schiele wohl gefallen hätte, erführe er, mit einem Künstler wie Friedrich Schröder-Sonnenstern auf eine Stufe gestellt zu werden? Schiele, geboren 1890 und bereits 1918 an der spanischen Grippe in Wien gestorben, ist heute ein Weltstar, dessen zahlreichen Werke in den besten Sammlungen vertreten sind, überall ausgestellt und auf dem Kunstmarkt millionenschwer bezahlt werden. Der zwei Jahre jüngere und 1982 hochbetagt gestorbene Schröder-Sonnenstern dagegen ist heute allenfalls ein paar Spezialisten und Eingeweihten ein Begriff; von der Kunstgeschichte ignoriert, auf dem Markt nur eine Randnotiz. In der Frankfurter Kunsthalle Schirn aber stehen die beiden nun gleichberechtigt nebeneinander: in der ebenso ambitionierten wie bisweilen buchstäblich geistreichen Ausstellung „Künstler und Propheten. Eine geheime Geschichte der Moderne 1872–1972“.


Mit den traditionellen Begriffen von Entstehung und Entfaltung der Moderne in allen Bereichen der bildenden Kunst bricht dieses Unterfangen radikal. Wer hier die Klassiker wie Pablo Picasso, Henri Matisse oder Wassily Kandinsky erwartet hat, wird bitter enttäuscht. Ausgangspunkt der Ausstellung ist vielmehr ein Künstler, der wohl den meisten Besuchern zunächst einmal wenig bis nichts sagen wird. Der 1851 in Hadamar bei Frankfurt als Sohn eines Gymnasiallehrers geborene Karl Wilhelm Diefenbach, der sich erst seit wenigen Jahren – nicht zuletzt durch eine Einzelausstellung 2009/10 in der Münchner Villa Stuck – erhöhter Aufmerksamkeit erfreut und, nebenbei bemerkt, zunehmend auch auf dem Kunstmarkt reüssiert, ließ sich früh von reform- und naturreligiösen Strömungen beeinflussen und hatte 1882 auf dem Hohen Peißenberg sein Offenbarungserlebnis. Fortan lebte und inszenierte sich Diefenbach als Prophet in Mönchskutte, gründete Vereine und Kommunen, hielt Vorträge und zog eine wachsende Schar von Anhängern hinter sich her.

Dabei war Karl Wilhelm Diefenbach ein sehr begabter und durchaus erfolgreicher Künstler. Spätestens mit einer großen Ausstellung 1892 im Österreichischen Kunstverein zu Wien gelang ihm der internationale Durchbruch. Zur selben Zeit entstand der 68 Meter lange Fries „Per aspera ad astra“, von dem ein Großteil den mäandernden Eingangsbereich der Frankfurter Ausstellung ziert. Dieser Fries und die weiteren in der Schirn präsentierten Exponate zeigen, dass Diefenbach zwar zweifellos eine in seiner Erscheinung ungewöhnliche Persönlichkeit gewesen sein mag, in künstlerischer Hinsicht aber nicht unbedingt eine Ausnahmeerscheinung war. Irgendwo zwischen Jugendstil und Symbolismus lässt sich sein Werk einordnen, und jenseits aller ideologischen Verbrämungen war es nicht zuletzt sein Talent zur Selbstvermarktung, das Diefenbach Erfolg und Auskommen sicherte – auch wenn er sich 1900 unter Zurücklassung eines nicht unbeträchtlichen Schuldenberges nach Capri zurückzog, wo er dreizehn Jahre später starb.

Hugo Höppener, der von Diefenbach „Fidus“ genannt wurde und diesen Namen als Künstler seither beibehielt, oder der als früher Vertreter abstrakter Malerei auch in die breitere Kunstgeschichte eingegangene František Kupka lassen sich als zeitweilige Jünger des „Meisters“ der von den Ausstellungsmachern gezogenen Linie problemlos zuordnen. Mit Gustav Nagel aber und dem als Maler allenfalls dilettierenden Gusto Gräser unternimmt die Ausstellung allerdings weitgehend kulturgeschichtlich zu begründende Ausflüge in das historisch bemerkenswerte wie für die krisenhafte Zeit im ersten Viertel des 20. Jahrhunderts bezeichnende Phänomen der diversen Natur-, Wander-, Jesus- und später auch Inflationsapostel, die allüberall ihre Botschaften verkündeten und mittels geschickter Selbststilisierung und -vermarktung für Furore sorgten. Mit der kunstgeschichtlichen Entwicklung, gar mit einer geheimen Moderne, hat das nur am Rande zu tun.

Dies gilt auch für eine Sektion, in der die Kuratorin Pamela Kort den Dadaisten Johannes Baader und den landläufig als Angehöriger der Worpsweder Künstlerkolonie bekannten Heinrich Vogeler näher beleuchtet. Die vorrangig politisch motivierten Anliegen dieser Künstler lassen sich nur schwer mit dem Begriff des künstlerischen Prophetentums in Einklang bringen, wobei damit zugleich das Problem umrissen wird, dass der Begriff „Prophet“ in seiner Bedeutung überhaupt etwas schwammig bleibt. Und manchmal stellt sich sogar der Verdacht ein, dass Kort selbst den Menschenfängern des frühen 20. Jahrhunderts ein wenig auf den Leim gegangen ist. Dass jedenfalls reiner Idealismus hinter den Bestrebungen von Diefenbach, Gräser, Baader & Co. gestanden habe, möchte bezweifelt werden, und die gelegentlich getätigte Behauptung, „dass seit der Aufklärung im deutschsprachigen Europa nur noch wenig Platz für das Irrationale war“, kann man mit Blick auf die so häufig ideologisch und rassistisch motivierten Katastrophen und Absonderlichkeiten der letzten dreihundert Jahre bis in die Gegenwart hinein nur als Ausdruck eines etwas verzerrten Geschichtsbildes bezeichnen.

Mit solchen Widerständen dürfte die Ausstellung in der Schirn freilich gerechnet haben, und es ist nicht ihr geringstes Verdienst, mit einer so selbstbewussten, wenngleich eben nicht immer nachvollziehbaren Infragestellung des gängigen Bildes von der Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst solche Widerstände überhaupt zu wecken und zum Staunen, Zweifeln und jedenfalls Nachdenken anzuregen. Auch die Künstlerpersönlichkeit Egon Schieles gewinnt neue Facetten, wenn man von der engen Berührung erfährt, in die er über seinen Freund und Händler Arthur Roessler mit Gedankenschulen von Theosophie, Buddhismus und Parapsychologie geriet. Dass Joseph Beuys ein Meister der Selbstinszenierung und -verklärung war, dürfte allgemein bekannt sein, weniger wohl aber, in wie enger Parallele dies zu eben jenem Karl Wilhelm Diefenbach stand. Bei seinem Schüler Jörg Immendorff dagegen funktionierte die Prophetie wieder weniger gut: Zu spießig wirkt der junge Mann im dunklen Anzug, wenn er mit Hirtenstab als „Beuysritter“ durch die Lande zieht. Immendorff war eben doch mehr Künstler-Politiker als Künstler-Prophet – und wäre damit Protagonist in einer wiederum anderen Geschichte der modernen Kunst.

Die Ausstellung „Künstler und Propheten. Eine geheime Geschichte der Moderne 1872-1972“ läuft noch bis zum 14. Juni. Die Schirn Kunsthalle hat täglich außer montags von 10 bis 19 Uhr, mittwochs und donnerstags bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt beträgt 9 Euro, ermäßigt 7 Euro. Das Begleitbuch zur Ausstellung kostet im Museum 38 Euro.

Kontakt:

Schirn Kunsthalle Frankfurt

Am Römerberg

DE-60311 Frankfurt am Main

Telefon:+49 (069) 2998820

Telefax:+49 (069) 29988240

E-Mail: schirn@schirn.de



28.05.2015

Quelle/Autor:Kunstmarkt.com/Johannes Sander

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06.03.2015, Künstler und Propheten – Eine geheime Geschichte der Moderne 1872-1972

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Schirn Kunsthalle Frankfurt

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in der Ausstellung „Künstler und Propheten. Eine
 geheime Geschichte der Moderne 1872-1972“
in der Ausstellung „Künstler und Propheten. Eine geheime Geschichte der Moderne 1872-1972“

Variabilder:

Heinrich Vogeler, Die Geburt des neuen Menschen,
 1923
Heinrich Vogeler, Die Geburt des neuen Menschen, 1923

Variabilder:

Karl Wilhelm Diefenbach, Per aspera ad astra, 1892
Karl Wilhelm Diefenbach, Per aspera ad astra, 1892

Variabilder:

Karl Wilhelm Diefenbach, 1882
Karl Wilhelm Diefenbach, 1882

Variabilder:

Karl Wilhelm Diefenbach, Der Prophet, um 1892
Karl Wilhelm Diefenbach, Der Prophet, um 1892

Variabilder:

Louis Held, Gustav Nagel in Weimar, 1901
Louis Held, Gustav Nagel in Weimar, 1901

Variabilder:

Egon Schiele, Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912
Egon Schiele, Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912







Heinrich Vogeler, Die Geburt des neuen Menschen, 1923

Heinrich Vogeler, Die Geburt des neuen Menschen, 1923

Karl Wilhelm Diefenbach, Per aspera ad astra, 1892

Karl Wilhelm Diefenbach, Per aspera ad astra, 1892

Karl Wilhelm Diefenbach, 1882

Karl Wilhelm Diefenbach, 1882

Karl Wilhelm Diefenbach, Der Prophet, um 1892

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Louis Held, Gustav Nagel in Weimar, 1901

Louis Held, Gustav Nagel in Weimar, 1901

Egon Schiele, Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912

Egon Schiele, Selbstbildnis mit gesenktem Kopf, 1912

Egon Schiele, Jüngling in violetter Kutte mit verschränkten Händen, 1914

Egon Schiele, Jüngling in violetter Kutte mit verschränkten Händen, 1914

Die Kommune Himmelhof von Karl Wilhelm Diefenbach, 1898

Die Kommune Himmelhof von Karl Wilhelm Diefenbach, 1898

in der Ausstellung „Künstler und Propheten. Eine geheime Geschichte der Moderne 1872-1972“

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